Es ist erstaunlich, wie oft Schüler schon vor einer Übung sagen: „Das kann ich nicht.“ Es ist, als reduzierten sie damit die Fallhöhe. Wenn die Szene dann nicht gelingt, wie sie es sich erhofften, haben sie die Entschuldigung schon im Ärmel: „Ich hab ja gesagt, ich kann das nicht.“ Das wäre ja halb so schlimm, das Problem ist nur, dass dies eine selbsterfüllende Prophezeiung ist. Eine der größten Überwindungen für viele Schüler ist beispielsweise das Singen, eine Hemmung, die oft von Eltern, Lehrern und Freunden genährt wird. Wenn ich aber an das Singen mit der Ich-kann-das-nicht-Haltung herangehe, ist das die sicherste Garantie dafür, dass es tatsächlich traurig, gequält, schief und unrhythmisch klingt. Singgehemmten Schülern spiele ich oft einen Dreiklang am Klavier vor und bitte sie, dazu einen schiefen, unpassenden Ton zu singen, eine ziemlich schwere Übung, an der sie meistens „scheitern“, denn unser an Dreiklangsharmonien geschultes Ohr sucht sich instinktiv einen passenden Ton. Aber durch dieses „Scheitern“ erfahren sie, dass sie automatisch und instinktiv „richtig“ singen.

„Ich kann das nicht“
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