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9.4. 2004 – Animation
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Die erste Nacht auf dem Schiff haben wir überlebt, ohne uns
mehr als nötig zu übergeben. Da waren wir froh, denn wir hatten schon viele
Schauergeschichten über die unangenehmen Seiten von Seekrankheit gehört. Nach
einer 20minütigen Beratung entscheiden wir, den Vormittag auf dem Pooldeck[1] zu verbringen. Als
wir auf dem Pooldeck ankommen, stellen wir fest, dass wir nicht die einzigen mit
dieser exklusiven Idee gewesen sind. Noch bevor wir einen nichtreservierten
Flecken gefunden haben, auf dem wir unsere Poolhandtücher ausbreiten könnten,
bläst ein Sturm animierter Freundlichkeit über uns hinweg. Wir erfahren über die
Lautsprecher, dass dieses Schiff ein Club-Schiff ist, weil sich hier alle duzen.
Oder war es umgekehrt – wir duzen uns alle, weil dieses Schiff ein Club-Schiff
ist? Der Gute-Laune-DJ dreht den Volume-Regler auf, und bei dieser Hitze
tendiert man dazu, jeder Art von Musik einen „heißen Rhythmus“ zu unterstellen,
sogar dem hier omnipräsenten Mallorca-Dancefloor. „Habt ihr alle schön
geschlafen? Uuuuund – hier ist eure Entertainment Crew!“ (Umpa! Umpa! Umpa!)
„Ja, hallo, ich bin die Moni, und ich bin in den nächsten Tagen verantwortlich
für die Ausflüge und euer diesbezügliches Wohlbefinden.“ – „Danke Moni! Einen
Applaus für die Moniii! Uuuuuund hier kommt für euch der Biking-Mario aus
Österreich, ich hoffe, wir brauchen keinen Übersetzer, hahaha.“ (Umpa! Umpa! Umpa!) „Ja, Grüaß Gott, Madels
und Buam. I bin der Mario und mir moachn a Tour mit dean Bikes in Mumbai und a
poar andere Städte auch.“ Bevor die restlichen Members of the tour vorgestellt
werden, verziehe ich mich auf ein schattiges Örtchen und lese Macbeth.
Die Shakespeare-Experten streiten sich ja bis auf den heutigen Tag, wer Macbeth dazu animiert hat, Duncan umzubringen. Viele sagen, es sei seine Frau, andere meinen, es seien die drei Hexen gewesen. Macbeth hätte es sicherlich abgestritten, für seine Morde Animation nötig zu haben, genauso wie all die Urlauber hier. Den Fall mal angenommen, ich stellte ihnen die Frage: „He, Kollega, brauchst du Animation, um herauszufinden, was gut für dich ist, um gute Laune zu kriegen und das Gefühl zu haben, die 3.500 Euro nicht für Nüscht und Wiedernüscht verpulvert zu haben?“, dann würden vermutlich 92% antworten: „Nein, mein Freund und Kupferstecher, ich wähle mir meine Glücksfaktoren selber aus. Das Rumgehampel da vorne ist mir nur alberner Tand, aus dem ich aber, das möchte ich fairerweise immerhin einräumen, so viele Informationen ziehe, dass ich in der Lage bin, mir ein ausreichend scharfes Bild über all die heiteren Angebote, die einem hier auf diesem Luxuskutter offeriert werden, zu verschaffen.“ Ich sage 92%, obwohl ich natürlich keine hinreichend valide, reliable und repräsentative soziologische Befragung vorgenommen habe. Aber ich halte meine Vermutung für dermaßen plausibel, dass sich jede weitergehende Untersuchung erübrigt. [1] Das Pooldeck ist das Deck auf Etage Nr. 10. Man hat es freundlicherweise nach dem auf ihm befindlichen Swimmingpool benannt, wobei man hinzufügen muss, dass auch die Benennung Swimmingpool gegenüber diesem Planschbecken eine Freundlichkeit darstellt, die dieses nie im Leben zu verdienen in der Lage sein wird. Und hier noch das Filmchen "Dan auf dem Pooldeck" für umsonst. (AVI-Format)
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