Gedanken zu Improvisation und Improtheater - Dan Richter
September 2006
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6.9.06 Geld 1. Behandle künstlerische Projekte, bei denen du
viel Geld verdienst, nicht wie einen „Job“, sondern wie etwas, das dir
sehr am Herzen liegt. 10.9.06 Positives Rudi Carrell sinngemäß einmal in einem Interview:
Er habe irgendwann aufgehört, das Schlechte (im Fernsehen) verbessern zu
wollen. Und sich darauf konzentriert, das Gute zu tun.
11.9.06 Indisches Zeitgefühl und Psychoanalyse „Im zweiten Jahr [des Aufenthaltes in Indien] verspürte
ich bei solchen Vorfällen [des Versetztwerdens] keine Enttäuschung mehr,
weil ich im Grunde schon gar nicht mehr damit rechnete, irgend etwas zu
erreichen. Es war geradezu eine erheiternde Vorstellung geworden, man könne
tatsächlich das erledigen, was man hatte erledigen wollen. Stattdessen
setzte ich mich einfach in das Teehaus des Ortes, lernte neue Menschen
kennen oder betrachtete Kinder, die Tiere und alles, was gerade vorbeikam.
Dann geschah manchmal etwas anderes, was ich eigentlich nicht vorgehabt
hatte. Manchmal auch nicht. Jegliche Arbeit, die tatsächlich erledigt
werden wollte, kam von selbst auf mich zu. (...)
12.9.06 Off-Figur Selten genutzte Option für Impro-Szenen mit wenigen Darstellern: Dass einer der Darsteller die andere Figur ins Off anspricht. Das kann das seitliche Off sein, aber auch die Publikumsseite.
13.9.06 Impro lehren Wie überhaupt jeder Lehrer sollte gerade der Lehrer der Improvisation in der Lage sein, ein einmal gefasstes Konzept für einen Workshop oder eine Stunde über den Haufen zu werfen, je nachdem, wie sich die Fähigkeiten der Klasse entwickeln. Es gibt eine Tendenz von Impro-Lehrern, bestimmte Übungen gewissermaßen abzuarbeiten. Und bei vielen Games erscheint das auch gar nicht unbedingt als Problem, da gute Spiele ja auch immer ein gewisses Unterhaltungspotential bieten, was über das Lernziel hinausgeht. Als Lehrer muss ich mir jedoch immer wieder wie eine Rückkopplungsschleife die Frage stellen: Was will ich mit den Schülern erreichen, welche Fähigkeit will ich trainieren, was will ich ausprobieren? Ein guter Lehrer erkennt schnell, wenn eine Übung für eine Gruppe ungeeignet ist und entwickelt im Stegreif eine neue Übung, die sozusagen von einem anderen Wege her zum selben Ziel führt. Ein guter Lehrer ist also auch immer ein guter Improvisierer.
14.9.06 Übung, um sich aus der Sicherheit des Storytelling herauszukatapultieren 1. Dissoziieren (ähnlich wie assoziieren, nur dass man die Assoziation so weit wie möglich wegwirft, d.h. einen Begriff wählt, der mit dem vorher genannten so wenig wie möglich zu tun hat.) 2.
Die Szene stören
15.9.06 Strukturen und Spielfreude Da es anscheinend ein übliches Muster in Gruppen ist, dass sich die Spielfreude der Spieler in dem Moment reduziert, da sie mit komplexeren Strukturen konfrontiert werden, muss man als Lehrer wohl darauf achten, dass das Element der Spielfreude nie verloren geht bzw. jedes Mal neu hervorgezaubert wird. D.h. konkret: Wenn ich ein neues Game, eine neue Technik, ein neues Genre eine neue Langform lehre, sollte der Fokus des Schülers immer sein: Wo liegt für mich die Freude an dieser konkreten Form?
16.9.06 Kauderwelsch-Szenen Kauderwelsch-Szenen in Pseudo-Italienisch, -Russisch,
usw. werden oft viel zu eitel gespielt, d.h. ein zu großer Wert auf das
parodistische Element, d.h. den vordergründigen Gag, gelegt.
17.9.06 Brechts Theaterarbeit Egal, wer den Vorschlag einbrachte, Brecht war immer dafür, es auszuprobieren. Auch wenn er (davon muss man ausgehen), die jämmerlichen Resultate in der Regel voraussah. Aber nur durchs Ausprobieren verstehen die Beteiligten, worum es geht. Außerdem ist anzunehmen, dass Brecht sich auf diese Weise gegen Altersstarrsinn immunisierte.
19.9.06 Unsicherheit Improvisation – und wie so oft übertragbar: Kunstschaffen überhaupt – hängt von der dem Alltagsinstinkt gegenläufigen Fähigkeit der Selbstverunsicherung ab. Improspieler werden früher oder später immer wieder versuchen, festen Boden unter den Füßen zu finden. Das ist bis zu einem gewissen Grade in Ordnung, nur muss man sich der damit einhergehenden Gefahr der Versteifung bewusst werden. Im Improtheater sind dies: - immer wiederkehrende Figuren - Games, die nur gespielt werden, wenn man sie perfekt beherrscht - voraussehbare Storys - mangelnde Veränderung der Figuren - physische Steifheit auf der Bühne - mangelnde Bereitschaft, Neues und Unfertiges auszuprobieren
29.9.06 Nach Lee Strasberg bedeutet
gutes Schauspielen, dem Zuschauer zu suggerieren, das was auf der Bühne
geschieht, sei echt. Brecht dagegen entnimmt dem modernen Komödientheater
von Karl Valentin den Spaß, ständig die vierte Wand zu durchbrechen, und
stößt den Zuschauer immer wieder auf die Bühnensituation.
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Dan Richter