Als ich heute früh aus dem Bullauge guckte, bekam ich einen gewaltigen Schreck – im Hafen bewegten sich vier alte DDR-Kräne der Marke TAKRAF. Sollten die letzten 15 Jahre wirklich nur ein Traum gewesen sein? Die Wende, mein Studium, meine Künstlerei? Oder waren wir in einer schrecklichen Parallelwelt gelandet, in der die DDR noch existierte? Oder in Nordkorea? Aber auf dem Reiseplan stand doch „Heraklion“.
Ich beschloss, der Sache auf den Grund und somit an Land zu gehen.

Hatten sie uns nach Warnemünde entführt, oder was?
Mit Steffi spaziere ich, verfolgt von einem Straßenköter, durch die Stadt. Unser Misstrauen lassen wir uns nicht anmerken.[1]
Als wir dann die Souvenir-Shops passieren wo man uns den ganzen weißblauen Schnickschnack anzudrehen versucht, lasse ich mein Misstrauen langsam fallen. Allerdings ist es kalt und es regnet, davon stand nichts in den Reiseführern.
Um 10.00 Uhr ist es in Heraklion schwer, ein kleines Café zu finden. Schließlich kann ich Steffi überzeugen, sich mit mir in so eine mittelmeertypische Kaschemme zu setzen, in denen Männer über 50 schweigend Kaffee trinken, stundenlang an einem Keks knabbern, filterlose Zigaretten rauchen und einen anstarren. Ich starre freundlich zurück. Aus dem Fernsehapparat guckt eine euphorisch[2] plappernde junge Frau. Ein Schnauzbärtiger kommt herein und gibt der Bedienung zwei Hühnereier. 10 Minuten später bekommt er sie hartgekocht und gewürfelt auf einem Teller serviert. Das muss ich mal in Berlin ausprobieren: „Guten Tag! Kochst du mir mal bitte meine Eier hart?“ Wir zahlen für unseren Kaffee einen überhöhten Touri-Preis. Nicht zu Unrecht, wie ich finde – auch Authentizität hat ihren Preis.
Steffi fährt mit dem Bus nach Knossos, wo Ruinen rumstehen sollen. Ich gehe zum Schiff zurück, da meine Blasen an den Füßen
[3] schmerzen. Im Hafen bekomme ich einen
Schreck: Das Schiff wird geputzt. Was wenn sie unseren Fischlibert
entfernen? Wie erleichtert bin ich, als ich sehe, dass unser Fenster so
über den Kai herausragt, dass die Säuberer mit ihren Wasserdüsen ihn um
40 Zentimeter verfehlen.

Selbst den trickreichen Schiffputzern war der tote
Fischlibert überlegen.

Zur Erinnerung: Fischlibert.
Matze und Manuela haben’s gestern Abend wieder übertrieben und bleiben heute an Bord. Ich sehe Manuela eigentlich nur noch zwischen 18 und 19 Uhr beim Volleyball. Matze zwischen 19.30 und 20.30 Uhr beim Essen.
Da die Poolparty wegen des Sauwetters abgesagt wird, werden wir gefragt, ob wir nicht Lust hätten, noch mal in der Lambada-Bar eine kleine Impro-Show aufzuführen. Trotz der technischen Mängel und der schlechten Akustik haben wir uns nicht so, legen los und spielen sehr gut.
Filmchen-Zugabe:
Manuela und ich diskutieren im Schiffstheater das Impro-Spiel
"Domino" (mpg-Format, 11 Sekunden, 3.800 KB, lohnt sich nur für
Fans und DSL-Besitzer)
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[1] Steffis Misstrauen hält sich ohnehin in Grenzen, für sie war ja die DDR auch so eine Art zu kalt geratenes
Griechenland.
[2]
"Euphorisch" - Das einzige mir bekannte griechische Wort.
[3]
Ich habe nämlich Blasen an den Füßen.