Vorm Auftritt

Egal ob mit Warm-Up oder ohne – die Atmospäre vor der Show sollte dazu betragen, eine Stimmung freudiger Zusammenarbeit und Spontaneität zu erzeugen.
Die Zeit vor der Show ist in der Regel nicht geeignet, um privaten Stress oder Sorgen abzuladen, zumindest nicht, wenn man nicht absolut sicher ist, dass man es selbst auch in Freude ummünzen kann.

Wille zur Magie

In direkt weiß ausgeleuchteten Räumen spielt es sich oft etwas schwerer. Die Magie des Raums fehlt, wenn man statt Theater wirklich nur jemanden rumspringen sieht, der so tut als ob. Gute Licht-Techniker sind hier ein Segen, d.h. Techniker, die bereit sind, selbst Verantwortung zu übernehmen und Akzente zu setzen.

Gegenrede zum Vorherigen

Baltasar Gracián:
„Sicherer sind die Überlegten. Schnell genug geschieht, was gut geschieht. Was sich auf der Stelle macht, kann auch auf der Stelle wieder zunichte werden; aber was eine Ewigkeit dauern soll, braucht auch eine, um zustande zu kommen. Nur die Vollkommenheit gilt, und nur das Gelungene hat Dauer. Verstand und Gründlichkeit schaffen unsterbliche Werke. Was viel wert ist, kostet viel. Ist doch das edelste Metall das schwerste.“

Beides kann man auch als Gegenpole zwischen Improvisation und Komposition sehen

Graciân und Geistesgegenwart

Baltasar Gracián:
Geistesgegenwart haben. Sie entspringt aus einer glücklichen Schnelligkeit des Geistes. Für sie gibt es keine Gefahren noch Unfälle, kraft ihrer Lebendigkeit und Aufgewecktheit. Manche denken viel nach, um nachher alles zu verfehlen: andere treffen alles, ohne es vorher überlegt zu haben. Es gibt antiparastatische Genies, die erst in der Klemme am besten wirken: sie sind eine Art Ungeheuer, denen aus dem Stegreif alles, mit Überlegung nichts gelingt: was ihnen nicht gleich einfällt, finden sie nie: in ihrem Kopfe ist kein Appellationshof. Die Raschen also erlangen Beifall, weil sie den Beweis einer gewaltigen Fähigkeit, Feinheit im Denken und Klugheit im Tun, ablegen.
In Hand-Orakel und Kunst der Weltklugheit

140. Nacht

Der Oberkammerherr, der inzwischen König Sasân genannt wird, lässt einen der Emire, die ihm die Nachricht übermitteln, Kân-mâ-kân sei verschwunden, am Galgen hinrichten.

Eine Reaktion, die ich nie verstanden habe, die aber anscheinend allzu menschlich ist: Wir tendieren zu Personalisierung. Und dies sollte man wohl auch bei bedenken, wenn man Hiobsbotschaften zu überbringen hat: Entweder positiv formulieren oder eine Lösung in petto haben.

Sasân lässt erfolglos nach ihm fahnden. Kân-mâ-kân indessen irrt durch die Wüste, bis er auf eine Oase stößt, wo er sich erfrischt, betet und des nachts jemanden in Versen wehklagen hört. Am nächsten Morgen sieht er, dass es sich um einen Beduinen handelt,

und die Spuren der Liebesqual waren an ihm zu erkennen.

Doch lässt er es an Respekt vermissen, weil Kân-mâ-kâns Kleider etwas heruntergekommen sind. Er heißt Sabbâh, und auch sein Onkel verweigerte ihm die Cousine, indem er eine horrende Brautgabe forderte:

fünfzig Rosse, fünfzig starke Reitkamelinnen, fünfzig Lastkamele mit Weizen beladen und ebenso viele mit Gerste beladen, zehn Sklaven und zehn Sklavinnen.

Unklar, warum das Reitkamel weiblich sein muss.

Um an diese Waren zu gelangen, will er vor den Toren Bagdads einem reichen Kaufmann auflauern und ihn berauben.
Als sich Kân-mâ-kân vorstellt, will der Beduine ihn als Geisel nehmen, um so auf einfacherer Weise an Geld zu gelangen. Ähnlich wie Karl May packt er ihn bei der Ehre:

"Wenn du mich als Gefangenen und als deinen Diener mit dir schleppen willst, so wirf deine Waffen hin, lege deine Oberkleider ab, tritt zu mir heran und ringe mit mir!"

Kân-mâ-kân ringt ihn nieder und will ihn in den Fluss werfen, lässt sich aber von des Beduinen Beteuern einlullen und lässt ihn frei, woraufhin dieser, ebenfalls ganz nach der Art der Schurken, die wir aus Karl Mays Romanen kennen, zu seinen Waffen springt. Kân-mâ-kân erbittet den Schild, während der Beduine mit dem Schwert kämpft und schließlich erwartungsgemäß verliert. Daraufhin schwört er den heiligsten Eid, ihn

immer als Freund zu geleiten und auf allen Wegen zu begleiten.

Die beiden essen und beten zusammen und begeben sich nach Bagdad, Sabbâh voraus. Während Kân-mâ-kân noch wartet, da er sich schämt, als Bettler zurückzukehren. Kurz danach begegnet ihm ein sterbender Reiter auf einem edlen Pferd, der ihm berichtet, dass das Pferd dem König Afridûn gehöre und er es  von ihrer Anführerin Dhât ed-Dawâhi stahl, kurz bevor sie Bagdad erreichten.

Erschaffen von Figuren

Im Gespräch mit Steffi Winny scheint es uns unmöglich den Geisteszustand zu beschreiben, in dem wir gute Figuren erschaffen. Anscheinend entstehen die stärksten Figuren aus der Anlehnung an echte Figuren aus dem realen Leben oder aus einer kleinen physischen oder stimmlich/sprachlichen Regel. Weniger stark hingegen Klischee-Typen. Das Klischee hat zwar den schnellen Wiedererkennungseffekt, ihm fehlt aber das gewisse Etwas, das Rätselhafte, das den Zuschauer fasziniert.
In der kurzen Groteske „Business in Mallorca“, die Steffi Winny und ich an einem Tag in Mallorca zusammengeschustert haben, beachten die Figuren nur wenige Regeln. Steffi Winny legt sich für die „Frau Karla“ eine etwas tiefere Stimme und ruhigere Bewegungen zu. Meine Figur entstand aus der Annahme, dass der Typ wegen seinem zu großen Gebiss Schwierigkeiten hat, seine Lippen über die Zähne zu schieben. Zwischendurch die etwas absurde physische Regel, das Gegenüber mit dem Ellbogen anzupeilen.


(Man verzeihe die fehlende Sound-Bearbeitung.)… Weiterlesen

Monty Python Trash

Carol Hazenfield meint, um schön zu improvisieren, müsse jeder Spieler sein „Glänzendes Ding“ (Shiny Thing) finden. Etwas, das ihn erstrahlen lässt, dass das Improvisieren leicht und beglückend erscheinen lässt.
Oft finden wir das in einem Spiel im Spiel.
Ein beeindruckendes Beispiel, um in diese Stimmung zu kommen, wäre das „Monty-Python-Spiel“. Hier die von mir etwas gekürzten Regeln:

  • Jede Figur hat ein Ziel, das sie kompromisslos verfolgt.
  • Jeder reagiert auf jedes Angebot.
  • Extreme Gefühle sind der Regelfall.
  • Man darf nicht nur unterbrechen, sondern soll es sogar.
  • Ort und Zeit sind relativ, ihre Logik muss nicht beachtet werden.

Vor allem bei Spielern, die zu Vorsicht und Nachdenken neigen, lohnt dieses Spiel.

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Negative Verstärkung als Methode

Die hier schon mehrfach erwähnte negative Verstärkung im Unterricht, die vor allem Johnstone benutzt, arbeitet ja mit der Grundannahme, dass es eigentlich keine Fehler gibt, solange ir sie nicht als Fehler markieren.
Auf diese Weise zu unterrichten, verläuft allerdings auch gegen den Impuls des Lehrers, der am liebsten alles gleich „richtig“ haben möchte. Während ich früher öfter unterbrach, um die Schüler nicht ins offene Messer laufen zu lassen (wie ich damals verdorbene Szenen sah), um die Frustration zu reduzieren, so gebe ich heute häufiger die Anweisungen der Verstärkung von Verhaltensweisen, z.B. physischen Angewohnheiten, andauerndes Fragen, Blockaden, leisem Sprechen usw., damit man sich des jeweiligen Mittels bewusst ist, um mit spielen zu können.

139. Nacht

Der Oberkammerherr begibt sich zu seiner Frau Nuzhat ez-Zamân und befiehlt, seinem Stiefneffen Kân-mâ-kân den Zugang zu Frauen zu verweigern. Als dieser davon erfährt, begibt er sich vor Trauer an den Stadtrand. Erst als seine Mutter wieder zum Sultanspalast kommt, um Nahrung für sich und ihren Sohn zu holen, erfährt sie von Kudijâ Fakân, dass diese ihn eigentlich liebte, ihn aber wegen seiner Feinde abwies.

Denn sieh, meine Sehnsucht nach ihm ist doppelt so groß wie die seine nach mir; ach meine Zunge kann meine Leidenschaft für ihn gar nicht beschreiben.

O meines Oheims Sohn, ich trag in meiner Sehnsucht
Das gleiche, was dein Herz erträgt in bittrer Pein.
Doch ich verbarg den Menschen meine heiße Liebe –
Warum verbargst du nicht auch die Liebe dein?

Er erfährt davon und quält sich nun noch mehr. Und als er siebzehn Jahre alt wird, flieht er in die Wüste. Schon bald erfährt das Volk Bagdads vom Verschwinden Kân-mâ-kâns:

Und klagend über die Härte des Schicksals sprachen sie: „Was widerfuhr wohl dem Kân-mâ-kân, dass er seine Heimat verließ, von hier verbannt, während durch seinen Vater jeder Hungernde Sättigung fand, und jener einst mit Gerechtigkeit und Güte herrschte im Land?“

Erstaunlich, dass sie Dau el-Makân so in Erinnerung behalten haben, wo er sich doch jahrelang in Griechenland getummelt hat.

Interview mit Janis Joplin

Auf die Frage, was sie anders mache als andere Sängerin antwortet Janis Joplin.
„Ich weiß auch nicht, ich habe mich immer gewundert, weil es für mich so natürlich scheint. Ich weiß nicht, vielleicht gilt es nicht als weiblich, aus sich herauszugehen, in die Musik bis zum Grund einzutauchen, anstatt auf der Oberfläche herumzugleiten, was die meisten Mädchen machen. Uhuhuhu – an der Oberfläche er Melodie, anstatt in das Gefühl der Musik zu gehen.“
„Es geht um eine Haltung, mit der man alles angehen kann (nicht nur Gesang). Das bedeutet, unter die Oberfläche zu gehen – den Rhythmus, die Bewegung zu entdecken, anstatt es nur zu zu berühren oder zu beobachten.“

Auf die Frage, ob man als erfolgreiche Sängerin überhaupt den Blues singen könne:
„Playing isn’t necessarily about misery. Playing isn’t necessarily about happiness, but it’s just about letting yourself feel all those things that you have already on the inside of you. But you all the time push them aside, because they don’t make for a polite conversation. That’s the only reason I can sing, because I just close my eyes and let all the things that are inside come out.“

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Positivsein oder Nettsein

Ein Missverständnis des Positivseins liegt darin, dass manche Spieler im Glauben, positiv zu sein, durch schiere Nettigkeit die Szene zerstören.
Beispiel.
A: „Corinna, das Auto ist kaputt.“
B: „Ach egal, es war ja sowieso schon alt.“
Dann lieber den negativen Impuls aufheizen
A: „Corinna, das Auto ist kaputt.“
B: „Um Gottes willen, ich werde Roberto nie wieder sehen.“
Oder positiv wenden und ebenfalls aufheizen.
A: „Corinna, das Auto ist kaputt.“
B: „Gute Arbeit, Mario. Einer muss ja diesem Gangster das Handwerk legen.“

Brecht und Impro

„Brecht had said to Engel: Let’s make a film with Karl Valentin. You’ll direct and I’ll write the script, which he never did. (…) We didn’t rehearse at all. They started shooting right away, whatever came into our heads. (…) Brecht wanted us to improvise the whole thing, because he loved the improvisation of Valentin and Chaplin.“
(Erwin Faber über die Mitarbeit Brechts an dem Film Mysterien eines Frisiersalons)

Relativierung

Ich habe am 25.1. vielleicht etwas dogmatisch die Hierarchie gepostet:
Körper -Atem -Emotion -Narrativ
Eigentlich würde ich nach einigem Überlgen, wenn schon hierarchisch, den Atem noch vor der körperlichen Bewegung ansetzen.
Aber es geht natürlich auch alles umgekehrt. Die Hierarchie aber vereinfacht es, lässt uns am ehesten ins Spielen kommen statt in die vorhersehbare Berechnung.
Wir berühren hier den sensiblen Bereich des Entscheidens. Ich kann natürlich auch Entscheidungen treffen und tue es auch. Aber wen ich mit Partnern improvisiere, kann ich narrativ allenfalls Optionen erkennen oder dynamisch verstärken. Denn der Partner kann mit seinem Angebot wieder alles umwerfen. (Hoffentlich tut er es auch, möchte ich eigentlich hinzufügen.) Wenn ich aber die erzählerischen Optionen wahrnehme und vielleicht auch Timing genügend trainiert habe, dann kann ich physische Entscheidungen treffen oder Atementscheidungen, die wiederum eine gewisse Unsicherheit einführen und gleichzeitig für glaubwürdige Bühnenpräsenz sorgen.… Weiterlesen

138. Nacht

Sowohl Kân-mâ-kân als auch Kudija-Fakân wachsen zu schönen jungen Menschen heran, wie in beispielhaften Versen betont wird.
Kân-mâ-kân erdreistet sich auf einem Fest, ihre Schönheit zu loben und seine Liebe zu gestehen, nicht ohne dieses Bekenntnis in Verse zu kleiden:

Wann wird das Herz des Betrübten geheilt vom Schmerz des Fernseins?
Wann lächelt des Wiedersehen Mund? Wann hat die Trennung ein End?
O wüsste ich doch, ob ich je einmal eine Nacht verbringe
Nahe der Lieben, die selbst einen Teil meiner Qualen kennt!

Kudija-Fakân ist darüber empört und droht Kân-mâ-kân, dies dem Oberkammerherrn zu melden, der ja nun inzwischen Sultan von Bagdad und Chorasân ist.

Völlig unklar: 1. Wie ist denn deren Verhältnis, wenn die beiden doch eigentlich "vermählt" sind? 2. Wieso wird der jetzige Sultan immer noch "Oberkammerherr" genannt, ohne dass wir je seinen Namen erfahren?

Games und Langform

Noch einmal begeistert-positives Feedback auf lustige Games, höfliche Anerkennung zur Langform. Es wäre ja einfach, zu sagen, die Zuschauer würden nur das Kurze, auf den schnellen Gag orientierte sehen wollen.
Ich denke, dass wir oft auch die Games besser spielen als die Langformen: Die Begeisterung, die Freude, den Mut, die Spannung – all das müssen wir in die Langformen mit hinüber nehmen. Die lediglich absolvierte Langform ist eben auch nur eine etwas langweilige Form, wenn uns die Freude des momentanen Schaffens, die Unmittelbarkeit verlorengeht. Und das riechen die Zuschauer 10 Meilen gegen den Wind.

Karl Valentin Ausstellung im Martin-Gropius-Bau

Gestern Vormittag zur Karl-Valentin-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau. Man hätte es wissen können – es waren dann doch hauptsächlich erwartbare Dinge. Unter den Fotos kaum eines, das ich nicht schon kannte. Ein paar wenige beeindruckende Exponate wie eines seiner berühmten Dreiräder mit abgewetztem Sattel.
Ein Brief der Bayrischen Regierung aus dem Jahre 1942, in dem der Stummfilm „Der Sonderling“ von 1929 verboten wird, weil er zu absurd sei. Einiges aus der Ritterspelunke. Vielleicht hat Valentin wirklich seinen Draht zum Publikum verloren, als die grausame Wirklichkeit seine sadistisch-groteske Komik einholte. Er baut einen mittelalterlichen Folterkeller in München, während wenige Kilometer weiter in Dachau tatsächlich systematisch gefoltert wird. Die Menschlichkeit, die sozusagen die Grundlage ist, auf der sich das lustvolle Entsetzen der Groteske entfaltet, geht verloren, die Barbarei hält Einzug, der Krieg, die Bomben auf München macht die Unmenschlichkeit für jeden erfahrbar. Zaghafte Versuche, sich trotzdem zu behaupten, wie in den Feldpostbriefen. Dann der zwangsläufige Rückzug in die Burg und dann nach Planegg.Der Neustart nach dem Krieg geht fast ebenso zwangsläufig in die Hose. Der Humor wirkt schal, die Witze ausgedacht. Es fehlt das Überbordende, die Übertreibung, die Seele. Valentin schwankt zwischen schlecht gemachten moralisierenden Gedichten, anbiedernder Volkstümlichkeit und raren, verzweifelten Versuchen, an die alte Anarchie seiner Komik anzuknüpfen, aber man spürt dass das Herz alt geworden ist.

137. Nacht

Tâdsch el-Mulûk feiert einen Monat lang Hochzeit mit Dunja.

und sie lebten hinfort immerdar herrlich in Freuden, bis der Zerstörer aller Wonnen zu ihnen kam.

***

Fortsetzung der Geschichte des Königs ibn en-Nu’mân und seiner Söhne.

Der Wesir Dandân hat seine Geschichte beendet, und allgemein wird festgestellt, dass man ja nun schon seit vier Jahren vor Konstantinopel lagert, die Truppen murren. Und Dau el-Makân beginnt, sich nach Weib und Kind zu sehnen.

Alles gute Gründe für die Beendigung eines jeden Krieges.

Man zieht also zurück nach Bagdad

Die Daheimgebliebenen scharten sich um die Heimkehrenden, und jeder Emir ging in sein Haus. Der König aber zog zu seinem Schlosse und begab sich zu seinem Sohne Kân-mâ-kân, der nun schon sein siebentes Lebensjahr vollendet hatte und bereits auszureiten pflegte.

Hab ich da etwas in der Zeitrechnung versäumt? Ich denke, es waren nur vier Jahre vor Konstantinopel?

Meinen ersten alleinigen Ausritt habe ich übrigens mit 9 Jahren gewagt. Das Fahrrad hatten mir meine Eltern zum Geburtstag mit der Bedingung geschenkt, ich dürfe mich damit nur durchs Wohngebiet bewegen. Also in den Grenzen Wilhelm-Guddorf-Str./Frankfurter Allee/Harnackstr.


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Sorina Albrecht überredete mich, die Spritztour auszuweiten, und so radelten wir bis zum Tierpark, und da die Straße „Am Tierpark“ damals noch nicht so dicht befahren war wie heute, erlaubten wir uns, singend schöne Schlängellinien mit unseren Fahrrädern auf der Schnellstraße zu fahren. Der Weg nach Hause gestaltete sich ein wenig schwierig, da wir ein wenig die Orientierung verloren hatten. Als ich gegen 20 Uhr zuhause eintraf wurde der Ärger meiner Eltern nur unwesentlich von ihrer Erleichterung mich wohlbehalten wiederzusehen relativiert. Mein Vater hatte bereits die Jacke angezogen, um die Polizei zu verständigen, meine Schwester hatte durch eine Lippenverletzung den Stress in der Familie noch befördert. Seltsamerweise wurde die Beschränkung aufs Wohngebiet nach diesem Vorfall nicht etwa verschärft, sondern aufgehoben. Komisch, diese Erwachsenen.

Der Heizer, der Dau el-Makân damals so viel geholfen hatte, soll nun endlich seinen Lohn erhalten.

Nun war jedoch der Heizer dick und fett geworden, und sein Gesicht wie der Bauch eines Delphinen gar. Auch war er stumpfen Geistes geworden, da er sich nie von der Stätte, an der er sich befand, gerührt hatte.

Nach einigem Hin und Her, Nichtwiedererkennen, zu bescheidene Bitten usw. macht man ihn zum Statthalter von Damaskus.

Max Weber unterscheidet drei Typen legitimer Herrschaft: rationale, traditionale und charismatische Herrschaft. Womit mag man es hier zu tun haben? Das Charisma eines Delphinbauchs.

Er möge, so Dau el-Makân beim Abschied, sich binnen zwei Jahren zum Kampf gegen die Ungläubigen bereitmachen.

Ein fetter Heizer als Heerführer?

Kudija-Fakân, die Tochter Scharkâns, wird von Dandân, der den Heizer zur Amtseinsetzung begleitete nach Bagdad zurückgebracht. Sie und Kân-mâ-kân wachsen gemeinsam auf.

Nur zeigte es sich, dass Kudija-Fakân umsichtig und verständig war und auf den Ausgang einer Sache achtete, während Kân-mâ-kân großherzig und freigebig war.

Nach weiteren vier Jahren setzt Dau el-Makân, der inzwischen Todesahnungen hat, seinen Sohn zum Sultan ein und bestellt den Oberkammerherrn zum Vormund über ihn.
Außerdem werden Kân-mâ-kân und Kudija-Fakân miteinander verheiratet,

was beachtlich ist, da Kudija-Fakân ja schon immerhin die Tochter von Bruder und Schwester war. Aber Vermeidung von Inzucht wird in dieser Geschichte und überhaupt in der damaligen islamischen Aristokratie nicht groß geschrieben.

Dau el-Makân spürt den Tod kommen und beauftragt nun seinen Sohn, die Rache für Scharkân zu übernehmen und Dhât ed-Dawâhi zu bestrafen.
Als Dau el-Makân nach vier Jahren Krankheit stirbt, setzt das Volk von Bagdad Kân-mâ-kân ab.

Historisch ziemlich unwahrscheinlich, dass das „Volk“ daran einen Anteil gehabt haben soll. Eher die Würdenträger und Machthaber, die um ihre beim Oberkammerherrn erworbenen Privilegien fürchten.

Kân-mâ-kâns Mutter, die Witwe von Dau el-Makân, wendet sich nun ihrer Trauer an Nuzhat ez-Zamân, ihre Schwägerin, die ihr Ehrenkleider und eine Wohnung in ihrem Schloss zuweist.… Weiterlesen

Sich berühren lassen

„Teflon-Spieler“ lassen alles an sich abprallen. Emotionale Reaktionen sind ebenso unwahrscheinlich wie inhaltliche Fortführung. Es wird alles kleingeredet und auf Erbsengröße gebracht.
Wir müssen an das emotionale Gedächtnis herankommen. Stell dir vor, du bist es, der gerade verlassen wird.
Ist das nicht Stanislawski? Ja. Gut, dann tragen wir das ein unter „Geklaute Gedanken“.

Kreativ Kreativität lehren

Oftmals mag es genügen, im Unterricht bestimmte Spiele zu spielen, die sozusagen selbst-lehrend sind. Aber die meisten Übungen, Spiele und Szenen bedürfen auch einer hohen kreativen Wachsamkeit des Lehrers. (Das betrifft wahrscheinlich das Lehren überhaupt, nicht nur das Lehren von Impro.) Es wird immer wieder einen Schüler geben, der die Aufgabe nicht umsetzen kann oder der nicht einmal kapiert, worum es geht. Wichtig hier: Immer wieder neue Bilder zu finden, sich in den Schüler hineinzuversetzen und eine Sprache zu finden, mit der er etwas anfangen kann. Aber andererseits sollte man die Schüler auch nicht unterfordern. „Ich kann das nicht“ sollte (abgesehen von echten physischen Beschränkungen abgesehen) nicht als Entschuldigung durchgehen. Natürlich „können sie das nicht“. Aber um es zu lernen, sind sie ja da.
Sicherlich – oft haben die Schüler ein bestimmtes Bild davon, was sie erwartet und was sie selbst erwarten. Sie wollen z.B. Improtheater nutzen, um in der Uni spontaner zu sein und besser rüberzukommen. Sie haben Spontaneität bereits mit einem bestimmten Bild von Spontaneität belegt, z.B. verbal schlagferig zu sein. Sie bewundern spontane Impro-Schauspieler, aber scheuen sich, den Schritt der emotionalen Verkörperung mitzugehen und begründen das damit, dass sie das nicht können, und dass es ihnen um etwas anderes gehe. Ihnen über Umwege zu zeigen, dass auch das, was sie nicht verstehen, hilfreich sein könnte, ihnen Ängste zu nehmen, das ist die schwierige Aufgabe des Lehrers.

Scheinalternative: Impuls oder Ausdenken

Carol Hazenfield rät, den eigenen Impulsen zu vertrauen, anstatt sich Reaktionen auszudenken. Dabei hat sie vor allem unechte Gefühlsreaktionen im Blick. Andererseits ist der Rat „Vertraue deinen Gefühlen“ auch ein wenig zu einfach. Die Wahrhaftigkeit der Reaktion macht ja noch nicht allein den guten Improspieler aus. Wie ich reagiere, kann z.B. auch damit zu tun haben, wie lang die Szene schon dauert, ob ich also vorantreibe oder innehalte und Erzählelemente wiedereinführe, ob ich das Tempo eher anziehe oder drossle, wie ich mich im Raum bewege usw.
Vielleicht ist die Unterscheidung Kopf/Gefühl auch unscharf, vielleicht ist Impuls auch ein unscharfer Begriff. Denn in der Bühnen-Realität gehen viele Dinge gleichzeitig vor sich, die wir wahrnehmen. Die Kunst besteht darin, bestimmte Reaktionen automatisiert zu haben. D.h., ein großer Teil des Anfängertrainings besteht ja darin, Impulse umzulenken. Z.B. den Impuls des Gefahrenausweichens in ein Vorangehen. Je größer unser Spektrum der Möglichkeiten, umso mehr können wir internalisieren. Der Modus des Entscheidens ist vielleicht „halbbewusst“.
Nehmen wir folgende Szene in der Mitte eines längeren improvisierten Stückes: Nach einer lauten, dramatischen Schulhofszene, bittet der intrigante Direktor die Mutter des aufsässigen Schuljungen in sein Zimmer, wo er ihr die Verantwortung für diverse Katastrophen zuschiebt, was in dem Satz kulminiert: „Sie haben versagt.“ Die Schauspielerin hat nun verschiedene Möglichkeiten: Sie kann die Stille verstärken und das Leiden der Mutter in den Vordergrund rücken oder einen Ausbruch bekommen und die Lautstärke der vorangegangenen Schulhofszene überbieten. Sie kann nervös auf und ab gehen oder im Stuhl zusammenfallen. Sie kann inhaltlich widersprechen und sich ergeben. All das und noch mehr ergibt sich in Sekundenbruchteilen, und durchaus nicht völlig unbewusst, sondern im guten Fall in einem wachen Zustand der Kreativität. Ähnlich einem Tennisspieler, der ja nicht nur reagiert, sondern auch „entscheidet“. Aber in welchem Maße das bewusst oder halbbewusst geschieht, lässt sich nur schwer benennen. Vereinfachungen wie „triff eine Entscheidung“ oder „reagiere impulsiv“ helfen vielleicht situativ, aber nicht als allgemeine Regel.
s.a. hier: http://www.danrichter.de/improblog/2008/01/impulskontrolle.html

Open Stage

Interessante Situation wieder mal bei der Foxy Open Stage im RAW: Erste Hälfte Harold mit den Peperonis. Zweite Hälfte Open Stage Games für Zuschauer.
Es mag seltsam wirken, aber tatsächlich kam die zweite Hälfte wesentlich besser an.
Vielleicht lag es am Harold, aber ich vermute viel eher, es lag daran, dass Foxys und Peperonis versucht haben, sehr „höflich“ zu spielen. Alles wird hübsch akzeptiert, aber es gibt keine Hürden, stattdessen Smalltalk. Acht Spieler, davon drei kranke, die nichts falsch machen wollen.
Bei allem Chaos und allerlei Geschmacklosigkeiten muss man doch sagen, dass in der zweiten Hälfte von den Zuschauern wesentlich mehr gewagt wurde. Und das ist es letztlich (habe ich das hier neulich schon gesagt), was man als Zuschauer bewundert.