Das erste Mal habe ich es in meinem Lehrjahr 1999 verstanden. Ein heißer Sommerabend bei den Surfpoeten im Bergwerk. Kaum mehr als 20 Zuschauer. Für die Surfpoeten ein schlecht besuchter Abend. Und
Ahne stand am Ende der Show am Mikrofon und sang sein Herz aus, als gäbe es diese Gelegenheit nie wieder.
Später, als ich mit
Sebastian Krämer zu Gast bei einer Show von Andreas Scheffler war, protestierte Sebastian heftig, als auch nur die Möglichkeit in Erwägung gezogen wurde, die Zuschauer heimzuschicken. Er würde auch für einen einzigen Zuschauer spielen.
2003 in New York sah ich (natürlich wieder an einem unglaublich heißen Tag) ein Impro-Theater mit acht Schauspielern, die vor vier Zuschauern spielten. Es war überhaupt keine Frage, ob man auftritt.
Schlimmer noch, als in Erwägung zu ziehen, abzubrechen, empfinde ich es, wenn nur eine halbe Show gespielt wird. Wieviel Eitelkeit muss bei Künstlern bestätigt werden, die ihren Einsatz von der Publikumszahl abhängig machen?
Vor einigen Wochen im Theater U. waren wir 14 Zuschauer. Aus finanziellen Gründen bräuchten sie mindestens 15 Zuchauer. Ich schlug den anderen Wartenden vor, dass wir alle zusammenlegten für den einen Fehlenden. Und so unwahrscheinlich es im sturen Brandenburg klingt: Alle waren einverstanden. Aber die Künstler lehnten trotzdem ab.
Und nun bekomme ich Bestätigung vom ehemaligen Record-Label-Chef von Island Records, der von seinem ersten U2-Konzert berichtet: "Ich sah sie mir in einem Londoner Vorort an. Es kamen vielleicht noch vier, fünf andere Leute mit zu dem Gig, und im Publikum standen auch noch ungefähr vier oder fünf Leute - aber man hätte geschworen, dass es 40.000 waren. Die Band hatte die gleiche Energie und Leidenschaft wie heute.
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