Abschluss-Ansage Jochen Schmidt und Dan Richter
bei der Chaussee der Enthusiasten am 6.10.05

 

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Dan: Ja, wir sind beide ein bisschen bedrippt, weil die Show jetzt schon vorbei ist, aber ich glaube, wir haben keine Ursache, traurig zu sein.

Jochen: Braucht man dafür eine Ursache? Wenn ja, dann haben wir keine.

Dan: Ich glaub, dass wir in diese Welt des Unrats und der Gemeinheit...

Jochen: ...gut reinpassen

Dan: Nee, dass wir eine Kerze angezündet haben, eine Kerze, die uns das Leben erleichtert durch ihr Licht und durch ihre Wärme, die sie auch abstrahlt und unsere Herzen schneller schlagen lässt, eine Flagge des Glücks.

Jochen: Ja, diese Kerze haben wir angezündet und in eure Herzen gestellt,...

Dan: ... von wo aus sie jetzt anderen Menschen sichtbar ist, denn Kerzen haben ja die Eigenschaft, ihr Licht weitergeben zu können. D.h. ihr könnt den Spirit, den wir hier entfacht haben, eurer Nachbarin zum Beispiel mitteilen.

Jochen: Ihr müsst nur eure Herzen aneinander rubbeln, dann springt das Feuer über. Das geht auch zwischen Frau und Frau und zwischen Mann und Mann. Da kennen wir keine Gnade und keine Grenzen.

Dan: Genau, es geht auch über Landesgrenzen hinweg, man muss nur eben eine Art morphisches Feld bilden, und aneinander mit Liebe denken.

Jochen: Ja, aber natürlich platonische Liebe. Na ja, manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass man voller Liebe an die Menschen denkt und dabei auch Erotik ins Spiel kommt

Dan: Erotik ist Teil des Ganzen, es ist nicht die bestimmende Komponente, es ist ein Teil des Ganzen.

Jochen: Selbst mit Menschen, die sich beruflich mit den Seelen befassen und dem Sex entsagt haben, ist nicht ausgeschlossen, dass der Teufel ihnen von Zeit zu Zeit eine Erektion beschert. Dafür sind ja diese Kleidungsstücke, sie haben so viel Spielraum, damit man nicht darüber stolpert.

Dan: Du meinst die weiten Kittel der Psychiater?

Jochen: Nein.

Dan: Ich weiß schon wen du meinst: die Angehörigen jener Sekte, die ich schon zu Anfang genannt habe, ...

Jochen: ... und an deren Fingern nicht nur Blut klebt, ...

Dan: ... sondern auch viele andere Körperflüssigkeiten – getrocknet oder frisch gepresst.

Jochen: Ja. Wie Schiller meinte, nichts Menschliches sollte einem fremd sein, sonst wüsste man überhaupt nicht, wovon die Rede ist, wenn die Menschen zum Beichten kommen und irgendwelches Schweinezeug erzählen und man dann sagt: äh? Weiß ich nicht, hab ich noch nie von gehört. Ist das schlimm? Nein, man muss das alles durchgemacht haben, vom Saulus zum Paulus, indem man vom Esel fällt. Wie fällt man heute noch vom Esel? Man kommt selten dazu. Man muss sich schon was anderes einfallen lassen.

Dan: Das ist wahr. Also, Autounfall wäre vielleicht heutzutage das Äquivalent. Wie ist es eigentlich den Rauchern ergangen? Ist jemand von den Rauchern da, der sagt, also das geht überhaupt nicht, ihr seid Faschisten?

...

Jochen: Oder auch, Mensch, das war ja total toll?

...

Dan: Nur von den Rauchern. Von den Rauchern hätt ich gern den Applaus. Wer von den Rauchern sagt, das ist ne gute Idee gewesen.

...

Dan: Ja, immerhin.

Jochen: Und wer von den Rauchern gibt jetzt das Rauchen auf? Keiner? Na ja, ist ja auch wichtig, dass ein bisschen Steuern reinkommen, von denen...

Dan: ... von denen z.B. diese Veranstaltung hier finanziert wird. Jede Woche werden hier 100.000 Euro reingepumpt, um uns ein Leben in Saus und Braus bescheren zu können.

Jochen: Ja, meistens können wir das gar nicht alles aufessen, was da backstage alles steht, das vergammelt, vielleicht können wir ja nächstes Mal ein bisschen davon an euch verteilen.

Dan: Wir werden jetzt, während die Diskothek läuft, die heute Jochen machen muss, werden wir andern uns hinten im Wellnessbereich noch massieren lassen.

Jochen: Ja, auch ein Tipp von uns: Lasst euch mal wieder anfassen, es tut gut.

Dan: Ich habe gelesen, wir haben ja noch nicht darüber gesprochen, dass du dich nach dieser Fußball WM von einer jungen Frau hast massieren lasen? Ist das wahr?

Jochen: Auch schon im Trainingslager eine Fußmassage war dabei, eine Fußreflexzonenmassage.

Dan: Was ja die zweiterotischste Massage überhaupt sein soll.

Jochen: Echt? Was soll denn dann die...., ach so, ich weiß schon.

Dan: Beim Manne, muss man sagen. Beim Manne.

Jochen: Na ja, wobei, wenn man an „Der perfekte Liebhaber“ denkt, das Buch, das ich noch mal ausdrücklich nicht empfehlen will, da steht z.B. drin, dass man sich den Bart so rasieren soll, man soll sich vorstellen, dass man in seinem Mund mit den Fingern kratzt, und deswegen soll man sich die Fingernägel so abschneiden, dass man das nicht mehr fühlt. Usw. Und in Wirklichkeit stehen Frauen total auf Bartgefühl im Nacken z.B. und auch auf Fingerkratzen.

Dan: Sie schreibt das bestimmt aus einer bestimmten Perspektive.

Jochen: Sie schreibt, man soll, wenn man Bartträger ist, ihn mit einer Lotion behandeln, so dass er weicher wird.

Dan: Warum guckst du mich dabei jetzt so an? Ja Gut, ich hab so einen Zweitagebart.

Jochen: Ja, gut, das ist ein völlig neues Feld, da können wir euch nicht viel Neues sagen, glaube ich. Wenn ich in eure Gesichter schaue, dann werden wir das vielleicht nächste Woche machen, wenn wir hier wieder auftreten und ihr euch längst in alle Winde verstreut habt und auf allen Kontinenten die Botschaft weitertragt, eure Herzen rubbelt und...

Dan: ... die Spaßkugel weiterrollen lasst. Wir haben versucht, etwas von unsrer Ausgelassenheit, die der eines jungen Fohlens gleicht, weiterzugeben. Wir hoffen, es ist uns gelungen. Wer war denn heute mit dran beteiligt: Wir hatten heute einen Superstargast, der tritt jeden Dienstag (wir haben ihn gerade geweckt) er tritt jeden Dienstag im Zosch auf, bei der Lesebühne LSD 21.30 Uhr – es ist Spider.

Jochen: Er ist vorhin wirklich kurz eingenickt, ich habe es an seinen Augen gesehen, er hat sich deswegen extra mit dem Rücken zum Publikum gesetzt – Robert Naumann.

Dan: Wir nennen ihn nur „the Brain“. Er weiß bescheid in Computerfragen und auch in philosophischen Fragen kennt er sich aus – Bohni.

Jochen: Ja, er wird euch noch, wenn ihr noch bleiben wollt und individuell psychologisch beraten werden wollt, dann könnt ihr euch an ihn wenden oder auch an der Kasse noch eine Brillenschlange von ihm kaufen – Andreas Gläser.

Dan: Ich glaube, es wurde noch gar nicht gesagt. Die Brillenschlange, wenn man das so hört: „Ihr könnt eine Brillenschlange kaufen,“ dann hört das sich so an, als ob wir Zuhälter wären. Die Brillenschlange ist unser Heft, unser Zentralorgan. Stephan Zeisig, er ist in Frankreich, sein Tagebuch ist jetzt online, auf www.enthusiasten.de/stephan.htm
Schreibt ihm an seine E-Mail-Adresse, die man da auch lesen kann. Guckt mal in unser Gästebuch rein, da geht gerade so ein kleines Stutenbeißen ab. Außerdem war heute mit dabei – Jochen Schmidt.

Jochen: Ja, danke auch ans Team vom RAW – Bar und Technik. Ja, und er hat das Kunststück geschafft, nur 1:10 h nach mir im Ziel zu sein – Dan Richter.

Dan: Ja, von Jochen gibt’s noch Bücher da vorne. Jetzt aber hopp hopp, ans DJ-Pult! Die Platten werden rausgeholt. Wir werden jetzt hier eine gigantische Disko-Kugel von oben runterlassen. Die ersten drei Stuhlreihen räumen wir weg. Wenn ihr noch Fragen habt zu den Texten, dann könnt ihr uns gerne fragen, ansonsten werden wir euch gleich zum Tanzen auffordern und neue Texte gibt’s nächste Woche. Bis dann. Ciao.

 

Zum Mithören: mp3-Audio