Übung Tanz-Impro
1. kurzes Duett mit permanentem Augenkontakt
2. Duett, ohne den anderen überhaupt zu sehen
3. man kann entscheiden, ob man den anderen sehen will oder nicht
4. blindes Duett
Die Freiheit wächst im Idealfall mit jeder Stufe. Interessant, dass die Rhythmik und das Gemeinsame verbessert wird . (Der alte Trick: Wir üben das Eine nd lernen dabei das Andere.) Man lässt die typischen Muster, die man im Kopf hat und die sich dann als Bewegung ausdrücken fallen und erreicht eine neue Stufe der Freiheit.
Schluss-Satz
Es muss nicht unbedingt ein Satz sein, eíne Pointe, mit der das Stück oder die Szene endet.
Auch eine wiederaufgenommene Handlung (z.B. vom Beginn des Stücks), eine Geste, ein Bild können den Schlusspunkt setzen
Der Schwung der Figuren
Kräftige Figuren können nicht nur eine einzelne Szene ins Rollen bringen, sondern die komplette Geschichte. Sie brauchen einen starken Willen und bestimmte Routinen, sollten aber auch in gewisser Weise flexibel sein, um reagieren zu können und sich innerhalb ihrer Grenzen verändern zu lassen. Im Fernsehen funtionieren die Serien so: Die Figuren werden immer und immer wieder aufeinander losgelassen, nur das Thema variiert. Allerdings liegen hier eben auch die Grenzen von Fernseh-Serien: Dadurch dass die Charaktere sich nie oder nur geringfügig verändern, haben wir immer wieder die gleiche Ausgangssituation, nichts verändert sich.
Ganze Romane wurden angelegt anhand von Figurenlisten.
Genres
Bei einem Auftritt wünscht sich das Publikum ein längeres Stück als Western – ein Genre, das wir in unserer Formation bisher weder geprobt noch aufgeführt haben. Ich schlage ein Brainstorming mit dem Publikum über Themen und Motive des Western vor, da ich befürchte, dass wir sonst, wie bei 99% aller Impro-Western eine klischeehafte Saloon-Szene erleben werden.
- Einsamer Rächer
- Der Outlaw
- Der Kopfgeldjäger
- Eisenbahnbau und Pioniere
Whiskey, Pferde, Saloon, Colts sind die Requisiten, die einem ohnehin einfallen werden.
Es wird erstaunlicherweise eine der besten Impro-Szenen, die wir je mit dem Improtheater Foxy Freestyle gespielt haben: Elememte aus Spiel mir das Lied vom Tod, Western von Gestern und High Noon vermischen sich mit der abgedrehten Spielfreude unseres tollen Ensembles. Ich bin stolz auf uns.
Ich glaube, gelernt zu haben, dass es sich noch mehr lohnt, thematisch über das Genre klarzuwerden, als lediglich auf die Bilder im Kopf zu vertrauen.
Umsetzbarkeit
Man lasse sich bei der Auswahl von Spielen und Spielformen auch von der äußeren Situation leiten. Oft schon wurden Spiele ausgewählt, die vielleicht für den Abend nett gemeint waren oder auch beim Publikum anzukommen versprachen. Aber dann wurde vergessen, dass man in der konkreten Bühnensituation das nicht umsetzbar war (fehlendes Mikro, zu großes oder zu kleines Publikum).
Stelle dir das Spiel visuell auf dieser konkreten Bühne, mit diesen Spielern, mit diesem Publikum und mit diesem technischen Equipment vor.
Aus der vollen Leere schöpfen
Sich innerlich zu befreien, zu leeren, heißt nicht, dass wir leer und öde dastehen sollen. Das Ja-Sagen genügt nicht, wir brauchen auch Einsatzfreude. Das heißt, wir müssen unsere Fähigkeiten, unser Wissen einbringen, ohne andererseits unserer Eitelkeit zu gestatten, Wissen und Fähigkeiten zu blockierenden Elementen werden zu lassen.
„Empty your mind. Be formless, shapeless, like water. Now, you put water into a cup – it becomes the cup. Putting it into a tea-pot – it becomes the teapot. Look, water can flow, or creep, or drip or crash. Be water, my friend.“ – Bruce Lee… Weiterlesen
Wahrer Monolog – Formen
Ich muss sagen, ich bin ein großer Fan von wahren Monologen auf der Impro-Bühne. Sie erden die oft abgedrehte Improvisation auf angenehme Art. Man sei offen, ohne die Hosen runterzulassen: Oft wird „wahrer Monolog“ missverstanden als Spiel wie „Wahrheit oder Pflicht“. Ist es aber nicht. Erzähl einfach irgendetwas, was dir zu einem Thema, einem Wort, einer Sequenz oder einer Idee einfällt.
- Eine erlebte Episode
- Ein persönliches positives oder negatives Statement („Ich steh auf Kampfsport.“
- Eine Information aus dem Bereich „Was ich alles weiß“. D.h., man nicht immer Anekdoten aus der Kindheit ausbuddeln, sondern kann einfach mal etwas objektiv berichten. Viele unterschätzen ihr eigenes Wissen. Die Erfahrung zeigt: Jeder kann Detailwissen auffahren, dass für 90% der Anwesenden völlig neu ist.
Die Monologe seien klar und zielgerichtet. Plauderton lenkt oft vom Fokus ab.
Publikum kompakt
- Möglichst dicht beieinander. Darauf sollte man vor allem achten, wenn der Raum vergleichsweise groß ist. Große Tische, weit auseinanderstehende Stühle lassen das Publikum verloren erscheinen. Es ist schwieriger, sie anzuspielen. In einer kompakten Publikumsgruppe pflanzt sich das Lachen auch leichter fort.
- Nicht zu bequem. Sofas und Sessel laden zum Lümmeln ein. Man wird als Zuschauer schneller träge.
Also: Positiv und möglichst vor der Show darauf hinweisen, dass die Zuschauer mehr davon haben, wenn sie in den vorderen Reihen sitzen („solange noch Plätze frei sind.“)

Die zweite Szene
Die zweite Szene einer story-orientierten Langform orientiere sich eher am „Game“ der ersten Szene, an der Dynamik, an der Poesie. Wenn stattdessen einfach der Plot weitergeführt wird, ist es langweilig und vorhersehbar.
Simpsons & Commedia dell’arte
Phil Wells vergleicht auf YesAnd die Simpsons mit der Commedia dell’arte: Die Figuren bleiben gleich und werden in immer neue Situationen geworfen, ohne ihren Charakter komplett zu verändern. Wahrscheinlich das Rezept für die meisten Sitcoms und selbst Soaps.
Effektvoll, aber wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ich mir Serien noch nie lange anschauen mochte.
Ich bin offen, mich eines besseren belehren zu lassen.
Radio-Impro mit Stephan Zeisig
Mit Stephan gelingt das unmittelbare Phantasieren sogar noch mehr als die Rollen-Dialoge:
Intro: Die Bevorzugung des rechten Arms durch Stephan Zeisig
Outro: Gewichtheben und Was Kaufhallen im Wege steht
Aber die Interviews haben auch Spaß gemacht:
Lutz Schnauz – der Betreiber des größten Karussells der Welt
Dieter Nussbach von der GdpKiVBB (Gewerkschaft der prekären Kontrolleure im Verkehrsverbund Berlin)
Mr. Salzmann – Books about books about book writing
Deutsche Impro-Foren
Deutsche Internet-Foren zum Thema Improtheater sind äußerst schlecht besucht oder versinken in ihrem grottigen Niveau.
1. Portal
http://www.impro-theater.de/index.php/forum/allgemeines-impro-forum/
Äußerst schwache Teilnahme, kaum Beiträge, obwohl man um Interessantes bemüht ist.
2. Xing
https://www.xing.com/app/forum?op=showforum;id=37697
Hier finden Diskussionen so gut wie gar nicht statt. Hilfreich allenfalls, um neue Mitglieder oder Gruppen zu finden.
3. Studi VZ
http://www.studivz.net/Groups/Overview/f1be07018fd76b2d
Lebhaft besucht, aber …
Auszüge aus dem Thread „Lieblingsspiel“:
- Franziska Siolek schrieb
am 27.08.2008 um 13:46 UhrWir haben am Samstag beim Match gegen Stadtgespräch das erste Mal die beschränkte Sprache mit Alliteration gemacht („Tallo, tich tin tom Ticherheitsdienst!“ „Mir mecken mim Mahrstuhl mest!“ …) und es ist enfach sooooooo geil. Die Leute haben sich ga nicht mehr eingekiegt! - Jens Habers schrieb
am 27.08.2008 um 13:00 Uhr
Ich mag am liebesten das Mörderspiel, das kommt auch beim Publikum immer am besten an. - Lars Metze schrieb
am 06.07.2008 um 01:26 Uhr
Mein Liebling zu sehen ist „Die Reklamation“. Ich werde in letzter Zeit als Gromulo Dichter hergenommen: Zwei Spieler; einer ist ein ausländischer Dichter, der (möglichst expressiv) ein Gedicht (Thema vom Publikum) in seiner Sprache (festgelegt vom Publikum) vorträgt, der andere „übersetzt“. Auch nett: Variante vom Gebärdendolmetscher: „Hände“ Drei Spieler; Spieler A interviewt Spieler B über seinen Beruf (vom Publikum ohne B’S wissen bestimmt). Spieler C spielt nun die Hände von B (unterm Arm durchstecken) und B muss durch die Bewegungen von C’s Händen vor seinem Körper seinen Beruf (evtl. auch noch sein Handicap) erraten.
[Nachricht] - Ivonne G. schrieb
am 22.06.2007 um 18:34 Uhr
musikreplay und cd präsentation, allerdings nur mit musiker der renner
[Nachricht]
Die „Wir-können-alles“-Haltung
Als Grundhaltung für den Improspieler empfiehlt sich tatsächlich die Haltung: „Natürlich kann ich das.“ Auch wenn man noch nie eine Opern-Arie gesungen, einen Spionage-Thriller gespielt oder ein Solo getanzt hat. Man nehme das, was man tut, ernst und versuche nicht, parodistisch zu sein, ohne wenigstens den Versuch zu machen, 100% zu geben.
Die „Wir-können-alles“-Haltung hat aber auch einen zwiespältigen Effekt für ein Impro-Ensemble oder eine Impro-Show: „Gebt uns ein Genre/eine historische Epoche usw.“ Das ist vor allem dann enttäuschend, wenn niemand aus dem Ensemble auch nur den Hauch einer Ahnung hat, was in der betreffenden Epoche geschah, oder was dieses Genre soll.
„Gebt uns ein…“ impliziert ja auch immer, die Schauspieler könnten per Zauberei alles. Deshalb auch die vielen Scheiß-Vorschläge.
Professionalismus
Gestern wieder einen Fernsehbeitrag über Improtheater bei 3sat gesehen, in dem sowohl Reporter als auch Spieler nicht müde wurden zu betonen, alle Auftretenden seien „professionelle Schauspieler“. Ich empfinde das fast als peinlich. So als vertrauten die Schauspieler dem Genre Improtheater nicht oder als würde es durch ihre 2-4 Jahre Schauspielschule geadelt. Man stelle sich das bei den Lesebühnen vor: Jemand betont im Interview, professioneller Schriftsteller zu sein…
Wenn Professionalität sich allein darüber definiert, ob der Künstler finanziell von seinem Schaffen leben kann, geht mir Professionalität am Arsch vorbei. Van Gogh hat kein Bild zu Lebzeiten verkauft. Kafka und Schiller hatten Jobs, die sie nur mühsam ernährten.
Gegen eine solide Ausbildung ist nicht nur nichts einzuwenden, sondern sie ist sicherlich hilfreich. Allerdings beweist sich die Qualität des Puddings beim Essen. Viele große Improspieler haben nie eine Schauspielschule von innen gesehen, sondern sich ihre Kunst durch Beobachtung und auf der Bühne erarbeitet: Randy Dixon, Del Close, die großartigen Crumbs kommen auch eher vom Schreiben. Das Hochschulzertifikat kannst du in die Tonne treten, wenn du nicht bereit bist, dich permanent mit deinem Schaffen auseinanderzusetzen.
Auch werden oft bestimmte Regeln mit Professionalität verbunden: Kleiderordnungen, wie eine korrekte Anmoderation auszusehen habe, in welcher Reihenfolge Games zu spielen sind, bis hin zu irgendwelchen Impro-Regeln, die in ihrer Starrheit absurd sind („Keine Fragen stellen.“).
Wenn es überhaupt eine Facette von Professionalität gibt, dann die, dass man sich ernsthaft mit Improtheater beschäftigt, dass es mehr ist als ein putziger Zeitvertreib, dass man bereit ist sich und das Spiel zu entwickeln, dass man weder geistige noch körperliche Mühen scheut:
Status im Menschen-Zoo
Offenbar übernahm Johnstone das Konzept „Status“ von Desmond Morris „Der Menschen-Zoo“, auch wenn man damit theatral schon länger spielte. Fragt sich nur, wie bewusst. Soweit ich es sehe, beschreibt erst Johnstone den Status halbwegs angemessen. Denn es geht eben nicht um sozialen oder moralischen Status, sondern um das physisch-emotionale Verhältnis von
- Person – Person
- Person – Gegenstand
- Person – Raum,
das seinen Ausdruck im körperlichen und sprachlichen Verhalten findet (und nur zweitranging, wenn überhaupt, im Inhalt des Gesagten).
Benennen des Spannenden zerstört die Spannung
Mit Helges anarchistischer Improvisation kann Karl Dall überhaupt nichts anfangen. Alles Äußerliche wird thematisiert. Es bleibt negativ, nichts entwickelt sich. Trotzdem bleibt Schneider köstlich.
Sinn für Sinn
Wir können technisch gut gespielte Szenen sehen, die uns dennoch unbefriedigt lassen. Man fragt sich: Es war doch gut akzeptiert, es gab gute Figuren, der Plot war OK aber etwas fehlte.
Wir können Storys nur dann gut entwickeln, wenn wir einen Sinn für die Bedeutung, d.h. für den Sinn des Gespielten entwickeln. Das heißt:
- Sinn auf der Ebene des Gesprochenen: Was bedeutet das Gesagte für den Sprecher und für den Adressaten?
- Sinn auf der Ebene der Story: Wohin führt uns das? Was ist die Konsequenz?
- Sinn auf der Ebene des Spiels (i.S.v. Game): Spielen wir eine Komödie, ein Drama oder was auch immer?
Schlüsse finden
Eine seltsame Scheu erfasst viele Impro-Spieler vor dem Schluss. Vielleicht ist es die Scheu davor, das Werk zu vollenden, nicht mehr zurückzukönnen (ähnlich der Scheu vor dem Abgeben der Dissertation oder Magisterarbeit).
Der letzte Satz der Szene oder des Stücks hat eine große Macht: Er definiert gewissermaßen die Moral des Ganzen – worum ging’s. Aber genau das macht es auch umgekehrt relativ einfach, einen Schluss zu finden: Ab einem gewissen Zeitpunkt kann in einer guten Szene nahezu jeder Satz der Schlusssatz sein. Es ist dann oft weniger eine Frage des Inhalts als des Timing.
Wer auch immer die Verantwortung für das Ende hat – der Lichttechniker, ein Regisseur oder ein Mitspieler – man lauere, wenn die Zeit gekommen ist, auf den ersten starken Satz und beende die Szene. Die Ansprüche für die „Stärke“ dieses Satzes sollten nicht zu hoch sein, oft reicht ein stark gesprochener Satz oder die Lach-Reaktion des Publikums. Dass man nach dem Satz das Ende setzt, macht ihn oft erst zum starken Satz.
Immer auf die Kleinen – Europäische Rüpelhaftigkeit
Eine Regel von Bob Kennedy aus dem YesAnd-Forum:
Funny at the expense of the lower-status character = churlish. Funny at the expense of the higher-status character = comedy gold. Unless you’re in continental Europe, where it’s the other way around. I think.
Und wahrscheinlich hat er recht. Wie Grissemann schon sagte: Deutsche Comedy ist reaktionär. Der ganze Stefan Raab würde nicht funktionieren, wenn man das Lachen auf Kosten der Schwachen weglassen würde.… Weiterlesen
Lob des Robert Naumann
Robert Naumann von der Chaussee der Enthusiasten gewinnt den Fokus der Zuschauer allein durch Ruhe und Zurückhaltung. Er liest den Text trocken, ohne in Lesebühnen-Leierigkeit zu schliddern. Den Witz überlässt er dem Text. Aufmerksamkeitsgewinn durch Ruhe.
Einsatzfreude, Witz und Geist
Seltsam, wenn Akzeptieren, Figuren-Schaffen, formales Storytelling usw. funktionieren, aber man als Zuschauer sich dennoch langweilt. Ich glaube, wir sehen so etwas häufig bei „übertrainierten“ Gruppen und bei Impro-Spielern, deren Hauptfokus die Rolle ist. Die Show braucht aber ein zusätzliches Element: Kreatives Engagement. Es ist einerseits wichtig loszulassen, sich auf Impulse der anderen einzulassen, aber genauso wichtig ist es, bereit zu sein, sie kreativ zu verarbeiten. Billiges Gagging zu unterlassen heißt nicht, Humor sei verboten. Sich auf andere einzulassen, sich freizumachen, heißt nicht, doof zu spielen oder den Geist auszuschalten. Nutze deine Fähigkeiten, deinen Geist, deinen Witz.
The dark side of creativity – Charles Manson
Es wäre töricht, seine Kreativität zu leugnen.
Aber es wäre auch töricht zu leugnen, dass sie mörderisch und uninspirierend ist.… Weiterlesen
Obama, der Improvisierer
Während Obamas Reden gibt es immer wieder Zwischenrufe, manchmal konstruktiv, manchmal einfach begeistert, aber nichtssagend, und manchmal auch störend. Bemerkenswert ist seine blitzschnelle Reaktion, zu entscheiden, ob er auf eine kleine Störung eingeht und sie in seine Rede einbaut oder nicht. Im extremen Fall geht er direkt auf eine Gruppe hinter ihm positionierter Störer ein.
„Fehler“ in einer sehr guten Show
Sehr gute, geradezu exquisite Impro-Show am Freitag im RAW.
Die Spieler von Foxy Freestyle überbieten sich geradezu mit ihrer Spielfreude, ihren Figuren, ihrer Einsatzfreude. Alles wird positiv verwendet. Selbst als der Computer, mit dessen Hilfe wir Bühnenbilder projizieren, abstürzt, verwenden wir das konstruktiv.
Beim genaueren Hinsehen könnte man tatsächlich ein paar kleine, aber ziemlich haarsträubende Storytelling-Lücken entdecken. Verrückt aber, dass das im Grunde nicht mehr zählt, ob es aufgeht. Man nimmt als Zuschauer eigentlich viele Ungereimtheiten inkauf, wenn sie überzeugend vorgebracht werden. Das Konstrukt des Storytelling wird in der Analyse und in der Vorbereitung immer wieder überschätzt.
Radio-Impro mit Uli Hannemann
Ohne Improvisation kommt gutes Radio kaum aus. Hier meine Versuche mit Uli Hannemann
Die Prophetin vom Treptower Berg – Dialoge aus der Nachkriegszeit
4.8.08 mit Uli Hannemann, Radio Funkwelle 92,5
Intro/Der unglückliche Casinobetreiber Lutz Schmödling
Oberprofessor Falko Wernig und der Wermolch
Martin Sülz – Kanalbetreiber
Hanspeter Schmidt – Der Kotzomat
28.7.08 mit Uli Hannemann, Radio Funkwelle 92,5
Intro
Strandverbesserer Staatssekretär Cord Cordsen
Professor Heiner Seil – Schwanenforscher
Dr. Dr. Almgässler, Professor für Höflichkeit
Prof. Dr. Reiner Keil – Vorschlag zur Abschaffung der Feuerwehr
Nach einer „schlechten“ Show
Ärgern hilft nichts. Schlechte Shows passieren, wenn man improvisiert.
- Arbeitet man als Gruppe an einem Ziel? Dann möglichst neu fokussieren.
- „One way I try to avoid the whole thing is to just set an individual goal for each performance (working a certain way with someone in the group, having a grounded energy, doing more character work..whatever). I find when I do this and the show sucks, well, it’s not all a total loss.“
Das Publikum, das du verdienst
In gewissem Maße hat man auf lange Sicht das Publikum, das man verdient:
Spielt man trashig oder lädt zu Trashigkeit ein, wird sich das Publikum ermutigt fühlen, auch entsprechende Vorschläge zu machen. Intelligente Comedy zieht intelligentes Publikum an. Fangen die Shows generell zu spät an, kommt auch das Publikum zu spät (nicht umgekehrt!).
Ist man freundlich zu den Zuschauern, sind sie es ebenfalls.
Das ist freilich lediglich eine Tendenz. Gegen die angetrunkene Truppe, die sich in der Show geirrt hat und deren vom Gröhlen heiserer Oberkasper Heinzi glaubt, der Lustigste im Raum sein zu müssen, gibt es nur selten bessere Hilfsmittel als einen höflichen aber durchtrainierten Einlasser.
Damit ist allerdings noch nichts über die Anzahl der Zuschauer gesagt, die zwar oft mit der Qualität der Shows korreliert, aber auch von vielen anderen Dingen, wie clevere PR, glückliche Umstände von Zeit und Ort usw. usf. abhängt, auf die manchmal als Spieler wenig Einfluss hat.
Fortführen oder Revolutionieren
Anscheinend gibt es Künstler, die sich immer wieder Neuem zuwenden, und einen inneren Zwang verspüren, Formen zu sprengen: Miles Davis.
Andere schaffen Großartiges und bleiben dabei durchaus im formalen Rahmen ihrer Zeit: Mozart, der vielleicht den tonalen Rahmen etwas weiter fasste als seine Zeitgenossen.
Maryam Schumacher: „War das auch wirklich improvisiert?“
Artikel in der heutigen taz über die Jackpot-Show von Paternoster.
Es gelingt ihr nicht, sich über die Improvisation als solche zu freuen, über das Entstehen im Augenblick. Stattdessen immer wieder der Verdacht, dass sei ja alles clever vorbereitet und die Aufgabe des Publikums sei es, den Schauspielern in die Parade zu fahren. Dass es auch die Möglichkeit gäbe, gemeinsam mit ihnen etwas aufzubauen, kommt Maryam Schumacher gar nicht in den Sinn.
Aber natürlich sind wir Improspieler auch nicht schuldlos. Solange wir Improtheater als Sensation aufziehen (und Formen wie Matches, Theatersport oder auch Jackpot verführen dazu), ändert sich auch die Haltung des Publikums nicht. Die Zuschauer stehen dann wie vor einem Zauberkünstler, dessen Tricks sie erraten wollen (natürlich gibt es auch bei solchen Shows Zuschauer, die sich auf die Magie des Moments einlassen). Die zerstörerische Haltung des Publikums wird angeheizt, wenn wir in den Vordergrund stellen, dass wir (Sensation, Sensation) aus wirklich allem etwas improvisieren können. Kein Wunder, dass dann Vorschläge wie Actionporno kommen.
Impro-„Regeln“
Aus der Diskussion über den Sinn von Impro-Regeln.
Mr. Stampede unterscheidet zwischen folgenden Regeln, die Impro-Anfänger meist zu lernen haben:
1. Bühnenregeln:
- Laut und deutlich sprechen
- Bewegungen auf der Bühne usw.
2. Improvisationsregeln
- Akzeptieren
- Entscheidungen treffen usw.
3. Regeln des Miteinander
- Pünktlichkeit bei Proben
- behutsamer Umgang miteinander

