Zwecke

Vor Jahren die Kette der Tür erneuert
und dann nie benützt.
Im Business der schönen Kunst angeheuert,
wo man auch nur schwitzt.

Sie haben bei mir noch nie eingebrochen,
soweit ich es weiß.
Es wurden Jahrzehnte, was einst nur zehn Wochen.
So schließt sich der Kreis.

Übergang

Der Spätsommer bleibt noch im Ungefähren,
fährt der Schwänin unters Federkleid,
so dass sie sich noch einmal räkelt und zappelt.
Gnädig spendet er warme Tage wie Kleingeld,
die Mücken, wie aus dem Halbschlaf erwacht,
zu unmotiviert, mich beherzt zu stechen.
Die Frühlingslieben werden jetzt sich entscheiden,
ob sie den Spätherbst gemeinsam verbringen.
Und eins der Schwanenküken
ging doch schon verloren.
Die Übrigen trainiern ihre Flügel.

(9.9.2021)

5-4-3

Von vier Eiern aus dem Schwangelege
sind vier Küken doch geblieben.
Noch ging keines seiner Wege,
keins erlegt von fiesen Dieben.
Glück gehabt.

Übern Griepensee sie leise gleiten
wie ein Wasserhelikopter,
lernen Schwimm und Gründeln schon beizeiten.
Mutter Schwan noch skeptisch, ob der
Fuchs sie schnappt.

(7.9.21)

Reise nach Amsterdam

Sechse saßen in dem Bus,
der einst als Leichenwagen diente,
nach Amsterdam (Stadt mit Genuss),
wo unser aller Hoffnung grünte.
Der Wagen war dem Ulf ein Graus.
Er stieg schon in Hannover aus.

Fünfe saßen in der Karre,
und leicht wir sangen NDW.
Frohsinn, wo einst Leichenstarre,
hier tat keiner einem weh.
Doch an der Grenze ohne Pass
war für Jan vorbei der Spaß.

Viere saßen in dem Wagen
und der Paule trank Mescal.
Und ich muss dazu noch sagen,
für die andern wurd’s zur Qual.
Carla war es ungeheuer,
denn der Paule saß am Steuer.

Dreie saßen im Vehikel,
Nebel auf der Autobahn.
Ted, Mescal und Jointpartikel
ließen uns nur langsam fahr’n.
Tom wollt dann ausführlich essen.
Hab’n bei Utrecht ihn vergessen.

Zweie fuhr’n im PKW.
Holland, monotone Staus.
Ich brauchte bald einen Kaffee.
Kurz vorm Ziel, da stieg ich aus.
Sah am Heck sein rotes Licht.
Ob Paul ankam, weiß ich nicht.

Zwei auf Reisen

Manchmal schien’s uns wie ein Wunder,
als wir durch die Länder tobten.
Und die Erde schien uns runder,
wenn wir unsre Jugend lobten
in den Hier-und-Jetzt-Gesängen,
die man liebt als junge Männer,
die sich mit sich selbst vermengen
und so tun, als sein sie Kenner.

Freundschaft ist ein Zartgewebe,
leicht bekommt es schlimme Risse.
In der Früh ich manchmal bebe,
weil ich dich so sehr vermisse.

Wien 21

Dem Land meiner Dutzend Halbaufenthalte
gilt nun ein neuer Versuch,
auf dass sich meine Neugier entfalte
bei einem ernsthaften Vollwertbesuch.

Von der Historie angelockt,
die Innenstadt vollständig zubarockt.
Die Oper, die Kirche, das Parlament,
ich seh die Fiaker rumpeln.

Die Sonne als wie der Fußmückenstich brennt.
Ich muss in die Unterkunft humpeln.

Scheue

Auswärts speisen, Filme schauen,
fast schon wirkt’s normal.
Will dem Glück noch nicht ganz trauen.
Kenne doch die Qual.

Vieles, was uns selbstverständlich
und gegeben scheint,
ist Geschenk, und es ist endlich,
wenn es uns vereint.

Fühle mich noch durchgeschüttelt
von der Pandemie.
Doch sie hat mich wachgerüttelt
aus der Apathie.

Wiedersehen


Ihr Haar war ergraut, die Augen getrübt,
so sah ich sie wieder, die einst ich geliebt.
Wir setzten uns nieder aufs Gras gleich am See,
ich und die Vettel, die einst eine Fee.
Wir schauten aufs Wasser und sprachen kein Wort.
Eine halbe Stunde, dann musste ich fort.
Wir blickten einander noch kurz ins Gesicht.
Ob sie mich erkannt hat, das weiß ich nicht.

Am Zaun

Sie hatten lange Zeit mich eingezäunt
ganz zwischen Mauern und Befehle.
So macht’ ich mir die Einsamkeit zum Freund,
dass ich mich nicht noch im Alleinsein quäle.

Im Herbst: Die Krähen über uns im Kreis.
Des Nachts: Mein Schatten hinter der Laterne.
Und stets: Ein Lied, das ich alleine weiß
und leise pfeif am Zaune der Kaserne.

So müht ich mich, nicht den Verstand zu lassen.
Womöglich ist mir das auch halb gelungen.
Doch manchmal schien der Wahn nach mir zu fassen.
Ich sag’s euch, ich hab schwer mit mir gerungen.