Nach Tschechow wieder eine völlig neue Erfahrung, eine Story anzugehen. Ich muss sagen, wir haben Brecht sicherlich nicht so gemeistert wie den Russen in der letzten Woche. Aber wenn Bertolt gesehen hätte, wie wir uns ihm von verschiedenen Seiten genähert haben, hätte ihn das sicherlich gefreut.
Aus der Sicht des Improvisierers ist mir natürlich auch wieder einmal klar geworden, wie sehr wir im Improtheater zu Melodramatik neigen. In einem längeren Stück zeigten wir einen unsicheren Mann, der versucht, über Facebook eine Freundin kennenzulernen und der erst am Ende versteht, dass es sein eigener Mitbewohner ist, mit dem er chattet und in den er verliebt ist. Die beiden treffen sich zum Date im Park. Jeder Improvisierer ist hier natürlich instinktiv froh, die Story rund hinbekommen zu haben. Aber es widerspricht natürlich völlig dem Brechtschen Ansatz, die Moral von der Geschicht in eine Psycho-Botschaft zu verpacken (á la „Der Mensch, den du liebst, steht neben dir.“) Vielmehr geht es immer um soziale Zusammenhänge. Damit herumzuexperimentieren, macht natürlich außerordentlich Spaß.
Und wir haben – schließlich sind wir bei Brecht – durch den V-Effekt alle Möglichkeiten, dies auch auf der Bühne zu diskutieren. „Endlich! Endlich!“, geht es mir durch den Kopf – improvisierte wahre Dialoge auf der Impro-Bühne, also das, was wir bei der Chaussee der Enthusiasten schon seit Jahren tun.

Versuch, über Brecht zu improvisieren
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