Poetry Slam in den USA
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II. Boston Nach dem merkwürdigen Auftritt im
New Yorker
Bowery Poetry Club ließ ich eine Woche lang die Literatur liegen
und widmete mich dem Treiben der diversen Improtheatergruppen dieser
Stadt. ![]()
Dan Richter schreibt in New York: Liegend wird
kein Schuh draus.
Derweil plagte mich mein schlechtes Gewissen: Michael Brown hatte mich eingeladen, um eine halbe Stunde lang zu lesen. Außerdem wusste ich, dass er von Prosa auf den Poetry Slams nicht all zu viel hält. Es mussten also noch Gedichte her. Ich tröstete mich damit, dass mir sicherlich noch irgend etwas Verrücktes passieren würde, worüber man schreiben könnte. Mir wurde aber klar, dass das, was mir verrückt erschien, den Amis eine Selbstverständlichkeit war.
Und so hoffte ich auf eine Eingebung. Im Zug von New York nach
Boston purzelten die Ideen. Wie hatte ich es auch vergessen können:
Donnerstag war Schreibtag. Zu Hause wie auch in Amerika. Es gibt
offenbar zurzeit kein antreibenderes Schreibmotiv als eine kurz
bevorstehende Show. Immerhin vier Gedichte entstanden an dem Tag. Eines
war mir bei der Ankunft in Boston dann doch zu peinlich. Ich warf es
weg. Dachte ich. Denn als ich meinen Papierkram im Bahnhofsrestaurant
ordnete, stellte ich fest, dass das peinliche Gedicht noch da war, das
schöne über meine Staubflocken aber nicht.
Die Cantab Lounge sieht auf den ersten Blick wie eine heruntergekommene, ziemlich schäbige Kneipe aus. Der Keller überrascht. Michael Brown, einer der Paten des modernen Poetry Slam, hat ihn vor längerer Zeit zum Veranstaltungsort ausgewählt.
Die Show besteht aus dem Open Mike, dem Feature (heute ich)
und dem eigentlichen Slam. Jegliche Art von besessenem Ehrgeiz wird
durch Michaels ruhigen Stil abgekühlt.
Von Firm, Humans und Tania sind sie begeistert. Michael goutierte Maria’s fault. Testhalber versuche ich noch mal November, indem ich mich scherzhaft anbiedere: "Die Leute in New York haben’s nicht verstanden, aber die Bostoner sollen ja intelligenter sein." Hilft aber nichts. Den Text streiche ich für etwaige kommende Lesungen in Amerika. |
Dan Richter