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8.4. 2004 – Thailand

Wir sind in Thailand gelandet, weil wir hier an Bord eines vor Anker liegenden Luxuskutters gehen sollen. Mit Thailand habe ich mich in meinem Leben sehr wenig beschäftigt, da es dafür nicht genügend Anlässe gab. Die Anzahl der Thailänder, die ich persönlich kenne, hält sich in überschaubaren Grenzen, wenn man das überhaupt so sagen kann für den Fall, dass die Anzahl Null beträgt.
Dinge, die mir zu Thailand einfallen:
- Sextourismus
- Menschen, die wir Nichtkenner gern wegen ihres Dauerlächelns mit Chinesen verwechseln und die das wahrscheinlich völlig absurd finden, genauso, wie ein Mecklenburger, den ein Thailänder für eine Griechin hält
- Bangkok
- Thaifood und Thai-Boxen.
- Thailand hieß mal Siam, und von damals kenne ich noch die Siamesischen Katzen und die Siamesischen Zwillinge, von denen ich mal ein Foto hatte, auf dem sie Tennis spielten oder eine Tennispartie gewonnen hatten (jedenfalls standen sie mit diesen aus dem Fernsehen bekannten Tennisschlägern in der Hand am Netz rum und lächelten chinesisch). Als der eine von den beiden in nicht allzu hohem Alter das Zeitliche segnete, gab der Andere auch bald die Löffel des Lebens ab. Nach diesem berühmten Gebrüderpaar, das tatsächlich aus Siam stammte, wurde dann die gesamte Gattung der siamesischen Zwillinge benannt. Das Tennisfoto war eine Abbildung in einem Buch über Zwillinge, das ich einer Frau borgte, als ich verrückt nach ihr war und die Zwillinge großzog. Dass sie es mir nicht zurückgab, war wahrscheinlich ihre Art, sich daran zu rächen, dass meine Verrücktheit nach ihr inzwischen nachgelassen hatte.
Ich kenne weder die Währung von Thailand, noch kann ich die Namen der Regierungschefs der letzten zwölf Jahre herbeten. Aber glücklicherweise brauche ich weder eine Prüfung in Thailandistik abzulegen, noch benötige ich für die kurze Busfahrt vom Flug- zum Schiffshafen thailändisches Geld, denn die wird uns vom Reiseveranstalter geschenkt. Sie ist sozusagen im Preis mit inbegriffen, den wir Impro-Hasen gar nicht zu zahlen brauchen, weil wir als Schiffsbespaßer alles umsonst haben, dafür aber auch keine Gage kriegen. (Letzteres sollte die geneigte Leserin unter Satire verbuchen, da es mir verboten ist, Details des Vertrags auszuplaudern. Satire, versteht ihr? Satire !!!)
Der Ort heißt Phuket, was mich verwundert, weil ich angenommen hatte, dass es nur einen thailändischen Flugplatz gäbe und der sich logischerweise in Bangkok befände. Überflüssigerweise werden wir im Bus begleitet von einer Busbegleiterin, die ihren Touristentext abspult, obwohl sie weiß, dass Phuket für uns nur als Flug- und Schiffshafen interessant ist: „Thailand is mostly an agricultshara country because of it Thailand much agricultsha is many agricultsha products. There is one shopping centa in Phuket, if you want to go shopping you can go to da shopping centa in Phuket. There you can go shopping many cheap produts. Phuket is but soon many hotels will be crowded in Phuket.”
Kaum einer von uns wird wohl die bis zum Ablegen des Schiffes verbleibenden zweieinhalb Stunden dafür nutzen, mit Jet Lag in der Birne ins Shopping Centa von Phuket zu fahren, um sich die many cheap products in den Koffer zu schaufeln. Außerdem sind wir alle gerührt von der Argumentationsprämisse der Busbegleiterin, dass die Aussicht auf ein demnächst mit Hotels zugepflastertes Phuket uns veranlassen könnte, über einen längeren Aufenthalt an diesem Ort nachzudenken.
Als der Bus dann nach einer Stunde um die Ecke biegt, taucht in unserem Sichtfeld ein riesiges Schiff auf. Alle Businsassen sagen: „Aaaaah!“ Der Bus biegt um eine weitere Ecke, hinter der ein Schiff sichtbar wird, das ungefähr zehnmal so groß ist wie das, bei dem wir alle „Aaaaah!“ gesagt haben. Es ist der mit einem putzigen Kussmund bemalte Luxuskutter AIDA Cara, auf dem wir die nächsten drei Wochen verbringen werden.


Noch auf dem Flughafen Tegel probten wir Improhasen, den drolligen Kussmund unseres Luxuskutters zu imitieren, was uns nicht gelang.

PS: Nach dem Einchecken schnappten sich einige doch noch schnell ein Taxi, um sich zum Shopping Centa gondeln zu lassen, wo sie sich many cheap products in die Koffer schaufelten.