Am 24. Spetember weilte Keith Johnstone in Berlin und stellte im English Theater sein Buch „Wie meine Frau dem Wahnsinn verfiel“ der Öffentlichkeit vor.
Wer gekommen war, um Gedanken zu Improvisation zu hören, war sicherlich enttäuscht. Aber einem 80 Jahre alten Mann darf man sicherlich nicht böse sein, wenn er immer wieder in Erinnerungen an Begegnungen mit Menschen wie Beckett und Gaskill abdriftet. Auch darf man nicht vergessen, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits sechs Stunden Unterricht in den Knochen hatte.
Als das Publikum schließlich immer wieder nachhakte, ließ er die Katze aus dem Sack: Er schaue sich seit 25 Jahren keine Impro-Shows an. In den USA sei es besonders schlimm – dort nenne man Impro „Improv“ und glaube, mit unstrukturierten Langformen das Publikum zufriedenstellen zu können. Ihm sei es immer um Struktur gegangen, so wie etwa bei der Commedia dell’arte.
In dem Moment dachte ich: „Armer alter Mann!“ Wenn man schon seit 25 Jahren nicht mehr die Kraft hat, sich Impro-Shows anzuschauen (was ich bei der Masse an geschmacklosem Zeug durchaus verstehen kann), dann muss man doch auch die Würde haben, dazu zu schweigen. Wie kann er sich über amerikanisches Improtheater qualifiziert äußern, wenn er dessen Entwicklung überhaupt nicht kennt? Ich vermute, die Spitze gegen „unstrukturierte Impro“ richtet sich gegen die Aufführungspraxis des Harold. Diese Meinung ist ja durchaus legitim, aber er scheint ja nicht mal zu wissen, was sich in den anderen Bereichen der „strukturierten“ Impro tut.
Ach, Keith, du hast der Welt so viel Gutes gegeben. Reiß es nicht auf den letzten Metern ein.

Keith Johnstone in Berlin
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