Anthony Hopkins: Monster spielen

ZEIT: „Welches Verhältnis hatten Sie zu Hannibal the Cannibal?“
Anthony Hopkins: „Am Anfang gibt es diese Szene, in der Jodie Foster erfährt, dass sie auf Hannibal Lecter angesetzt wird. Und auf ihre Frage, was das für ein Typ sei, sagt ihr Gegenüber mit erschauernder Stimme: ‚Er ist ein Monster‘. Damit ist das Publikum schon vorgewarnt. Und als mich Jonathan Demme fragte, wie ich mich als Hannibal Lecter zum ersten Mal vor der Kamera präsentieren wollte, sagte ich: ‚Ich will einfach nur dastehen. Denn ich kann sie riechen, wie sie im Flur auf meine Zelle zugeht.'“
ZEIT: „Das heißt, man sollte Monster am besten so beiläufig wie möglich spielen?“
A.H.: „Man muss sie so spielen, als wären sie gute Freunde. In meinem Leben bin ich ein paar wirklich verrückten Menschen begegnet, und das Erschreckende war stets, dass sie so unglaublich normal wirkten.“

Endzeitliebe

Schließ die Fäuste, hörst du nicht die wilden Stürme,
die wie irre ganz in unsrer Nähe toben?
Sie umpfeifen schrill die hohen, schlanken Türme.
wo wir nunmehr wohnen – einsam und ganz oben.

Schließ die Augen, hörst du nicht mein wildes Zischen,
das dir sagen soll, ich hab dich ganz umfangen?
So kannst du nicht mir und ich nicht dir entwischen.
Unsre Küsse gierig. Unsre Zungen wie zwei Schlangen.

Wenn’s vorbei ist, zähln vielleicht wir zu den Freien,
die sich völlig auf sich selbst verlassen dürfen.
Doch bis dahin unsre Liebe muss gedeihen,
die wir fleißig weiter füreinander schürfen.

Frühlingshoffnung (Corona 33)

Nun hat der Frühling uns gepackt.
Die Todesstimmen werden leiser.
Wir spüren einen frischren Takt.
Wer wütend war, der ist nun heiser.

Es lebt und stirbt sich scheinbar leichter,
wenn Sonne strahlt mit teuflisch’ Gnade.
Der Virus langsam kam, bald weicht er.
Und wir tun so, als sei das Leben grade.

Immunität, du Himmelsgabe!
Wir werden trinken, singen, tanzen.
Wir feiern auf dem Massengrabe.
Auch dieses Bild fügt sich zum Ganzen.

Den Helden verstehen

„You go to a movie. You identify the hero. You figure out what the hero wants – poof! you’re the hero. And the way that works is: You don’t look at the hero and think about what he’s doing and evaluate it emotionally and then feel it. What you do is: You specify the hero’s goal and then you map him onto your body and you read off the emotional responses of your own body, and that’s how you understand the hero.“ (Jordan Peterson)

Die Seuche

Da war ein großes Sterben.
Man wusste nicht warum.
Es fielen ziemlich plötzlich
die Tier’ und Menschen um.

Sie kriegten blaue Häute
und sagten leise „Ach!“
Und alle Hinterbliebnen
die schlugen großen Krach.

Die Christen habn gebetet.
Die Heiden habn geflucht.
Und jeder war erleichtert,
der noch nicht heimgesucht.

Die Seuche ist verschwunden
so rasch wie sie einst kam.
Und wer es überlebte,
der freute sich voll Scham.

Dialog (Corona 32)

Ich fragte das Virus: „Wie ist’s dir gelungen,
das Denken der Menschen zu infizier’n?
Wie hast du die Liebe niedergerungen?
Wie konnt’st die Beziehungen du korrumpier’n?“

Da sprach das Virus: „Na, schönen Dank!
Ich wühle nur auf den Schlamm.
Was jetzt korrumpiert scheint, war vorher schon krank.
Jetzt reißt euch gefälligst zusamm’!“