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AIDA-Listen
I. Die Decks
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1.
Deck 1 ist für uns völlig unbekannt geblieben. Wir können nur
raten. Die häufigsten Tips lauteten: 2. Schlafkabinen der Crew. Es gibt kleine Bullaugen, die man nicht aufmachen darf, wegen dringender Wasserreinlaufgefahr. Immerhin kann man durch die Bullaugen die vorbeischwimmenden Fische beobachten. Aber erstens kommt ein Fisch nur alle drei Jahre vorbei, zweitens ist der meistens so klein, dass er mit bloßem Auge nicht zu sehen ist, drittens sieht er nicht exotisch aus, sondern eher so heringsmäßig, viertens hat man sein Zimmer wahrscheinlich sowieso auf der Seite ohne Ausblick. 3. Schiffsmesse, Hospital, Crew-Bar, enge Gänge. In der Schiffsmesse gibt es nicht etwa die übriggebliebenen guten Schlemmereien aus der Passagiersküche. Die werden nämlich alle weggeschmissen, sondern denselben Plunder, den man schon seit alters her für das gemeine Schiffsvolk übrig lässt. Im Hospital liegen die Passagiere, die sich gleich am ersten Tag Sonnenbrände zweiten Grades zugezogen haben. Ihr Urlaub ist nicht lustig. In der Crew-Bar wird gesoffen. Wenn ich etwas über die Menge des dort konsumierten Alkohols verrate, verstößt das eventuell gegen meinen mit AIDA geschlossenen Vertrag, deshalb sag ich darüber nichts. 4. Auf Deck 4 wohne ich auf dem Klappsofa.
Meine Freundin hat das Bett abgekriegt. Zum zweisam Kuscheln taugen weder dieses noch jenes. In den Werbematerialien von AIDA erfährt man sicherlich viel über die Innenausstattung, aber garantiert nichts über die verschiedenen Klänge der vertikal durch dieses Deck verlaufenden Röhren, die keinen Zweck zu erfüllen scheinen, außer an sie mit der „Bordkarte“ anzustoßen, dass es „Bing“ macht. 5. Deck 5 ist dasselbe wie Deck 4, nur höher. Und ich wohne da nicht. 6.
Auf Deck 6 kann man, wenn man klein genug ist, drum herumlaufen.
Das nennen sie Joggingbahn. 7. Auf Deck 7 steige ich nie aus. Da wohnen dem Vernehmen nach die arroganten Reichen. Sie haben nicht nur die üblichen 3.500 Euro gezahlt, sondern sogar noch 500 Euro draufgelegt, nur damit sie auf Etage 7 wohnen können, und nicht Wand an Wand mit den anderen armen Stinkern verbringen müssen. 8.
Deck 8 hat ein schönes Restaurant, das im lockeren Understatement
„Marktrestaurant“ genannt wird. Jeden Abend und jeden Tag werden dort
ca. 10 Fleischgerichte, 8 Fischgerichte, 4 Vegetariergerichte und 10
Salate serviert. In all den Tagen an Bord habe ich nicht ein einziges Mal
erlebt, dass man versucht hätte, uns mit schäbigen Zutaten oder nachlässig
zubereitetem Futter abzuspeisen. Kurzzeitig habe ich mit dem Gedanken
gespielt, eine Liste mit den schmackhaftesten Gerichten anzulegen, wurde
aber demotiviert durch die Aussicht, dass ich es nie im Leben schaffen würde,
auch nur eines davon annähernd gut zuzubereiten (dafür muss man z.B. den
Unterschied zwischen faschiert, tochiert und pouchiert kennen).
9.
Das „Karibikrestaurant“ auf Deck 9 muss den Vergleich mit dem
„Marktrestaurant“ nicht scheuen, aber es gibt zu viele Rauchertische,
die einem das Essen vermiesen, dafür kann man aber auch draußen speisen.
10.
Das Pool deck und seine liegestuhlreservierenden Bewohner sind häufig
Gegenstand mittelmäßiger Scherze. Zu Recht. 11. Auf Deck 11 liegen die, denen es nicht ausreicht, sich durch die Sonne grillen zu lassen; sie legen außerdem auch Wert darauf, ihr Haut möglichst schnell ausledern zu lassen. Die Sauna. |
Dan Richter