Gewinnung von Fräuleinhänden durch sachgerechte Benutzung von Taschenmessern

Die Walnuss gilt nicht gerade als die Königin der Nüsse, jedoch bereichert sie durch ihren eigenwillig milden, im Alter auch gern mal ins leicht Seifige abdriftenden Geschmack den Teller des Nussliebhabers. Auch gut zu gebrauchen ist sie als Auffüllmasse im Nikolausstiefel. Der Fruchtkörper ähnelt dem Hirn und suggeriert dem Verzehrer baldige Klugheit durch Fressen. Aber auf welche sozial angemessene Art sind Walnüsse zu verzehren? Der Otto-Normalverbraucher-Nussknacker wurde für die Standardhaselnuss konstruiert. Und wenn man nicht gerade zu den absoluten Nuss-Freaks gehört, die sich tagtäglich mehrere Kisten auf einmal in ihren Schlund schütten, scheint auch der Kauf einer Walnusszange inadäquat bis snobistisch.
„An was für eine Walnusszange hatten Sie denn gedacht?“
„Äh, ich kenn mich ja gar nicht aus.“
Und dann je nach Laden oder Region:

a) „Na, dit müssense mir schon sagen, watse wolln, sonst stehn wir beedn Hübschen zu Pfingstn noch hier.“

b) Bevorzugen Sie Edelstahl oder Silber. Korkgriff oder Kautschuk? Und ist die Walnusszange eher für kalifornische, brasilianische oder kasachische Nüsse?

Oder soll man überhaupt sich nicht so anstellen und die Walnüsse zwischen den Handballen zerquetschen? Ein Verhalten, was, so verrät einem langjährige Erfahrung in analogen sozialen Situationen unangemessen wäre, wenn man gerade den ersten Nachmittag bei den Schwiegereltern in spe verbringt. Schwieriger als das Schnapsdilemma. Beim Schnapsdilemma bietet einem der weder proletarisch noch asketisch wirkende Schwiegervater in spe einen Schnaps an. Man kann es eigentlich nur falsch machen. Nimmt man an, ist man für die Tochter nicht gut genug, da Säufer schon am Nachmittag. Lehnt man ab gilt man als Waschlappen oder man stellt den Herrn des Hauses als Trinker bloß. Am besten, man windet sich aus der Affäre mit der Begründung, dass man gerade keinen Alkohol trinken dürfe, da man

a) einer christlichen Glaubensrichtung angehöre, bei der man sich für jeden Schluck Alkohol anschließend mit Stacheldrahtpeitsche kasteien müsse, oder

 b) gerade keinen Alkohol trinken dürfe, da man einer starken Antibiotikabehandlung unterzogen würde, die wegen des verschleppten und nun schon suppenden Trippers notwendig geworden sei.

Schön also von Schwiegerelternseite, den Bewerber in Stress zu versetzen: Ihn zeitgleich nach seinen beruflichen Plänen und seiner finanziellen Situation zu fragen, nach der Art und Weise der Verhütungsmethode und ihm dabei gleichzeitig eine Schale Walnüsse anzubieten und zu sagen: „Greifen Sie ruhig kräftig rein, junger Mann!“ Da steht er nun, beide Hände voller unknackbarer Walnüsse und seine Gedanken mäandern zwischen seinen walnussgleichen Hirnwindungen hin und her, wie soll er es ihnen nur erklären, dass ob seiner Unfähigkeit, mit Kondomen sachgerecht umzugehen, das Fräulein Tochter sich entschieden habe, auf Diaphragma plus Spermizid zu setzen.

Ein Tip für angehende Schwiegersöhne: Habe ein Taschenmesser dabei. Schlitze die Walnuss an ihrem Riss auf. Pflücke die Nussfrucht heraus, teile sie auf symbolträchtige Weise mit deiner Braut, pflücke ein Kerzlein vom Kandelaber, positioniere es in einer Walnusshälfte und lasse diese als Fackel-Boot durch die Kaltschale eiern.
Die Hand des Fräuleins ist dir dann sicher.