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23.4. 2004 – Die Shark Bay in Sharm el Sheik
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Der Luxuskutter wurde gestern Abend in Sharm el Sheik festgeknüppert. Und heute früh stehen folgende Tagesabläufe zur Auswahl: 1. Mit den privilegierten[1] Crew-Leuten an den Strand fahren, um dort wahlweise zu schwimmen, zu schnorcheln oder zu tauchen. 2. Mit anderen privilegierten Crew-Leuten und Passagieren eine achtstündige sehr teure Tour zum Dornbusch unternehmen, aus dem heraus Gott zu Moses sagte: „Ich werde sein, der ich sein werde.“[2] Dieser Dornbusch existiert ja immer noch, nur eben unter Glas, gerade so, als ob Gott sich wie ein Leguan unter Glas setzen ließe. 3. Mit dem sonnenscheuen Volk auf Deck bleiben. Ich entscheide mich für Variante Eins.[3] Zwar denke ich, dass die vielgerühmten Rote-Meer-Fische auch nicht wesentlich anders aussehen, als man sie aus dem Aquarium kennt, andererseits gibt es auch unangenehmere Dinge, mit denen man seinen Tag über die Runden bringen kann. Ein Wort zu Sharm el Sheik: Ich habe auf unserer 10minütigen Fahrt zum Tauchstrand nichts außer Hotels, Wüste und zu bauende Hotels gesehen. Als lesender Arbeiter frage ich mich unwillkürlich: „Wohin gingen am Abend, wo die Chinesische Mauer fertig war, die Maurer?“ Schlafen sie auch in Hotels. Fast möchte ich es vermuten. | |
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Finde die drei Unterschiede! | |
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Bizarrer Prunk. Mitten in der Wüste Hotelanlagen mit englischem Rasen, der gesprengt wird. Und all das offenbar nur, weil die Korallenriffs hier zu den schönsten und zugleich zugänglichsten der Welt zählen. Das letzte Mal habe ich vor ca. 25 Jahren in der Ostsee geschnorchelt. Das Wasser lief mir in die Luftröhre, ich hab gehustet und geheult. Als ich mir jetzt wieder Brille, Schorchel und Flossen anziehe, erinnere ich mich daran mit Schrecken. Wie schon früher in der Schule bin ich beim Anziehen mir unbekannter Sportbekleidung wieder der letzte und hopple den anderen wie eine behinderte Ente hinterher. Der Sand in den Flossen ist eklig. Wieder alles von vorne. Während ich mit meiner Ausrüstung kämpfe, beobachte ich die anderen Schnorchler, wie sie schon nach nur 6 Metern die Köpfe ins Wasser tauchen. Wie dumm, denke ich, interessant wird’s doch erst bei den Riffs. Als ich dann ins Wasser gehe, verstehe ich – die Riffs fangen schon hier vorne an. All die bunten riesigen Fische – man kann sie schon hier vorn als Nichtschwimmer beobachten. Ich lege mich mit dem Gesicht ins Wasser und atme sofort Salzwasser ein. Es ist zum Heulen. Ich brauche 15 Minuten, um meine Lunge zu beruhigen und die Krabben auszuhusten.[4]
Der zweite Anlauf ist nicht viel besser. Beim dritten Mal hab ich dann den Trick raus. Und jetzt kann ich es erst richtig genießen – eine unglaubliche Welt. Runde und türkisfarbene Fische, gigantische Muscheln, Rochen, stäbchenförmige Fische, die in fischförmigen Schwärmen vorbeihuschen, ferkelgroße Fische, die mich nachdenklich beobachten, Clownfische, Zebrafische, Seepferdchen, und alle schunkeln sich mit bizarren Bewegungen vorwärts[5]. Wenn jemand einen Gottesbeweis sucht, dann ist hier sicherlich der Beginn der Beweiskette zu finden. Allerdings muss man dann auch davon ausgehen, dass Gott auf LSD war, als er diese Welt geschaffen hat. Ich tauche ab und wünsche mir zusätzlich zu den Flossen ein paar Kiemen, um meine Unterwasserzeit auszudehnen. Als ich nach einer halben Stunde mal meinen Schädel aus dem Wasser nehme, sehe ich, dass von meinen Kollegen keiner mehr am Strand ist. Ich kraule wie ein Irrer zurück, meine Flossen helfen mir. Steffi hat die anderen davon überzeugt, nicht ohne mich abzufahren. Das muss Liebe sein. Auch jetzt fühle ich mich an alte Schulzeiten erinnert und an diese merkwürdigen, Anfang der Achtziger modernen Dreizeiler. Alle
Kinder sitzen im Bus, Extra: Video Dan schnorchelnd (AVI-Format 2,7 MB) [1] Die Philippinen, Maschinisten, Köche usw. müssen natürlich wieder auf Deck bleiben bzw. können sich von dem Hungerlohn keinen Ausflug leisten. [2] Es gibt eine Geschichte von Volker Strübing, in der er gegen einen Busch am Weinbergsweg pinkelt und aus dem Busch kommen dann ähnlich sinnvolle Sätze. Volker, im Gegensatz zu Moses, ist durch dieses Erlebnis nicht zum Religionsstifter geworden, vielmehr verfiel er in eine Schwermütigkeit und ließ sich von einer Laune verleiten, den Penner zu einem Bier einzuladen. Details erfragbar unter volker.struebing @ enthusiasten.de oder 2. Mose 3.14. [3] Und das trotz meines Tae-Bo-induzierten Muskelkaters! [4] Zumindest fühlt es sich an wie Krabben. [5] Am selben Abend erfahre ich, dass es für schnell schwimmende Fische (wie z.B. Haie oder Heringe) im Prinzip nur eine mögliche Körperform gibt. Aber Fische, die sich um Freund und Feind keine Gedanken zu machen brauchen, weil das Korallenriff ihr zuhause ist, können sich eine beliebige Körperform vom Schöpfer aussuchen.
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Dan Richter