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Die letzte Zeile singen wir gemeinsam, ohne uns anzuschauen: Gleicher Text, gleiche Melodie. Das Video ist wie immer lediglich ein müder Abklatsch, aber die Zuschauer sind von diesem besonderen Moment auch begeistert.
Ich denke, die Chance, solche Momente zu erleben, erhöht sich, wenn wir nicht nur aufmerksam sind, sondern vor allem auch mutige Entscheidungen treffen.
Der Song startet ca. bei Minute 3:30
Das Schicksal wollte es offenbar auch, dass hier drei musikalisch talentierte Spieler zusammenkamen. Und auf unserem Weg sind wir immer wieder auf großartige Improvisationsmusiker gestoßen: Harry Hawaii, der uns in unserer Lehrzeit auf den Trichter brachte, überhaupt Musik in die Theaterimpro einzubeziehen. Christopher Noodt (heute bei den Ohrbooten), unser erster Pianist bei Paula P., der vom ersten Moment an ein untrügliches Gespür für Szenen, Songs und Schwung hatte. Andrés Atala Quezada, der wohl als Kind in den Musikbottich gefallen sein muss und der uns außerordentlich komplex zu begleiten weiß. Camilla Elisabeth Bergmann, unsere Bühnenkollegin bei Paula P. und Die Bö, die uns immer wieder dazu ermunterte, unser musikalisches Repertoire zu erweitern und zu verfeinern. RicoLoop, der mit einer Armada von Instrumenten und natürlich seiner berühmten Loopstation anrückte und den Szenen eine neue Wildheit verlieh. Fee Stracke, die eine sehr spezielle, einfühlsame und phantasievolle Art entwickelt hat, Szenen zu begleiten.
Danke allen!
Labels: Musik
Labels: Musik
Michael Jackson selbst lässt die Music Awards sausen, um im Studio die Lead-Spur für die Chöre einzusingen. Dann, mitten in der Nacht kommen sie angefahren, teilweise direkt angejettet von der Preisverleihung, alle mit ihrem öffentlchen Winke-winke-Lächeln. Aber langsam tauen sie auf. Der Chor wird einstudiert, und man sieht einen riesigen Haufen Profis am Werk, uneitel und völlig in der Sache aufgehend.
Jeder gibt sein Bestes. Man spürt (zumindest auf den Making-Of-Video-Aufnahmen) nichts von Neid gegenüber denjenigen, die das Glück hatten, einen Solo-Part zu erwischen.
Eine kleine Unterbrechung der Solosequenzen, als Cyndi Lauper (der vermutlich Jüngsten des ganzen Teams) mit ihren Kettenklunkern die Aufnahme vermasselt. Alle lächeln nachsichtig.
Die Aufnahmen sind vorbei, einer der Musiker bittet einen anderen um ein Autogramm und löst eine Welle aus. Es stellt sich heraus, dass jeder ein Fan von jedem ist, und so verschwinden am Ende noch die Reste von Neid.
Aber die Musik und der Text sind schon höchst amüsant. Meine Mitstreiter stellen sich derzeit ständig Stabreimstrophen. Das alles verliert seine Bedeutung und Macht, wenn man anfängt, damit zu spielen.
Gibt es eigentlich eine Impro-Gruppe, der es schon mal befriedigend gelungen ist, eine Oper im Wagner-Stil aufzuführen? Feedback gerne hier.
Labels: Musik
Musizieren trainiert natürlich auch.
Es erinnert mich an die endlose Diskussion von Komödie und Improtheater.
Labels: Freies Spiel, Musik
Helge sicherlich nicht in Höchstform, ein wenig müde, aber selbst in diesen vergleichbar schwachen Momenten noch inspirierend.
Der Admiralspalast ein wenig ungeeignet. In der 14. Reihe fällt es schon schwer, optisch und akustisch zu folgen. Ob das an den Haustechnikern oder an der Crew von Helge liegt, ist schwer zu sagen.
Sehr schön die mexikanischen Trompeten. Gleitmanns Gymnastik. Die Statusspielchen mit dem Butler. Aber irgendwann würde man auch gern mal jemanden vom Ensemble was sagen hören. Trauen sie sich nicht? Oder sollen sie nicht, weil es Helge vielleicht doch schwerfallen würde, darauf zu reagieren?
Wunderbar: "Der Meisenmann". Der Liedtext schön weiterentwickelt zu einer absurden Odyssee des Meisenmannes. Und selbst "Katzeklo" klingt schön entspannt und wie ein gut abgehangener alter Jazz-Standard für Vibraphon.
Ehrenhaft, dass die ganze Band die Bühne räumt, damit Pete Yorke ein 5minütiges (Steffi meint, es seien mindestens 10 Minuten gewesen) Schlagzeugsolo hinlegt. Er bekommt auch seinen wohlverdienten Applaus, aber im Zusammenhang des Gesamtabends wirkt die Leistung Yorkes wie eine Arbeitsverweigerung von Helge.
Für die Zugabe holt er die Panflöte heraus, beginnt einen kleinen Monolog und verabschiedet sich. Als habe er aufs Flötespielen dann doch keine Lust mehr gehabt.
Dabei fraß ihm das Publikum wie gewöhnlich aus der Hand. Gelächter nach praktisch jedem Satz. Teilweise schon hysterisch. Seine Fernsehkritik und -parodien zu Casting- und Gerichts-Shows eher einfallslos, beinahe ranschmeißerisch. Prompter Gesinnungsapplaus.
Die musikalischen Beiträge insgesamt stärker. Sehr uneitel holt er diverse Instrumente heraus und spielt sie, ohne eine Sansation draus zu machen, als sei es eine Selbstverständlichkeit: Trompete, Akkordeon, Gitarre, Saxophon, Mundharmonika, Vibraphon. Und das einzige Instrument, das er im klassischen Sinne "gelernt" hat, - das Klavier - lässt er an diesem Abend von einem anderen Musiker spielen.
Labels: Bühnenverhalten, Musik
Vielleicht transzendiert der Text dieses Liedes keine größere Wahrheit als, sagen wir, "I want to hold your hand". Aber das Erstaunliche ist ja, dass er als Songtext funktioniert, was man vielleicht vor allem als Nicht-Muttersprachler bemerkt:
Die Wiederholung des "One man"-Motivs
Die Vokallastigkeit des Textes
Der Gleichklang von "One Man" und "What more"
Die schlagwortartigen Gegensätze (barbed wire/kiss, love/betray...)
Jede Zeile ein T-Shirt-Spruch.
Labels: Musik
Schlingensief: "Wo liegt eigentlich der Unterschied? Ich hab auch Klavierunterricht gehabt, ich kann überhaupt nicht improvisieren. Kriegt man das beigebracht oder kann man so was? Wie kommt das? Absolutes Gehör? Oder wie kommt das, dass man improvisieren kann?"
Helge Schneider: "Absolutes Gehör hab ich nur bedingt. Ich hab so 'ne Art Gewohnheitsgehör. Aber absolutes Gehör hab ich nicht. Das muss man auch nicht haben, das hat nichts mit Musikalität zu tun. Musikalität ist die Fähigkeit, etwas, das man singen könnte umzusetzen, auf irgendeinem Instrument. Es ist ganz egal welches. Deshalb spiele ich auch so viele Instrumente: Weil ich gelernt habe, das was ich gedacht habe, für mich zu spielen. Ich kann also jedes Instrument lernen, wenn ich weiß, wie das technisch funktioniert. [Und dass man improvisieren kann] das ist ne Gabe, die man nicht erklären kann. (...)
"Ich hab auch immer gemalt. Ich war ein besessener Zeichner und Maler."
"Die Könnerschaft fängt nie an. Man hört ja nie auf zu lernen. Die Könnerschaft, die gibt's gar nicht."
Schlingensief: "Was ist das Helge-Schneider-System?"
Helge Schneider: "Ich hab da eigentlich ur so Bilder aneinandergereiht. Jetzt geht derjenige hin, der meint, er hätte auf der Filmhochschule alles gelernt und sagt: 'Hörma Schneider, dein Film ist aber Scheiße, da sind ja furchtbare Schnitte drin, was isn das, da is ja gar kein Rhythmus drin?' Genau das ist das - das sind die Typen, die zu Technomusik sich den Arsch verrenken und von Rhythmusgefühl keine Bohne haben. Und ich hab das Rhythmusgefühl. Deshalb hab ich den Film so gemacht. Weil ich hab den Rhythmus nämlich breit gestreut, über den ganzen Film. Und der Film hat'n Rhythmus, den siehst du aber erst ganz zum Schluss."
Labels: Musik
Labels: Musik
Aus irgendeinem völlig bescheuerten Grund sah er sich aber dazu veranlasst, in jeder zweiten Szene auf die Demo-Song-Datenbank des Keyboards zurückgreifen zu müssen. Also nicht nur nicht-improvisierte Musik, sondern schlechte Musik: Verpoppte Beatles-Songs, dämliche Humpta-Polkas usw.
Was für ein Teufel saß diesem guten Musiker im Nacken?
Labels: Musik
Andere schaffen Großartiges und bleiben dabei durchaus im formalen Rahmen ihrer Zeit: Mozart, der vielleicht den tonalen Rahmen etwas weiter fasste als seine Zeitgenossen.
Labels: Musik
Labels: Musik
http://www.spreeblick.com/2006/02/10/1984/
http://www.plosone.org/article/fetchArticle.action?articleURI=info:doi/10.1371/journal.pone.0001679
Für Improvisierer ist das im Grunde der Beleg einer Binsenweisheit, denn wir spüren, dass wir anders denken, wenn wir improvisieren.
Labels: Musik
White: How good they were. You could see the comfort level between them, in Keith's guitar playing and Ron's slide playing. It's impressive, man, when that confidence is exuded. Someone once told me when I first started playing - you get a lot more respect if you act like you own the joint. If you fumble around, you don't gain respect.
Richards: You could have asked me that question back when we went from clubs to opening for Bo Diddley, Little Richard and the Everly Brothers on one tour [in 1963]. I learned more in those six weeks than I would have learned from listening to a million records.
Richards: I loved listening to music - the pure beauty of listening - before I ever learned an instrument. I realize, in a way, that I tainted that beauty, because now I know how certain things are done. But brother, you've made your deal now. The only thing you can do is pass it on.
(Ist das wirklich so? Dass man die Schönheit des Kunstgenusses zerstört, wenn man weiß, wie es gemacht wird? Ich glaube eher, der Genuss ist dann auf einer anderen Ebene. - DR)
Labels: Bühnenverhalten, Musik, Publikum
Interessant ist ja, dass gerade das Ringen Salieris um Ausdruckskraft ihn scheitern lässt. Seine Gebete sind nicht kontemplativ, sondern er fordert Gott heraus. So bleibt sein Verhältnis zur Kreativität ein negatives.
Labels: Freies Spiel, Musik
Labels: Musik
"Ich weiß auch nicht, ich habe mich immer gewundert, weil es für mich so natürlich scheint. Ich weiß nicht, vielleicht gilt es nicht als weiblich, aus sich herauszugehen, in die Musik bis zum Grund einzutauchen, anstatt auf der Oberfläche herumzugleiten, was die meisten Mädchen machen. Uhuhuhu - an der Oberfläche er Melodie, anstatt in das Gefühl der Musik zu gehen."
"Es geht um eine Haltung, mit der man alles angehen kann (nicht nur Gesang). Das bedeutet, unter die Oberfläche zu gehen - den Rhythmus, die Bewegung zu entdecken, anstatt es nur zu zu berühren oder zu beobachten."
Auf die Frage, ob man als erfolgreiche Sängerin überhaupt den Blues singen könne:
"Playing isn't necessarily about misery. Playing isn't necessarily about happiness, but it's just about letting yourself feel all those things that you have already on the inside of you. But you all the time push them aside, because they don't make for a polite conversation. That's the only reason I can sing, because I just close my eyes and let all the things that are inside come out."
Labels: Freies Spiel, Körperlichkeit, Musik
(Miles Davis über sein Projekt "Sketches Of Spain").
Je älter wir werden, um so schwerer wird es, gegen eine gewisse Trägheit anzukämpfen. (Gegenüber Kindern sind wir vielleicht manchmal im Vorteil der Dauerhaftigkeit.) Aber der kreative Neugier müssen wir manchmal bewusst Raum geben.
Dies erfordert eine ganz besondere Kraft, nicht nur in der Musik. Gerade in der improvisierten Komödie tendieren die Schauspieler dazu, immer noch einen draufzusetzen, bis die Kraft der Komik ausleiert. Sanfte, konzentrierte Kraft und Sinn für Poesie auch in der Komik, selbst im Derben und Grotesken.
Labels: Bühnenverhalten, Musik
Labels: Freies Spiel, Musik
1. Stücke ohne Text, die atomsphärisch, repetitiv, offen sind, u.a.
- Cirque du Soleil
- Gregorianische Gesänge
- Penguin Café Orchestra
2. Stücke, die Zeiten, Orte, Bilder und Genres wachrufen:
- Wolfgang Amadeus Mozart
- Johann Sebastian Bach
- Tom Waits
- John Lurie
3. Musik, die rätselhaft, unvorhersehbar, extrem und aufmerksamkeitsheischend ist:
- Ludwig Van Beethoven
- John Zorn
- Anton Webern
- Einstürzende Neubauten
D.h. aber für den Zuhörer, dass man die Erwartungen anpassen muss. Es bringt ja nichts, zu Musik von John Zorn meditieren zu wollen. Und an Caféhaus-Musik darf man keine zu hohen Komplexitätsanforderungen stellen
Labels: Musik
"Spiel einfach Fis-G-Fis-G!" "Das ist alles?" "Ja." Wir spielten, dann hielt Miles die Band an und fragte: "Was machst du denn da? Willst du immer nur Fis und G spielen?" Und ich sagte: "Sorry, aber ich spiele nur, was du gesagt hast. Ich kann auch gern mehr spielen." Wir fangen noch mal an, und diesmal spiele ich alles; Fis, G, As, A bis Z, jeden Ton auf meinem Bass." Miles unterbricht wieder und fragt: "Mann, was machst du denn da? Spiel einfach Fis und G und halt die Klappe." Und da merkte ich, dass er mich nur verscheißert. Er ist einfach cool. Am besten, ich ignoriere ihn und spiele, wie ich es für richtig halte. Ich spielte und diesmal zogen wir die Aufnahme voll durch. ? Marcus Miller
Eine ähnliche Haltung konnte man auch bei Schönberg beobachten, der das Publikum verachtete, es aber hinnahm, denn "ein leerer Saal klingt nicht gut." Bei allem, was einem am Publikum stört - Snobismus, Ignoranz usw. usf, fragt sich doch, wozu ich mit meinen Werken als Künstler überhaupt an die Öffentlichkeit trete, wenn ich diese verachte.
Kunst, die nicht wahrnehmbar ist, ist de facto nicht existent. Wenn ich ein Konzert schreibe, das nur von Hunden wahrgenommen werden kann, existiert, es eben nur auf dem Papier. Beuys' Radikalismus hat uns zwar die Augen für Ästhetisierbare Material geöffnet. Aber Kunst braucht die kommunikative Anschlussfähigkeit. Eine Skulptur, und sei sie noch so schön, und kunstfertig geschaffen, bleibt Fingerübung, wenn sie niemand als der Künstler sieht.
Auch wenn er sich der Begrenztheit seines Daseins und des Daseins der Welt bewusst ist und ihm deshalb jeder Moment so teuer ist, so kann man ihm dennoch getrost das Recht zu Beleidigung absprechen. Schade, wenn man sein Werk im Alter so schmälert.
Labels: Bühnenverhalten, Musik
Labels: Musik, Mut-Angst, Psychologie, Selbstüberlistung
