Gedanken zu Improvisation und Improtheater - Dan Richter
August 2007
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1.8.07 Hemmende und konstruktive Beobachtung "Hemmendes Urteil hastet – sozusagen den
zeitlichen Verlauf unserer Handlungen kreuzend – und stellt sich vor den
Schöpfungsakt (Schreibblockade) oder dahinter (Ablehnung oder
Gleichgültigkeit). Der Trick für kreative Menschen besteht darin, zwischen
den zwei Arten des Urteils unterscheiden zu können und das konstruktive
Urteil zu kultivieren."
2.8.07 Einstiegsmeditation Für Warm Ups in Trainings, Workshops und vor Shows: Im Kreis stehen, Augen geschlossen, sich nur auf den Atem konzentrieren. Ziel ist, drei mal zu atmen, ohne an etwas anderes als den Atem zu denken. Wenn du es geschafft hast, versuche es noch mal. Jemand von außen gibt ein Zeichen für Beginn und Ende.
3.8.07 Eine einfache Übung von Herrn Johnstone. Warum bin ich da nicht früher draufgekommen?
4.8.07 Übung für hartgesottene Labertaschen Szene mit Ball. Nach jedem Satz wird der Ball zurückgeworfen.
5.8.07 Komödie "All I need to make a comedy is a park, a
policeman and a pretty girl."
6.8.07 Gemeinsames Atmen In der Kollektiv-Improvisation geht es darum, den gemeinsamen Atem zu finden. Bei Musikern ist das fast selbstverständlich. Dizzy Gillespie und Charlie Parker hätten ihre Musik wohl sonst nicht hervorbringen können. Aber auch im Improtheater sollten wir metaphorisch als auch wörtlich auf den Atem der Szene und des Stückes achten.
7.8.07 Gemeintsein Improvisierte Elemente - egal in
welcher Form der darstellenden Kunst - erzeugen beim Zuschauer viel eher
das Gefühl, einem einmaligen Ereignis beizuwohnen. Vielleicht ist es
auch das Gefühl beim Zuschauen, selbst gemeint zu sein.
8.8.07 Übung: Kurzstücke für Schauspieler und Musiker Eine Miniszene mit Anfang, Mitte, Ende,
jeweils maximal 1 Minute. Wenn diese überschritten wird, noch mal
beginnen.
9.8.07 Nicht erlernbar " 'Etwas fehlt' zwangsläufig in Büchern
und anderen Lehrmethoden, die Information und Verfahren betonen, obwohl
sie durchaus wertvolle Tricks und Schritte beinhalten können."
10.8.07 Angst "People avoid the fear when they have
something strong enough to distract them from it. Trust doesn't do it
because it can easily be taken over by fear. Fun can do it. If they are
having fun, they don't think about the fear."
11.8.07 Impro im Film ("The Salton Sea") "Smart directors do that kind of thing.
(...) This is a project that has a little space .. to go really extreme,
just to see if it works.
12.8.07 Publikumskritik: Ihr Rassisten Empörtes Publikum beschwert sich oft
über den Inhalt der Geschichten bzw. Szenen. In krassen Fällen werden
einem dann politische Unkorrektheiten vorgeworfen (Rassismus, Chauvinismus
usw.), oft lediglich weil derartige Inhalte thematisiert wurden.
Keinesfalls sollte man sich inhaltlich einschränken lassen.
13.8.07 Anfänger-Haltung befeuert Kreativität Paul McCartney über seine Begegnung mit einer Mandoline Dezember 2006: "I found, the great thing about it was, I didn't know how to play it, because it's tuned like a violin. So I had no idea what the chords were. So this was good, 'cause it took me back to when I was a teenager being presented with an instrument you didn't know how to play. (...) So I found one chord and I found another chord and I found a real strange chord, very simple shape, it was an odd chord, I still don't know what chord it is. [The song] eventually kinda wrote itself."
14.8.07 Szenische Einbeziehung des Publikums Sparsam angewendet ist es ein hübscher Effekt, das Publikum eine Rolle spielen zu lassen (Massenszenen oder abstrakte Wesen). Zu oft genutzt kann so etwas aber schnell zu einem Improklischee gerinnen. Wie immer kommt es auf das Wie an.
15.8.07 Im Moment "Let us not look back in anger, nor
forward in fear, but around in awareness."
17.8.07 Erhaltung des Wahnsinns Der Anspruch fortgeschrittener Gruppen und Spieler auf "Ernsthaftigkeit" nach einer gewissen Zeit des gemeinsamen Spielens führt häufig zu Negativität oder banaler Vorhersehbarkeit. Die Aufgabe, die man sich als Gruppe oder auch als Einzelspieler also immer wieder stellen muss: Sich selbst aus der Bahn werfen und in unerwartete Sinnbereiche vorzustoßen, körperlich oder verbal.
18.8.07 Alte Improspiele neu Von Zeit zu Zeit lohnt es sich, die alten ausrangierten Games aus der Mottenkiste auszukramen. Nachdem ich mich nun jahrelang geweigert hatte, das alte "ABC-Spiel" zu spielen, probierten wir es bei einer Probe aufs Neue aus. Legte ich früher großen Wert auf den physischen Einsatz, der auch mal eine Verbalnot überbrücken könnte, so glaube ich nun, dass man sich durch das Herausschleudern von Sätzen, die nicht zu viel Sinn ergeben dürfen, in verrückte Situationen katapultieren kann.
19.8.07 Relevanz In der deutschen Improszene vermisse
ich den Mut zu Relevanz. Wenn z.B. politische Themen behandelt werden,
bleibt es auf der Oberfläche des Erwartbaren und des Parodistischen.
Ebenso auf dem Gebiet der Wissenschaft: Auch von Profi-Ensembles bekommt
man in 90% der Fälle den "verrückten Wissenschaftler" angeboten. Dabei
haben die meisten Impro-Spieler durchaus eine Universität oder eine
Hochschule besucht und wären in der Lage, auf intelligente Inhalte
zuzugreifen. Dabei ginge es gar nicht um ein Belehren im klassischen
(Brechtschen) Sinne, sondern um einen spielerischen (d.h. künstlerischen)
Umgang mit anspruchvollen Inhalten.
20.8.07 Was ist denn nun gute Impro?
Mike
Short: "What it boils down to in any art form is an artist calling
himself such and making bold, strong choices. Emphasis on the word
choices, poor art occurs when the artist refuses to make choices."
22.8.07 Aggressive Szenen und Konflikt Man muss weder Aggression noch Konflikt
vermeiden, aber wir sollten uns der Gefahr bewusst werden, die derartige
Szenen bergen: Sie drohen, statisch zu werden, die Geschichte nicht
voranzubringen, und sie verführen die Improspieler dazu, selbst innerlich
aggressiv und konfliktorientiert zu denken, wodurch ein Teufelskreis
entsteht.
23.8.07 Warm Up vor der Show Vor der Show mit der neuen Gruppe
Foxy Freestyle eine Art
übliches Warm Up: Assoziieren, Freeze Tag usw.
24.8.07 Wiederholung improvisierter Szenen Wenn mit improvisatorischem Geist
angegangen, kann es von Zeit zu Zeit eine durchaus erhellende Methode
sein, in Proben improvisierte Szenen zu wiederholen, um einen bestimmten
Aspekt stärker zu beleuchten. Wie wirkt diese Szene, wenn wir einen
stärkeren Fokus auf den Status legen? Wie wirkt die Szene, wenn wir sie
mit einer gegenläufigen Emotion anlegen, wenn wir schneller, langsamer,
leichter, schwerer spielen?
25.8.07 Haltung bei Unterspannung Man spiele als sei es die letzte Show, die man je im Leben spielt.
26.8.07 Haltung bei Überspannung Es ist nur eine Show. Und was dann kommt, sind auch nur Shows.
27.8.07 Ausstrahlung Natürlich kommt es vor, dass man zu unachtsam ist, die Partner einen nicht verstehen, dass man auf dem Schlauch steht. Aber das alles ist kein Grund, die gute Laune auf der Bühne zu verlieren.
28.8.07 Das narrative Grundprinzip Der Beginn ist wilde Assoziation. Wenn die Szene
entsteht können wir ruhig Wildheit ins Spiel bringen - in spezifische Orte
unerwartete Charaktere einbringen oder unerwartete Charakterisierungen der
Figuren.
29.8.07 In jedem steckt alles "In jedem steckt ja allet so drin.
Manche tun ja so, als ob se nur eene Richtung in sich drin haben, aber dis
gloob ick nich. Also jeder hat alle Richtungen in sich. Und mache Leute
rufen die ooch in dir hervor." "Als Band erreichste irgendwann so'n
Punkt, wo se überlegen muss: Machen wir jetzt Band oder machen wir jetzt
Faxen nebenbei? Und da gibt's zwee Möglichkeiten: entweder man macht dit
als Amateure, so nebenbei - du hast'n Lebensinhalt und machst nebenbei
Musik. Oder du hast keen Lebensinhalt, dann machste eben nur Musik."
30.8.07 Erste Sätze im Film "I believe in America. America has made
my fortune." "No, forget it, it's too risky.
I'm through doin' that shit." "When your name is called go over there
... take this over to that table" "It's getting cold." |
English version (excerpts) 2007
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Dan Richter