Poetry Slam in den USA

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VI. New York – Bowery Poet’s Café (2) und Café Iimani

23. Juni 2003. Habe das Gefühl, nun zu wissen, wie man mit dem Publikum umgehen sollte. Um das ungute Gefühl vom Anfang der Tour auszubügeln, gehe ich noch mal in das Bowery Poet’s Café. Es flutscht von Anfang an. Ich serviere ihnen They are alive und qualifiziere mich für die Endrunde. Nun ja. Wenn da nicht dieser 80jährige Bursche aus Brooklyn gewesen wäre, ein Freund von Ginsberg, eine Poetenlegende und weiß der Kuckuck was noch, dann hätte ich mit "Firm" sogar noch gewonnen. Aber er war nicht nur legendärer, sondern auch einfach besser. Alles also schön, gut und gerecht.

27. Juni 2003
Der heißeste Tag in New York seit meiner Ankunft. Bin zum ersten Mal in meinem Leben froh über die Existenz von Klimaanlagen, ohne die die Außentemperatur allerdings etwa 3 Grad kühler wäre. Am Strand geht der New Yorker nur bis zur Hüfte ins Wasser. Dass ich zwanzig Meter weit rausgeschwommen bin, hielten die anwesenden Jugendlichen für Angeberei. Hier ein Filmchen mit Achterbahn und Dan Richter auf dem Boardwalk. Ich trete in diesem Film halbnackt auf, weil die Hotdogtante mein weißes Hemd mit Senf bespritzt hatte.

28. Juni 2003. Eigentlich bin ich schon ziemlich satt. Aber da steht doch tatsächlich, man könne 100 Dollar bei einem Slam in Brooklyn gewinnen. Von meinen New Yorker Freundinnen Rebecca und Dynishal höre ich, dass die Gegend, in der das Café Ilimani liegt, eher zu den schwierigeren Orten gehöre. Das spornt mich eher an: Je weniger sich da hin trauen, um so größer die Chance für mich, die 100 Dollar abzustauben.

Auf dem 12minütigen Fußweg vom U-Bahnhof Utica zum Café begegne ich keinem einzigen weißhäutigen Menschen. Wenn ich bis heute, an meinem letzten Abend in New York, die Stadt für einen offenen Eintopfteller gehalten habe, werde ich nun eines besseren belehrt. Und auch im Café bin ich der einzige Weiße, was dem sehr witzigen MC genügend Anlass für neckische Sprüche gibt: "We all look the same to you, huh?" Die Antwort: "Yeah, especially you." fällt mir 10 Sekunden zu spät ein.
Sowohl
Firm als auch They are alive gefällt dem Publikum gut, bis auf eine Frau, und die sitzt dummerweise in der Jury.

Es ist 2 Uhr nachts, als der Slam vorbei ist und ich von einem Poeten mit dem Auto noch nach Manhattan mitgenommen werde. Allerdings lässt er mich in Südmanhattan raus, so dass ich noch ein schönes Stück im Regen spaziere, vorbei an den vielen Obdachlosen in den Hauseingängen.
That’s all, folks.

Interessiert sich jemand für Poetry Slams in Berlin? Zurzeit gibt es zwei reguläre: 1. den Scheinbar Slam, präsentiert von Sebastian Krämer und 2. Spokenword Berlin, von Wolfgang Hogekamp und Boris Preckwitz.
Ohne die Unterstützung von
Ko Bylanzky, der mich zu den Slams nach München und Kempten eingeladen hatte, hätte diese Tour so wahrscheinlich nicht stattgefunden.

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Dan Richter