Als ich begann, regelmäßig Improtheater zu spielen, stellte sich unsere Gruppe eines Tages die Frage: Was geschieht eigentlich, wenn eine Szene für einen von uns inhaltlich unerträglich wird – entweder weil man glaubt, dass den Inhalt dem Publikum nicht zumuten zu können oder weil man gerade selbst in bestimmten Lebensumständen ist, in der man etwa eine Szene über Krebs nicht spielen kann, ohne zu sehr aufgewühlt zu sein? Nachdem wir uns tagelang mit der Frage quälten, beschlossen wir, uns die Option zu erlauben, jederzeit auf die Bühne zu gehen und zu sagen: „Liebe Damen und Herren, an dieser Stelle gibt es eine kleine Pause von zirka zehn Minuten.“ In dieser Pause kann die Gruppe sich kurz die Schwierigkeiten des Einzelspielers austauschen und entscheiden, ob die Szene weitergespielt wird oder ob man gar ein neues Format beginnt.
Nach dieser Entscheidung fiel es mir leichter, mich unbefangen auch an heikle Themen zu wagen, da ich ja ab sofort einen Sicherheitsfallschirm bei mir trug. Ich habe von der Option der Unterbrechung bis heute nie Gebrauch gemacht.

Unterbrechung als Option
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Ein Kommentar zu „Unterbrechung als Option

  • 2018-11-10 um 23:07
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    Es ist sehr mutig und sehr beruhigend so eine Option zu haben. Beim Impro habe ich generell das Gefühl, dass man sich sehr nackt macht. Grade als Psychologe habe ich auch mal Dinge erlebt, die Leute wirklich aufgewühlt haben. Mein erster Reflex war damals zu sagen: Dann sofort abbrechen, aber nach einiger Zeit fand ich es eigentlich Schade nicht auch das bespielen zu können, was einen tief bewegt.

    Die Lösung ist sehr clever und in unserer Gruppe werde ich das auch mal ansprechen. Danke. 🙂

    Viele Grüße
    Ben (SchlAGVertig)

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