475., 476., 474. Nacht

475. Nacht

Da die belagerten Christen nun den tapferen Muslim gefangen halten, beraten sie, wie sie mit ihm umgehen sollen, da er zu schön sei, um getötet zu werden. Am liebsten würden sie ihn zum Christentum bekehren, aber wie? Einer der Ritter schlägt vor, ihn mithilfe seiner Tochter zu verleiten, denn

"Die Araber haben eine heftige Leidenschaft für die Frauen, und da ich eine Tochter von vollkommener Lieblichkeit bseitze, so wird er, wenn er sie sieht, durch sie verführt werden."

Tatsächlich ist der gefangene Muslim hingerissen, aber als er sah,

was ihm drohte, nahm er seine Zuflucht zu Allah dem Erhabenen, wandte seinen Blick ab, widmete sich der Andacht zu seinem Herrn und begann den Koran herzusagen.

Und so wendet sich der Trick des christlichen Ritters gegen ihn. Sie bittet:

"Erkläre mir den Islam!"

Er lehrt sie alles Grundlegende, woraufhin sie ihn ehelichen will, was wegen fehlender Morgengabe und zweier Zeugen nicht möglich ist. Daraufhin ersinnt sie einen Fluchtplan. Sie lässt ihrem Vater ausrichten, der Muslim sei zur Konvertierung und zur Ehe bereit, will aber aus Gründen des Anstands dies nicht dort tun, wo sein Bruder starb, also müsse das in einem anderen Ort geschehen.

Dies ist mal ein selten gelungenes Mittel des Storytelling – die Wiedereinführung. Wozu sonst war der gefallene Bruder zu Beginn der Geschichte erforderlich?

Der Vater willigt ein, und in dem Dorf nutzen die beiden die Gelegenheit zur Flucht.

*

476. Nacht

Als die beiden Flüchtigen am Morgen ihre religiöse Waschung vornehmen, hören sie Pferdegetrappel und Waffenrasseln.

Da rief er: "Das sind die Nazarener, die uns verfolgen!"

Sie redet ihm Mut zu, und so finden sie Zuflucht im Gebet und die Heerschar erweist sich als von Allah gesandte Engel, die den beiden Trost spenden.
Der Kalif und Feldherr Omar ibn el Chattâb betet an diesem Morgen nur kurz und verlautbart dann:

"Lasst uns hinausgehen, dem jungen Ehepaare entgegen!" Da verwunderten die Gefährten sich und konnten seine Worte nicht verstehen.

Kurz darauf trifft das Paar in Medina ein.

Omar ibn el-Chattâb werden also hiermit prophetische Fähigkeiten zugeschrieben, die seine Heiligkeit unterstreichen.
(Übrigens war es dieser Kalif, der den "Steinigungsvers" in den Koran einfügte, um die weiterhin bestehende Praxis der Steinigung religiös zu rechtfertigen.)

Die beiden feiern Hochzeit und:

Dann ging der junge Held zu seiner Gemahlin ein, und Allah der Erhabene schenkte ihm Kinder von ihr.

*

477. Nacht

Und nun lebten sie immerdar herrlich und in Freuden, bis Der zu ihnen kam, der die Freuden schweigen heißt, und der die Freundesband zerreißt.
Ferner wird erzählt

*

Die Geschichte von der Christlichen Prinzessin und dem Muslim

Sîdi Ibrahim el-Chauwâs

[unklar, wer das sein soll]

berichtet, einmal dem Bedürfnis, ins Land der Ungläubigen zu reisen, nicht widerstanden haben zu können. Am Tor einer ihrer Hauptstädte empfangen ihn schwarze Sklaven mit ehernen Keulen, die ihn fragen, ob er Arzt sei, was er bejaht.
Sie erwidern, des Königs Tochter sei krank. Aber wenn einer sich als Arzt ausgebe und sie nicht heilen könne, müsse er sterben.

Was er gewinnt, falls er sie heilt, wird nicht verraten.

Er geht zum König und lässt ihn zu ihr ein. Dabei spricht sie die Verse.

  • "Öffnet die Tür; denn der Arzt ist gekommen!
    Schaut auf das seltne Geheimnis in mir!
    Oft ist der Nahe doch weit in der Ferne;
    Oft ist der Ferne doch nahe bei dir.
    Wahrlich, ich lebte bei euch nur als Fremdling;
    Jetzo will Gott seinen Trost mir verleihn.
    Uns hat die Glaubensgemeinschaft verbunden;
    Freund mit dem Freunde; sind wir im Verein.
    Als er mich in seine Nähe gerufen.
    Hielten die Tadler und Späher uns fern.
    Lasst euer Schelten, hört auf, mich zu tadeln!
    Weh euch, ich antworte doch nicht, ihr Herrn.
    Mich kümmert nicht das Flüchtige, das Unzulängliche;
    Mein Ziel ist nur das Bleibende, das Unvergängliche."

  • Es wäre interessant, dieses Gedicht mit dem Original zu vergleichen. Zu Beginn werden die Daktylen noch einigermaßen durchgehalten. Am Ende holpert er sich so durch. Absicht oder Zufall?

    Es stellt sich heraus, dass der Christin vor vier Jahren die klare Wahrheit [Allah] offenbar wurde.

    Wie das geschehen ist, bleibt unklar.

    Als ein greiser Diener nach der Unterredung von Arzt und Christin hinzutritt, sagt diese:

    "Er hat die Krankheit erkannt und das Heilmittel gefunden."

     

    Michael Hartmann, Kranzgeld und ASV-Trainingsanzüge, 467.-468. Nacht

    Michael Hartmann, Kranzgeld und ASV-Trainingsanzüge

    In die seltene Rubrik "Nachrichten, die ich nicht verstehe", ordnete ich am dritten Juli unwillig die Meldung ein, beim SPD-Bundestags-Abgeordneten Michael Hartmann sei nach einer Hausdurchsuchung kein Crystal Meth gefunden. Sie liest sich wie eine Fake-Nachricht. "Hausdurchsuchung in Kindertagesstätte: Keine chemischen Kampfstoffe gefunden." oder eine Nicht-Nachricht: "Angela Merkel schon wieder nicht schwarzgefahren."
    Die Hartmann-Meldungen sind lang, die Hartmann-Meldungen sind breit, warum auch nicht, der Leser hat Zeit, möchte ich einen alten Klospruch abwandeln; aber trotz Länge und Breite erfährt der willige Medienrezipient nicht, warum man sich von einer Wohnungsdurchsuchung bei SPD-Bundestags-Abgeordneten verspricht, Crystal Meth zu finden? War Hartmanns Haut durch die mit dem Konsum dieser Droge einhergehenen Talgdrüsenentzündung auffallend picklig geworden? Hat man bei ihm Lungenkrebs diagnostiziert und vermutet nun, dass er dem Beispiel des Antihelden Walter White folgen und diese Droge zuhause produzieren würde, um für die Nachkommen vorzusorgen?
    Ausgerechnet Michael Hartmann, der für einen harten Kurs gegenüber selbst weichen Drogen eintritt, wie man erfährt, wenn man gugelt, um etwas über einen Abgeordneten zu erfahren, von dem man noch nie etwas gehört hat. Jetzt hat Michael Hartmann seine Warholschen fifteen minutes of fame, aber nicht durch etwas Spektakuläres wie ein Crystal Meth Labor, sondern durch das Nichtvorhandensein eines solchen. Schwer zu sagen, welche Art von Ruhm einem da lieber wäre.
    Hartmann ist, wie man lesen muss, auch Mitglied des Stiftungsrats des Hohen Doms zu Mainz, einem derart alten Dom, dass sich niemand mehr erinnern kann, wann er gebaut wurde und dessen neun Glocken nur dann gleichzeitig läuten, wenn katholische Mega-Events wie Pontifikalämter und Hochfeste anstehen. Bei Pontifikalrequien hingegen läuten die ersten acht Glocken, bei Pontifkalvespern die Glocken 1, 3, 5, 6, 7 und 8.
    Vermutlich werden sich außer mir viele Nicht-Katholiken und eventuell sogar eine ganze Reihe Katholiken fragen, was denn ein Pontifikalamt sei, wem es dient, ob man es essen kann und ob man seine Straßenschuhe anbehalten darf. Ich muss erfahren, dass dieser Begriff in der katholischen Kirche eine Heilige Messe bezeichnet, der ein Priester vorsteht, der zum Tragen der Pontifikalien berechtigt ist. Vielen Dank für diese Definition, liebe Wikipedianer. Sie erinnert mich an die Tautologien mathematischer Definitionen, die mich in meiner Teenagerzeit, von der Wahnvorstellung, einmal Mathematiker zu werden, kurierten, etwa: "Ein Vektor ist ein Element eines Vektorraums, das zu anderen Vektoren addiert und mit Zahlen, die als Skalare bezeichnet werden, multipliziert werden kann."
    Aber ich bin nicht faul und binge auch noch "Pontifikalienträger". Dieser darf, im Gegensatz zu uns gewöhnlichen Sterblichen, die keine Pontifikalien tragen, zum Beispiel Jungfrauen weihen, die geweiht werden, weil sie Jungfrauen bleiben, und zwar nicht weil sie keinen abgekriegt haben, sondern weil sie ihre Jungfräulichkeit der Kirche gewidmet haben.
    Die Jungfräulichkeit hat bekanntlich in Deutschland im Laufe der letzten 1.000 Jahre immer mehr an sozialer Relevanz verloren, und das sollte man begrüßen, wenn nicht sogar in unregelmäßigen Abständen zelebrieren. Einen Meilenstein der lobenswerten Jungfräulichkeitsprofanisierung setzte die rotgrüne Koalition unter Gerhard Schröder. Eigentlich kann und sollte man die Täter und Mitläufer dieser Bande für all das politische Übel, das sie angerichtet hat, immer wieder schelten und sie scheeler Blicke würdigen, wenn sie sich einem auf Sichtweite nähern. Doch bei aller Scheel-Blick-Würdigung darf man nicht vergessen, dass erst diese Regierung es im Jahr 1998 fertiggebracht hat, den Paragraph 1300 des BGB zu streichen, nach welchem Männern, die ihre Verlobte deflorierten, sie dann aber nicht heirateten, die Zahlung eines sogenannten Kranzgeldes drohte. Wie, so frage ich mich, lief in einem solchen Prozess eigentlich die Beweisführung, wenn etwa der Deflorierer seine Beteiligung an der Hymenzerstörung abstritt und seiner Widersacherin unterstellte, die Deflorierung unter Zuhilfenahme eines Massagestabes, eines Mittelfingers oder einer handelsüblichen Gurke selbst vorgenommen zu haben?
    In Sachen sexueller Revolution war ja die DDR dem Westen oft voraus. Der laxe Umgang in Sachen Nudismus, die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen und Homosexualität sowie die Freiheit der Frauen, ihren Gatten nicht um Erlaubnis fragen zu müssen, wenn sie eine Erwerbsarbeit aufnehmen wollten, können als Beispiele ebenso herhalten wie der Umstand, dass der Kranzgeld-Paragraph bereits 1957 gestrichen wurde.
    Ein ereignisreiches Jahr für den ersten Arbeiter- und Bauernstaat. (Ich habe mich übrigens immer wieder gefragt, was der entscheidende Unterschied zwischen einem Arbeiterstaat und einem Bauernstaat sei, bzw. zu welchen Anteilen die beiden Komponenten Arbeiter und Bauer die DDR zu einem Arbeiter- und Bauernstaat werden ließen. Ist das wie bei Nuss-Nougat-Creme? Die Nüsse sind die Hauptzutat, und dann erst das Nougat? Die ikonografische Glorifizierung des an der Maschine mit groben Fäusten werkelnden Proleten, der auch am 1. Mai stolz seine Stahlgießerschürze trägt, und dagegen das eher Peinlich-Berührtsein vor dem Auftreten eines Schweinestallbauern spricht für diese Reihenfolge. Aber auch in der Nuss-Nougat-Creme ist der Hauptanteil eigentlich Zucker, so wie im Politbüro dann auch die Bürokraten das Heft in der Hand hielten. Der einzige Bauer war eigentlich der sich als Dachdecker ausgebende Honecker. Exkurs Ende.)
    Nicht nur wurde 1957 der Kranzgeldparagraph in der DDR abgeschafft, der Osten schlug der BRD eine Konföderation vor, und am 28. April wurde der Deutsche Turn- und Sportbund gegründet, der in 17 Bezirks-Unterorganisationen untergliedert war, obwohl die DDR eigentlich nur 15 Bezirke hatte. Die restlichen beiden waren der Stasi-eigene Club Dynamo und der Armee-Sportverein dessen ekelhaft-braune Trainingsjacken uns noch heute auf der Straße begrüßen, wenn sich hirnlose Hipster dieses Kleidungsstück, welches einst in der Freizeit überambitionierten NVA-Majoren oder resignierten Sportlehrern vorbehalten war, überziehen, und dessen extreme Hässlichkeit sich geschmeidig in die ansonstene Uneleganz des gemeinen Hipsters einfügt, dessen Anziehsachen-Beschaffung folgenden sich Prinzipien unterwirft:
    – Farben müssen sich möglichst beißen und das Ugliest oft he last 100 years versammeln, etwa Neongrün, Stuhlgangsbraun und Rentnerbeige.
    – Jacken, Hosen, Taschen alles drei Nummern zu klein, und mindestens so, dass man sich nicht mehr bequem darin bewegen kann.
    – Alles, was man der Körper selbst produziert oder man am Körper manipulieren kann – Haare, Fingernägel, Bart, Tätowierungen und Ohrlöcher – so entsetzlich groß, dass Anfassen sich von selbst verbietet.
    Ein Ohrloch zu einem Riesen-Fleischtunnel auszuweiten, bedarf einer Menge Geduld, da man pro Monat immer nur ein bis zwei Millimeter erweitern darf. Wenn ich einen Mann mit Kleinstfleischtunnel erblicke, möchte ich ihm zurufen: "Halte ein! Du wirst das Ausmaß des Fremdschämens, das deine Kinder beim Erreichen der Pubertät einst ohnehin in deiner Gegenwart verspüren werden, verachtfachen. Und wenn dir das als Argument nicht genügt, so sei dir gesagt, dass sich die unangenehme Geruchsbildung der sich im Ohrloch bildenden Talgdrüsen mit jedem Millimeter Durchmesser verschärft und, wenn man einschlägigen Berichten Glauben schenken darf, sehr an Untenrum erinnert. Verklebte Talgdrüsen und damit einhergehender Geruch – ein Problem, das wir notabene auch bei Crystal-Meth-Konsumenten beobachten können. Brachte Hartmann die Polizisten vielleicht durch fortwährende Müffelei auf seine Spur?

     

    ***

    467. Nacht

    Zu ihrem Unglück schwimmt einer der Seeleute zu ihrer Planke und bedrängt sie:

    "Bei Allah, schon als du noch auf dem Schiffe warst, gelüstete mich nach dir; jetzt aber, wo ich bei dir bin, lass mich meinen Willen an dir tun, sonst werfe ich dich allhier ins Meer."

    Schließlich wirft er nicht sie, sondern das Kind ins Meer. Auf ein Stoßgebet hin, erscheint ein Ungeheuer, das ihn von der Planke mitreißt.

    Nach einem Tag trifft sie auf ein Schiff, das sie aufnimmt und dessen Besatzung auch das Kind vom Rücken des Ungeheuers geborgen hat.

    Der Erzähler berichtet, er habe der Frau, nachdem sie ihre Geschichte erzählt hatte, Geld geben wollen.

    Aber sie rief: "Weg damit, du Tor! Sagte ich dir nicht, wie Er gnädig spendet und in seiner Huld alles zum Guten wendet? Soll ich Wohltaten von jemand anders annehmen als von Ihm?"

    Sehr eigenwillig. Wie erhält sie Nahrung, wenn nicht von Menschen oder eigener Arbeit? Gott als eine Art Weihnachtsmann?

    *

    Die Geschichte von dem frommen Negersklaven

    Mâlik ibn Dinâr berichtet, in Basra sei einst der Regen ausgeblieben, und er und seine Gefährten gingen zu einer Gebetskapelle, wo sie einen Schwarzen mit seltsamen Körperlichen Merkmalen beten sehen. Er

    betete zwei Rak’as, und beide Male war seine Haltung beim Stehen und Verneigen genau die gleiche.

    Ist das erstrebenswert im Islam?

    Nachdem der Schwarze Gott "bei deiner Liebe zu mir" um Regen gebeten hat, fängt es an zu strömen

    wie aus offenen Wasserschläuchen.

    *

    468. Nacht

    Mâlik ibn Dinâr wirft dem Schwarzen Überheblichkeit vor:

    "Du hast gesagt: Bei deiner Liebe zu mir. Woher weißt du denn, dass Allah dich liebt.

    Der entgegnet:

    "Wende dich hinweg von mir, o du, dem sein Seelenheil nichts gilt! Wo war ich etwa, als Er mir die Kraft gab, Seine Einheit zu bekennen, und mich mit der Kenntnis Seines Wesens begnadete? Meinst du vielleicht, er hätte mir die Kraft dazu verliehen, wenn Er mich nicht liebte?"

    So sehr das Ganze auf eine weitere Frömmelei-Geschichte hinausläuft, so ist doch dieser Punkt bemerkenswert: Ein missgestalteter schwarzer Sklave wirft Mâlik ibn Dinâr, einem direkten Jünger Mohammeds fehlendes Vertrauen in Gott vor und beschämt ihn so.

    Am nächsten Tag geht Mâlik ibn Dinâr zum Sklavenhändler, um den Sklaven zu kaufen, da er von ihm begeistert ist. Der Händler überlässt ihn für zwanzig Dinare mit der Bemerkung, er sei

    "ein unseliger, unbrauchbarer Bursche, der die ganze Nacht hindurch nichts anderes tut als weinen und bei Tage nichts als bereuen."

    Mâlik ibn Dinâr eröffnet ihm:

    "Nur deshalb habe ich dich gekauft, damit ich selber dir diene."

    Der Sklave jammert, dass nun sein inniges Verhältnis zu Gott bloßgestellt sei und wünscht sich den Tod, der auch sofort eintritt.

    "Als ich in sein Antlitz schaute, lächelte er. Da war auch die schwarze Farbe der weißen gewichen, und sein Antlitz erstrahlte und wurde hell.

    *

    Die Geschichte vom frommen Manne unter den Kindern Israel

    Ein Jude und seine Frau fristen ihr armes Leben mit Korbflechten. Abends zieht er los, um die geflochtenen Fächer und Tablette zu verhökern.

    Da kam er bei der Tür eines der Kinder dieser Welt, eines wohlhabenden und angesehenen Mannes vorbei.

    Mit "dieser Welt" ist, so muss man wohl annehmen, die muslimische Welt gemeint.

    Die Bewohnerin des Hauses aber verliebt sich in ihren Mann, und da ihr Gatte nicht da ist, versucht sie, ihn mit List zu sich hereinzulocken.

    Öffentlicher Raum in der Stadt (Amanda Burden) – 453., 454., 455., 456. Nacht

    Worum geht es in einer Stadt überhaupt? Was ist das Entscheidende, wenn man Stadtplanung betreibt?
    Ich war fünf Mal in New York City: 1997, 2003, 2009, 2010 und 2011. Der Unterschied, den die Stadt zwischen 2009 und 2011 gemacht hat, war selbst für meine ungeschulten Augen gewaltig: Im Süden Manhattans kann man nun bequem aufs Wasser sehen. Es gibt den neuen legendären Park auf der Highline – einer stillgelegten Bahnstrecke. Das Beeindruckendste aber war, dass in der engen Innenstadt von Manhattan, wo sich die Autos hindurchquälten, man das Autoproblem löste, indem man den Autos Spuren wegnahm! Fußgängerzonen mit Stühlen, Sandkästen, Bäumchen. Auf den Avenues gab es Radspuren! Radspuren!! Und das in einer Stadt, wo die einzigen Radfahrer lebensmüde Fahrradkuriere waren. Mit anderen Worten: Die Radspuren wurden geschaffen, als es für sie noch gar keinen Bedarf gab. Man hat den Bedarf für Fahrräder erzeugt.
    Hinter all dem steckt eine Stadtplanerin namens Amanda Burden, deren erstes großes Projekt der Battery Park war. Es geht, so Burden, wenn man eine Stadt plant, nicht um die geometrisch-hübschen Ideen der Designer, sondern um die Perspektive der Menschen, die sich in den geschaffenen Räumen aufhalten. Oder in ihren Worten: „[As a city designer] you don’t tap into your design expertise, you tap into your humanity.“
    Man schaue sich die riesigen Freiflächen vor den modernen Bürotürmen an. Wer sitzt da schon gern, selbst wenn eine barmherzige Seele ein paar Bänke hingestellt hat?
    Parks errichten, die man nutzen kann, Fahrradspuren für künftige Radfahrer, die Wasserseiten für die Bewohner zugänglich machen, Fußgängerzonen erschaffen, die nicht nur Freiluft-Einkaufszentren sind – für all das braucht man einen langen Atem und Mut. Mut, Investoren auch mal Nein zu sagen. Mut, es sich mit Wählergruppen (wie etwa Autofahrern) kurzfristig zu verscherzen.
    Im Vergleich zu New York City ist Berlin gesegnet mit vielen Parks und Freiflächen. Aber man sollte diese nicht als gegeben hinnehmen. Was hätte man z.B. aus dem Regierungsviertel machen können! Die Verkehrspolitik lässt sich in Berlin seit über 50 Jahren von der Autofahrerlobby diktieren. Ich erinnere daran, dass einmal die Straßenbahn durch die gesamte Stadt fuhr. Die Oberbaumbrücke wurde damals nach ihrer Rekonstruktion eröffnet mit der Option, die Straßenbahn mindestens bis zum Schlesischen Tor zu verlängern. Die Gleis-Ansätze sind letzte Zeugen dieses Plans. Die A100 ist zum Prestige-Projekt des Regierenden Bürgermeisters geworden. Die gesamte Debatte über dieses Projekt ist derart ideologisch kontaminiert, dass eine rationale Debatte kaum mehr möglich ist. Jeder will schnell von A nach B kommen und Ruhe vor der eigenen Haustür. Aber beides ist eben nicht gleichzeitig zu haben. Fragt man aber die Stadtbewohner nach Prioritäten, so bevorzugen doch die meisten das ruhigere Wohnen. Die durchschnittliche Geschwindigkeit eines Autos im Stadtverkehr beträgt ohnehin meist nur um die 30 km/h. Schadete es da, gleich in allen Wohngebieten Tempo-30-Zonen einzurichten? Das Ganze natürlich gekoppelt an einen Ausbau des Nahverkehrsnetzes. Wenige werden ihren Auto-Kaufwunsch revidieren, wenn sie außerhalb des S-Bahn-Rings mehr als 15 Minuten auf den Bus warten müssen und dieser dann auch noch mit 15 km/h durch die Gegend zuckelt. (Viel schneller als 20 geht ja auch nicht, da die stehenden Passagiere sonst gefährdet sind.)
    Ein weiteres Beispiel für die ideologische Verkrustung der Berliner Debatten ist die Diskussion um das Tempelhofer Feld. Der Senat will Wohnungen bauen. Das ist an sich keine üble Sache. Das Feld ist tatsächlich so groß, dass es Wohnungsbau vertragen könnte, und Wohnungen braucht Berlin, gerade in der Innenstadt, zu der man Nord-Tempelhof, wenn man großzügig ist, ja noch zählen kann. Aber was sonst? Abgesehen vom Problem des sozialen (oder eben nicht-sozialen) Wohnungsbaus bleibt die Frage völlig unbeantwortet, was mit dem Tempelhofer Feld passieren soll. Die Hauptstadtbibliothek? Ach mein Gottchen! Das soll ein Konzept sein?
    Aber auch die Bebauungsgegner haben sich bisher nicht besonders von der kreativen Seite gezeigt. Am Besten alles so lassen wie es ist? Wer diese Betonfläche behalten will, muss ein eingefleischter Kite-Roller sein. Ansonsten gibt es doch keine Beschäftigung, die nicht ein bisschen Grün vertragen könnte.
    Vor allem müssen groß-kommerzielle Interessen draußengelassen werden. Ein, zwei lizenzierte Cafés, keine Ketten, keine Konzerne, kein Trash.
     
    ***
    453. Nacht
    Auf die Frage nach der „Gemeinschaft von Mann und Weib“ antwortet die keusche Tawaddud erst, nachdem sie der Kalif dazu auffordert.
    „Sie erleichtert den Körper, der voll schwarzer Galle ist, sie beruhigt die Liebesglut, führt zu herzlicher Neigung, weitet das Herz und verscheucht die Trauer der Einsamkeit. Ausschweifung im Liebesgenusse ist in den Tagen des Sommers und der Herbstes schädlicher als zur Zeit des Winters und des Frühjahrs. (…) sie verbannt Sorge und Unruhe, beruhigt das heiße Verlangen und den Zorn und ist gut gegen Geschwüre. (…) Man hüte sich vor der Gemeinschaft mit einem alten Weibe, denn die führt zum Tode.“ (…) „Und welches ist die beste Liebesgemeinschaft?“ „Wenn die Frau noch jung an Jahren ist, von Wuchse zierlich, von Antlitz lieblich, mit schwellender Brust und sich einer edlen Absicht bewusst.“
    Das beste Gemüse seien Endivien, die trefflichsten Früchte Granatäpfel und Limonen, die am lieblichsten duftenden Blumen Rosen und Veilchen.
    „Wie entsteht der Same des Mannes?“
    Die abenteuerliche Antwort ist ein Zitat wert:
    „Es gibt im Manne eine Ader, die alle anderen Adern speist. Nun wird der Saft aus den dreihundertsechzig Adern gesammelt, dann tritt er als Blut in den linken Hoden ein; dort wird er durch die Hitze des angeborenen menschlichen Temperamentes zu einer dicken, weißen Flüssigkeit abgekocht, deren Geruch gleich der Palmenblüte ist.“
    Gut, dass man nun weiß, wie die Palmenblüte riecht. Unklar bleibt, wozu in dieser Lehre der rechte Hoden dient.
    Der Arzt ist erschöpft und Tawaddud besteht wieder darauf, auch ihm eine Frage zu stellen.
    *
    454. Nacht
    Sie stellt ihm ein seitenlanges Rätsel, dessen Lösung „Knopf und Knopfloch“ lautet.
    Danach muss sie sich einem Astronomen stellen. Dieser fragt sie nach den Hemisphären und den achtundzwanzig Stationen des Mondes.
    *
    455. Nacht
    Nach den Planeten befragt nennt Tawaddud:
    „Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn.“
    Neptun und Pluto fehlen, da sie erst im 19. bzw. 20. Jahrhundert u.Z. entdeckt wurden.
    Weiter schreibt sie den „Planeten“ Häuser und Aszendenzen zu. Der Astronom fragt sie außerdem, ob es morgen Regen gebe. Tawaddud schweigt, und als der Kalif auf einer Antwort besteht, antwortet sie:
    „Ich wünsche, dass du mir ein Schwert gibst, mit dem ich ihm den Kopf abschlage; denn er ist ein Ketzer.“
    Sie begründet das damit, dass die Wettervorhersage eines der fünf Dinge ist, deren Wissen Allah vorbehalten ist. Der Astronom zieht sich darauf zurück, er hätte sie „auf die Probe stellen wollen.“
    Weiter fährt sie fort, astrologische Vorhersagen zu treffen, abhängig davon, an welchem Wochentag das Jahr beginnt, beginnend mit dem Sonntag.
    *
    456. Nacht
    Sie fährt fort mit ihren vom ersten Tag des Jahres abhängigen Vorhersagen, die unter anderem
    den Gedeih von Früchten und Korn
    • die Herrschaft der Könige
    • die Zufriedenheit des Volkes
    • die Rechtschaffenheit der Verwalter
    • die Gesundheit der Tiere und Menschen
    • den Preis bestimmter Lebensmittel
    • die Bevorzugung bestimmter Bevölkerungsgruppen

    betreffen.
    Weiterlesen

    419., 420., 421. und 422. Nacht

    419. Nacht

    Schehrezâd fährt fort:

    Es ist mir berichtet worden, o glücklicher König, dass el-Amîn, als er die Sklavin anschaute und sah, was auf dem Saume des Hemdes geschrieben stand, nicht mehr länger an sich hielt, sondern ihr nahte und sie küsste. Und er wies ihr ein eigenes Gemach in seinem Palaste an; ferner dankte er seinem Oheim für die Gabe und verlieh ihm die Statthalterschaft von Rai.

    Heute heißt diese Stadt Shahr-e Ray und ist ein Vorort von Teheran. (Früher war Teheran ein Vorort von Rai.) Rai war außerdem die Hauptstadt des alten Persien, die Hauptstadt des persischen Teils von Irak und sie ist die Geburtsstadt von Harûn er-Raschîd.

    ***

    Die Geschichte von dem Kalifen el-Mutawakkil und el-Fath ibn Chakân

    Als der Kalif el-Mutawakkil krank wird, schickt ihm el-Fath ibn Chakân

    eine jungfräuliche Sklavin mit schwellendem Busen, die zu den schönsten Mädchen ihrer Zeit gehörte, dazu ein Kristallgefäß von rotem Godle, auf dem in schwarzen Lettern diese Verse standen:

    Wenn der Imam der Krankheit nun entrann
    Und Heilung und Gesundheit sich gewann
    So kann für ihn kein besser Heiltrank sein
    Als hier in diesem Becher dieser Wein.
    Wenn er das Siegel löst von meiner Gabe,
    So ist das nach der Krankheit schönste Labe!

    Der Arzt Juhanna zieht sich daraufhin zurück.

    Nach meinen Informationen war Juhanna erst viel später Arzt, nämlich zur Zeit des Mustasim.

    Der Kalif nahm den Rat des Arztes an und gebrauchte jene Arznei, ganz wie sie in den Versen vorgeschrieben war. Allah machte ihn gesund und heil.

    ***

    Die Geschichte von dem Streit über die Vorzüge der Geschlechter

    Eine weise Frau namens Saijidat el-Maschâjich kommt von Bagdad nach Hama, wo sie

    den Leuten von einem Stuhle herunter heilsame Ermahnungen predigte.

    Dies betrifft Fragen des Rechts, moralische Fragen, Fragen der Lebensführung usw.
    Der Erzähler der Geschichte sucht sie mit einem Freund auf und legt eine Frage

    von solcher Art vor, die sich auf den Unterschied zwischen den Rechtsschulen bezog

    Sie befindet sich bei diesem Gespräch hinter einem Vorhang, durch den sie allerdings hindurchschmulen kann. Dabei sieht sie, wie der Begleiter das Gesicht ihres jungen Brufders betrachtet.

    "Mir scheint, du bist einer von denen, die den Männern den Vorzug vor den Frauen geben." (…) "Weil Allah das Männliche höher gestellt hat als das Weibliche."

    ***

    420. Nacht

    Der Begleiter benennt nun Stellen aus dem Koran und den Überlieferungen des Propheten, die ebendiese Position belegen sollen. Die Weise antwortet ihm auf seine langen Ausführungen:

    "Du hast gut gesprochen, werter Herr; doch, bei Allah, du hast meinen Beweis wider dich mit der eigenen Zunge kundgetan."

    So folgt ein längerer Schlagabtausch zwischen den beiden.

    ***

    421. Nacht

    Der Begleiter rezitiert

    "Sie ist dem Knaben gleich und wiegt sich in den Hüften
    Wie sich der schwanke Reis im Zephirwinde wiegt.

    Wenn der Jüngling nicht trefflicher wäre, so wäre doch die Jungfrau nicht mit ihm verglichen worden. Wisse auch – Allah der Erhabene beschütze dich! -, dass der Jüngling leicht gelenkt werden kann; denn er passt sich den Wünschen an; er hat schöne Eigenschaften, und mit ihm lässt sich trefflich leben; denn er ist eher geneigt, zu willfahren als zu widerstreben, zumal wenn der zarte Flaum auf seiner Wange sprießt, wenn seine Oberlippe sich dunkel färbt und wenn der rote Jugendglanz in seinem Antlitz leuchtet, so dass er dem Monde gleicht, der zur Fülle kam."

    Nach weiteren Gedichten ist Saijidat el-Maschâjich wieder an der Reihe:

    "Ich bitte dich, wie kann ein Jüngling je den Rang einer Jungfrau erreichen? Wer will das Böcklein mit der Kitze vergleichen? Die Jungfrau hat sanfter Rede Gewalt und eine wunderschöne Gestalt; sie gleichet einem Basilikumreis, und ihre Zähne sind wie die Kamille so weiß; sie hat Zöpfe, die wie Halftern hangen, wie Anemonen sind ihre Wangen; ihr Antlitz ist wie ein Äpfelein, und ihre Lippe ist süß wie Wein; ihre Brust ist dem Granatapfel gleich, und ihre Gestalt ist wie ein Zweig so weich. Sie hat einen Wuchs, in dem das Ebenmaß waltet, und ihr Leib ist wohlgestaltet; sie ist wie die Schneide des glitzernden Schwertes so schmal und fein, und ihre Stirn ist blütenrein; sie hat zusammengewachsene Augenbrauen, unter denen tiefschwarze Augen schauen…"

    ***

    422. Nacht

    Weiterhin argumentiert sie und zitiert Abu Nuwâs:

    Die schlanke Maid, die einem Knaben gleicht,
    Taugt für den Wüstling und den Einbrecher.

     

    415., 416., 417. und 418. Nacht

    415. Nacht

    El-Mamûn lässt sich, begleitet vom listigen Abu Isa und einigen Hofleuten auf einer Barke namens "Flieger" zum Haus des Hamid et-Tawîl et-Tûsi, das sie unvermittelt betreten, während er gerade auf einer Rohrmatte sitzt und sich von Sängerinnen bespaßen lässt. Er improvisiert ein Gastmahl

    Speisen wurden vorgesetzt, aber die bestanden nur aus Vierfüßlern, kein Fleisch von Geflügel war darunter. Von diesen rührte el-Mamûn nichts an.

    Unklar: Gilt Geflügel als besonders edel? Oder hat el-Mamûn eine schwache Konstitution, die ihm die Verdauung von Lamm und Rind verbietet.

    Abu Isa erkennt den Unmut des Kalifen und schlägt vor:

    "Lass uns jetzt in ein Haus gehen, das für dich gerüstet ist, so wie es sich gebührt."

    So gelangen sie zum Eigentümer der von Abu Isa begehrten Sklavin. Er

    öffnete ihnen einen Saal, der so schön war, wie ihn noch nie jemand gesehen hatte. Dort waren der Boden, die Pfeiler und die Wände mit vielfarbigem Marmor bekleidet…

    Befriedigend sind außerdem die Speisen und die Getränke, darunter auch Dattelmost und das Geschirr.

    Die Schenken aber, die jenen Most in den Saal trugen, waren mondengleiche Jünglinge, bekleidet mit alexandrinischen Gewändern, die mit Gold durchwirkt waren; und auf der Brust trugen sie kristallene Falschen, voll mit Rosenwasser, die mit Moschus gemischt waren.

    Nach dem Mahl kommen diverse Sängerinnen, eine schöner als die andere. Ein bemerkenswertes Lied geht so:

    Die Huris und die edlen Frauen fürchten kein übel Gerede
    Gleichwie Gazellen von Mekka, das unverletzliche Wild.
    Nach ihren schmeichelnden Worten hielte man sie für Dirnen;
    Doch schützet sie der Islam, dass ihnen kein hässlich Wort gilt.

    Bemerkenswert, wegen des Versuchs, die Spannung aufzulösen, die sich aus dem Gebot der Frömmigkeit und der durch die islamische Praxis geduldeten "Huris und edlen Frauen": Das Tun ist zwar unislamisch, aber da sie es dem Islam zuliebe tun, ist es islamisch. Wobei ich mir eigentlich nicht mal sicher bin, wozu die Huris im Paradies eigentlich gut sind. Vielfach werden sie als Jungfrauen beschrieben. Bleiben sie das?

    ***

    416. Nacht

    Es folgen weitere singende Mädchen.

    Was geschieht eigentlich mit ihnen, wenn sie älter werden? Werden sie dann an ärmere Herren verkauft?

    Schließlich

    trat eine Maid heraus, die gleich einem Weidenzweige war; sie hatte ein verführerisches Augenpaar, und ihre Brauen waren wie zwei Bogen anzuschauen.; auf ihrem Haupte trug sie eine Krone aus Gold von rötlichem Schein, besetzt mit Perlen und Edelgestein. Und darunter eine Binde, auf der in Lettern aus Chrysolith dieser Vers geschrieben war:

    Eine Fee, von den Dämonen unterwiesen,
    Herzen mit dem Bogen ohne Sehn‘ zu treffen.

    Jene Sklavin schritt daher wie ein scheues Reh, selbst die Frommen hätten sie angeschaut mit heißem Liebesweh. Und sie ging weiter, bis sie sich auf einen Schemel setzte.

    Schon klar, dass dies Kurrat el-Ain sein muss.

    ***

    417. Nacht

    Dem Kalifen fällt auf, dass sich Abu Isa mehr noch als die anderen verändert, so sehr schlägt sein Herz. Er bittet sie um ein Lied, dass sie auch vorträgt.
    Inzwischen ist Abu Isa fast zu Tränen erstickt und Kurat el-Ain beginnt nun zu improvisieren.

    ***

    418. Nacht

    Mit der Erlaubnis des Kalifen antwortet Abu Isa ihr singend.

    Die Verse sind banal und lang. Ich spare mir hier ihre Wiedergabe.

    Alî ibn Hischâm sprang auf, küsste ihm die Füße und sprach: "Mein Gebieter, Allah lässt die Erfüllung deiner Bitte kommen; denn Er hat dein Geheimnis vernommen. Er willigt ein, dass du sie mit all ihrem Besitze an Seltenheiten und Kostbarkeiten erhältst, wenn der Beherrscher der Gläubigen kein Verlangen nach ihr trägt." Doch el-Mamûn sagte: "Wenn wir auch Verlangen nach ihr hätten, so würden wir Abu Isa den Vorrang vor uns lassen und ihm zum Ziele verhelfen."

    Als Abu Isa

    sie dann erhalten hatte, führte er sie freudigen Herzens in sein Haus. Schau, wie großmütig Ali ibn Hischâm war.

    Wenn man mit den Erzählungen aus 1001 Nächten so verführe wie mit einigen Werken des 20. Jahrhunderts, so stünde nach der Eliminierung der rassistischen Geschichten eigentlich auch die der Sklaven-Geschichten an. Wieviele blieben dann noch übrig? Zwölf Nächte? Oder geht es den Eliminierern wirklich nur um Worte, Worte, Poporte? Die Bedeutung ist einerlei?

    ***

    Die Geschichte von el-Amîn und deinem Oheim Ibrahîm ibn el-Mahdi

    El-Amîn, der Bruder von el-Mamûn, trat einst in das Haus seines Oheims Ibrahîm ibn el-Mahdi.

    Hier zur Aufklärung der Verwandtschaftsverhältnisse: Das Besondere – alle drei waren Kalifen in Bagdad und mit Harûn er-Raschîd verwandt. El-Amîn und el-Mamûn waren beide seine Söhne. Ibrahîm ibn el-Mahdi war Harûns Bruder und folgte erst el-Mamûn auf den Thron.
    Die Geschichte spielt also zur zur Herrschaftszeit von el-Amîn.

    Dort sieht er eine schöne Sklavin, in die er sich verliebt.

    Doch als sein Oheim Ibrahîm erkannte, wie es um ihn stand, schickte er ihm die Sklavin zu. (…) Als el-Amîn sie sah, glaubte er, sein Oheim Ibrahîm habe sie bereits erkannt, und darum mochte er ihr nicht mehr beiwohnen. So nahm er sie denn hin, was sie an Geschenken mitgebracht hatte; sie selbst aber sandte er zurück.

    Das ist doch wohl bemerkenswert: Egal wie groß die Liebe sein mag – dass ein anderer sie gehabt haben könnte, zerstört diese Liebe.

    Der auch als großer Dichter bekannte Ibrahîm ibn el-Mahdi legt ihr ein Hemd an, auf das er schreiben lässt:

    Fürwahr, bei ihm, vor dem sich alle Stirnen neigen,
    Was unter diesem Saume ist, dass kenn ich nicht.
    Auch ihren Mund berührt ich nie; mein einzig Trachten
    War, was das Auge sieht und was die Zunge spricht.

    Als sie nun wieder bei el-Amîn eintrifft, singt sie zur Laute:

    Du nahmst die Gabe nicht und zeigtest, was du denkest;
    Dass du dich von mir trennest, ward mir kund und klar.
    Doch wenn du Anstoß nimmst an etwas, das vergangen,
    Verzeih du als Kalif, was längst schon nicht mehr war.

     

    404., 405., 406. und 407. Nacht

    404. Nacht
    Die Rechtfertigung des Lehrers ist vielleicht auf Arabisch lustig:
    „Ich war in jenem Moment erregt, und meine Gedanken waren beschäftigt, und als ich las, der Kohlendämpfer sei in eine Decke eingewickelt, da meinte ich, er sei tot und man hätte ihn ins Leichentuch gehüllt.“ Die Frau, die den Betrug nicht durchschaute, sprach zu ihm: „Du bist entschuldigt“, nahm den Brief und ging ihrer Wege.
    ***
    Die Geschichte von dem König und der tugendhaften Frau
    „Ein König“ zieht verkleidet aus und kommt in ein Dorf, wo er eine Frau um Wasser bittet. Als er sie sieht, will er sie verführen, doch sie reicht ihm, während er wartet, ein Buch, in welchem vor Sünden gewarnt wird.
    Die Ausgangssituation klingt eigentlich wieder sehr nach Harûn er-Raschîd, aber vielleicht hat der Erzähler das dann doch anonymisiert, um den Herrscher nicht in zu sündhaftem Licht stehenzulassen.
    Da erschauderte er und bereute seine Absicht vor Allah, dem Erhabenen.
    Als sie am Abend ihrem Mann von der Begegnung erzählt, ergreift den die Eifersucht und
    er wagte es nicht mehr, ihr zu nahen.
    Die Verwandten der Frau klagen darüber beim König in einer Metapher: Was solle mit einem Mann geschehen, der das gepachtete Land nicht besät. Der Mann wiederum rechtfertigt sich damit, dass der Löwe das Feld betreten habe. Der König wiederum versteht den Wink:
    „Du da, der Löwe hat ja dein Land nicht betreten; es ist noch gut zur Saat, drum säe darauf.“
    ***
    Der Bericht von Abd er-Rahmân el-Maghribi über den Vogel Ruch
    Ein Mann aus dem Volk der Maghribi, den man „den Chinesen“ nennt (weil er lange auf den chinesischen Meeren unterwegs war), ist im Besitz eines Federkiels aus dem Flügel des Vogels Ruch.
    ***
    405. Nacht
    Im folgenden wird beschrieben, wie die Matrosen ein Ei zerschlagen und riesige Federn und Fleischteile aus dem Küken des Ruch herausnahmen. Der erwachsene Vogel nahm einen Felsen, und nur durch geschickte Segelmanöver konnten sie dem fallengelassenen Stein ausweichen.
    Das ganze erinnert sehr an Sindbad, und die Schlachtung des Eis kann man in der sonst recht freien Sindbad-Adaption „Sindbads siebte Reise“ bewundern. Online hab ich keinen Clip davon gefunden, nur den anschließenden Kampf Sindbads mit dem Vogel:
     
    Wer vom Fleisch des Vogels esse, bekomme keine grauen Haare.
    Und dies ist nur eins der größten Wunder.
    ***
    Die Geschichte von Adî ibn Zaid und der Prinzessin Hind
    En-Numân ibn el-Mundhir hat eine Tochter namens Hind.
    Als eines Tages der Prinz Adî ibn Zaid nach Hira kommt, verliebt sie sich in ihn und er in sie, ohne dass sie sich wirklich begegnen.
    Ihr meine Freunde, erweist mir große Güte
    Und lenket eure Schritte zum Land der Täler hin;
    Geleitet mich zu Landen, in denen Hind verweilet;
    Dann geht und bringt die Kunde von meinem treuen Sinn.

    ***
    406. Nacht
    Nach vielem Hin und Her durch die Vermittlerin Mârija – einer Freundin Hinds – kommen die beiden mit dem Segen von König Numân zusammen.
    ***
    407. Nacht

    Nach drei Jahren aber ergrimmte der König wieder Adî und ließ ihn töten.

    Daraufhin lässt Hind Kloster bauen, in dass sie sich zurückzieht bis zu ihrem Tod.
    ***
    Die Geschichte von Dibil el-Chuzâi und der Dame und Muslim ibn el-Walîd
    Die Geschichte wird aus der Perspektive des Dichters Dibil el-Chuzâi (auch al-Khuzai einem Dichter des 9.Jh. n.Chr. erzählt.
    El-Chuzâi steht am Tor von el-Karch, als eine wunderschöne Frau an ihm vorbeigeht, die ihn betört und der er mit dem Vers begegnet:
    Aus meinem Auge fließt ein Strom von Zähren;
    Und Schlaf will meinem Lid sich nicht gewähren.
    Sie antwortet spontan
    Das ist dem Mann ein leichtes, wenn die Glut
    Aus wunden Augen ihn zur Liebe lud.
    So geht es hin und her zwischen den beiden, und gerade dem Dichter imponiert die spontane Dichtkunst dieser Frau, die er einlädt, ihm zu folgen, was sie auch überraschenderweise tut. Da er aber kein Haus hat, bittet er seinen Freund Muslim ibn el-Walîd, ihm das Gastrecht zu gewähren. Dieser sagt zu. Da er aber nichts zu essen zuhause hat, schickt er el-Chuzai mit einem Tuch zum Markt, dass dieser verkaufen und vom Erlös Essen kaufen soll, was der auch tut.
    Als er jedoch zurückkommt, nimmt ihm Muslim ibn el-Walîd die Speisen ab, schlägt ihm die Tür vor der Nase zu und höhnt:
    „Wer ist es, der diesen Vers gedichtet hat:
    Ich schlief in ihrem Arm; indes mein Freund
    War trüb im Herzen und an Gliedern rein – ?“
    Die Antwort el-Chuzâis:
    „Er, der am Gürtel tausend Hörner hat,
    die höher ragen als ein Götzenschrein.“
    El-Chuzâi endet die Geschichte damit, dass er die Frau nie wieder sah und er noch heute Groll im Herzen verspüre.
    ***
    Die Geschichte von Ishâk aus Mosul und dem Kaufmann
    Ishâk ibn Ibrâhim aus Mosul berichtet, eines Morgens des Kalifenpalastes überdrüssig geworden zu sein, weshalb er beschloss auszureiten und seine Diener anwies, niemandem zu sagen, wohin er geritten sei. So reitet er durch die Straßen, bis er nach zur Straße el-Haram kommt.
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    387. – 388. Nacht

    387. Nacht

    In der Nacht, als Mus’ab zu ihr einging, ließ er erst nach der siebenten Umarmung von ihr ab.

    Man lobt ihn dafür. Eine andere tadelt Aischa bint Talha dafür, zu stöhnen, sich zu bewegen und regen, wenn er sie nach der Heimkehr umarmt. Sie darauf:

    "Eine Frau soll ihrem Mannes alles bringen, was sie vermag, an Erregungen und an wunderbaren Bewegungen." Ich erwiderte: "Es wäre mir lieber, wenn das des Nachts geschieht." Doch sie sagte: "Das ist so bei Tage; bei Nacht tue ich noch mehr. Denn wenn er mich sieht, so wird seine Begierde erregt, und er wird von Verlangen bewegt."

    ***

    Die Verse des Abu el Aswad

    Abu el-Aswad 387 kauft sich eine schielende Sklavin, und die Leute reden bei ihm schlecht über sie. Er darauf:

    Man tadelt sie bei mir; doch ist an ihr kein Tadel,
    Nur dass in ihren Augen vielleicht ein Flecken liegt.
    Wenn auch in ihren Augen ein Tadel ist, so ziert sie
    Ein schlanker Leib, der sich auf schweren Hüften wiegt.

    387 Der Dichter Abu el-Aswad ed-Du’ali gilt als Begründer der arabischen Grammatik. Man schreibt ihm auch die Hilfs- und Vokalisierungszeichen zu.

    ***

    Die Geschichte von Harûn er-Raschîd und den beiden Sklavinnen

    Der Beherrscher der Gläubigen ruht zwischen zwei Sklavinnen aus Kufa und Medina, die ihm Hände und Füße kneten,

    so dass seine Ware sich aufrichtete.

    Sie streiten anhand überlieferter Propheten-Aussagen darüber, wer darüber nun verfügen dürfe. Die Medinerin zitiert:

    "Wenn jemand einen Sterbenden ins Leben zurückruft, so gehört der ihm und seinen Nachkommen."

    Die Kufierin:

    "Das Wild gehört dem, der es fängt, nicht dem, der es aufstört."

    ***

    Die Geschichte von Harûn er-Raschîd und den drei Sklavinnen

    Die folgende Geschichte ist im Grunde eine Wiederholung des Motivs, die die vorige zu überbieten sucht.

    Diesmal stammen die Sklavinnen aus Mekka, Medina und dem Irak.

    Da streckte die Medinerin die Hand nach der Rute aus und brachte sie dazu, dass sie sich erhob.

    Die Medinerin rechtfertigt sich mit einer über drei Ecken überlieferten Aussage Mohammeds:

    "Wer totes Land lebendig macht, dem gehört es."

    Die Mekkanerin zitiert den Spruch aus der vorigen Geschichte:

    "Das Wild gehört dem, der es fängt, nicht dem, der es aufstört."
    Da stieß die Irakerin beide weg und rief: "Dies gehört mir, bis euer Streit entschieden ist."

    Bemerkenswert, dass hier Harûn er-Raschîd überhaupt nichts zu melden hat. Derart derbe wurde in den Erzählungen die Überlieferung der Prophetenaussagen auch nicht verspottet.

    ***

    Die Geschichte vom Müller und seinem Weibe

    Ein Müller besitzt einen Esel und eine Mühle. Er liebt sein Weib, das ihn hasst. Sie wiederum liebt den Nachbarn, der sich jedoch von ihr fernhält. Dem Müller wird eines Nachts im Traum verkündet, unter einer Stelle im Geleise des Esels sei ein Schatz vergraben.

    *

    388. Nacht

    Die Frau des Müllers verrät jedoch das Geheimnis an den Nachbarn. Gemeinsam graben sie und finden tatsächlich den Schatz, können sich aus Misstrauen nicht einigen, wie sie ihn aufteilen wollen. Schließlich erschlägt der Nachbar die Müllersfrau, kommt aber nicht mehr dazu, sie zu verbergen, so bleibt sie halb verscharrt in der Schatzgrube.
    Am nächsten Tag mahlt der Müller, doch der Esel sträubt sich immer an einer Stelle im Geleise, und so sticht ihn der Müller mit dem Messer, bis er umfällt und stirbt.
    Er findet dort nun die Leiche seiner Frau in der Schatzgrube. Frau tot, Esel tot, Schatz fort.

    All das geschah nur deshalb, weil er seinem Weibe sein Geheimnis verraten und es nicht für sich behalten hatte.

    Seltsam, wie die Geschichte aus einem Beziehungsdrama in eine Kriminalgeschichte und dann in eine bloße Lehr-Anekdote rüberschliddert.

    ***

    Die Geschichte von dem Dummkopf und dem Schelm

    Zwei Schelme beobachten einen Dummkopf, der mit einem Esel seines Wegs dahingeht. Einer stiehlt den Esel, der andere steckt den eigenen Kopf in die Schlinge. Und als der Dummkopf sich umdreht, erzählt er ihm die Geschichte, seine Mutter habe ihn wegen Ungehorsam und Trunkenheit vor Jahren verflucht und Allah ihn daraufhin in einen Esel verwandelt.

    "Heute jedoch hat meine Mutter sich meiner erinnert, und da ihr Herz von Sehnsucht nach mir erfüllt ist, so hat sie für mich gebetet, und Allah hat mich wieder zu einem menschlichen Wesen gemacht, so wie ich es früher war."

    Aus Barmherzigkeit lässt ihn der Dummkopf frei:

    "Um Gottes willen, mein Bruder, sprich mich von den Sünden frei, die ich an dir begangen habe durch das Reiten und alles andere."

    Nach langer Zeit der nichtstuenden Reue begibt sich der Dummkopf zum Markt, um sich einen neuen Esel zu kaufen. Zufällig steht sein eigener wieder zum Verkauf. Er flüstert ihm ins Ohr:

    "Weh dir, Unseliger, du bist wohl, wieder trunken nach Hause gekommen und hast deine Mutter geschlagen! Aber, bei Allah, ich kaufe dich nie wieder!"

    Eine Anekdote, die mir bekannt vorkommt. Haben wir sie mal im Schul-Unterricht behandelt?

    ***

    Die Geschichte von dem Kadi Abu Jûsuf und der Herrin Zubaida

    Harûn er-Raschîd findet auf seinem Ruhelager ein

    frisches Gerinnsel

    und verdächtigt seine Hauptfrau Zubaida des Ehebruchs. Kadi Abu Jûsuf soll es richten. Der entdeckt ein Fledermausnest an der Decke:

    "O Beherrscher der Gläubigen, die Fledermaus hat die gleiche Flüssigkeit wie der Mensch; dies da ist die Flüssigkeit einer Fledermaus."

    16.Juni – Impro nach Metronom

    16. Juni 2011

    Nachdem er die Shows des vorangegangenen Abends sah, kommt Paul auf den Gedanken, sein Konzept zu verändern und unseren Rhythmus zu trainieren. Von nun an hören wir den ganzen Tag über ein Metronom (iPhone) über die Lautsprecher, währenddessen uns Paul kommandiert: Stop, Public, Action usw. Ich weiß nicht, ob dieses Training wirklich jemandem etwas bringt. Mir scheint der ganze Ansatz fraglich. Zu wenig kann man sich auf den Rhythmus einlassen, zu viel wird von Paul kommandiert. Wer seine Contenance verliert (z.B. lacht), muss in die Ecke.
    So sinnvoll es im Einzelnen sein mag, sich bestimmter Angewohnheiten auch mal durch krasse Methoden austreiben zu lassen: Hier haben wir kaum Platz zum Ausprobieren. Jede Kleinigkeit wird sanktioniert oder gar kommandiert. Die Improvisation, das Kreative geht verloren.

    Am Abend die "Translation Show", eine schöne Erfindung. Im ersten Teil spielt eine Hälfte des Festival-Ensembles so, dass jeder in seiner Muttersprache spricht. In der zweiten Hälfte jeder "in seiner schlechtesten Sprache". Schon im letzten Jahr war es so, dass die zweite Hälfte besser lief, da man auf Reduktion angewiesen war.
    Den Clown und Lehrer Paul im ersten Teil mit ins Boot zu nehmen, stellt sich auch als zweischneidig heraus: Er spielt auf Gags und zieht andauernd den Fokus. Es bleibt einem nichts anderes übrig, als seine Angebote zu verstärken und sie zu überakzeptieren oder ihn praktisch wegzuschicken.

    *

    Nachdem Mansûr der Dame des Hauses erklärt, dass er ein Tischgenosse Harûn er-Raschîds sei, öffnet sie sich ihm und berichtet von ihrem Verlust: Dschubair ibn Umair esch-Schaibâni, der Emir der Banu Schaibân, hat sie verlassen.

    Der Grund war dieser: Eines Tages saß ich da, und meine Sklavin kämmte mir die Haare. Als sie mit dem Kämmen fertig war, flocht sie mir die Zöpfe; und da meine Schönheit und Anmut sie berückten, beugte sie sich über mich und küsste mir die Wange. In dem Augenblick trat er unversehens ein, und als er sah, dass die Sklavin meine Wange küsste, wandte er mir von Stund an zornig den Rücken, entschlossen, mich ewig zu meiden, und sprach diese beiden Verse beim Scheiden:

    Soll ich mich in die Liebe mit einem andern teilen,
    So lasse ich mein Lieb und leb für mich allein.
    In dem geliebten Wesen, das anders in der Liebe
    Als der Geliebte will, kann doch nichts Gutes sein.

    Sie bittet Mansûr nun, ihren Geliebten aufzusuchen und ihm einen gedichteten Brief zu überbringen. Mansûr stimmt zu, und als er bei Dschubair eintrifft, ist dieser gerade auf Jagd.

    Die Jagd des Sultans von Basra scheint inzwischen völlig vergessen.

    Als Dschubair zurückkehrt, empfängt er Mansûr wie einen hohen Gast. Er

    ließ mich auf seinem eigenen Pfühl ruhen und befahl, den Speisetisch zu bringen. Da brachte man mir einen Tisch aus chorassanischem Chalandsch-Holze mit goldenen Füßen, auf dem sich allerlei Speisen befanden.

    327. Nacht

    Mangelnde Belege für früheste literarische Kindheitserinnerungen: Die früheste Bildergeschichte aus "Bummi", an die ich mich erinnere, ist die Geschichte vom Esel Schnabelschnut, dessen unspannende Abenteuer darin bestanden, dass jeder Gegenstand, den er beleckte, an ihm kleben blieb. In jeder Folge vier Bilder, vier Gegenstände. Vermutlich ein pädagogischer Comic für die Jüngsten. Die zweite Erinnerung ist überlagert von Sekundär-Erinnerungen: Da es eine oft wiederholte Story in meiner Familie ist, kann ich nichts zur Genauigkeit sagen. Es geht um das Buch "Annegret", das mit drei Jahren mein Lieblingsbuch gewesen sein muss. Worum es ging, weiß ich nicht mehr. Aber auf dem letzten Bild sagte ein Schwein: "Ich als Schwein komme zum Schluss, weil ich als Schwein allein bleiben muss." Das Buch kam irgendwie abhanden, vermutlich gestohlen. Angeblich schrie ich noch lange Zeit: "Meine Annegret!!"
    Viel habe ich – Ebay sei Dank – aus der Versenkung wieder hervorholen können: Der starke Pit, Der lahme Büffel, und sogar Bürsteltupf aus dem Bummi. Aber bei "Annegret" – ein Buch, das wahrscheinlich nur familienintern so genannt wurde – bin ich aufgeschmissen. Für Hilfe bin ich dankbar, denn ich bin mir sicher, dass aus der Betrachtung noch andere Erinnerungen erwachsen.

    *

    Alî Schâr wagt, vorsichtig zu widersprechen, als der angebliche König, der in Wahrheit seine Frau und Sklavin Zumurrud ist, ihm die Schenkel weiter oben zu kneten, willigt dann aber ein. Doch damit nicht genug:

    "O größter König unserer Zeit", fragte Alî Schâr, "worin soll ich dir gehorchen?" Und als sie antwortete: "Löse deine Hose und leg dich auf dein Gesicht!", rief er: "Das ist etwas, das ich noch nie in meinem Leben gemacht habe! Wenn du mich dazu zwingst, so werde ich dich dessen vor Allah am Auferstehungstage anklagen."

    Aber es bleibt ihm nichts übrig.

    Da tat er es, und sie stieg ihm auf den Rücken; und er fühlte, was weicher war als Seide und zarter als Sahne. Da sagte er sich: "Dieser König ist mehr wert als alle Frauen. […} Nun rief Alî Schâr: Gott sei Dank, es scheint, dass sein Glied sich nicht aufrichtet." Sie aber sprach: "Alî, mein Glied hat die Gewohnheit, dass es sich nur aufrichtet, wenn es mit der Hand gerieben wird." […] Dann legte sie sich auf den Rücken, nahm seine Hand und führte sie zu ihrem Schoß´. Den fand er weicher als Seide, weiß, rund und ragend, heiß.

    Mit Abstand die heißeste "Stelle" bisher in den 1001 Nächten.

    Sie gibt sich ihm zu erkennen, und sie feiern ihre Wiedervereinigung:

    Er barg seinen Stab in ihrer Tasche und ward zum Pförtner ihrer Tür und zum Vorsteher ihrer Nische.

    Am nächsten Tag lässt sie zur Reise rüsten und das Volk einen Stellvertreter bestellen, nimmt einen ordentlichen Batzen aus der Schatzkammer mit und reist mit Alî nach Hause.

    Ihm wurden Kinder durch sie geschenkt, und beide lebten in höchster Zufriedenheit, bis Der zu ihnen kam, der die Freuden schweigen lässt und die Freundesbande zerreißt.

    ***

    Die Geschichte von Dschubair ibn Umair und der Herrin Budûr

    Wieder einmal kann der Beherrscher der Gläubigen (m.a.W. Harûn er-Raschîd) nicht einschlafen und bestellt Masrûr zu sich, der ihm einen Rat geben soll, wie er von der Schlaflosigkeit erlöst würde. Dieser empfiehlt ihm:
    – Die Besichtigung des Gartens inklusive Blumen, Mond, Sterne, Wasser
    – Die heimliche Besichtigung der dreihundert Odalisken
    – Weise Männer miteinander disputieren zu lassen
    – Junge Männer und Zechgenossen mit lustigen Einfällen kommen zu lassen.

    Natur, Sex, Wissenschaft, Komödie

    Als der Kalif alles ablehnt, antwortet Masrûr trocken:

    "Mein Gebieter, dann lass mir den Kopf abschlagen!"

    326. Nacht

    Denkt man heute an Zivilcourage, rücken meistens besonders heroische Taten ins Visier: Sich brutalen Schlägern entgegenzustellen etwa.
    Wieviel häufiger fehlt es aber an Mut im Kleinen? Vor allem in der Großstadt. Ein Mann liegt hilflos auf der Treppe, ruft nach Hilfe. Je mehr Menschen anwesen sind, umso unwahrscheinlicher ist es, dass ihm geholfen wird.

     

    In der Psychologie wird dies als Bystander-Effekt bezeichnet.

    Als soziale Wesen haben wir einen gewissen Hang zum Übereinstimmen. Es fühlt sich für die meisten unangenehm an, Außenseiter zu sein.

     

    In seiner extremen Form führt der Mitläufer-Effekt zu Auswüchsen wie in Abu Ghraib (um ein Beispiel nach 1945 zu nennen). Vorweggenommen vom Milgram Experiment und dem Stanford Prison Experiment von Philip Zimbardo, der später einem der Angeklagten von Abu Ghraib als psychologischer Berater zur Seite stand.

    Wenn wir nicht erkennen, dass das Böse in uns allen steckt, wird es uns schwer fallen, die Situationen zu erkennen, die es hervorbringen. Dann fahren wir fort, es zu essentialisieren, zu hospitalisieren, zu externalisieren.

    Gut sein muss trainiert werden. Zimbardo plädiert dafür, Zivilcourage schon bei Kindern zu trainieren und ihr Heldenbild zu verändern: Weg von Superhelden, hin zu Helden des Alltags. Wir müssen den Fokus weglenken von den traditionellen Helden, die ihr Leben um ihr Heldentum herum organisiert haben, so wie Gandhi, Mandela, Martin Luther King. Wir brauchen Helden auf Abruf. Menschen, die bereit sind, abzuweichen, wenn es darauf ankommt. Menschen, die auf die Gemeinschaft statt auf ihr Ego fokussieren.

     

    ***

    Man führt Alî Schâr zu Zumurrud, der sie natürlich nicht erkennt (sie ihn schon). Er berichtet seine Geschichte und sie führt wieder den Hokuspokus mit geomantischer Tafel und Messingstift auf, wobei sie zu dem Ergebnis kommt, er sage die Wahrheit.

    Man könnte die Passagen der geschummelten Nutzung der geomantischen Tafel auch als ironischen Seitenhieb auf derartige Praktiken verstehen.

    Sie lässt ihn fürstlich ein kleiden, worüber das Volk erstaunt ist. Am Abend lässt sie ihn ihr Schlafgemach, in dem außer ihr nur zwei kleine Eunuchen sind, führen und stellt sich schlafend.

    Wie die Leute hörten, dass sie nach ihm gesandt hatten, wunderten sie sich darüber.

    Woher erfuhren "die Leute" davon?

    Alî erkennt seine Frau immer noch nicht. Und sie denkt bei sich:

    "Ich muss doch noch eine Weile Scherz mit ihm treiben, ohne dass ich mich zu erkennen gebe."

    Sie teilt das Essen mit ihm und befiehlt ihm dann:

    "Komm zu mir auf das Lager und knete mich!" Er begann, ihr die Füße und Schenkel zu kneten und fand, dass sie weicher als Seide waren. Nun befahl sie: "Geh höher hinauf mit dem Kneten"

    290. Nacht

    Zur Abwechslung mal ein bisschen Kabarett:

    Top Ten der Betätigungsfelder für Roland Koch nach seinem Abtritt als Ministerpräsident von Hessen und Vizevorsitzender der CDU
    10. Vize-Zensor des Zweiten Chinesischen Fernsehens
    9. Beauftragter für brutalstmögliche Aufklärung im Team von Lance Armstrong
    8. Vize-Chef der Antikorruptionsbehörde in Turkmenistan
    7. Mediator zwischen Hells’ Angels und Bandidos
    6. Beim Oderhochwasser werden gerade Bulldozer benötigt
    5. Vize-Trainer der Klitschkobrüder, um ihnen zu brutalstmöglicher Schlagkraft zu verhelfen
    4. Vize-Chef der Einwanderungsbehörde von Birma
    3. Vize-Chef von Google Street View
    2. Datenschutzbeauftragter bei Facebook
    1. Schleimabsonderer für BP (Oder war das Schlamm, was die brauchten?)

    *

    Als sich beim vierten Kleiderzerreißen des falschen Kalifen der Vorhang wieder über ihn senken soll, um das intime Umkleiden zu verbergen, versagen die Schnüre

    und da Harûn er-Raschîd gerade einen Blick dorthin warf, sah er auf dem Leibe des jungen Mannes Spuren von Geißelhieben.

    Er wendet sich an Dscha’far und meint:

    "Bei Allah, er ist ein Jüngling schön und zart, aber doch ein Räuber von gemeiner Art."

    Wieder bemerkt der falsche Kalif das Tuscheln der beiden und hakt nach, und Dscha’far gelingt es, die Kurve zu kriegen, indem er meint, man bewundere ihn, da er in solchem Überfluss Gewänder zerreiße. Der falsche Kalif entgegnet, die kaputten Gewänder schenke er seinen Tischgenossen, und sie seien immer noch fünfhundert Dinare wert.
    Harûn er-Raschîd drängt aber Dscha’far, sich nach den Narben zu erkundigen. Dieser meint, man solle einen geeigneten Zeitpunkt abwarten. Harûn darauf:

    "Fragst du ihn nicht, so lösche ich dein Lebenslicht."

    Der falsche Kalif seufzt und beginnt, ein Gedicht zu improvisieren, in dem es unter anderem heißt:

    Doch mir sagt des Herzens Stimme, unter euch ist der Imâm,
    Der Kalif, den wir verehren, der aus edlem Hause kam.
    Und der zweite unter euch dort, Dscha’far ist der Man genannt;
    Er ist sein Wesir und ist als Herr und Herrensohn bekannt.
    Ein dritter ist Masrûr, er, der das Schwert der Rache führt, (…)

    Als sie solche Worte aus seinem Mund hörten, schwor Dscha’far einen zweideutigen Eid, dass sie nicht die genannten seien.

    Und nun beginnt der junge Mann seine Geschichte.

    "Ich heiße Alî, der Sohn des Goldschmieds Âlî."

    Sein Vater hinterließ ihm ein großes Vermögen. Und als er eines Tages vor seinem Laden sitzt, kommt, wir ahnen es bereits,

    eine junge Dame auf einer Mauleselin dahergeritten, begleitet von drei mondengleichen Mädchen.

    Dies ist nun eigentlich schon als eigenes Motiv der 1001 Erzählungen zu erkennen. Aber wie sollen wir es deuten? Als eine männliche Sehnsucht, sozusagen "unschuldig" in eine wilde Romanze zu stolpern. Die Konventionen des Frauen-Kennenlernens sind strikt. Als Alternative bleiben sonst die Prostituierten. Mit diesem Motiv kommt der Mann als der Verführte aus der Geschichte.
    – Händler wartet vor dem Basar.
    – Dame erscheint und kauft für viel Geld ein.
    – Sie bittet ihn, ihr die Ware nach Hause zu tragen, ein Zuhause, das sich in der Regel als enormer Palast entpuppt.
    – Dort wird gegessen, Wein getrunken, gesungen, sich umarmt.
    – Es folgen entweder Turbulenzen, Prüfungen oder (selten) ein Happy End.

    Diese Dame nun wünscht ein teures Halsband zum Preis von hunderttausend Dinaren:

    "Lieber Herr, begleite mich, damit du den preis in Empfang nehmen kannst! Denn dieser Tag mit dir ist für uns weiß wie Milch."

    Von der Vorhalle lädt sie ihn in den Saal, wo sie auf einem Thorn sitzt, das Geschmeide bereits angelegt:

    "Oh Juwelier, wisse, ich liebe dich, und ich kann es noch gar nicht fassen, dass ich dich wirklich zu mir gebracht habe!" Darauf neigte sie sich zu mir und ich küsste sie; und sie küsste mich und zog mich an sich und riss mich an ihre Brust."

    261. Nacht – Hate Comments

    Bemerkenswert: Mit dem am Dienstag hier geposteten kleinen, ziemlich albernen Video kann man die Emotionen der Amis auf die Spitze treiben. Wie kann ich es wagen zu behaupten, Waffen seien zum Töten gedacht! Die empörten Kommentare haben dazu geführt, dass eines meiner Videos erstmals auf Platz 1 einer Youtube-Statistik schoss: Das am heißesten diskutierte Video des Tages in Deutschland.

    Auszüge aus den Kommentaren:

    "There is no right to life if you can’t defend that life. Killers love defenseless victims!"

    "I’m sorry your daddy raised you to be such the sissy that you have a fear of firearms and I suppose seeing Palin handle the cold steel makes you feel like even less of a man. Just vote for Obama like the other 50,000 gun fearing queers on the internet who eat up bandwith with these tired old Olbermann style commentaries."

    "I may not like to hunt but I do realize that the second amendment is NECESSARY ino order for the citizens of the United States to defend themselves, and the Supreme Court decided the exact same thing."

    ***

    Zum Trost für die verlorene Frau schenkt der Kalif Alâ ed-Dîn eine Sklavin namens Kût el-Kulûb, in dem er ihr samt Dienern und Eunuchen befiehlt, bei ihm einzuziehen. Alâ ed-Dîn, einigermaßen verwirrt, nickt den neuen Dienern zu, verspricht aber, niemals ihre Gemächer zu betreten, denn

    "was des Herren war, darf nicht des Dieners sein."

    Unklar: Damit könnte er praktisch jedes Geschenk des Kalifen zurückweisen.

    Täglich "überweist" Alâ ed-Dîn ihr hundert Dinare.
    Als der Wesir Dscha’far ihn fragt, ob er schon zu ihr eingegangen sei, antwortet er:

    "Ich weiß weder, wie hoch noch wie breit sie ist."

    Auch dem Kalifen gibt er diese Antwort, als dieser verkleidet, aber erkannt, sich nachts zu Alâ ed-Dîn begibt.

    256. Nacht – Kindergarten-Memories

    Die Einzigen aus meinem Kindergarten, an die ich mich mit Vor- und Nachnamen erinnern kann:

    • Frank Malanka

    • Dana Maruschka

    • Kerstin Turban

    Niemand davon auffindbar, weder im Telefonbuch, noch bei Google.

    ***

    Es stellt sich heraus, dass der junge Mann die Tochter seines Onkels geheiratet hat, diese ihn aber nicht liebte. In einem unachtsamen Moment sprach er den dreifachen Eid der Scheidung, eine Gelegenheit, die er beim Schopfe packte. Da er sie aber erst wieder heiraten kann, wenn sie sich von einem anderen hat scheiden lassen, brauchen sie einen Mittelsmann (Muhallil), d.h. jemanden, der eine Scheinheirat eingeht. Sie haben ihn gefunden: Alâ ed-Dîn. Ein Vertrag wird aufgesetzt: Man wird ihm die Scheidung belohnen mit 3 mal tausend Dinaren in Gewändern, Maulesel und Gold. Andernfalls droht eine Konventionalstrafe von 10.000 Dinaren.
    Der Alte informiert seine Tochter darüber, dass sie nun einen neuen Gatten hat. Die Wirtschafterin des Hauses wird beauftragt, die beiden einander madig zu machen, damit Alâ ed-Dîn nicht etwa auf die Idee kommt, die Ehe zu vollziehen. Und so erzählt sie den beiden, der jeweils andere sei aussätzig.
    Nach dem Essen singt Alâ ed-Dîn die 36. Sure, und seine Frau Zubaida 256, hört seine Stimme,

    und sie fand, dass seine Stimme so lieblich klang, wie wenn das Volk Davids Psalmen sang.

    Bemerkenswert für 1001 Nacht: Positive Referenz an Juden.

    Die beiden singen einander Lieder vor, erkennen, dass sie gesund sind und verlieben sich ineinander.

    In ihm regte sich, was sein Vater ihm hinterlassen hatte; und er rief: "Deine Hilfe o Scheich Zacharias, o Vater der Adern!" Dann legte er seine Hände an ihre Seiten, setzte die Ader der Süße an das Tor der Schlucht, und drang ein, bis er zum Gittertor kam; er ging am Siegestor vorbei, und dann kam er auf den Montags, Dienstags-, Mittwochs- und Donnerstagsmarkt, er sah, dass der Teppich in seiner Größe der Estrade entsprach, und er schob den Deckel auf die Schachtel, bis er sie traf.

    Die bisher bemerkenswerteste und rätselhafteste Beschreibug des Sexualaktes in 1001 Nacht.

    Als er ihr am Morgen von seiner rechtlichen und finanziellen Kalamität berichtet, beruhigt sie ihn.

    256 Die offenbar denselben Namen wie die Hauptfrau Harûn er-Raschîds trägt.

    250. Nacht – Knickerbocker und Sportanzüge

    Entdecke im Bücherschrank ein altes Benimmbuch von 1960, das ich, wenn ich mich recht entsinne, mal vorm Verrotten in einer Jugendherberge gerettet (man könnte auch sagen „gestohlen“) habe. Darin folgendes Foto:

    Sportanzüge und Knickerbocker! Im RAW wäre die Autorin wohl in Ohnmacht gefallen:

    • Unterwäsche

    • Hunde (Wir haben noch keine Regelung dafür gefunden)

    • Filzhaare

    • Skihosen

    • Jeans

    • Joggingklamotten

    Dagegen bisher erst einmal entdeckt: Das Abendkleid.

    ***

    Da ihm die Frau bei Eheschließung vertraglich verboten hatte, sich eine Kebse oder Sklavin zu nehmen, ist Schams ed-Dîn nun doppelt verärgert:

    „Die Ehe mit dir ist, als ob man auf einen Fels schlage.“

    Doch sie gibt ihm die Schuld zurück:

    „Dein Same ist zu dünn.“

    Um seinen Samen zu verdicken, geht er einkaufen:

    „bei Drogenhändlern!“

    Auf dem Markt schickt man ihn von einem zum anderen und macht sich über ihn heimlich lustig, bis er zu einem Opiumraucher und Haschischesser namens Simsim (=“Sesam“) kommt. Die Gattin, welche, da sie schon 40 Jahre verheiratet sind, ja über 50 Jahre alt sein muss, braut aus verschiedenen Zutaten ein abenteuerliches Gesöff und der Schams ed-Dîn begattet sie noch in derselben Nacht.Den Sohn nennt man Ala ed-Dîn Abu esch-Schamât, er wird im Namen Mohammeds und Alis 250 gesegnet und mit Salz bestreut 250a.

    Das Motiv, dass es den Eltern schwerfällt ein Kind zu bekommen, taucht mehrfach in den 1001 Nacht-Storys auf. Geradeso, als wolle man ordentlich Anlauf nehmen, um dem eigentlichen Geschehen Schwung zu verleihen oder um das Besondere des Protagonisten zu unterstreichen.Nicht zu vergessen: Schneewittchens Eltern hatten auch mit dem Zeugen Schwierigkeiten.

    Sein Vater war um ihn wegen des bösen Blicks besorgt, und darum ließ er ihn in einem Gemache unter der Erde aufziehen.

    Heutzutage hätte es der Vater mit einer solchen Begründung vor Gericht schwer. Hm – vor einem deutschen Gericht.

    Man will den Knaben solange dort halten,

    bis ihm der Bart sprosst.

    Aber eines Tages lässt ein Sklave die Falltür offenstehen, und Alâ ed-Dîn flieht. Er betritt ein Zimmer, in dem seine Mutter gerade ihre Freundinnen empfängt, die über diesen spontanen Besuch eines weißen Mamluken empört sind, bis die Mutter sie aufklärt.

     

    250 Vielleicht ein Hinweis auf die schiitische Herkunft der Story?
    250a Zur Abwendung des bösen Blicks, mit dem man es in dieser Story anscheinend sehr genau nimmt.

    231. Nacht – Karl Valentin

    Vitrine Gesamtausgaben

    Zweite Reihe, elftes Buch von links

    Alfons Schweiggert: Karl Valentins Stummzeit. Grünwalder und Planegger Jahre 1941 bis 1948

    Erworben: ca. 2000
    Status: Gelesen.
    Erster Satz (wenn wir Vorwort und einleitende Biografie weglassen): "Am 16. April 1939, zu Beginn eines Gastspiels im Apollotheater in Augsburg, erkrankte Liesl Karlstadt unerwartet an Angina."
    Kommentar: Ein großartiges, äußerst sorgfältiges Buch über Karl Valentins letzte Lebensjahre. Vor allem erfährt man endlich etwas über seine Zeit in Grünwald, die sonst in den Biografien oft ausgespart wird. Der Abstieg des größten deutschen Komikers der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in die Bedeutungslosigkeit. Er, der immer auch mit dem Schrecken Schabernack getrieben hat, muss nun erleben, wie das Grauen schlimmer zuschlägt, als in seinen eigenen groteskesten Fantasien. Noch in den späten 30er Jahren hatte er in der Ritterspelunke zum Spaß eine "Folterkammer" aufgebaut, und nur wenige Kilometer entfernt – in Dachau – wurden die Leute wirklich gefoltert. Als dann in München die Bomben fielen, rettete ihn nichts mehr. Er verlor seinen Humor. Als er nach dem Krieg versucht, im Radio Fuß zu fassen, lässt man ihn schnell fallen. Traurigerweise zu Recht. Denn seine alten Nummern wärmt er uninspiriert auf, die neuen sind zu düster und tatsächlich nicht gut genug. 1948 stirbt er durch eine Erkältung, die er bei besserer körperlicher Verfassung sicherlich überlebt hätte.

    **

    El-Amdschad weiß nicht so recht, was er tun soll und führt die Dame von einer Straße in die nächste, durch Gassen immer weiter, in der Hoffnung, ein Zufalle würde etwas lösen, bis sie in einer Sackgasse landen, an deren Ende sich ein hohes Tor befindet. Sie wundert sich natürlich, warum er nichts unternimmt. Er spinnt:

    "Ich erwarte meinen Mamluken; der hat einen Schlüssel. Ich hatte ihm befohlen, er solle uns Speise und Trank und was zum Weine gehört herrichten, bis ich aus dem Bad zurückkäme."

    "Uns"?

    El-Amdschad hofft, dass sie sich irgendwann zu langweilen beginnt und verschwindet, doch sie zerschlägt das Schloss des Tors mit einem Stein. Sie tritt ein, und ihm bleibt nichts übrig, als ihr in das teuer eingerichtete Haus zu folgen.

    "Jetzt bin ich verloren!"

    Sie missdeutet seine Unruhe als erotische Nervosität.

    "Was stehst du so da?" Dann seufzte sie tief und gab el-Amdschad einen Kuss, der so schallte, wie wenn eine Walnuss aufgeknackt wird.

    Sie bietet ihm vom herumstehenden Essen an, dass er kaum zu genießen imstande ist.
    Tatsächlich hört man den Hausherrn nach einer Weile eintreten.

    ein früherer weißer Sklave (…) er war Stallmeister beim König. (…) Jener Mann hieß Bahâdur; er hatte eine offene Hand, übte Milde und Freigebigkeit und war stets zu Almosen und Spenden bereit. Als er nun näher kam —
    Da bemerkte Schehrezâd, dass der Morgen begann und hielt n ihrer verstatteten Rede an.

     

    230. Nacht

    El-Amdschad erfährt, dass er sich in der Stadt der Magier befindet:

    "Ihre Bewohner beten zum Feuer anstatt zum allmächtigen König."

    Unklar, wer diese Auskunft erteilt, wenn doch alle Bewohner Magier sind. Erinnert an die lügenden Kreter.
    Auch unklar: Ob es dieselbe Magier-Stadt ist, in der Kamar ez-Zamân als Gärtner arbeitete

    Der Weg zur Ebenholzstadt, so erfährt er, ist

    zu Land eine Reise von eine Jahr, zur See aber eine Fahrt von sechs Monaten.

    Wieder diese seltsame Zeitverschiebung. Die Brüder waren doch lediglich ein paar Tage unterwegs.

    El-Amdschad trifft auf einen muslimischen Schneider, der ihm anbietet, bei ihm zu wohnen.

    Nun blieb der Prinz eine Reihe von Tagen bei ihm, während dieser ihn tröstete, ihm Mut zusprach und ihn im Schneiderhandwerk unterrichtete, bis er es gelernt hatte.

    Dauert in Deutschland derzeit drei Jahre!

    Eines Tages trifft er nach dem Bade

    eine Frau von großer Schönheit und Zierlichkeit,

    die ihn durch Verse anlockt. Er lockt sie zurück. Ebenfalls durch Verse, bis er schließlich zur Sache kommt:

    "Willst du zu mir kommen, oder soll ich zu dir kommen?"

    Diese Worte hörte ich 1992 zum ersten Mal.

    Sie darauf:

    "Die Männer haben den Vorrang vor den Frauen um dessen willen, was Allah den einen vor den anderen vorausgegeben hat."

    219. Nacht

    El-Amdschad liest den Brief und ist nicht amüsiert:

    "Weh dir, du elender Mohr! Bringst du die Botschaft, die Verrat birgt, von der Frau deines Herrn? Bei Allah, an dir ist nichts Gutes, du Schwarzgesicht, dessen schwarze Taten im Himmelsbuche stehen, du Kerl von hässlichem, törichtem Wesen und eklig anzusehen!"

    Mit diesen Worten köpft er ihn.

    Wenige Seiten zuvor wurden noch Anmut und Herzensbildung des Prinzen gelobt. Einen Befehle ausführenden kastrierten Sklaven rassistisch zu beschimpfen und ihn anschließend zu töten, spräche wohl eher dagegen.

    Sowohl el-Amdschad als auch Hajât en-Nufûs können in dieser Nacht vor Kummer nicht schlafen.
    Als am nächsten Tag el-As’ad auf dem Thron sitzt, schreibt ihm Königin Budûr einen Liebesbrief.

    Man bedenke: Dieselbe Budûr, die vor wenigen Kapiteln noch als Jungfrau von Dämonen bewundert wurde.

    Der gereimte Brief wird mit starkem Moschus eingedieselt und ebenfalls mit Haarbändern verknotet.
    Auch in diesem Fall wird die Überbringerin des Briefes – eine alte Frau – geköpft.

    Eine hübsche Erzähl-Parallele: Aufpasser von Kamar ez-Zamân war ein Eunuch, Budûr wurde von einer alten Frau bewacht, die ebenfalls getötet wurde.

    Die Brüder berichten verschämt einander von den Briefen, die sie von der Mutter des jeweils anderen bekommen hätten und geloben einander, ihrem Vater nichts davon zu erzählen.

    Aber sie unterschätzen die Listigkeit ihrer Mütter.

    Diese berichten Kamar ez-Zamân bei dessen Rückkehr, es sei umgekehrt gewesen: Sie hätten Liebesbriefe bekommen und wären vergewaltigt worden.

    Dass aufgrund dieser Lügen ihre Söhne nun in Lebensgefahr sind ahnen sie entweder nicht oder sie nehmen es in Kauf.

    216. Nacht

    Budûr lässt am folgenden Tag den Kapitän vor ihren Thron bringen und fragt ihn, woher er die Schläuche habe. Sie versiegelt die Warenhäuser der Kaufleute und droht, diese töten zu lassen, wenn man ihr nicht den „Gärtner“ brächte, da dieser ihr Geld schulde.

    Den wahren Grund – er ist ja ihr Gatte – verrät sie natürlich nicht.

    Die Kaufleute flehen den Kapitän an:

    „Mache, dass wir von diesem ungerechten Tyrannen loskommen.“

    Der Kapitän segelt zurück und schnappt Kamar ez-Zamân:

    „Du bist ein Schuldner des Königs Armanûs; du willst ihm sein Geld stehlen.“

    Kamar ist entsetzt, als er zu den Ebenholzinseln gebracht wird. Budûr hebt die Sperre über die Kaufleute auf und beschenkt den Kapitän. Sie beschenkt aber auch Kamar ez-Zamân.

    Als sie ihn erblickte, zwang sie ihr Herz sich zu gedulden, bis sie ihr Vorhaben ausgeführt hätte.

    Sie befördert ihn zum Schatzmeister und Kamar ez-Zamân tritt in ihren Dienst. Nach einer Weile bittet er aber um Entlassung. Budûr treibt aber weiterhin ihr Spiel mit ihm, befördert ihn zum Wesir, schmeichelt seinem Äußeren und deutet erotisches Begehren an.

    Wie entzieht man sich diesen Wünschen eines Sultans?

    Kamar ez-Zamân argumentiert:

    „O König, ich bin nicht gewöhnt, solche Dinge zu tun; und nicht stark genug, dass solche Lasten auf mir ruhn, die selbst ein älterer als ich kaum ertragen kann, geschweige denn ich ganz junger Mann!“

    Man tauscht gereimte Argumente aus, darunter auch Budûr:

    Der Mann erhebt die Hände zum Gebet;
    Die Frau erhebt die Füße, wenn sie fleht.
    O welch ein fromm Beginnen ist es doch;
    Und Gott erhebt es in der Tiefe hoch.

    Kamar ez-Zamân willigt schließlich voller Scham ein, unter der Bedingung, dies wäre das letzte Mal. Sie liegen also beieinander:

    „Lege deine Hand zwischen die Schenkel an die Stelle, die dir bekannt; vielleicht, dass es dann, nachdem es lag, wieder aufstehen kann.“

    Völlig verwirrt tut er auch das und glaubt, nachdem er „nichts“ findet, einen Zwitter vor sich zu haben. Und endlich löst Budûr ihren Scherz auf. Liebend und reimend fallen sie einander in die Arme.
    Am nächsten Morgen verkündet man dem Sultan Armanûs die ganze Geschichte, und dieser bietet Kamar ez-Zamân seine Tochter an, da diese ja noch unberührt ist. Kamâr willigt ein, nicht ohne Budûr um Einwilligung zu bitten, damit keine Eifersucht zwischen den beiden Frauen entstünde.

    Man könnte meinen, die Geschichte sei so gut wie vorbei, nur König Schehrimân müsse noch informiert werden.

    208. Nacht

    Kamar ez-Zamân durchschreitet die Stadt vom Landtor bis zum Meerestor, ohne einem Bewohner zu begegnen. Schließlich gelangt er zu einem Garten, dessen Wächter ihn grüßt und eilig hereinbittet, damit er von den Bewohnern der Stadt keinen Schaden nehme, denn

    "die Einwohner der Stadt sind alle Magier."

    Kamar ez-Zamân berichtet dem Gärtner, was ihm geschehen ist. Und dieser antwortet:

    "Wisse, mein Sohn, das Land der Muslime ist weit von hier entfernt. Zwischen ihm und uns liegt eine Reise von vier Monaten zur See, zu Lande aber dauert sie ein ganzes Jahr. Wir haben ein Schiff, das jedes Jahr in See sticht und mit Waren nach dem ersten muslimischen Lande fährt; von hier fährt es in das Meer der Ebenholzinseln und von dort nach den Chalidân-Inseln, über die der König Schehrimân herrscht."

    Kamar ez-Zamân wird sich freuen, den Namen seines Vaters zu hören, allerdings deuten die extremen Zeitverschiebungen auf eine außerordentliche Phantasie des Gärtners oder hübsche Fähigkeiten der die Stadt bewohnenden Magiere 208.

    Der Wächter des Gartens hat Mitleid mit dem Prinzen und gibt ihm einen Job als Gärtner,

    und er [Kamar ez-Zamân] begann Lieder über seine Geliebte zu singen.

    Elf Tage ist er gelaufen, bis er in diese Stadt kam, warum nicht elf Tage zurück? Ahnt er, dass Magie im Spiel ist? Allerdings können zehn straffe Märsche hintereinander gern zu 250 km ausarten, da verliert man leicht die Orientierung.

    Prinzessin Budûr hingegen entdeckt den Verlust von Gatten und Stein:

    "Wo ist mein Gemahl? Es ist, als hätte er den Stein genommen und wäre fortgegangen; aber er kennt doch das Geheimnis nicht, das er birgt."

    Da nun der Vogel mit dem Stein auch verschwunden ist und wir bereits die mangelnde Bereitschaft der Tausendundeine-Nacht-Erzähler zum Wiedereinführen von Story-Elementen kennen, ist es fraglich, ob wir das Stein-Geheimnis je erfahren.

    Budûr befürchtet, von den Dienern vergewaltigt zu werden, falls sie das Verschwinden ihres Gatten bekanntgibt,

    "…darum muss ich eine List anwenden."

    Ihre Ähnlichkeit mit ihrem Gatten ausnutzend verkleidet sie sich als Kamar ez-Zamân und kommandiert nun in dessen Rolle die Karawane. Sie gelangen bis vor die Tore einer Stadt, wo sie lagern. Man bringt in Erfahrung:

    "Dies ist die Ebenholzstadt. Über sie herrscht König Armanûs, und er hat eine Tochter des Namens Hajât en-Nufûs".

    Bedenkend, dass das Schiff der Magierstadt sowohl diese Ebenholzstadt als auch Chalidân anfährt, können wir gedanklich den Storyverlauf ein wenig vorwegnehmen.

     

    208 Wir können davon ausgehen, dass hier persische zoroastrische Priester gemeint sind, deren Rituale den muslimischen Arabern als Zauberei galten.

    206. Nacht

    Kamar ez-Zamân beschließt zurückzureisen und Budûr lässt sich von ihrem Vater die Erlaubnis geben mitzureisen. Diese erteilt er mit der Bedingung einmal im Jahr besucht zu werden.

    Eine nicht unerhebliche Bedingung, wenn man bedenkt, dass allein die Reise jedes Mal mehrere Wochen dauert und Berliner Studenten heute schon zu heulen anfangen, wenn sie mal zu Weihnachten ihre Eltern in Stuttgart besuchen sollen.

    Sie machen sich auf den Weg, und als sie eines Tages rasten, entdeckt Kamar ez-Zamân seine junge schlafende Frau in aprikosenfarbenem Seidenhemd, das vom Wind abgehoben wird, so dass ihre Brüste und ihr schneeweißer Leib sichtbar werden.

    In jeder seiner Falten hätte eine Unze von Behennussöl Platz gefunden.

    Schneeweiße Haut und zentimetertiefe Falten. Ein seltsames Schönheitsideal!

    Kamar ez-Zamân öffnet ihr nun die Hose und findet an einer Schnur einen Stein, in den eine im Dunkeln nicht lesbare Schrift eingraviert ist.

    "Wäre dieser Stein nicht ein großes Kleinod für sie, so hätte sie ihn nicht in dieser Weise an die Schnur ihrer Hose festgebunden und ihn nicht an der sichersten Stelle bei sich verborgen, um ihn nicht zu verlieren."

    205. Nacht

    Budûr liest die Nachricht und wird im Nu gesund. Sie improvisiert ein Gedicht.

    Nach diesen Worten erhob sich die Herrin Budûr alsbald, presste ihre Füße fest gegen die Mauer und zerrte mit der ganzen Kraft an dem eisernen Ring, bis sie ihn am Halse zerbrochen und auch die Kette zerrissen hatte.

    Erinnert an Zampanos Kettentrick in "La Strada".

    Dann eilte sie hinter dem Vorhange hervor, war sich Kamar ez-Zamân entgegen und küsste ihn auf den Mund, gleichwie die Tauben sich schnäbeln.

    Der Eunuch berichtet dem König von der Heilung. Dieser geht zu ihr.

    Als sie ihn erblickte, sprang sie auf, verhüllte ihr Haupt…

    Unklar: Hauptverhüllung vor dem eigenen Vater, während sie sich vor "Sterndeuter" und Eunuch unverhüllt zeigen darf!

    Kamar ez-Zamân berichtet nun dem König seine ganze Geschichte, und der König lässt die beiden sich vermählen.

    Und in selbiger Nacht ruhte Kamar ez-Zamân bei ihr und erreichte bei ihr das Ziel seiner Wünsche; und auch sie stillte ihr Verlangen nach ihm und genoss seine Schönheit und Anmut.

    Nach einiger Zeit erblickt Kamar ez-Zamân jedoch seinen Vater im Traum, der ihn mahnt.

    185. Nacht

    Prinzessin Budûr verliebt sich erwartungsgemäß in Kamar ez-Zamân und begehrt ihn:

    "Wach auf aus deinem Schlafe! Sieh die Narzisse und ihren zarten Flaum! Erfreue dich meines Leibes und seiner Geheimnisse!"

    Narzisse?

    Sie versucht ihn vergeblich zu wecken, entdeckt aber ihren Siegelring an seinem Finger und vermutet ebenfalls einen Trick ihres Vaters.

    Und nun griff sie mit der Hand auf seine Brust, und da seine Haut so glatt war, glitt ihre Hand bis auf seinen Leib, bis auf seinen Nabel und fiel auf sein Glied; da erschauerte und bebte ihr Herz, und die Begierde ward heftig in ihr, denn das Verlangen der Frauen ist stärker als das der Männer.

    Das sind ja mal Nachrichten.

    Sie schmiegt sich an ihn und schläft ein.

    151. Nacht

    Das Regal Comics:

    Das elfte Buch von links:

    Planned Parenthood Association Ghana (PPAG): "Questions Teenagers Ask"

    *

    Erworben: August 1997 im Büro der PPAG in Kumasi, Ghana.
    Status: Komplett gelesen
    Erster Satz: "How are babies made?"
    Kommentar: Den Sommer 1997 verbrachte ich in Ghana. Hauptsächlich in der Region Ashanti für eine soziologische Untersuchung: "Male involvement in family planning in the rural areas of Ashanti". Die Broschüre äußerst simpel und vereinfachend. Sie steht im Comic-Regal, einfach weil sie einer gewissen Komik nicht entbehrt.

    ***

    Die Maus bietet dem Floh Obdach und überredet ihn, den Mann heftigst zu stechen, so dass dieser nach dem Floh suche und sie dessen Golddinare, die er unterm Kissen verbirgt, stehle. Der Floh willigt ein. Ende.

    Fragt sich, was die Tiere mit Golddinaren wollen.

    Der Fuchs begründet gegenüber dem Raben diese Geschichte: Es könne auch ungleiche Freundschaften geben. Der Rabe wendet ein, der Fuchs würde, wenn es einmal anders käme, sich gegen ihn wenden, so wie er es mit dem Wolf getan, mit dem er schließlich verwandt sei.

    Die Querverbindung zur Geschichte der vorigen Nacht ergibt keinen rechten Sinn, da die Geschichte vom Fuchs und dem Raben ganz anders eingeführt wurde.

    "Ich kann dich und mich nur mit dem Sakerfalken und den Raubvögeln vergleichen. Als der Fuchs fragte: "Wie war denn das?", erzählte der Rabe

    Die Geschichte vom Sakerfalken und den Raubvögeln

    148. Nacht

    Das elfte Buch Nummer von rechts aus dem Regal Theaterstücke und Märchen:

    Gustav Schwab: Deutsche Heldensagen

    Erworben: Unklar.
    Status: einige der Sagen gelesen.
    Erster Satz: In jener alten Heldenzeit, da König Artus in Britannien mit seinen edlen Rittern Tafelrunde hielt, wohnte in den Niederlanden ein König mit Namen Sieghard, dessen Gemahlin einen einzigen Sohn hatte.
    Kommentar: Schwab hat sich ja einerseits um die Verbreitung der Sagen verdient gemacht, andererseits ist ihm auch eine gewisse Verkitschung nicht abzusprechen. Von der üblen Deutschtümelei mal ganz abgesehen.

    ***

    Die Geschichte vom Einsiedler und den Tauben

    Ein frommer, ständig betender Einsiedler lebt mit einem Taubenpärchen zusammen, welches viele Nachkommen hat. Als der Einsiedler stirbt, zerstreuen sich die Tauben.

    ***

    Die Geschichte von dem frommen Hirten

    Ein Hirte lebt auf einem Berg mit Schafen und Ziegen und wird von Raubtieren verschont.

    Klingt nach Schneewittchen – die reine Unschuld wird auch von Raubtieren respektiert.

    Allah lässt ihn als Prüfung erkranken und schickt ihm einen als Frau getarnten Engel, der ihn verführen soll.

    Die göttliche Prüfung ist ein Schema, das ich nie verstanden habe: Jesus wird zum Beispiel vom Satan versucht. Hiob durch Gott geprüft. Sind Engel und Teufel nur Agenten Gottes? Und wenn ja, dann kann doch der Teufel so bös auch nicht sein, wenn er denn Gottes Werkzeug ist. Oder Gott nicht so gut, wie immer behauptet wird. Oder die Unterteilung gut/böse stimmt nicht.

    "Ich selbst biet mich dir an, weil du der weiblichen Dienste bedarfst; und wenn du mir beiwohnst, so wird deine Krankheit von dir weichen, und du wirst es bereuen, dass dir bisher in deinem Leben soviel von dem Verkehr mit den Frauen entgangen ist."

    Aber ganz dem sexualfeindlichen Moralkodex gehorchend lehnt der Fromme ab.
    Ein nicht weit entfernt wohnender Gottesmann erfährt von jenem frommen Hirten und will ihn aufsuchen. Als er den Berg besteigt, fliehen jedoch die Tiere vor ihm. Dies beklagt er, und wandert weiter zu dem Hirten, bei dem er in Gottesfurcht lebt, bis sie irgendwann sterben.

    ***

    Da sprach der König: "Oh Schehrezâd, du hast mich nun schon gelehrt, meine Königsherrschaft für eitlen Tand zu erachten und die Hinrichtung so vieler Frauen und Mädchen zu bereuen! Sag, weißt du noch eine Geschichte von den Vögeln?"

    Eigentlich könnte die Rahmenhandlung hier aufhören. Schehrijâr ist bekehrt. Ende gut, alles gut. Aber schließlich ist ja Schehrezâd seine Gattin und noch nicht am Ende ihrer Mission.

    ***

    Die Geschichte vom Wasservogel und der Schildkröte

    Ein Wasservogel entdeckt in einem Fluss einen menschlichen von Lanzenstichen entstellten, aufgequollenen Leichnam, der auf einen Fels gespült wird. Er will sich gerade von ihm ernähren, als ein Geier und ein Adler herbeifliegen, und der Wasservogel nimmt Reißaus. Auf einer Insel eines anderen Flusses trifft er eine Schildkröte, die ihn in seinem Kummer tröstet. Lange Zeit später fliegt er wieder zu dem Felsen, der Mensch besteht nur noch aus Knochen, die Raubvögel sind verschwunden. Die Schildkröte zieht mit ihm.

    Unklar, ob er sie trägt oder ob sie jahrelang kriecht.

    Sprichwort: Die Welt ist die Stätte dessen, der keine Stätte besitzt, und nur der lässt sich von ihr betören, der keinen Verstand besitzt.

    Die beiden leben nun glücklich, bis ein hungriger Falke den Wasservogel tötet.

    Und so hatte ihm auch seine Vorsicht nicht mehr genützt, als seine Zeit erfüllet war. Der Grund aber, weshalb er getötet wurde, war der, dass er es versäumte, Gott zu preisen.

    ***

    Schehrijâr bittet um eine Geschichte über die Tiere des Feldes. Schehrezâd beginnt.

    Die Geschichte vom Wolf und vom Fuchs

    Der mit dem Wolf lebende Fuchs ermahnt eines Tages den Wolf, es nicht zu weit zu treiben, der Mensch könne ihn womöglich überlisten. Der Wolf antwortet:

    "Wie kommst du dazu, über große und wichtige Dinge zu reden?" Dann gab er dem Fuchs einen Schlag auf die Backe, dass er bewusstlos niederfiel.

    Und nicht etwa der Wolf, sondern der Fuchs entschuldigt sich:

    Hab ich denn eine Sünde früher einmal begangen
    Aus Liebe zu dir, und hab ich getan, was nicht frommt,
    So reut mich mein Vergehen, und möge deine Verzeihung
    Den Sünder umfassen, wenn er Vergebung erbittend kommt.

    Ein Schelm, wer dabei an Didi und Stulle von Phil Tägert denkt

    143. Nacht

    Wenn es je eine Sphäre in meiner Wohnung gab, in der ich einigermaßen Ordnung gehalten habe, dann waren es meine Bücher.

    • Belletristik (alphabetisch sortiert)

    • Gedichte

    • Theaterstücke

    • Bücher von Kollegen

    • Comics

    • Kinderbücher

    • Bücher über Improvisation und Theater

    • Bücher über Musik

    • Bücher über Film

    • Wörterbücher und Lexika

    • Sprachlehrbücher

    • Reiseliteratur

    • Trash

    • Soziologie und Philosophie

    • Politische und juristische Literatur

    • Kinder- und Jugendliteratur

    • Naturwissenschaft

    • Gesammelte Werke

    Die strikte alphabetische Ordnung in der Belletristik hatte allerdings zur Folge, dass ich einige Bücher überhaupt nicht mehr anrührte. Warum also nicht mal die Bücher nach Mädchen-Art sortieren, also nach Farbe?

    Wie, so fragte ich mich heute früh, bin ich eigentlich zu meinen Büchern gekommen? Erinnere ich mich an sie? Welche habe ich nie angerührt und warum? Bei welchen bin ich über das erste Kapitel nie hinausgekommen?

    Ich wähle aus den farblich sortierten Büchern das elfte jeweils von links und von rechts:

    1. John Irving: "Eine Mittelgewichts-Ehe" (deutsche Übersetzung(

    Erworben: ca. 2001, in der Mitnehme-Kiste unseres Hauses in der Libauer Str. 9.
    Status: Ungelesen.
    Erster Satz: "Meine Frau Utschka (deren Namen ich vor einiger Zeit zu Utsch verkürzt habe) könnte einer Zeitbombe Geduld beibringen."
    Kommentar: Um John Irving mache ich instinktiv einen Bogen. Ich weiß nicht warum. Vielleicht fehlt mir ein Opinion-Leader, der mir sagt, was es mit John Irving auf sich hat. Seine Bücher geraten immer wieder in die Bestseller-Listen und werden in Kritiken gelobt, aber eben auch nicht so, dass ich mir eines kaufen würde. Seit 2001 besitze ich nun sechs John-Irving-Bücher, alle ungelesen. Eigentlich müssten sie mich alle überdurchschnittlich anziehen, denn die Cover haben die Ehre von meinem Lieblingszeichner Edward Gorey illustriert zu sein.

    2. Ian McEwan: "Saturday"  (deutsche Übersetzung(

    Erworben:2006, Vermutlich in meiner Lieblings-Buchhandlung Lesen und lesen lassen. Eventuell aber auch, ich wage es kaum zu schreiben, am Flughafen Schönefeld.
    Status: Vollständig innerhalb von drei Tagen in Liverpool gelesen.
    Erster Satz: "Henry Perowne, ein Neurochirurg, wacht einige Stunden vor Tagesanbruch auf, und merkt, dass er in Bewegung ist, dass er im Sitzen die Decke zurückschlägt und aufsteht."
    Kommentar: Von den ca. zwölf Büchern, die ich bisher von McEwan gelesen habe, hat dieses mich am meisten gelangweilt. Was geschieht an einem Samstag in London – die Stadt in plakativer Aufregung über den Irakkrieg. Ein Flugzeugunfall. Kriminelle dringen in das Haus des Arztes ein. Ganz schön viel Action auf einmal, und doch hinterlässt es nur ein Achselzucken. Was McEwan sonst gelingt – den Leser in moralische Fallen tappen zu lassen – hier wirkt alles ein wenig aufgesetzt, selbst die Spannungs-Elemente konstruiert.

    3. F. Scott Fitzgerald: "The Diamond as Big as the Ritz. And other Stories" (englisches Original)

    Erworben:2001, in der Mitnehme-Kiste unseres Hauses in der Libauer Str. 9.
    Status:Ungelesen.
    Erster Satz: "There was a rough stone age and a smooth stone age and a bronze age, and many years afterward a cut-glass age."
    Kommentar: Eines der Bücher, die sich gut anfassen, die beim Reinlesen einen guten Eindruck machen und man sollte sein Leben nicht beenden, ohne wenigstens eine Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald gelesen zu haben, wenn man sich schon nicht an den großen Gatsby wagt, ein Roman, der bereits durch seinen Titel ein wenig abschreckt. Ebenso abschreckend wie das angeschwulte Cover von "The Diamond as Big as the Ritz. And other Stories", weshalb ich das Buch wohl instinktiv immer in den Schrank zurückstelle, wenn es mir in die Hände fällt.

    4. Jack London: "Feuer im Schnee"

    Erworben: ca. 1990 in einem Berliner Antiquariat
    Status: Gelesen irgendwann in den 90ern
    Erster Satz: "Buck gehörte nicht zu denen, die täglich die Zeitung lesen, sonst hätte er gewusst, dass Unheil im Gange war, nicht nur für ihn selbst, sondern für jeden Hund."
    Kommentar: Von keinem Autor habe ich so viel gelesen wie von Jack London. Dabei schreckten mich die Themen seiner Bücher als Jugendlichen ab. Wer lässt sich schon gern in die alaskische Kälte führen – keine sexy Umgebung. Erst der ZDF-Mehrteiler von Wolfgang-Staudte "Der Seewolf" ließ mich zu einem Buch von London greifen und seitdem lässt er mich nicht mehr los. Die hier vorliegende "Roman-Zeitung" – ein DDR-Produkt für 80 Pfennig Ladenpreis! – ist eine Sammlung von Alaska-Geschichten, die mit der Erzählung "Wenn die Natur ruft" ("Call of the wild") beginnt. London schrieb zwei Bücher aus der Sicht von Alaska-Hunden. Dieses Buch beschreibt den Weg eines Hundes mit einem Viertel Wolfsblut, der die menschlichen Zivilisation verlässt. "Wolfsblut", das in diesem Roman-Heft nicht enthaltende Gegenstück, zeigt eine Dreiviertel-Wölfin, die immer mehr von den Menschen fasziniert ist und am Ende in Kalifornien landet.

    5. John Galsworthy: "Die Ersten und die Letzten" / "Ein Mann aus Devon"

    Erworben:1992 aus dem Bücherkorb von Jutta Borostowski bei ihrem Auszug aus unserer Zweier-WG in der Libauer Str. 9
    Status: Ungelesen
    Erster Satz: "Um die sechste Abendstunde lag das Zimmer schon im Dunkel; nur eine Petroleumlampe mit grünem Schirm warf einen Lichtkegel auf den türkischen Teppich, auf die den Regalen entnommenen Bände, die Seiten eines aufgeschlagenen Buches, auf das kobaltblaue Kaffeegeschirr mit goldenem Rand, auf den antiken, mit orientalischer Stickerei bespannten Schemel."
    Kommentar: Wahrscheinlich war es dieser erste Satz, der mich davon abhielt, das Buch auch nur anzufangen.

    6. Robert Cormier: "Heroes" (deutsche Übersetzung)

    Erworben:14.11.2002 von der Ebayerin maggiehexle
    Status:Innerhalb von zwei Tagen im November 2002 gelesen.
    Erster Satz: "Ich heiße Francis Joseph Cassavant und bin gerade nach Frenchtown zurückgekehrt, einem Stadtteil von Monument."
    Kommentar: Auf Robert Cormier stieß ich im Sommer 1981 in einem Ferienlager in Brno. Jemand lieh mir das Buch "Der Schokoladenkrieg" – genau das richtige Buch für einen heranwachsenden Schüler – Sport, Masturbation, Schulgewalt, mafiöse Verhältnisse. Heroes hingegen ist eines seiner letzten Werke. Schlicht und in ergreifender Stille erzählt diese Novelle von Verrat und Vergebung. Ein würdiges Alterswerk.

    7. Theodor Storm: "Erzählungen"

    Erworben:12.12.2005 in einem Görlitzer Buchladen
    Status: Einige der Novellen gelesen – Immensee, Der Schimmelreiter, Pole Popenspäler
    Erster Satz: An einem Spätherbstnachmittage ging ein alter wohlgekleideter Mann langsam die Straße hinab.
    Kommentar: Sprachlich wohlgestaltete, norddeutsch-trockne Protestantenliteratur, die mich aber wegen ihrer romantischen Beigaben immer wieder anzieht.

    8. Claudia Rusch: "Meine freie deutsche Jugend"

    Erworben: 2.12.2003 bei der Ebayerin bolmsoe
    Status: Gelesen innerhalb von 1 Tag
    Erster Satz: "Ich bin an der Ostsee groß geworden."
    Kommentar: Ich lernte Claudia Rusch 1987 kennen, als mein Freund Ralf sie mit einem anspruchsvollen Kinobesuch verführen wollte, dafür aber mich als moralische Unterstützung brauchte. Das Babylon zeigte damals die  Reihe "Milieu- und Sittenfilme aus den 20er und 30er Jahren", was schon recht versaut klang. Das letzte, womit wir allerdings gerechnet hatten, war eine Rühmann-Komödie. Und nun, aus der zeitlichen Ferne – mein Freund Ralf ist schon 1992 gestorben, wirkt dieses Buch wie ein Gruß von einem andern Kontinent. Claudia Rusch – die Schriftstellerkollegin. Ralf wäre wohl heute auch Schriftsteller.

    9. Anonymus: "Mit aller Macht" deutsche Übersetzung von "Primary Colors")

    Erworben: 1998 als Geburtstagsgeschenk von Philipp Jäger
    Status: 1999 innerhalb von ca. einer Woche gelesen
    Erster Satz: "Er war kräftig gebaut, und auf den Straßen von Harlem, so mitten im Sommer, sah er verdammt bleich aus."
    Kommentar: Eigentlich verbietet sich das Wort "verdammt" in einem ersten Satz, zumindest in einer deutschen Übersetzung. Dennoch ein gutes Buch, von dem ich glaube, dass es zur Standardlektüre von Politologie-Stundenten gehören sollte. Der Schlüsselsatz noch auf der ersten Seite: "Das Händeschütteln ist der Schwellenakt, der Beginn jeder Politik." Vielleicht ist das der Grund, warum Kurt Schumacher trotz seines Charismas erfolglos blieb.
    Der Roman zeichnet bekanntlich, nur vage verschleiert, den Weg Clintons durch die Vorwahlen nach: Der Weg des guten Willens, der durch das Wissen, gute Ziele nur durch die Macht durchsetzen zu können, korrumpiert wird. Man kann nur hoffen, dass Barack Obama das gelesen hat. Bei Hillary kann man davon ausgehen, zumal schon hier von Bills Affären die Rede ist – lange Zeit vor Lewinsky.

    10. Max Goldt: QQ

    Erworben: Juli 2007 in einer Münchner Buchhandlung
    Status: Innerhalb von einer Woche schön langsam gelesen
    Erster Satz: "Wir schreiben das Jahr 900 nach Christi Geburt oder, wie es in der DDR hieß: nach unserer Zeitrechnung."
    Kommentar: Von Max Goldt wusste ich lange Jahre nur, dass er die skurrile Band Foyer des Arts gegründet hatte und überall gelobt wurde für Kolumnen, die er in der Titanic schrieb. Aber ich las keine Titanic-Kolumnen. Erst mein Mitbewohner Timo Rehm lenkte meine Aufmerksamkeit auf den Autor Goldt. Rehm war sich nicht zu schade, mir nach dem Abendbrot komplette Geschichten aus "Ä" vorzulesen. Er beteuerte, seit seiner Max-Goldt-Lektüre sich gesünder zu ernähren. Wenn das keine schriftstellerische Leistung ist – durch Texte die Ernährungsgewohnheiten der Leser zu verändern.
    Heut unterstreiche ich die völlig angemessene Lobhudelei Daniel Kehlmanns: "Max Goldt gehört gelesen, gerühmt und ausgezeichnet."

    11. Ian McEwan: "On Chesil Beach" (englisches Original)

    Erworben: Herbst 2007 in der Bahnhofsbuchhandlung des Ostbahnhof
    Status: Innerhalb von drei Tagen gelesen.
    Erster Satz: "They were young, educated, and both virgins on this, their wedding night, and they lived in a time when a conversation about sexual difficulties was plainly impossible."
    Kommentar: Dies ist das einzige Buch, das mir nicht nur Tränen der Rührung in die Augen getrieben hat, sondern mich dazu brachte, schluchzend zu weinen.

    12. Gottfried Keller: Hadlaub

    Erworben: Ich habe dieses Buch noch nie gesehen, Euer Ehren.
    Status: Ungelesen
    Erster Satz: "Gleich unterhalb des aargauischen Städtchens Kaiserstuhl stehen die beiden Schlösser Schwarz- und Weiss-Wasserstelz, jenes mitten im Rhein, d. h. näher dem linken Ufer und jetzt noch von allerlei Leuten bewohnt, die es kaufen mögen, dieses zerfallen auf dem rechten Ufer."
    Kommentar: Schöne Schrift, aber was soll ich sonst dazu sagen?

    13. Rudyard Kipling: "Die schönste Geschichte der Welt" (Erzählungen)

    Erworben: ca. 1989, wenn mich die Erinnerung nicht trügt, in einem Antiquariat in Altenburg
    Status: Die ersten 10 Seiten gelesen
    Erster Satz: "Er hieß Charlie Mears; er war der einzige Sohn seiner Mutter, einer Witwe, und wohnte im Norden von London."
    Kommentar: Eines jener Bücher, bei denen man denkt, man müsse mal etwas mehr von diesem bekannten Autor lesen als nur seinen Hit, und dann langweilt man sich doch.

     

    14. Jack London: "Menschen des Abgrunds"

    Erworben: ca. 1992 in irgendeinem Antiquariat in Berlin
    Status:innerhalb von ca. 1 Woche gelesen
    Erster Satz: "’Aber das können Sie nicht machen‘, sagten Freunde, die ich um Unterstützung bei dem Vorhaben ersuchte, mich in das East End von London zu stürzen."
    Kommentar: Lektüre zu der Zeit, als ich alles von Jack London verschlang, was ich in die Finger bekam. Eine Art Wallraff-Studie des beginnenden 20. Jahrhunderts.

     

    15. Thomas Wolfe: "Der verlorene Knabe" (Erzählungen)

    Erworben:1994 in einem Berliner Antiquariat
    Status:ein paar Seiten in der Straßenbahn gelesen und wochenlang in meinem Rucksack mitgeschleppt.
    Erster Satz: "Das Licht ging und kam wieder, die Rathausuhr dröhnte ihre mächtig-bronzenen Dreiuhr-Schläge über die Stadt hin, der Springbrunnen zerstob im leichten Aprilwind zu regenbogenfarbenen Tüchern und wurde wieder ein pulsierender Federbusch – da bog Grover zum Marktplatz ein.
    Kommentar: Nachdem mir im Sommer meine amerikanische Freundin Jessica Lissy sein Buch "You can’t go home again" ("Es führt kein Weg zurück") empfohlen hatte und ich dieses mit Eifer und Faszination gelesen hatte, war ich eine Weile auf der Suche nach weiteren Wolfe-Schätzen, blieb aber in diesen Erzählungen hängen.

     

    16. René Depestre: "Der Schlaraffenbaum"

    Erworben:vermutlich 1992 aus dem Bücherkorb von Jutta Borostowski bei ihrem Auszug aus unserer Zweier-WG in der Libauer Str. 9
    Status:ungelesen
    Erster Satz: "Es war einmal ein tatkräftiger Mann, den der Staat gezwungen hatte, einen kleinen Handel zu betreiben, und zwar am nördlichen Eingang einer tropischen Stadt."
    Kommentar: Ich kenne nicht einmal den Namen dieses Autors.

    17. Salman Rushdie: "Des Mauren letzter Seufzer"

    Erworben:1999, nachdem eine damals Angebetete, der ich meine 1996er Hardcover-Ausgabe, die mir meine Eltern zum Geburtstag geschenkt hatten, geliehen hatte, sich nicht mehr meldete
    Status:ca. vier Mal gelesen. Erstmals im Juli 1997 in Ghana
    Kommentar: Dieses Buch gehört auf jeden Fall in die Top Ten meiner Literatur-Highlights, man kann es immer und immer wieder lesen: Als Parabel auf die Einsamkeit, eine Geschichte über die ewige Suche nach Liebe, die Untiefen der Kunst, als Familien-Roman, als Indien-Panorama.

    ***

    (Fortsetzung der Geschichte vom Haschischesser)

    Der Verletzte nimmt also ein Bad und isst dabei ein Stück Haschisch, das ihm nun allerlei Halluzinationen eingibt, u.a. dass er von diversen Sklaven betreut würde:

    Der Eunuch aber brachte ihm Stelzsandalen, und die zog er an.


    Falls jemand nicht weiß, wie Stelzsandalen aussehen.

    Und weiter sah er im Traume eine Jungfrau an seinem Busen; die küsste er und legte sie zwischen seine Schenkel; dann kniete er vor ihr, wie der Mann vor der Frau zu knien pflegt, nahm seine Rute in die Hand und zog und presste die Jungfrau an sich.

    Es kommt, was kommen muss: Der Haschischesser wird geweckt von umstehenden Leuten:
    "Schämst du dich nicht, Haschischesser, hier nackt mit aufrechter Rute zu schlafen?"

    Ende.

    Kân-mâ-kân fällt vor Lachen über diese Posse auf den Rücken, und die Alte Bakûn fährt fort, ihm Geschichten zu erzählen, bis er einschläft. Sie zückt nun den Dolch, um ihn zu ermorden.

    Ist dies eigentlich eine Referenz auf die Macht von Schehrezâd, die sich selbst ja auch darüber klar sein müsste, dass sich eine solche Demonstration der Macht der nächtlichen Geschichtenerzählerinnen fatal für sie auswirken könnte?

    Doch da tritt Kân-mâ-kâns Mutter ein, und Bakûn verlässt fluchtartig das Zimmer. Am nächsten Tag flieht Kân-mâ-kân aus der Stadt und vereinigt sich mit dem Wesir Dandân.

    Nach seinem Fortgange aber ereigneten sich Dinge zwischen König Sasân und Nuzhat ez-Zamân, die auch sie zwangen, die Stadt zu verlassen.

    Eine eher ungewöhnliche Sach-Komprimierung des Erzählens bei der sonst gerade in diesem Roman übliche Weitschweifigkeit. Aber es kommt noch schlimmer.

    Sie unternehmen einen Rachefeldzug nach Kleinasien.

    So brachen sie denn auf zum Kriege gegen die Romäer; aber die fielen in die Gefangenschaft des Königs Rumzân, des Herrschers von Kleinasien, nachdem sich noch manche andere Dinge zugetragen haben, wie aus dem folgenden hervorgeht.

    Da hat man sich schon durch über 400 Seiten durch endlose Beschreibungen gekämpft, und dann werden einem die wichtigen Fakten erspart, weil dies "zu weit" führen würde! Mit Romäern sind anscheinend die orthodoxen Christen, die sich als Nachfolger der Römer verstehen, gemeint.

    Rumzân hat einen seltsamen Traum, den er von Wesir Dandân dahingehend deuten lässt, dass ein naher Verwandter in der Nähe ist.
    Doch Rumzân lässt den Henker holen, um den Gefangenen die Köpfe abzuschlagen, damit er seinen Feinden Angst einjagen könne, wenn man die Köpfe in Richtung der Feindesheere werfe.

    Die Wikipedia vermerkt dazu: "Es wurden, wie mit anderen Wurfwaffen auch, oft auch zusätzlich Materialien wie z. B. Fäkalien oder Kadaver, Bienenstöcke oder lebende Gefangene in die feindlichen Festungen geschleudert, um den Gegner einzuschüchtern, Nahrungsvorräte belagerter Städte zu verunreinigen oder Krankheiten auf die belagerten Menschen zu übertragen."

    Doch bevor Rumzân den Henker sein Werk vollenden lässt, schreitet Rumzâns Amme Mardschâna ein, die ihm erzählt, dass er der Sohn der Abrîza sei und somit der Onkel Kân-mâ-kâns und der Bruder Nuzhat ez-Zamâns. Man vergleicht die um den Hals hängenden Edelsteine und tatsächlich sind sie gleich.

    Einer der seltenen Fälle dieses Romans, wo einmal ein früheres Motiv wieder eingebaut wird.

    König ez-Ziblikân erhält die Vizekönigschaft von Damaskus.

    Wer ist das denn eigentlich?

    Rumzân und Kân-mâ-kân teilen sich auf Anraten des Wesirs Dandân die Regierung von Bagdad.

    Fast wie im heutigen Bagdad

    136. Nacht

    An dieser Stelle vielleicht völlig unpassend: Aber kann mir mal jemand die Popularität des Radio-Journalisten Jörg Tadeusz erklären. In seiner angeblichen Wissenschaftssendung "Die Profis" auf Radio Eins stellt er sich absichtlich doof (zumindest kann ich das für ihn nur hoffen) und nimmt keinen seiner Gesprächspartner auch nur im Geringsten ernst. Den Anrufern beim Scanner-Spiel stellt er persönliche bis intime Fragen, was vielleicht noch in Ordnung wäre, wenn er sich dafür interessierte, aber es ist ihm eigentlich scheißegal. Den Vogel schoss er am vergangenen Sonnabend ab, als er anlässlich des Jahres der Mathematik einen Mathematikprofessor interviewte und diesen bat, "uns allen" doch nun ein für allemal die Prozentrechnung zu erklären, Stoff aus der siebten Klasse also. Der Professor ist sich dann auch nicht zu fein, das auch noch mal langsam und von vorn zu tun, und aus jedem "Aha" von Tadeusz hört man heraus, dass er nicht einmal zuhört, also gar nicht begreifen will. Koketterie mit mathematischer Dummheit ist zwar verbreitet, steht aber einem "Wissenschaftsjournalisten" nicht besonders zu Gesicht. Nicht dass bestimmte mathematische Sachverhalte nicht schwierig wären, aber wie ernst soll ich Tadeusz nehmen, der nicht einmal das Minimum an geistiger Wachheit besitzt, wissen zu wollen?

    ***

    Es erschallen Schreie.

    Die Leute schlossen ihre Läden.

    Ähnlich wie bis vor wenigen Jahren in Kreuzberg am 1. Mai.

    Der König rief dem Scharfrichter zu: "Halt ein!"

    Die Truppen kommen herbei, und die Gesandten von Sulaimân Schâh treten auf den König Schehrimân zu, unter ihnen der Wesir.

    den König Schehrimân seltsamerweise nicht wiedererkennt.

    Der Wesir richtet Schehrimân aus, dass man auf der Suche nach dem Königssohn Tâdsch el-Mulûk sei. Schehrimân könne mit Dank und Ehre rechnen, wenn dieser denn lebe, ansonsten würde das

    Reich zur Wüste werden.

    Was uns die Weisheit und Güte Sulaimân Schâhs in neuem Lichte erscheinen lässt.

    Der Wesir entdeckt Tâdsch el-Mulûk auf dem Blutleder, man löst ihm die Fesseln, Tâdsch el-Mulûk fällt vor Freude in Ohnmacht.
    Man badet und pflegt Tâdsch el-Mulûk.
    Schehrimân flitzt zu seiner Tochter Dunja, die gerade im Begriff ist, sich ins Schwert zu stürzen und bittet sie, ihm zuliebe davon Abstand zu nehmen, er stünde einer Vermählung nun nicht mehr im Wege. Sie darauf:

    "Hab ich dir nicht gesagt, dass er der Sohn eines Sultans ist? Bei Allah, nun muss ich ihn gewähren lassen, wenn er dich an ein hölzernes Kreuz schlägt, das zwei Dirhems wert ist."

    Selbst in dieser eingebauten Story können sie nicht von ihrer Kreuzigungsobsession lassen.

    Man rüstet zum Aufbruch und Schehrimân lässt Sulaimân Schâh Geschenke bringen:

    hundert Renner, hundert edle Dromedare, hundert Mamluken, hundert Odalisken, hundert Sklaven und hundert Sklavinnen.

    Odalisken sind bisher in den Erzählungen noch nicht aufgetaucht. Deshalb hier ein Bild, wie man sich diese im Europa des 18. Jahrhunderts vorstellte:

    So jedenfalls in der Phantasie von Francois Boucher

    Tâdsch el-Mulûk verabschiedet sich nun von Azîz, den er mit Geschenken überhäuft.

    Ob diese ihn für den Ärger entschädigen können, den Prinzen mit der Stickerin zusammen zu sehen, deren Werke letztlich dazu beitrugen, dass ihm Glied und Ei abhanden kamen?

    Zuhause angekommen findet Azîz seine Mutter vor einem ihm gewidmeten Grabmal weinend.

    Aus der Mode gekommene Praxis: Die Haare über ein Grabmal ausbreiten.

    Tâdsch el-Mulûk nimmt seiner Gemahlin nun das Mädchentum.

    Fragt sich, was sie in den anderen Monaten getan haben: Harmloses Petting?

    Oder andere Formen der Innigkeit, die die "Mädchenschaft" nicht verletzen?

    Man reist ab.

    124. Nacht

    Der Ehevertrag ist unterschrieben.

    Darauf gab sie den Zeugen ihren Lohn, und die gingen dorthin, von wo sie gekommen waren.

    Das ist doch mal eine schöne rätselhafte Lakonie bei der sonst so detailreichen und redundanten Erzählweise.

    Die Maid führt Azîz zu ihrem Lager und entkleidet sich mit den Worten

    "Im Erlaubten ist keine Sünde."

    Wie deppert ist dieser Azîz eigentlich, dass man ihn mit solchen Tautologien behelligen muss? Und was hat er, dass sich die Weiber um diesen Trottel reißen?

    "Geliebter, tu dein Bestes! Ach ich bin deine Sklavin. Wohlan, tu es ganz! Bei meinem Leben, lass es mich mit der Hand in mein Innerstes hineintun."

    "Hineintun" ist ja auch mal ein schön banales Verb für diesen Vorgang.

    Am nächsten Morgen will er das Haus verlassen und muss erst daran erinnert werden, dass er ja nun verheiratet ist und seine Hahnespflichten zu erfüllen hat. Außerdem ist die Tür versperrt und öffnet sich erst am nächsten Neujahrstag. Und so verrichtet Azîz ein Jahr lang sein Hahnesgeschäft und wird mit einem Kinde gesegnet.
    Am nächsten Neujahrsabend erst darf er das Haus verlassen, nicht ohne das Versprechen zu geben, noch in derselben Nacht zurückzukehren.
    Und wie zu vermuten war, zieht es ihn zum Garten, wo er es mit "der Tochter der listigen Ränkeschmiedin" so oft getrieben hatte.

    123. Nacht

    Die beiden überwältigen Azîz und führen ihn in einen großen Saal mit vier Estraden, in dem ein Reiter hätte Schlagball spielen können.

    Unklarer Sport: Reiter-Schlagball

    Man macht ihm ein seltsames Angebot. Er soll die junge Maid mit den hübschen Waden heiraten,

    "… so wirst du sicher sein vor der Tochter der listigen Ränkeschmiedin."

    So erfahren wir, dass es die Tochter einer listigen Ränkeschmiedin war, die schon einige Männer auf dem Gewissen hat, mit der sich Azîz herumgetrieben hat.
    Man verspricht Azîz Geld, Gut und Wohlergehen, wenn er das Mädchen heiratet.

    "Ich will nichts von dir als dass du mit mir tust, wie der Hahn tut."

    Da ist sie aber bei dem in metaphorischen Dingen nicht gerade hellen Azîz an der falschen Adresse. Er kapiert nicht, und die Maid muss erklären:

    "Das Geschäft des Hahnes ist, dass er isst und trinkt und tritt."

    Vier Zeugen werden gerufen, die Braut legt noch rasch den Schleier um, der Ehevertrag wird aufgesetzt und darin behauptet,

    dass sie die ganze Mitgift erhalten habe, die erste und die zweite

    Zwei Mitgiften?

    und dass ich einen Anspruch auf zehntausend Dirhems von ihrem Vermögen hätte.

    118. Nacht

    Man hat beinahe das Gefühl, das geht jetzt die kommenden 882 Nächte so weiter:

    Azîz isst doch in der Laube, schläft ein, erwacht am nächsten Morgen, bedeckt mit scharfem Dolchmesser und runden Eisenplättchen. Die daheim weinende Base erklärt, dass die Dame damit sagen will:

    "Bei dem Herrn der Welten, wenn du noch einmal wiederkommst und einschläfst, so werde ich dich mit diesem Messer töten."

    Auf Anraten der Base schläft Azîz nun aus und isst sich zuvor satt. Noch einmal schärft sie ihm ein, im Falle der Vereinigung mit der Dame, dieser den Vers zu sagen. Er geht in den Garten, wartet, und die Hähne krähen schon, als er wieder hungrig wird. Er isst, wird schläfrig, aber zum Glück erscheint in diesem Moment die Dame.

    Sie zog mich an ihren Busen und küsste mich. Auch ich küsste sie, und sie sog an meiner Oberlippe, während ich an ihrer Unterlippe sog. Dan legte ich meine Hand um ihren Leib und streichelte sie. Und alsbald ruhten wir gemeinsam auf dem Boden; da band sie ihre Hose auf, die ihr bis zu den Knöcheln hinabglitt. Nun begannen wir zu tändeln und uns zu umschlingen, zu kosen und zu flüstern von zarten Dingen, zu beißen und Leib an Leib zu legen, und im Umlauf um das heilige Haus und seine Pfeiler uns zu bewegen, bis ihre Glieder erschlafften und sie dahinsank und der Welt entrückt ward.

    112. Nacht

    Tâdsch el-Mulûk zwingt den Jüngling, auch das Linnen auszubreiten. Es ist eine Leinwand, auf die zwei Gazellen gestickt sind – eine in Gold, die andere in Silber. Und am Hals der goldenen ist ein Band, an dem

    drei Chrysolithenröhrchen hingen.

    Wer behängt heutzutage noch seine Gazellen mit Chrysolithenröhrchen?

    Gefragt, was es damit auf sich hat, berichtet der Jüngling seine Geschichte, nämlich

    Die Geschichte von Azîz und Azîza

    Azîz und seine Base Azîza wachsen nach dem Tode ihres (Azîzas) Vaters gemeinsam auf. Es ist abgemacht, dass die beiden eines Tages heiraten sollen. Die Vorbereitungen werden bereits getroffen.

    Immer aber schliefen wir noch auf demselben Lager, denn wir wussten nichts von den Dingen.

    Was gibt’s da eigentlich viel zu wissen? Wenn man ein Hundepärchen gesehen hat, dann weiß man bescheid.

    Die Hochzeitsfeier ist zur Stunde nach dem Freitagsgebet geplant. Auch Azîz bereitet sich vor und geht zur großen Moschee. Doch es ist heiß, und er setzt sich auf eine Bank, als plötzlich das Tuch mit den Gazellen heruntergesegelt kommt. Er schaut auf und gewahrt im Fensterrahmen deren Besitzerin.