Barack Obama on Basketball and Improvisation

„People who keep on shooting even though they have no jump shot, you can tell that there’s a certain self-delusional aspect to their game, right? That says something about who they are.“

„There is something about basketball and our culture that connects up with the African-American experience in a special way. Almost in the same way that jazz music connects up with the African-American culture. There is an aspect of improvisation within a discipline that I find very, very powerful. „

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Pennerhaftigkeit

Eine ältliche Musikertruppe zu Gast bei der Chaussee der Enthusiasten. Einerseits kommen sie in sympathischer hemdsärmeliger Lockerheit daher und bringen ihren eigenen Bierkasten mit, den sie im Laufe des ersten Drittels bereits leeren. Der Alkoholpegel steigt und parallel dazu das unkollegiale Verhalten der Musiker: demonstratives Desinteresse (in Wirklichkeit können sie nicht mehr folgen) und Altherren-Sprüche.
So kann’s kommen, denke ich. Gut dass sie da waren, so wird es einem klar vor Augen geführt, was geschieht, wenn man sich gehen lässt und wie man dann auf andere wirkt.

Weitere Gedanken zum Thema Akzeptieren

Aus einem Interviewspiel heraus, in dem es in er Logik der Spieldynamik lag, Fragen zu verneinen, diskutierten wir noch einmal die Frage Akzeptieren/Blockieren. Neue Arbeitshypothese: Wir akzeptieren, wenn wir den Grundgedanken des Angebots konstruktiv weiterführen, was in der Regel zwar mit einem „Ja und“ erreicht werden kann. Aber die Energie des Angebots kann auch mit einem Nein fortgeführt werden.
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Du siehst etwas, was du nicht siehst

Eine gewisse Erfahrung in der Kommunikation zwischen Spielern bedarf es, wenn Spieler A sene Figur A etwas tun lässt, was Figur B nicht sehen soll, deren Spieler aber sehen muss, um zu kapieren, wo es lang geht.
Klassisch: Der Diener rührt dem Lord heimlich Gift in den Tee. Der Spieler des Lords muss es natürlich sehen, um seinen Tod spielen zu können, aber immerhin so unauffällig, dass die Szene nicht ruiniert wird.
Möglichkeiten:
a) Diener spielt in solch einem Winkel, dass Lord die Handlung aus den Augenwinkeln beobachten kann.
b) Diener kommuniziert durch andere kleine Details (Augenkontakt, kleine Geste) seinem Mitspieler die Bedeutung des Angebots.

Haltung der Schüler

Johnstone nennt es „Die Haltung der Schüler ändern“. Allzu oft erwarten Schüler eine ganz konkrete Lektion oder sie haben ganz konkrete Vorstellungen, wie ein Workshop abzulaufen habe. Die Kunst des Schülerseins besteht aber – im Improtheater ganz besonders – darin, sich vom Lehrer überraschen zu lassen, neue Erfahrungen zu machen und diese einzubauen.

Lehrer, von denen ich Lehren gelernt habe:
Ramona Krönke – Freude und Wertschätzung des Spielerischen
Sten Rudström – Klarheit und physisch/psychologisches Erfahren
Randy Dixon – geistige Durchdringung
Stephen Nachmanovitch – Ermöglichen
Keith Johnstone (soweit man das nachvollziehen kann) – Beobachtung und Feedback

Von mir selber – improvisierende Haltung zum Unterrichten.

Positive Pädagogik

Bei der Präsentation seines Buches Tao der Kreativität in der Urania gibt Stephen Nachmanovitch das Beispiel des Kindes, das Laufen lernt: Jeder weiß, dass das Kind höchstens drei Schritte gehen kann und dan umfallen wird, aber alle Umstehenden werden schon den Versuch beklatschen. Niemand käme auf die Idee, dem Kind Tips zu geben: „Heb mal die Knie höher!“ Stattdessen vertrauen wir darauf, dass das Kind seinen Weg findet. Irgendwann geht man zum kritischen Belehren über. Aber warum?
Ist ein völlig nicht-kritisches Unterrichten möglich und effektiv? Nach SN schon.

Profipopofi

Bei der Erföffnungsshow der Impro 08 spielt ein seltsames Duo namens „Bright Blue Gorillas“. Obwohl recht sympathisch fragt man sich, was sie auf einem Improfestival tun. Sie spielen ein paar Hippiesongs und von ihrem 12minütigen Auftritt nutzen sie fünf Minuten, um auf ihre CD hinzuweisen. Zur Krönung wiederholen sie das Ganze am Abend danach und zwar Wort für Wort mit exakt demselben Timing.
Das erinnert mich an einige Kleinkünstler und Komiker, unter denen es als „professionell“ gilt, den exakten Ablauf einer Nummer so einzustudieren, dass ein Abend dem anderen gleicht. Ich habe das nie verstanden. Selbst beim Vorlesen versuche ich, mich aufs Neue vom Text überraschen zu lassen. Komisch auch, dass sich manche Improgruppen davon anstecken lassen und z.B. „funktionierende“ Games immer und immer wieder aufführen.

Randy Dixon

Nach den Kurzauftritten bei der Eröffnungsshow wurde noch mal deutlich, dass Randy Dixon nicht nur ein beachtlicher Lehrer, Impro-Theoretiker und Formate-Erfinder ist, sondern auch ein begnadeter Spieler. Dabei ist es durchaus nicht so, dass er die größten Lacher auf der Bühne erntet, er stellt sich vielmehr völlig in den Dienst der Szene. Er verfügt über die große Fähigkeit, den gröbsten Unfug zu veredeln. Sein Spiel wirkt zu keinem Zeitpunkt angestrengt, eher sogar ein wenig unterspannt, aber nie langsam. Gut, dass es ihn gibt.

It’s the singer not the song

Vielleicht ein entscheidendes Kriterium für das Potential einer Gruppe: Wie man scheitert.
Eine Szene kann elegant scheitern – man sieht als Zuschauer immer noch den Humor der Spieler, ihr Engagement für die Szene und füreinander.
Andere Gruppen rudern und versuchen, es „richtig“ zu machen. Lieber charmante Anfänger als professionelle Abarbeiter.

Gute Kunst / Schlechte Kunst

Es ist besser das Gute zu fördern als das Schlechte zu bekämpfen.
Hanns Eisler führte sein ganzes Leben lang eine persönliche Kampagne „Gegen die Dummheit in der Musik“ und musste sich am Ende eingestehen, diesen Kampf verloren zu haben. Gegen das Schlechte zu kämpfen führt letztlich auch dazu, dass man nur das Schlechte im Blick behält. Das Gute zu fördern, lässt einen die Erfolge des Kampfes genießen und führt vielleicht auch sogar zur Bekämpfung des Schlechten.

Fokus aufs Gute.

Ritt zum Ox-bow

Aus story-struktureller Perspektive ein sehr seltsamer Film aus dem Jahr 1944.
Zunächst werden wir irritiert, was das Genre betrifft: Es wirkt eher wie eine Farce oder eine Western-Komödie. Außerdem werden wir über den Helden getäuscht, der zunächst wie ein Troublemaker wirkt.
Dann der Bruch – es geht um Mord und Lynchjustiz. Aber wer ist der Protagonist? Im Grunde wird einer der Nebencharaktere zum Protagonisten stilisiert, indem wir die Story immer wieder aus seiner Perspektive sehen. Aber so wie sein Gewissen geprüft wird, geschieht es auch mit allen anderen. Kameraarbeit, Timing und das einprägsame Gesicht Henry Fondas. Im Originalbuch ist kurioserweise sein Begleiter der Held, bzw. Fondas Figur ist der Begleiter.
Ein weiterer Bruch: Das völlig unmotivierte Auftauchen der Kutsche und der alten Liebe des Helden. Das Ganze trägt absolut nichts Inhaltliches zur Story bei, aber es gibt ihr einen interessanten poetischen Schlenker.

Willensfreiheit

Der Psychologe Julian Jaynes stellte 1970 die These auf, vor den Zeiten Homers „hätten sich die Menschen gar nicht als Agenten ihres eigenen Willens erlebt, sondern als eine Art Instrument der Götter.“ (zit. nach Gehirn und Geist 4/2008)
Im zen-orientierten Denken versucht man, sich zu leeren und auch im Protestantismus versucht man, sich als „Gefäß Gottes“ zu verstehen. Für unsere kreativen Zwecke bedeutet das, das Wollen zu minimieren und freudig das zuzulassen, was aus einem fließt.

Szenenrettung – Statusgleichheit

Versackt die Szene, wenn zwei Spieler im selben Status verharren? Wenn du in der Szene bist, wechsle deinen Status radikal.
Wenn du das von außerhalb der Szene beobachtest, dann geh in die Szene rein und verändere den Status einer Figur. Dafür braucht man nicht einmal den Fokus zu ziehen, es genügt, kurz als Passenger aufzutreten. Beispiel: Die Szene dreht sich um zwei Lehrer. Beide verharren in einem Status, ob Hoch- oder Tiefstatus spielt hier keine Rolle. Ich kann nun als Direktor oder Schüler über die Bühne gehen und es genügt schon, wenn ich mich gegenüber einem der beiden Lehrer statusspezifisch verhalte, ihn etwa respektiere oder missachte.

Improv meets Autism – Ein Brief des Kollegen Deniz Döhler

Liebe Kollegen!
Mein Name ist Deniz Döhler, und ich liebe und lebe das Improvisationstheater seit nunmehr über 12 Jahren. Die letzten 8 Jahre sogar so sehr, dass es meiner Frau Christiane Döhler und mir möglich war davon als Familie hauptberuflich leben zu können. Wir haben durch das Improvisationstheater viele Geschenke im Leben erhalten, für die wir unendlich dankbar sind, sei es die Bekanntschaft und Freundschaft zu anderen Improspielern und -gruppen, Workshopleitern, unseren eigenen Kursteilnehmern oder die Möglichkeit Improtheater in Kindergärten, Schulen, Universitäten, soziokulturellen Einrichtungen und Firmen vorstellen oder einsetzen zu dürfen.
Nie hätten wir uns träumen lassen, dass die Fähigkeiten die uns das Improvisationstheater vermittelt hatte uns einmal bei der wichtigsten Aufgabe unseres Lebens einen unschätzbaren Dienst erweisen würden: Nämlich unseren Sohn Luka Maximilian aus seiner autistischen Welt in unsere zu holen. Vielleicht kennen einige von Euch schon unsere Geschichte mit unserem mittlerweile 3-jährigen Sohn Luka der mit 22 Monaten die Diagnose „dringender Verdacht auf frühkindlichen Autismus“ erhielt. Hier eine kurze Zusammenfassung:
Noch bis vor Kurzem nahm Luka nichts in den Mund, und man konnte ihn nicht im Gesicht berühren. Er lehnte es ab, mit einem Löffelchen gefüttert zu werden, und so gestaltete sich das Abstillen außerordentlich schwierig. Schließlich verweigerte er Beikost total, und mit knapp einem Jahr wog Luka weniger als 7 Kilogramm.
Er spielte nicht wie andere Kinder, sondern ließ in stereotyper Art und Weise Objekte wie z. B. eine Schüssel stundenlang kreiseln. In der Gegenwart von gleichaltrigen Kindern schien er verloren, bewegte sich entweder gar nicht vom Fleck, oder weinte, wenn es ihm zu laut wurde. Irgendwann fing er an, die Kinder in seiner Krabbelgruppe ins Gesicht zu kneifen, keine pädagogische Herangehensweise half, dieses Verhalten zu korrigieren. Wir begannen, den Kontakt mit gleichaltrigen Kindern zu vermeiden.
Luka mit 18 Monaten: er hatte keinen Zugang zu Sprache (er verstand nichts, geschweige denn konnte er reden), er zeigte nicht auf Gegenstände, um etwas zu bekommen, sein Blickkontakt war unvollständig, er hatte kein Gefühl für Gefahr. In dem Maße, wie Luka „sonderbarer“ wurde, wurde unser Familienleben anstrengender.
Als er 19 Monate alt war, und bei den Experten, die wir konsultierten, das erste Mal das Wort Autismus fiel, begannen wir zu recherchieren und hörten von einem, in Deutschland noch recht unbekannten, Autismus-Programm aus den USA, dem Son-Rise® Programm. Dieses wurde in den 70er-Jahren von Eltern für ihr damals autistisches Kind entwickelt. 3 Jahre lang arbeiteten sie intensiv mit ihrem Sohn, und im Laufe dieser Zeit verlor er seine autistischen Merkmale komplett. Dieses Kind, das im Rahmen seiner Diagnose mit einem IQ von unter 30 eingestuft wurde, dessen Eltern man anriet, „diesen hoffnungslosen Fall am besten in eine Institution einzuliefern“, besuchte im Erwachsenenalter eine Eliteuniversität und leitet heute das Autism Treatment Center of America.
Nähere Infos entnehmt bitte der Internetseite www.autism-treatment-center.org. Bei weiterem Interesse am Son-Rise®-Programm hätten wir auch eine BBC-Dokumentation auf DVD auf Wunsch zur Verfügung.
Dieses Programm ist sehr zeit- und kostenaufwendig, da es je nach den Möglichkeiten des Kindes und der Eltern sowie bei guter Verträglichkeit bis zu 60 Stunden die Woche durchgeführt werden kann. Das funktioniert nur, wenn man unterstützt wird. Wir als Eltern sind ohne die Hilfe und Mitarbeit von ehrenamtlichen Helfern ziemlich aufgeschmissen. Und so war es denn auch unser erstes Ziel, 5-8 gute Geister zu finden, die jeder 4-6 Stunden die Woche mithelfen würden. Als wir über das Programm lasen, übersetzten wir die Techniken in den Impro-Jargon. Für uns ein naheliegender Gedanke, aber entscheide selbst, ob es für Dich auch so ist:
Das Programm findet in einem Spielraum statt, der extra für das Kind eingerichtet wird. In diesem Raum soll alles erlaubt sein, und es soll dem Kind Spass und Lebensfreude bereiten, sich darin aufzuhalten. = Aha, das ist wohl ein „Au-Ja-Raum“
Hier spielt man dann mit dem Kind auf eine akzeptierende und wertungsfreie Art und Weise, d. h. wenn das Kind z. B. stundenlang Gegenstände dreht, akzeptiert man dies und macht sogar mit, flattert es mit Armen, flattert man auch, schaukelt es selber ununterbrochen hin und her tut man das auch. Dadurch, dass man als erstes die autistische Welt des Kindes betritt und dort das „Ja-Spiel“ mit ihm spielt, baut man eine Vertrauensbasis auf. = Hmm – Impulse annehmen, akzeptieren und „Au-Ja“ spielen. Wieder vertrautes Terrain.
Ist die Vertrauensbasis etabliert werden die Spiele interaktiver, und je nach Herausforderung des Kindes liegt der Fokus auf Kommunikation, Interaktion, Blickkontakt oder Körperkontakt. Im 2. Schritt wird das Kind dann über die Energie, den Enthusiasmus und die Begeisterungsfähigkeit des Erwachsenen der mit ihm spielt motiviert, sich immer länger in unserer Welt aufzuhalten, sich mehr und mehr aus seiner autistischen Welt hinauszuwagen. = Ha, Überakzeptieren, positiv bleiben und Handlung vorantreiben!
Die Spieleinheiten werden von den Eltern durch einen Observierungspiegel hindurch beobachtet, und der Erwachsene erhält am Ende seiner Sitzung mit dem Kind ein detailliertes Feedback. Was lief gut? Was kann man noch verbessern? Und natürlich wie kann man effektiver spielen / kommunizieren. Alle 14 Tage trifft man sich dann zum Training und zur Supervision mit allen Helfern und wertet die Ergebnisse gemeinsam aus, formuliert neue Ziele und sucht nach geeigneten Techniken und Spielen, um das Kind genau da abzuholen wo es gerade ist. = Das klingt fast wie Vor- und Aufbereitung einer Vorstellung…
Doch wo findet man nun blos Menschen, die all die Fähigkeiten besitzen, die es auszuhalten durch einen Spiegel hindurch beobachtet und angeklotzt zu werden, die spontan, kreativ und interaktiv spielen können, Impulse akzeptieren und bei Bedarf verstärken oder umwandeln können und darüber hinaus auch noch team- und feedbackfähig sind???
Na, und dann fiel bei uns endlich der Groschen: Natürlich im Improtheater!!! Und nach anfänglicher Schüchternheit begann ich, einer ersten Kursteilnehmerin aus einer unserer Improworkshops von den Parallelen des Programms und Impro zu erzählen und sie sagte sofort ja zu Spieleinheiten mit unserem Kind.
2 Monate später waren wir 10 Improspieler, wir erklärten uns das Programm immer in der Fachsprache des Improtheaters, suchten ständig nach passenden Improspielen oder -techniken, die uns beim Erreichen unserer Ziele unterstützen könnten. Lukas Entwicklung ging ab wie eine Rakete.
Nach über 12 Monaten Therapie nach der Son-Rise®-Methode mit vielen Improspielern als ehrenamtlichen HelferInnen und einer Einzelfallhelferin, die jedeR durchschnittlich 4-6 Stunden die Woche mit Luka im Rahmen des Programms bei uns zu Hause arbeiten,
hat Luka nun einen
– sehr guten Blickkontakt,
– er hat das Kauen gelernt,
– er isst und trinkt selbstständig alles, was wir auch zu uns nehmen,
– putzt sich die Zähne, und
– er beginnt, aufs Töpfchen zu gehen.
– Seine Körpergröße und sein Gewicht sind seit mehreren Monaten wieder altersgerecht.
– Aber das Schönste ist, dass unsere Kinderärztin seine Sprachentwicklung als altersgemäß eingestuft hat,
– er den Kontakt zu Menschen und seit Kurzem auch zu Kindern von sich aus sucht,
– Körperkontakt regelrecht einfordert, und
– dass Luka eine altersgerechte Interaktionspanne beim Spielen hat.

Wir haben einen Integrationskindergarten für Luka gefunden, wo ein Erzieher und ein Heilpädagoge nach Son-Rise® mit uns zusammen arbeiten werden, um es Luka zu ermöglichen, dort in einem geschützten Rahmen das Interagieren mit Gleichaltrigen zu erlernen.
Unsere Kinderärztin und alle Helfer vom Jugendamt sind sich einig, dass das Programm für Luka ein Riesenerfolg ist und dass es weitergehen muss wie bisher. Leider wird das Programm bislang nicht von der Krankenkasse finanziert, da es als Therapie in Deutschland weder wissenschaftlich anerkannt ist, noch es in Deutschland ausgebildete Son-Rise®-Therapeuten gibt. Deshalb fliegen wir regelmäßig in die USA zu Fortbildungen bzw. werden ausgebildete Therapeuten einfliegen lassen müssen.
Wir erhalten zwar unabhängig vom Programm für Luka Pflegegeld der Stufe I (monatlich 205,- €) und Zusatzleistungen gem. §45 (jährlich 406,- €), wofür wir auch dankbar sind, aber diese decken nicht im geringsten die Kosten für Lukas Therapie-Programm in diesem Jahr.
Die Kosten für Lukas Son-Rise®-Programm in 2008 betragen um die 25.000,- €. Diese Summe beinhaltet 2 x 1 ganze Fortbildungswoche am Institut in den USA, monatliches Feedback und Beratung vom Institut durch Videofeedback und Telefonkonsultationen, einen 7-tägigen Besuch eines ausgebildeten Son-Rise®-Therapeuten bei uns zu Hause, um mit Luka direkt zu arbeiten und zwecks Weiterbildung, Feedback und Supervision unseres mittlerweile 12-köpfigen Teams
Anschaffungen von ergänzendem Therapiematerial aufgrund Lukas jeweiligen Entwicklungsgrades
Den Bau eines Ja- Raums auf dem Gelände von Lukas Kindergarten.
Wir werden für die Kosten weiterhin selbst aufkommen – so gut wir nur können, aber aufgrund unserer Lebensumstände mit Luka sind unsere Einnahmen aus unserer freiberuflichen Tätigkeit als Theaterpädagogen und Schauspieler in den letzten 2 Jahren unter das Existenzminimum für eine dreiköpfige Familie geschrumpft, weshalb wir Dich hiermit um eine Spende bitten: In Form der Teilnahme als Spieler und vielleicht sogar Workshopleiter beim Benefizimprofestival „Improv Meets Autism“
Inspiriert von Lukas Erfolg, beginnen Eltern von Kindern aus dem Austismusspektrum mit uns Kontakt aufzunehmen. Gerne möchten wir diese mit den eingegangen Spendengeldern auch unterstützen.
Um das Programm und Luka näher kennenzulernen besucht bitte unsere Internetseite www.fuer-Luka.de. Wir laden Dich natürlich auch herzlich ein, uns besuchen zu kommen, falls Dir das möglich ist und Du in Berlin wohnst oder zufällig in der Stadt sein solltest. Das Pro
gramm läuft täglich von 9-12 und 16-19 Uhr plus alle 14 Tage Supervision und Training donnerstags von 19-21 Uhr. Ansonsten kannst Du uns auch jederzeit unter (030) 43 20 39 01 anrufen oder uns eine e-mail Schreiben unter info [at] improtheaterberlin.de
Wir haben natürlich volles Verständnis wenn Du oder Deine Gruppe aus welchen Gründen auch immer nicht teilnehmen wirst / kannst oder möchtest. Aber vielleicht möchtest Du uns auf eine andere Art unterstützen. Melde Dich einfach, wir würden uns sehr freuen von Dir/Euch zu hören, bekannter oder unbekannterweise.
Vielen Dank dass Du Dir die Zeit genommen hast, diese Zeilen zu lesen
Improvisiere Dich heiter und gelassen durch den Alltag
Liebe Improgrüsse
Deniz und Christiane Döhler
Spieler beim Improtheater Berlin: the WäM!
Paternoster und Fatma-Express
Vielen Dank • Berlin im März 2008

„Ich kann das nicht“

Es ist erstaunlich, wie oft Schüler schon vor einer Übung sagen: „Das kann ich nicht.“ Es ist, als reduzierten sie damit die Fallhöhe. Wenn die Szene dann nicht gelingt, wie sie es sich erhofften, haben sie die Entschuldigung schon im Ärmel: „Ich hab ja gesagt, ich kann das nicht.“ Das wäre ja halb so schlimm, das Problem ist nur, dass dies eine selbsterfüllende Prophezeiung ist. Eine der größten Überwindungen für viele Schüler ist beispielsweise das Singen, eine Hemmung, die oft von Eltern, Lehrern und Freunden genährt wird. Wenn ich aber an das Singen mit der Ich-kann-das-nicht-Haltung herangehe, ist das die sicherste Garantie dafür, dass es tatsächlich traurig, gequält, schief und unrhythmisch klingt. Singgehemmten Schülern spiele ich oft einen Dreiklang am Klavier vor und bitte sie, dazu einen schiefen, unpassenden Ton zu singen, eine ziemlich schwere Übung, an der sie meistens „scheitern“, denn unser an Dreiklangsharmonien geschultes Ohr sucht sich instinktiv einen passenden Ton. Aber durch dieses „Scheitern“ erfahren sie, dass sie automatisch und instinktiv „richtig“ singen.

Prophezeiung

Es wird nicht lange dauern und wir werden in Deutschland eine völlig neue junge Impro-Generation auf den Bühnen erleben. Diese Leute werden sich um die alten Impro-Konventionen nicht scheren, sie sind jung, cool, frech, intelligent.
Sie verhalten sich zum koventionellen Improtheater ungefähr so wie Helge Schneider zu Heinz Ehrhardt.

Klarheit und Akzeptieren

Ich beobachte immer wieder zwei entscheidende Tugenden in der theatralen Improvisation: Klarheit und Entschiedenheit der Angebote einerseits und Akzeptieren andererseits:
Oft haben die Tugendbolde der einen Seite ein Problem mit der anderen. D.h. gute Behaupter empfinden es als Verlust eine aus ihrer Sicht „schwächere Idee“ zu akzeptieren. Gute Akzeptierer zögern oft, weil sie auf das Angebot der Mitspieler warten.

Barack Obama legt die Latte für Hip hop höher. „Keep it real“, sei zwar gut und schön, aber ab und zu ein bisschen Vision täte der Musikrichtung auch ganz gut. Und tatsächlich droht das Genre an immer wieder an den eigenen Klischees zu ersticken: Gangsterkram, Bitches, große Autos und Klunkerketten.

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Yes we can

Barack Obama nutzt in seiner Kampagne alles, was ein guter Improvisierer braucht.
Positiv sein
In den Debatten den anderen ausreden lassen
Ungewöhnliche Klarheit
Humor
Poesie des Sprechens
Vor allem aber den fröhlichen Optimismus der Haltung: „Wir können das“, der zum Slogan der Kampagne wurde

Yes, we can!
Sí, se puede!… Weiterlesen

Nochmal Helden, die keine sind

Im September letzten Jahres hatte ich schon mal Heidi erwähnt, die gar keine Heldin, sondern eher eine Engelsgestalt ist. Ebenso Der Pate im gleichnamigen Buch und Film. Sie verändern sich im Grunde gar nicht.
Allerdings könnte man sagen, dass in Heidi der eigentliche Held der Alm-Öhi ist, der durch die Konfrontation mit der unverbrüchlichen Liebe des Heidi seine eigene Wandlung erfährt.
Ebenso in „Der Pate“. Der eigentliche Held ist Michael Corleone, der durch die Ereignisse reift und schließlich den Thron einnimmt. Dass gerade er, der sich stets von der Familie absonderte, zum kaltherzigen Mörder und Führer einer kriminellen Organisation wird, ist die Tragik der Geschichte.

Realismus, Glaubwürdigkeit

Carol Hazenfield meint, viele Spieler würden zu viel Wert auf Realismus legen, anstatt die Möglichkeiten des Improtheater zu nutzen und aus der alltäglichen Realität auszubrechen. Dazu ein paar Gedanken.

Wir müssen zunächst einige Sachverhalte auseinanderhalten:
1. Realismus bedeutet nicht, dass es immer um alltägliche Probleme durchschnittlicher Menschen geht. Wir können ihn im Improtheater vielmehr als Abgrenzung zu surrealistischen Szenen, Musical-Szenen, abstrakten Szenen, Szenen im Makro-Level usw. verstehen.
2. Glaubwürdigkeit heißt nicht, dass wir im Rahmen der Alltagswahrscheinlichkeit spielen. Es ist z.B. nicht sehr wahrscheinlich, dass es unbemerkt bleibt, wenn am hellichten Tage in Los Angeles ein Beifahrer einen anderen Mann im Auto aus Versehen in den Kopf schießt und das ganze Auto von innen mit Blut beschmiert ist. Aber in Pulp Fiction nehmen wir das als verrückte Variante hin. Der Alltag per se ist story-technisch nicht allzu interessant. Interessant ist der Tag, an dem xy geschah.
3. Inwieweit realistische mit surrealistischen oder anderen non-realistischen Elementen angereichert wird, ist eine Frage der Form. Z.B. gibt uns die Form „Der rote Faden“ („Thread„) die Möglichkeit, in die Poesie der kleinen Sinneserlebnisse des Alltags einzutauchen. Da wäre rein formal einfach schade drum, wenn auf einmal die Gegenstände zu sprechen begönnen.

Allerdings sollte man als Spieler bereit sein, die Brechungen der Mitspieler zu akzeptieren und sich so auf die Suche nach neuen Formen begeben.