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Juli
2006
Mozartanekdoten

Mozart in Prag (29.7.06)
Nachdem Mozart die Oper Don Giovanni fertigkomponiert hatte, wurde sie in Wien aufgeführt, allerdings nicht zur Begeisterung des Publikums. Es war, wie man damals sagte, einfach
„too much“ fürs einfache Wiener Publikum. In Prag hingegen, wurde das Werk gefeiert und man trug Wolfgang Amadeus auf Händen, in die er freilich, wie er seinem Bäsle zu berichtete, gar manch kräftiges Fürzlein abzusondern wusste, aber selbst diesen Umstand nahmen die Prager mit Humor. Ein untalentierter Feingeist wie der durchtriebene Salieri, den man in Wien ja regelrecht abfeierte, hätte in Prag keine Chance gehabt.
Hörtipp der Woche: 6 Divertimenti für 2 Klarinetten und
Fagott, KV 490 b
Das Probendesaster
(22.7.06)
Bei den Proben zu Mozarts berühmter Oper Idomeneo gerieten einem Hornisten die Notenblätter derart durcheinander, dass er zunächst die gesamte Bläsersektion, hernach das Orchester, dann die SängerInnen und später auch die Bühnenarbeiter komplett durcheinander brachte. Der einzige, der sich durch nichts aus dem Konzept bringen ließ, war der Maestro selber, der eisern weiterdirigierte, selbst als schon alle Musiker zur Pause in die Kantine gegangen waren. Als man Mozart Jahre später in einem Interview auf diesen Vorfall ansprach, kraulte er sich nachdenklich den Bart.
Hörtipp der Woche: Serenade für 13 Blasinstrumente, B-Dur, KV
361
Die Feier (15.7.06)
Einmal feierte Mozarts Familie den Geburtstag von jemandem. Die Torten waren bereits aufgebluzerlt, die Girlanden schlonkerten von der Decken, und das gesamte Geburtstagskabinett war mit roten Luftballonen ausgedetschelt.
Als das Geburtstagskind eintritt spielte Mozart die Klavierbearbeitung einer seiner Serenaden-Hits. Daraufhin kam es zu einem Eklat. Das Geburtstagskind verließ wutentstrimmt die Halle, und die Mozarts mussten all das schöne Gebäck allein aufmampfen.
Bis heute lässt sich in den Mozart-Analen kein Hinweis darauf finden, um wen es sich bei diesem cholerischen Menschen gehandelt haben könnte. Ich hab ja einen Verdacht, den ich aber nicht öffentlich äußern möchte. Nachher gelte ich unter Mozart-Historikern womöglich als unseriös.
Hörtipp der Woche: Klaviersonate Nr. 11, A-Dur, KV 331
Mozarts Bittbrief (8.7.06)
Bekanntlich war Mozart ein erstklassiger Komponist kirchlicher Melodeien,
eine Gabe, die er gegen den auch auf diesem musikalischen Gebiet
dilettierenden, sonst aber in jeder Hinsicht durchtriebenen Salieri
auszunutzen versuchte: Er schrieb dem Erzherzog einen Brief, in welchem
er ihn darum bat, zweiter Kapellmeister am kaiserlichen Hofe zu werden.
Salieri aber, dieser hinterhältige Fuchs, diese Ausgeburt der
Missgunst, dieser neidische Teufel, dieser widerwärtige Schimmelpilz,
dieser unmusikalische Idiot, der sich nur in seiner schleimigen
Hinterfotzigkeit zum Kapellmeister hochgebumst hatte, dieses krümelige
Stück Auswurf, diese Missgeburt einer pestbeuligen Ratte, dieses hochnäsige
Stück Dreck, dessen versoffene Mutter sich nicht zu schade war, sich
von jedem dahergelaufenen Trunkenbold bespringen zu lassen und, so
widerwärtig sie auch war, sich vor ihrem eigenen Sohn derart ekelte,
dass sie ihn zeitlebens nur mit einer Mistgabel zu berühren wagte,
dieser Salieri also erfuhr zu Mozarts Glück von diesem Briefwechsel gar
nichts.
Hörtipp der Woche: Arie "Bella donna"
(Leporello-Arie) aus "Don Giovanni" KV 527
Ein teuflisch
guter Plan (1.7.06)
Einmal hatte Mozart einfach keinen Bock mehr darauf, Menuette zu
schreiben. Da verfiel er auf einen teuflisch genialen Plan, wie ihn der
durchtriebene Salieri nicht besser hätte aushecken können: Er schrieb
einfach keine Menuette mehr.
Hörtipp der Woche: Adagio c-moll und Rondo C-Dur für Glasharmonika,
Flöte, Oboe, Viola, Violoncello, KV 617
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