Als ich diese Woche wieder einmal im Publikum saß, fiel mir auf, wie schwierig es doch manchmal als Zuschauer ist, gute Vorschläge zu geben. Man tickt einfach etwas langsamer, wenn man auf einem bequemen Stuhl sitzt, als wenn man sich phyisch und geistig aufgewärmt auf der Bühne befindet.
Manche Fragen nach Vorschlägen laufen immer wieder ins Leere, z.B. „Gebt mir eine Sehnsucht, die ein Mensch haben kann“. So abstrakt gefragt, ist es für die meisten schon schwierig, darauf zu antworten. Entweder es wird zu abstrakt („Geliebt werden“) oder zu banal („mehr Geld haben“). Und in 90% der Fälle lautet die Antwort: „In die Antarktis reisen.“
Ein guter Kompass für die Fragen nach Vorschlägen ist: „Würde ich selbst sofort mehrere Antworten wissen?“ und „Inspirieren mich mögliche Antworten?“ Wer von einem Schauplatz nicht inspiriert wird, sollte nach etwas anderem fragen.
Manche Vorschläge erfragt man besser konkret statt abstrakt. Z.B. wird auf die Frage nach einem Beruf hierzulande gern „Bäcker“ oder „Metzger“ geantwortet, wahrscheinlich weil diese als Prototypen im Kopf verankert sind. Also lieber fragen: „Was arbeiten Sie?“ oder „Was ist die seltsamste (schönste, langweiligste…) Arbeit, die Sie je gemacht haben.
Anderes erfragt man besser abstrakt als konkret, z.B. wenn man vor lauter Schülern spielt, ist es sinnlos zu fragen: „Wo warst du heute um 11 Uhr?“, da zu diesem Zeitpunkt alle Zuschauer in der Schule waren. Dieses Beispiel zeigt, dass eine offene Impro-Haltung auch im Umgang mit dem Publikum wichtig ist: Wir sollten wahrnehmen mit wem und für wen wir spielen und nicht einen Standard abspulen.

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