Reise nach Amsterdam

Sechse saßen in dem Bus,
der einst als Leichenwagen diente,
nach Amsterdam (Stadt mit Genuss),
wo unser aller Hoffnung grünte.
Der Wagen war dem Ulf ein Graus.
Er stieg schon in Hannover aus.

Fünfe saßen in der Karre,
und leicht wir sangen NDW.
Frohsinn, wo einst Leichenstarre,
hier tat keiner einem weh.
Doch an der Grenze ohne Pass
war für Jan vorbei der Spaß.

Viere saßen in dem Wagen
und der Paule trank Mescal.
Und ich muss dazu noch sagen,
für die andern wurd’s zur Qual.
Carla war es ungeheuer,
denn der Paule saß am Steuer.

Dreie saßen im Vehikel,
Nebel auf der Autobahn.
Ted, Mescal und Jointpartikel
ließen uns nur langsam fahr’n.
Tom wollt dann ausführlich essen.
Hab’n bei Utrecht ihn vergessen.

Zweie fuhr’n im PKW.
Holland, monotone Staus.
Ich brauchte bald einen Kaffee.
Kurz vorm Ziel, da stieg ich aus.
Sah am Heck sein rotes Licht.
Ob Paul ankam, weiß ich nicht.

Zwei auf Reisen

Manchmal schien’s uns wie ein Wunder,
als wir durch die Länder tobten.
Und die Erde schien uns runder,
wenn wir unsre Jugend lobten
in den Hier-und-Jetzt-Gesängen,
die man liebt als junge Männer,
die sich mit sich selbst vermengen
und so tun, als sein sie Kenner.

Freundschaft ist ein Zartgewebe,
leicht bekommt es schlimme Risse.
In der Früh ich manchmal bebe,
weil ich dich so sehr vermisse.

Wien 21

Dem Land meiner Dutzend Halbaufenthalte
gilt nun ein neuer Versuch,
auf dass sich meine Neugier entfalte
bei einem ernsthaften Vollwertbesuch.

Von der Historie angelockt,
die Innenstadt vollständig zubarockt.
Die Oper, die Kirche, das Parlament,
ich seh die Fiaker rumpeln.

Die Sonne als wie der Fußmückenstich brennt.
Ich muss in die Unterkunft humpeln.

Scheue

Auswärts speisen, Filme schauen,
fast schon wirkt’s normal.
Will dem Glück noch nicht ganz trauen.
Kenne doch die Qual.

Vieles, was uns selbstverständlich
und gegeben scheint,
ist Geschenk, und es ist endlich,
wenn es uns vereint.

Fühle mich noch durchgeschüttelt
von der Pandemie.
Doch sie hat mich wachgerüttelt
aus der Apathie.

Wiedersehen


Ihr Haar war ergraut, die Augen getrübt,
so sah ich sie wieder, die einst ich geliebt.
Wir setzten uns nieder aufs Gras gleich am See,
ich und die Vettel, die einst eine Fee.
Wir schauten aufs Wasser und sprachen kein Wort.
Eine halbe Stunde, dann musste ich fort.
Wir blickten einander noch kurz ins Gesicht.
Ob sie mich erkannt hat, das weiß ich nicht.

Am Zaun

Sie hatten lange Zeit mich eingezäunt
ganz zwischen Mauern und Befehle.
So macht’ ich mir die Einsamkeit zum Freund,
dass ich mich nicht noch im Alleinsein quäle.

Im Herbst: Die Krähen über uns im Kreis.
Des Nachts: Mein Schatten hinter der Laterne.
Und stets: Ein Lied, das ich alleine weiß
und leise pfeif am Zaune der Kaserne.

So müht ich mich, nicht den Verstand zu lassen.
Womöglich ist mir das auch halb gelungen.
Doch manchmal schien der Wahn nach mir zu fassen.
Ich sag’s euch, ich hab schwer mit mir gerungen.

Liebeskummer

Ich hatte geglaubt, durch langes Spazieren
könnt dein Gesicht ich vergessen.
Ich wollte entfliehen dem stumpfen Sinnieren.
Es plagten die Leut mich stattdessen.

Und wenn ich von weitem ein Mädchen erspähte,
dann glaubte ich stets, das seist du.
Der Gott, der so herzlos mein Schicksalsrad drehte,
er spielte mit mir Blindekuh.

Wie konnte die Liebe die Zeit mir versauen.,
die knapp nur gegeben uns ist.
Erst dann ließ die Eifersucht mich aus den Klauen,
als ich eine andre geküsst.

Zur schönen Maienza-ha-heit

Uschi huschti ins Gebuschi
Mac versteckt den Schneck in der Heck
Liese pieselt in die Wiese
Maltes Alte schallte im Walde
Etes Käthe steht im Beete

Die Uschi, die Liese, die Alte, die Käthe und Mac
Das Gebuschi, die Wiese, der Wald, das Beet und die Heck
Huschi, Piesel, Schall, Steh und Versteck
Malte, Ete, der Schneck

Uschi und Malte
Mac und die Alte
Malte und Käthe
Liese und Ete

Das Piesel, das Huschi
Der Schneck, das Gebuschi

Bogen

Tänzelnden Schritts, ich weiß, es war Mai,
schien uns, was nicht Wir war, komplett einerlei.
Die Linden, die Amseln, Neukölln, der Kanal.
Die Welt stand uns offen, wir hatten die Wahl.

Die sommerliche Leidenschaft
zog eine tiefe Liebesschneise.
Lieb und Streit – mit aller Kraft
auf unbekannte Reise.

Der Herbst erfüllt den Zweck.
Man hat sich eingerichtet
so wie die Mad’ im Speck.
Die Bilder werd’n gesichtet.

Es klopft am Tor.
Das ist der Winter.
Was hat er vor?
Was ist dahinter?

Pfingsten

Gott hat die allerhöchste Macht
und sich den Kosmos ausgedacht?
Erschuf die ganze schöne Welt.
Bloß: Wer hat Gott dann hergestellt?

Jesus predigte recht flott
und meint’, er sei der Sohn von Gott.
Es hat zwar niemand ihn gefragt,
doch schließlich hat er’s selbst gesagt.

Und was mich fast vom Hocker reißt:
Zu Pfingsten kommt der Heilge Geist.
Die Jünger haben Christ gelobt
und warn bis untern Hut gedopt.

Mir ist das alles einerlei.
Weiß nur: Ich hab am Montag frei.