Carol Hazenfield rät, den eigenen Impulsen zu vertrauen, anstatt sich Reaktionen auszudenken. Dabei hat sie vor allem unechte Gefühlsreaktionen im Blick. Andererseits ist der Rat „Vertraue deinen Gefühlen“ auch ein wenig zu einfach. Die Wahrhaftigkeit der Reaktion macht ja noch nicht allein den guten Improspieler aus. Wie ich reagiere, kann z.B. auch damit zu tun haben, wie lang die Szene schon dauert, ob ich also vorantreibe oder innehalte und Erzählelemente wiedereinführe, ob ich das Tempo eher anziehe oder drossle, wie ich mich im Raum bewege usw.
Vielleicht ist die Unterscheidung Kopf/Gefühl auch unscharf, vielleicht ist Impuls auch ein unscharfer Begriff. Denn in der Bühnen-Realität gehen viele Dinge gleichzeitig vor sich, die wir wahrnehmen. Die Kunst besteht darin, bestimmte Reaktionen automatisiert zu haben. D.h., ein großer Teil des Anfängertrainings besteht ja darin, Impulse umzulenken. Z.B. den Impuls des Gefahrenausweichens in ein Vorangehen. Je größer unser Spektrum der Möglichkeiten, umso mehr können wir internalisieren. Der Modus des Entscheidens ist vielleicht „halbbewusst“.
Nehmen wir folgende Szene in der Mitte eines längeren improvisierten Stückes: Nach einer lauten, dramatischen Schulhofszene, bittet der intrigante Direktor die Mutter des aufsässigen Schuljungen in sein Zimmer, wo er ihr die Verantwortung für diverse Katastrophen zuschiebt, was in dem Satz kulminiert: „Sie haben versagt.“ Die Schauspielerin hat nun verschiedene Möglichkeiten: Sie kann die Stille verstärken und das Leiden der Mutter in den Vordergrund rücken oder einen Ausbruch bekommen und die Lautstärke der vorangegangenen Schulhofszene überbieten. Sie kann nervös auf und ab gehen oder im Stuhl zusammenfallen. Sie kann inhaltlich widersprechen und sich ergeben. All das und noch mehr ergibt sich in Sekundenbruchteilen, und durchaus nicht völlig unbewusst, sondern im guten Fall in einem wachen Zustand der Kreativität. Ähnlich einem Tennisspieler, der ja nicht nur reagiert, sondern auch „entscheidet“. Aber in welchem Maße das bewusst oder halbbewusst geschieht, lässt sich nur schwer benennen. Vereinfachungen wie „triff eine Entscheidung“ oder „reagiere impulsiv“ helfen vielleicht situativ, aber nicht als allgemeine Regel.
s.a. hier: http://www.danrichter.de/improblog/2008/01/impulskontrolle.html

Scheinalternative: Impuls oder Ausdenken
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