Die frierende Prinzessin
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Vor langer Zeit ging eine Prinzessin durch den Wald. Sie war von Ihrem Vater verstoßen worden, oder besser gesagt von der Schwiegermutter oder Stiefmutter. Sie war schöner als sie. Deshalb. Die anderen beiden Prinzessinnen waren hässlich wie zwei rasierte Ratten und lebten ein Leben in Saus und Braus. Ausgleichende Gerechtigkeit. Die Königstochter hatte aber nur ihr dünnes Kleidchen am Körper, mit dem sie durchs Geäst sprang. Deshalb fror sie. Sie zitterte so dolle, dass die Pobacken aneinander schlackerten. Das klang lustig. Wie ein Cocktailbecher mit Eiskugeln drin. Auf ihrer gesamten Haut hatte sich eine Gänsehaut gebildet, deren einzelne Huppel durch das Kleid durchguckten, weil es doch so dünn war. Aus Seide oder so. Was weiß ich denn! Das Unterholz war zu undurchdringlich, als dass man da hätte durchdringen können, und deshalb schwang sich die Räuberstoch... äh, Prinzessin von Ast zu Ast wie ein Pavian. Nicht weit entfernt von dieser putzigen Szenerie lauerte ein Jägersmann mit seiner Flinte auf Wildbret. Er stand oben auf dem Ausguck und legte die Hand quer über die Stirn, damit die Sonne ihm nicht in die Augen reinscheint. Da erspähte er die Prinzessin, die durch die Bäume flog. Wegen ihrer huppligen Haut hielt er sie aber für ein Tier, das man aufessen kann. Da schoss er sie ab. Der Schneider aber sah inzwischen, was er angerichtet hatte. Er verscharrte heimlich das Kleid. Dann ging er zurück zum Schloss. Äh, Quatsch, ich hab mich versprochen! Also, der Jägersmann aber sah inzwischen, was er angerichtet hatte. Er verscharrte heimlich die Prinzessin und ging mit dem Kleid zum Schloss, um seinen rechtmäßigen Finderlohn zu fordern. Der König sprach: „Fürwahr, dieses Kleid sieht tatsächlich so aus, wie das von meiner Tochter. Aber vielleicht hast du es ja selbst genäht und gefälscht, um jetzt abzukassieren. Geld an solche Betrüger auszuzahlen kann sich mein Königreich heutzutage in Zeiten knapper Kassen nicht mehr leisten.“ Da verfiel der König auf eine List. Er sperrte den Jägermeister in den Keller, wo das
Gefängnis aufbewahrt wurde, ein und gab ihm Stoff, Nadel und Faden, damit er ein Kleid nähe. Der Gedanke dahinter war der, dass wenn der Jäger kein Kleid nähen könne, er die Wahrheit gesagt habe. Sie hielten ihn dort mehrere Jahre gefangen. Am dritten Tag aber kam ein kleiner Schneider rein. Der hatte einen Buckel und half dem Jäger, das Kleid zu nähen. Das galt aber sozusagen als Gegenbeweis, der König sagte „Betrüger!“ und so
hielten sie ihn dort mehrere Jahre gefangen. Der Schneider aber sah inzwischen, was er
angerichtet hatte. Er verscharrte heimlich das Kleid. Dann ging er zurück zum Schloss. |
(C) Dan Richter