Das elfte Buch von rechts:

Anthologie: "Vor Witwen wird gewarnt"

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Erworben: ca. 2000. Es lag irgendwo kostenlos zum Mitnehmen rum.
Status: Erste Seite gelesen und dann weggelegt. Warum eigentlich nicht weggeschmissen? Vielleicht weil ich gelehrt wurde, mit Büchern jeder Art achtsam umzugehen?
Erster Satz: "Es war so ein Sommertag, an dem man sich schon morgens das Gewitter herbeiwünscht." Kommentar: Es war so ein Buch, bei dem man sich schon beim ersten Satz das Ende herbeiwünscht.

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Der Fuchs begründet die Verweigerung weiterer Hilfe mit der Geschichte der Schlange, die ihrem Beschwörer entfloh und am Busen eines Mannes Zuflucht fand, den sie zum Lohn totbiss. Nach dem die vom Fuchs herbeigerufenen Winzer den Wolf totgeschlagen haben, endet der Fuchs mit dem Gedicht:

Das Schicksal nahm die Seele des Wolfes hinweg, sie entschwebte –
Weit, weit sei diese Seele, die jetzt ihr Ende fand!
Wie hast du dich, o Wolf, gemüht, mich zu verderben –
Heut kam zu dir das Unheil und bleibt an dich gebannt.
Du fielst in eine Grube, in die niemand gerät,
ohn dass er spürt, wie dort der Hauch des Todes weht.

Beachtlich an der langen, recht banalen Geschichte ist die augenfällige Ähnlichkeit mit den deutschen Isegrimm und Reineke. Anscheinend wurde das Bild für diese beiden Charaktere vom Orient nach Europa übermittelt, nicht umgekehrt.

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Die Geschichte von der Maus und dem Wiesel

Ein mit einer Maus befreundetes Wiesel raubt Sesamkörner, die eine Frau für einen kranken Mann enthülst hat, als es dabei erwischt wird, bringt es die Sesamkörner zurück und stiftet die Mas an, stehlen zu gehen. Diese wird von der Frau erschlagen.

Die Story wird auf zwei Seiten erzählt. Sie erinnert mich an den Mauswieselfall und den umgekehrten Mauswieselfall. Mit diesen Fällen wird Jura-Studenten in den Repititorien der Sinn für strafrechtliches Denken eingebläut: "Wilderer T erlegt ein Mauswiesel (jagd­bares Tier nach § 2 I 1 BJagdG und damit Wild im Sinne des § 292), hält das Tier für eine Maus, glaubt aber, auch Mäuse zu jagen sei verbotenes Unrecht; der Irrtum beginnt mit einem Tatbestandsirrtum, zu welchem ein strafloses Wahndelikt tritt. – Im umgekehrten Mauswieselfall (T erlegt eine Maus, hält sie für ein Mauswiesel und meint, er begehe kein Unrecht) ist der Versuch die Basis, auf der der Verbotsirrtum beurteilt werden muss; da § 292 aber keine Versuchsstrafbarkeit kennt, kommt man nicht erst zu § 17."

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Die Geschichte vom Raben und der Katze

Eine Katze und ein Rabe schließen Freundschaft. Eines Tages werden sie von einem Panther angegriffen, die Katze appelliert an die Freundschaft des Raben:

Der ist der echte Freund, der bei dir bleibt,
sich schadet, um dir Vorteil zu bereiten;
Der, wenn des Schicksals Laune dich vertreibt,
Sich für dich hingibt, um dich heim zu leiten.

Eine seltsame Freundschaft, die den Tod des anderen fordert und mich an den Witz erinnert, bei dem Carter, Breschnew und Honecker im Flugzeug sitzen. Als sie über die USA fliegen, springt Carter aus dem Flugzeug: "Ich sterbe für mein Vaterland." Später fliegt das Flugzeug über die DDR. Honecker schmeißt Breschnew raus: "Deutsch-Sowjetische Freundschaft."
Unlustig. Ich weiß. Aber ich war zehn. Ich brauchte den Witz.

Der Rabe lenkt tatsächlich die Aufmerksamkeit der Hunde auf sich, fliegt zum Panther und die Hunde und Bauern töten diesen. Ende.

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Die Geschichte vom Fuchs und vom Raben

Ein Fuchs leidet dermaßen an Hunger, dass er seine Jungen auffrisst, sobald sie ihm geboren werden. Er bittet den Raben um Freundschaft. Dieser wendet ein, dass es eine Freundschaft zwischen einem Fresser und einem, der gefressen wird, kaum geben könne. Doch der Fuchs erzählt

Die Geschichte vom Floh und der Maus

Ein Mann wird von einem Floh gebissen. Als seine Sklavinnen nach dem Floh suchen, flieht dieser in ein Mauseloch.

150. Nacht
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