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26.4.2004 – Schlechte Laune
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Wer hätte das gedacht! Kaum hat man den Suezkanal durchmessen, bläst einem kalter Nordwind ins Gesicht. Wer mir gegenüber das Wort mediterran noch einmal benutzt, um damit Wärme, Sonnenbrillen und freie Oberkörper zu suggerieren, sollte sich auf was gefasst machen. Vor lauter Wind geben sogar die Jogger auf Deck 6 auf. Man könnte ja ein bisschen Theater spielen, aber die Kollegen sind noch mit ihrem aus gestrigem Alkoholgenuss resultierenden Kater beschäftigt. Habe keine Bücher mehr. In dem „Bibliothek“ genannten Bücherschrank könnte ich wählen zwischen Dan Brown, Arztromanen und einem Lexikon aus den 70er Jahren. Vor lauter Langeweile streite ich mich mit meiner Freundin. Wir hatten uns schon gewundert, dass das in der ganzen Zeit noch nicht geschehen ist. Freuen uns, dass wir das nun auch abgehakt haben. Schreibe eine Geschichte. Leid schafft Kunst.
Abendbrot. Neben uns isst ein Mann etwas, wovon er kotzen gehen muss. Kurze Zeit später schwankt auch Matze Richtung Klo. Seine Gesichtsfarbe erinnert an das Fleisch der Muscheln, die er eben verspeist hatte. Am Abend tritt im Theater ein Travestie-Künstler auf, der sich „Gräfin Tamara“ nennt. Keine Ahnung, ob er sein Fach beherrscht. Für mich sind die alle gleich mit ihrem Diven-Getue, den Georg-Kreisler-Liedern. dem Männer-Angemache und Nach-der-Show-Perücken-Abgeziehe. Vielleicht denkt er genau so über unsere Improvisations-Kunst. Falls ich mal im hohen Alter an Gedächtnisverlust leiden sollte, hoffe ich, dass dieser Tag einer der ersten ist, die aus meinem Hirnspeicher gelöscht werden. |
Dan Richter