• Del Close lebte lange Zeit in einer verdreckten Wohnung mit Kakerlaken. Auf einer Party zu Ehren von Tennessee Williams gab er einer weißbehandschuhten Frau die Hand und eine Kakerlake schlüpfte aus seinem Ärmel. Die Frau lief schreiend davon. Tennessee Williams darauf: „Boy, I like your style.“
  • Als er mit Charna Halpern zusammenkam, überzeugte sie ihn, sich ein Bankkonto zuzulegen, und das trotz seiner wahnsinnigen Angst, in einen See zu fallen, so dass sein Sparbuch durchnässen könnte und er all seine Ersparnisse verlieren würde. Das erinnert sowohl an Karl Valentins absurde Ängste und an Michael Steins Abscheu vor der Scheinwelt.
  • Del begann seinen Impro-Unterricht oft (Charna sagt „immer“) mit einem 45minütigen Vortrag über ein Buch, das er gerade las. Was muss das für eine Faszination gewesen sein, die von diesem Mann ausging, dass sich seine Schüler, die schließlich Geld für einen Improkurs bezahlt hatten, das gefallen ließen!
  • Del war der Typ, der eine Gegenposition einnahm, einfach weil eine andere Meinung notwendig war. So nahm er Hitler in Schutz: Wenn die ihn damals nur an die Kunsthochschule gelassen hätten, wäre seine Energie in die richtige Richtung gelenkt worden. „Stell dir die großartige Kunst vor, die wir heute hätten!“ Klar, dass Charna nervös war, als sie ihn ihren jüdischen Eltern vorstellen sollte. Alles verlief einigermaßen gut, sogar als er ihrer Mutter seine Heroinnarben zeigte, bis ihr Vater ihn fragte: „Mögen Sie Jerry Lewis?“ – „Nein.“ – „Warum nicht.“ – „Er ist Jude.“ Charna erstarrte. Aber ihr Vater lachte. Er war auf Dels Trip. (Auch diese Anekdote erinnert mich sehr an Stein.)
    Wenn ein hartnäckiger Schüler überaus schlecht war, zückte Del seine Brieftasche, gab ihm seine 200 Dollar Workshop-Geld zurück und warf ihn aus dem Kurs. Charna wurde wütend, denn einige von ihnen hatten noch nicht einmal bezahlt. Del antwortete: „Das war es wert, schon um ihn loszuwerden.“
  • Chris Farley, einer der Zöglinge von Del und Charna wurde erfolgreich für Saturday Nightlife gecastet. Das Erste, was sie von ihm wollten, war, dass er mit freiem Oberkörper in einem Wettkampf gegen Patrck Swayzee tanzen sollte. Der etwas dickliche Farley rief nachts verzweifelt bei ihnen an. Del gab ihm den Rat: „Sei so gut wie du es kannst, und lass es nicht zu, dass sie aus dir ein Klischee machen.“
  • Del wusste, er hatte nur noch drei Tage zu leben, und er hatte das Glück, diese Tage bei einigermaßen klarem Bewusstsein zu erleben. Also schmissen sie eine Party. Alle kamen angereist. Bill Murray unterbrach die Dreharbeiten und bezahlte die gesamte Feier im Krankenhaus. Man trieb sogar heidnische Priester auf für eine Zeremonie nach Dels Willen. Als alles vorbei war und Charna ihn wieder in sein Zimmer schob, sagte er: „Ich glaub, jetzt sollte ich schnell sterben, sonst werden einige Leute wirklich enttäuscht sein.“

Aus Charna Halpern: „Art By Committee. A Guide to Advanced Improvisation“

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