Gestern wieder einen Fernsehbeitrag über Improtheater bei 3sat gesehen, in dem sowohl Reporter als auch Spieler nicht müde wurden zu betonen, alle Auftretenden seien „professionelle Schauspieler“. Ich empfinde das fast als peinlich. So als vertrauten die Schauspieler dem Genre Improtheater nicht oder als würde es durch ihre 2-4 Jahre Schauspielschule geadelt. Man stelle sich das bei den Lesebühnen vor: Jemand betont im Interview, professioneller Schriftsteller zu sein…
Wenn Professionalität sich allein darüber definiert, ob der Künstler finanziell von seinem Schaffen leben kann, geht mir Professionalität am Arsch vorbei. Van Gogh hat kein Bild zu Lebzeiten verkauft. Kafka und Schiller hatten Jobs, die sie nur mühsam ernährten.
Gegen eine solide Ausbildung ist nicht nur nichts einzuwenden, sondern sie ist sicherlich hilfreich. Allerdings beweist sich die Qualität des Puddings beim Essen. Viele große Improspieler haben nie eine Schauspielschule von innen gesehen, sondern sich ihre Kunst durch Beobachtung und auf der Bühne erarbeitet: Randy Dixon, Del Close, die großartigen Crumbs kommen auch eher vom Schreiben. Das Hochschulzertifikat kannst du in die Tonne treten, wenn du nicht bereit bist, dich permanent mit deinem Schaffen auseinanderzusetzen.
Auch werden oft bestimmte Regeln mit Professionalität verbunden: Kleiderordnungen, wie eine korrekte Anmoderation auszusehen habe, in welcher Reihenfolge Games zu spielen sind, bis hin zu irgendwelchen Impro-Regeln, die in ihrer Starrheit absurd sind („Keine Fragen stellen.“).
Wenn es überhaupt eine Facette von Professionalität gibt, dann die, dass man sich ernsthaft mit Improtheater beschäftigt, dass es mehr ist als ein putziger Zeitvertreib, dass man bereit ist sich und das Spiel zu entwickeln, dass man weder geistige noch körperliche Mühen scheut:

Einsatzfreude!
Professionalismus
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