Fortsetzung der Lektüre „Daily Rituals. How Great Minds Make Time, Find Inspiration, and Get To Work“

Wenn die Idee so stark ist, dass sie sich fast von alleine bewegt, dass es praktisch nur noch ein Niederschreiben ist, dann kann auch ich fast überall schreiben (ggf. mit einem ordentlichen Paar Ohrstöpsel). Aber wenn das Pflänzchen noch zart ist, der Gedanke auf den Weg gebracht werden muss, dann ist fast jeder Ort eine Zumutung. Im Sommer habe ich mich manchmal in den Park oder den Wald zurückgezogen, um zumindest die ersten Abschnitte per Hand zu schreiben. Den Rest vervollständigte ich per Laptop zu Hause.
Interessant, dass bis auf Karl Marx keiner der hier beschrieben Autoren öffentliche Bibliotheken als Schreibort nutzte. Eigentlich seltsam. Stille wird hier noch mehr als Konvention akzeptiert als „Kein Schweiß auf Holz“ in der Sauna. Vielleicht ist ja genau das das Problem: Man kann es sich nicht richtig gemütlich machen in der Bibliothek, das Sich-Ausbreiten kann von anderen eventuell als Zumutung empfunden werden. Man kann den Text nicht mal laut für sich lesen. Kaffee ist nicht überall erlaubt. Und schließlich war das Schreibgerät des 20. Jahrhunderts – die Schreibmaschine – wohl das Letzte, was in einer öffentlichen Bibliothek erwünscht war.

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Mark Twain (1835-1910)
Seine schaffensreichsten Phasen hatte Twain während der Sommer der 70er und 80er Jahre auf der Quarry Farm in Upstate New York, vor allem seit man ihm ein Schreibhäuschen (da ist es wieder) gebaut hatte.

Nach herzhaftem Frühstück sofort ins Arbeitszimmer, wo er bis 17 Uhr ununterbrochen arbeitete. Danach Dinner.
Bei dringenden Fragen blies die Familie in ein Signal-Horn, so dass er entscheiden konnte, ob er seine Arbeit fortsetzte oder sich der Familie widmete.
Sonntags keine Arbeit!
Drogen: Konstantes Zigarre-Rauchen.
Verschiedene Mittel ausprobiert, um seine Schlaflosigkeit zu bekämpfen, bis er eines Tages ohne Mittel um 22 Uhr einschlief und dann nie wieder Mittel zu nehmen.
Alexander Graham Bell (1847-1922)
Als junger Mann kam Bell mit nur vier Stunden Schlaf aus und führte das Leben eines Workaholic. Zuliebe seiner Frau änderte er seine Lebensweise, konnte aber gewissen Arbeitsanfällen von Zeit zu Zeit nicht widerstehen.
Vincent Van Gogh (1853-1890!!)
Oft pausenloses Arbeiten von 7 bis 18 Uhr, ohne Essen.
Man beachte den frühen Tod durch Selbstmord (oder Unfall). Mir scheint, dass ungesunde Lebensweise der Künstler auch frühen Tod durch nicht-krankheitsbedingte Todesarten herbeiprovoziert.)
N.C. Wyeth (1882-1945)
Aufstehen 5 Uhr. Dann 90 Minuten Holzhacken!
6:30 herzhaftes Frühstück.
Verdauung während des Schreiben eines Briefs.
Dann an die Arbeit.
Schneller Arbeiter.
Mittag 13 Uhr, wenn die Arbeit gut lief.
Kinder durften nachmittags in sein Atelier, während er schweigend weiterarbeitete.
Georgia O’Keeffe (1887-1986!!)
Aufstehen in der Dämmerung. Feuer anmachen, Tee zubereiten. Wieder ins Bett, dem Sonnenaufgang zuschauen.
1/2 Stunde Morgenspaziergang, um Klapperschlangen auf dem Grundstück aufzustöbern und zu töten.
7 Uhr Frühstück
Arbeit bis zum frühen Abendessen um 16:30, unterbrochen vom Mittag.
So sehr sie alle anderen Tätigkeiten auch schätzte – das Malen war für sie eine Tätigkeit des Einklangs mit der Zeit.
Arbeitsroutinen von Künstlern XVII – Parks und Bibliotheken
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