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Straff

Auf den Wartehäuschenplakaten ist eine Frau zu sehen, die den Slip zur Seite schiebt, um ihren Hintern zu kontrollieren. Die Frau ist beruhigt, weil sie, wie der Text uns verrät, sich das gute Stück mit Niveakrem eingeschmiert hat und deswegen alles straff ist. Ich überlege, wann ich da hinten zum letzten mal nach dem rechten gesehen habe. Ich kann mich nicht erinnern. Vielleicht vor acht Jahren. Wahrscheinlich aber noch nie. Zu Hause ziehe ich mir Mantel und Hose aus und schiebe dezent den Slip zur Seite. Ich verrenke mich nach hinten, kann aber nur ansatzweise was erkennen. So geht das nicht. Ich stelle mich vor den Spiegel und versuche, meinen Hintern zu sehen. Möglicherweise ist er straff. Ich weiß es nicht. Ich weiß, nur, dass ich nicht gelenkig genug bin, um was zu erkennen. Ich muss eine andere Position wählen, aber welche? Beim Nachdenken fallen mir nur ausgefallene Sexstellungen ein. Eine davon scheint mir geeignet. Ich nehme den großen Spiegel von der Wand, und schleppe ihn ins Schlafzimmer. Dort lege ich mich mit dem Rücken aufs Bett und schwinge die Füße hinter den Kopf. Ich weiß, das ist eigentlich eine Frauenstellung. Aber ich mach das ja hier nicht zum Spaß. Mit der einen Hand schiebe ich den Slip beiseite, aus der anderen Hand fällt mir der Spiegel zwischen die Beine. Aua! Das hätte ins Auge gehen können. Ich glaube, den Teil mit dem Slip beiseite schieben, kann ich weglassen. Wir sind ja hier unter uns. Ich ziehe mich aus, bis ich nackt bin, lege mich wieder in die Füße-hinter-den-Kopf-Stellung (Mein Gott, aus dieser Perspektive wirkt das völlig idiotisch. Kapiere nicht, dass es Frauen gibt, die so was freiwillig mitmachen) und halte den Spiegel mit beiden Händen. Ganz schön behaart sieht der aus, mein Hintern. Na, das hätte ich jetzt aber nicht gedacht. Und straff? Ich weiß nicht so recht. In dieser Lage ist er ja auch ganz schön angespannt. Das hat alles keinen rechten Sinn. Ich stehe auf, hänge den Spiegel an die Wand, und untersuche die Hinternstraffheit durch Befühlen: Na, geht so. Und wenn ich die Muskeln anspanne? Oh! Die sind bereits angespannt. Na, um Hängebacken handelt es sich hier sicherlich nicht, und für Außenstehende fällt das wahrscheinlich auch gar nicht weiter auf. Aber ein bisschen Nivea wird schon nicht verkehrt sein.

Am Tag darauf kaufe ich bei Kaisers vier Kisten á 20 Nivea-Dosen. Jeden Tag zwei Dosen aufgetragen. Eine morgens, eine abends, und schon kann ich mich in knapp zwei Monaten wieder sehen lassen.

Ich lege mich auf den Bauch und trage den Inhalt der ersten Dose nach und nach auf. Das ist nicht angenehm, aber es geht hier schließlich um meinen Körper. Nach sechs Stunden ist das Zeug mehr oder weniger eingezogen, und ich bemerke, wie die Haut ein wenig spannt. Aha! Es wirkt! Vielleicht geht das ja alles viel schneller als vermutet. Nach drei Tagen ist die Haut so straff, dass mir das Gehen und Sitzen schwerfällt.

Eine Woche später kann ich mich morgens nicht mehr aus dem Bett erheben. Ich liege auf dem Bauch, und fühle mich wie die Plastik "Liegender". Mit aller Kraft schaffe ich es, die Knie anzuziehen. Eine vier Zentimeter dicke gipsartige Schicht bröckelt von mir ab.

Hatte ich’s mir doch gedacht – alles Betrug! Immerhin kriege ich bei Kaiser’s mein Geld zurück..

Sexstellungen
Beim Nachdenken fielen mir nur
ausgefallene Sexstellungen ein.

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