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20.4. 2004 – Britney und die Croupiese

Ich habe geträumt, Britney Spears habe sich mich als Freund ausgesucht. Leider gehöre ich zu jener Sorte Mann, die Britney sowohl musikalisch als auch als potentielle Bettpartnerin eher uninteressant finden, weshalb ich keinen Profit aus dem Traum schlagen kann. Was also will der Traum mir damit sagen? Auch die Handlung führt zu keinem allzu aufschlussreichen Ergebnis: Ich treffe sie am Hackeschen Markt, und sie hakt sich bei mir unter. Plötzlich[1] warten wir vor der Club-Gaststätte Frankfurter Allee Süd und Britney knutscht mich ab. Ich darf nichts dagegen sagen, denn immerhin ist das ja Britney. Und wie würde ich vor meinen Freunden dastehen, wenn sich herausstellt, dass ich Britney beleidigt habe. Britney erzählt mir, dass sie nicht in New York, sondern in Chicago wohne, weil sie sich ja immer um ihre nebenan wohnende Großmutter kümmern müsse.

Als ich meiner Freundin davon erzähle, glimmt Eifersucht in ihren Augen auf. Das merke ich mir. So einfach kann man Frauen eifersüchtig machen, ohne ein schlechtes Gewissen zu kriegen.


Ich würde nicht beschwören, dass das, was in den Augen der Freundin glomm, Eifersucht war, aber sicherheitshalber folgte ich ihr in solchen Momenten nicht aufs Crewdeck. Ich wusste, der Erste Offizier (oben rechts im Bild hinter den dunklen Scheiben der Brücke) würde ein Auge auf sie werfen, damit sie nicht wieder ausflippte und alles verwüstete.

An dem Impro-Workshop will nur eine Frau teilnehmen. Den anderen ist der Preis zu hoch. Aber wer so reich ist, sich eine solche Reise leisten zu können, darf bei mir nicht auf Preisnachlass hoffen, da bleibe ich lieber im Bett und lese weiter McEwan[2]. oder unterhalte mich mit dieser einen Interessentin. Sie ist Zahnärztin und Ärztin, was komischerweise eine seltene Kombination ist. Ausgerechnet für dieses Stückchen Körper braucht man ein Extra-Studium. Warum nicht auch die Augenärzte oder Herzchirurgen? Sie erklärt mir, dass sie eine der wenigen Zahnärztinnen ist, die weiß, wie man reagiert, wenn der Patient während der Behandlung eine Goldkrone einatmet (nicht verschluckt, wohlgemerkt). Ich wehre ab, da ich bei solchen Geschichten immer gleich Phantomschmerzen kriege.

Interessanterweise hat sie früher auch noch als Roulette-Croupier in einer Spielbank bei Mainz gearbeitet[3]. Die Details, die sie mir eröffnet, sind haarsträubend. Jeder Croupier ist letztendlich auch ein Zocker. Croupiers können sich als Zocker ganz gut was dazu verdienen, denn sie kennen sich untereinander[4], und ein erfahrener Croupier vermag zwar nicht eine Zahl zu „legen“, aber immerhin die Zahl einer Serie. Wer aber Zocker ist, ohne croupieresken Background, wird nur verlieren und womöglich seine letzte Goldkrone auf „Impair“ setzen.



[1] Ihr wisst schon: Diese lustigen Änderungen von Raum und Personage in den Träumen. Ich finde das sehr beeindruckend. Wer sich diese Technik ausgedacht hat, muss auf LSD gewesen sein, es kommt einem vor, als ob man halluziniert und gleichzeitig auch wieder sehr real. Ich trau der Sache nicht. Manchmal stell ich mir vor, ich würde gezwungen, für andere Leute die Träume zu schreiben. Ich würde mir einen Spaß draus machen, sie zu foppen, z.B. Träume zu konstruieren, die offenbar etwas bedeuten (Horror-Inzest usw.), anschließend aber eine völlig banale und unerklärbare Wendung nehmen, z.B. Hochzeit mit Britney Spears.

[2] „Der Trost von Fremden“ – eines seiner früheren Werke. Wieder führt McEwan seine Leser in die Tiefe menschlicher Bosheit und menschlichen Leidens. Unglaublich, dieser Autor.
Auch empfehlen kann ich von ihm: Zementgarten, Liebeswahn, Erste Liebe – letzte Riten, Unschuldige, Amsterdam, Schwarze Hunde, Abbitte.

[3] Dass ich zufällig gerade drei Tage vorher ein unschlagbares System gefunden habe, mit dem man das Roulette austricksen kann, habe ich ihr natürlich nicht gesagt.

[4] Das funktioniert besonders in Mainz ganz gut, denn hier verläuft die Landesgrenze direkt an der Stadt. Also mal schnell rüber nach Wiesbaden und eine flotte Kugel geschoben und zurück mit den Taschen voller Euro-Hunderter.


Dan Richter