Übungsaufbau Kopieren Anfänger

1. Langsam an die Spiegel-Übung heranführen. Einer führt langsam, der andere wird geführt. Wo ist die Grenze des möglichen Tempos? Spiel mit Distanzen – oben/unten, vorn/hinten, links/rechts. Beachten: Nicht kopieren, sondern spiegeln.
2. Häufige Wechsel zwischen Führer und Geführtem, bis beide gleichzeitig führen und geführt werden.
3. Zu dritt/viert/fünft: Langsam Sound aus dem Nichts entstehen lassen und weiterentwickeln.
4. Als Gruppe oder zu zweit synchron („aus einem Munde“) sprechen. Fokus: Gleichzeitig führen und geführt werden. Nicht vor- oder nachsprechen.
Nicht ihr spielt das Spiel. Das Spiel spielt euch!

Obama über Basketball

„In der gesamten Geschichte dieses Spiels [Basketball] waren die großartigsten Spieler, die Champions, die, die nicht nur ihr eigens Spiel vervollkommneten, sondern auch die Spieler um sich herum besser werden ließen. Die ein Team vereinigten, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.“ Obama strickt daraus natürlich eine Parabel für das Gemeinwesen USA. Mir genügt die Parallele zum Improtheater.
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„Wenig innovativ“

Aus dem Absage-Brief nach einer Bitte um Reisekostenunterstützung: „Allerdings gehört der Bereich Improvisationstheater weniger den künstlerisch innovativen Theaterformen, als vielmehr dem kommerziell gut verwertbaren Genre Unterhaltungstheater an, das deshalb unabhängig von der Qualität nicht zu unserem Förderauftrag gehört.“

Mentale Gesundheit oder Wo steckt das Genie?

Die Bestseller-Autorin Elisabeth Gilbert über die Angst vor „dem Buch nach dem Erfolg“. Wir Künstler machen uns krank, wenn wir das Genie in uns selbst suchen statt die Muse außerhalb von uns zu sehen. Denn wir werden mit der Last der Erwartung nicht mehr fertig.
Auch die Tom-Waits-Anekdote ist schön, selbst wenn Tom Waits sie sich ausgedacht hat, um eine Tom-Waits-Geschichte zu erzählen.

Ob sie Stephen Nachmanovitchs Buch gelesen hat?… Weiterlesen

Drehungen

Auch das Billige kann intelligent eingesetzt werden
Rosemary’s baby opens like a Doris Day movie, that’s the whole point. “ Man wird völlig auf die falsche Fährte geführt. Eine charmante Komödie, vielleicht ein wenig exzentrisch. Dann auf einmal werden wir in das Psychogramm einer Paranoiden eingeführt – und am Schluss die völlig unerwartete Auflösung, die alles auf den Kopf stellt. Interessanterweise ist „Der Mieter“ Polanskis totales Gegenstück zu „Rosemary’s Baby“. Ein Sozialdrama, das sich immer mehr zu Verfolgungen zuspitzt. Wieder die Überraschung, diesmal umgekehrt.

„It’s a great horror film without a horror in it.“… Weiterlesen

Kunst und Verbrechen

Im Forum Demmler-Mädchen – Forum über sexuellen Missbrauch von Kindern, Jugendlichen, aber auch Erwachsenen :

„Immerhin gab es zwei, drei Lieder von Demmler, die auch mich berührt haben, und so wird es wohl den meisten gegangen sein. Das Entsetzen aller, einschließlich der Betroffenen, rührt wohl aus diesem Widerspruch: Die direkt ins Herz gehenden Lieder einerseits und dem unglaublich amoralischen Verhalten andererseits.Am liebsten will man sich abwenden oder entweder das Eine (die große Kunst) oder das Andere (das Verbrechen) leugnen. Es geht über unsere Vorstellungskraft, uns den großen Künstler als großen Verbrecher vorzustellen. Oder den großen Verbrecher als großen Künstler.“

Talent und Üben

Helges Produzent Tom Täger: „Ich habe mal Cello-Unterricht gehabt. Und der alte Cellolehrer sagte dann ,Ach nu, jetzt ist gerade hier einer rausgegangen, der hat geübt.‘ Es stellte sich dann raus, das war Helge Schneider, der hat nie geübt, aber der war einfach besser.“
Ja, Helge Schneider begreift offenbar jedes Instrument auf Anhieb. Dass er aber nie üben würde, stimmt nicht. Er übt im Kopf, er spielt Musik. Für ihn sind Spielen und Üben eins.

Helge vor leeren Häusern

Helge Schneiders zweite Freundin, Heide Jansen, berichtet, wie Helge in der Anfangszeit selbst dann spielte, wenn nur ein einziger Zuschauer im Saal saß: „Ich saß an der Kasse, und da war eine Mark drin.“
Der Dokumentator: „Leere Säle durch kompesniert Helge durch die ihm eigene Mischung aus blinder Besessenheit und unglaublicher Musikalität.“

Chicago – Here We Come!

Ja! Ja! Ja!

Wir sind angenommen worden! In der letzten Nacht kam die E-Mail aus Chicago, das wir mit Foxy Freestyle zum Chicago Improv Festival 2009 eingeladen wurden.
Ich kann es noch gar nicht fassen! Das letzte Mal war ich im Jahr 2003 in Chicago, habe dort das Green Mill mit seinem berühmten Poetry Slam besucht und die unglaubliche Improshow von TJ and Dave im ImprovOlympics gesehen.

Und jetzt dürfen wir dort selber spielen!
Die Stadt, in der alles begann – The Compass, Second City, Del Close, The Blues Brothers, Barack Obama, … und jetzt Foxy Freestyle. Here we come!

Skepsis

Richard Dawkins: „Nach meiner Überzeugung ist vertrauensselige Gutgläubigkeit bei Kindern etwas Normales und Gesundes, aber bei Erwachsenen kann sie zu einer ungesunden, sträflichen Einfalt werden.“
Dawkins spricht hier über die Gutgläubigkeit Erwachsener angesichts von Scharlatanen, Astrologen, PSI-Medien usw., die sich dm Schauder des Moments überlassen und dies für Evidenz halten.
Widerspricht diese Beobachtung nicht dem, was wir bei vielen Impro-Anfängern erleben – den Hang zum Nein-Sagen, zur Skepsis, zum Zu-viel-Überlegen?
Ich denke, es ist eher eine Frage von Zeit und Ort – wo lasse ich mich auf Intuition und Jasagen ein? Wann halte ich inne, überlege, berechne?

Blinder Fleck für Talente

Anscheinend bin ich nicht der Einzige, dem es so geht: Man tendiert dazu, beim Unterrichten das überzubetonen, was man selber lernen musste und das zu vernachlässigen, was einem offensichtlich erscheint.
Z.B. erschien mir die Freude, in eine Figur zu schlüpfen, sie nachzuahmen, also der mimetische Instinkt, als völlig normal, so wie Spielen oder Tanzen. Fast undenkbar, dass jemand fragen könnte: Wie jetzt?
Und es gibt auch kleine Talente und Tugenden, auf die man erst mal aufmerksam gemacht werden muss. So sagten mir verschieden Teilnehmer beim Hallenser Festival, das wir Spieler von Foxy Freestyle ein ausgeprägtes Talent zur klanglichen Darstellung hätten. Ich habe das immer für normal gehalten, und erst als ich das hörte, wurde mir klar, dass die meisten Gruppen das fast gar nicht nutzen.

Pride – lyrics

„‚Pride‘ gets over only on the strength of its resounding beat and big, droning bass line, not on the nobility of its lyrics, which are unremarkable“ (Kritiker im Rolling Stone)
Vielleicht transzendiert der Text dieses Liedes keine größere Wahrheit als, sagen wir, „I want to hold your hand“. Aber das Erstaunliche ist ja, dass er als Songtext funktioniert, was man vielleicht vor allem als Nicht-Muttersprachler bemerkt:
Die Wiederholung des „One man“-Motivs
Die Vokallastigkeit des Textes
Der Gleichklang von „One Man“ und „What more“
Die schlagwortartigen Gegensätze (barbed wire/kiss, love/betray…)
Jede Zeile ein T-Shirt-Spruch.

Kritik von Kollegen

Mehr als die Kommentare in Gästebüchern und oft mehr als das von Dünkel oder eben auch Selbstzweifeln ja nicht freie Selbsturteil sollte man die Kritik von Kollegen schätzen. Am besten natürlich, von Kollegen, die man selber schätzt. Selber muss man sich auch nicht scheuen, auf Anfrage zu loben, zu kommentieren und eben auch zu kritisieren. Auf Anfrage! Unangenehm ist Kritik von unerwünschter Seite, bei der man, selbst wenn man dem Kritiker sachlich recht geben mag, insgeheim denkt: Wie willst du denn das beurteilen? Unangenehm jene beiden Künstler, die sich immerzu autorisiert sahen, an Storytelling, Performance oder Reimschemen zu nörgeln, ohne je auch nur einen unpeinlichen Auftritt absolviert zu haben.

Gesamtkünstler

Es gibt Künstler, bei denen ist es wurscht, welchem Genre oder welcher Disziplin sie sich zu wenden. Helge Schneider spielt hunderte verschiedene Instrumente, und er spielt sie immer auf dieselbe Weise. Und nicht nur das – er zeichnet auch so, er schreibt so, und er spricht so.

Ähnlich ist es auch bei Volker Strübing. Seine Geschichten, seine Musik, seine Fotos und jetzt eben auch sein Film beeindrucken gleichermaßen. Und immer erkennt man seine Handschrift.

Nicht nur die Bühne ist Platz des Künstlers

Den eigenen Arbeitsplatz mindestens so wertschätzen wie die Bühne. Die Arbeit des Schreibens so wertschätzen wie das Auftreten. Wie das aussehen kann, beschreibt Volker Strübing hier.

„…wenn man feststeckt, tippt man den Ertrag besserer Stunden ab. Klingt nach doppelter Arbeit, das ist es aber nicht. Weil das Abtippen gleichzeitig der erste Korrekturdurchgang ist und man viele kleine und größere Fehlerchen beseitigt. Rechtschreibfehler, Inhaltsfehler, Ausdrucksfehler, all solches Zeugs.
Inzwischen gebe ich ziemlich viel Geld aus, wenn ich mir ein neues Schreibgerät oder ein neues Heft kaufe. Ich muss damit ja auch eine ziemlich enge Bindung eingehen, wir werden einiges zusammen erleben. Vorbei sind die Zeiten als ich mit Lotto-Kulis in Hefte aus Connys Container geschrieben habe. Geht auch, klar, wenns sein muss mach ich das auch wieder, aber schöner ist es mit gutem Arbeitsgerät.
Ich arbeite und schreibe viel, es gibt Zeitdruck, aber keinen Stress. Ich habe den schönsten Beruf der Welt. Zumindest, wenn es so gut läuft, wie im Moment. Morgens (wenn ich es morgens schon aus dem Bett schaffe), wird abgetippt, Mittags gehe ich für zwei Stunden in ein Café schreiben, dann wird wieder daheim getippt und Krempel erledigt, abends gehe ich noch einmal für zwei oder drei Stunden schreiben, dann eher in die Kneipe als ins Café. So schön kann Arbeit sein. „

Manierismen

Manierismen sind wie eine ansteckende Krankheit. Altbekannt: Die Novizen wollen den großartigen Schauspieler kopieren und machen dann doch nur seine Oberfläche nach. Der Stil eines Brando z.B. ist eben nicht kopierbar. Man kann vielleicht eine Pate-Parodie abgeben, aber sein kreatives Verhältnis zur Schauspielerei wird nur von wenigen erfasst.
Im Improtheater hat das Kopieren von Maierismen stellenweise groteske Züge angenommen. Genre-Gags werden übernommen, das (hier schon oft erwähnte Einzählen), und anscheinend nur schon ins dritte Jahrzehnt gehend: Der Haar/Kinn-Streich-Gag fürs Publikums-Warm-Up. Für Uneingeweihte: Der Gag ist so übel nicht. Der Moderator weiht die Zuschauer augenzwinkernd ein, sie müssten klatschen, wenn er sich übers Haar streicht, und sofort damit aufhören, wenn er sich am Kinn berührt.
Man sollte annehmen, dass man als Bühnenmensch schon ein schlechtes Gewissen haben sollte, so einen Trick überhaupt zu klauen oder ihn gar in derselben Stadt zu verwenden. Aber inzwischen verwendet ihn jede zweite Theatersporttruppe.

Wieder mal Helge Schneider übers Improvisieren

„In Stuttgart hab ich so ein Erlebnis gehabt, da bin ich dann irgendwie so auf die Bühne gegangen, wo ich gar nicht wusste, wo die ist. Und das war ein schöner Abend, da war auch noch Stromausfall. Und das kann dir beim Film nicht passieren. Du bist ja ständig am Planen. Wir haben zwar auch improvisiert in dem Film [Texas]…, „

Schlingensief: „Wo liegt eigentlich der Unterschied? Ich hab auch Klavierunterricht gehabt, ich kann überhaupt nicht improvisieren. Kriegt man das beigebracht oder kann man so was? Wie kommt das? Absolutes Gehör? Oder wie kommt das, dass man improvisieren kann?“
Helge Schneider: „Absolutes Gehör hab ich nur bedingt. Ich hab so ’ne Art Gewohnheitsgehör. Aber absolutes Gehör hab ich nicht. Das muss man auch nicht haben, das hat nichts mit Musikalität zu tun. Musikalität ist die Fähigkeit, etwas, das man singen könnte umzusetzen, auf irgendeinem Instrument. Es ist ganz egal welches. Deshalb spiele ich auch so viele Instrumente: Weil ich gelernt habe, das was ich gedacht habe, für mich zu spielen. Ich kann also jedes Instrument lernen, wenn ich weiß, wie das technisch funktioniert. [Und dass man improvisieren kann] das ist ne Gabe, die man nicht erklären kann. (…)
„Ich hab auch immer gemalt. Ich war ein besessener Zeichner und Maler.“
„Die Könnerschaft fängt nie an. Man hört ja nie auf zu lernen. Die Könnerschaft, die gibt’s gar nicht.“

Schlingensief: „Was ist das Helge-Schneider-System?“
Helge Schneider: „Ich hab da eigentlich ur so Bilder aneinandergereiht. Jetzt geht derjenige hin, der meint, er hätte auf der Filmhochschule alles gelernt und sagt: ‚Hörma Schneider, dein Film ist aber Scheiße, da sind ja furchtbare Schnitte drin, was isn das, da is ja gar kein Rhythmus drin?‘ Genau das ist das – das sind die Typen, die zu Technomusik sich den Arsch verrenken und von Rhythmusgefühl keine Bohne haben. Und ich hab das Rhythmusgefühl. Deshalb hab ich den Film so gemacht. Weil ich hab den Rhythmus nämlich breit gestreut, über den ganzen Film. Und der Film hat’n Rhythmus, den siehst du aber erst ganz zum Schluss.“… Weiterlesen

Impro und Listen

Vera Birkenbihl rehabilitiert Listen als kreatives Instrument. (Ich hatte ja hier schon mehrmals meinen Unmut über die Listen-Wut der Improspieler bekundet.) Die Frage aber ist, wie wir Listen verwenden. Sie taugen sehr wohl, wenn man ein bisher unmarkiertes Gedankenfeld untersuchen will – eine Art Brainstorming, mit dem Ziel, die Reichweite eines Themas zu bestimmen. Wenn man beispielsweise als Schauspieler bemerkt, emotional immer wieder in die gleichen Bahnen zu geraten, kann es durchaus angemessen sein, sich mal eine offene, innerhalb einer Stunde/eines Tages/ einer Woche immer weiter zu verlängernde Liste anzulegen und dann zu sehen, was man davon benutzt und was nicht. Die Liste sollte öffnen, zum weiteren Arbeiten inspirieren, und nicht als geschlossenes System betrachtet werden, aus dem sich der Improspieler zu bedienen hat, wie es mir neulich traurigerweise vom Loose Mosse berichtet wurde, wo in der Garderobe die Fastfood-Schauspiel-Listen von Johnstone hängen, nach denen man sich zu richten habe.

Lokationen

Gute Räume für Impro-Shows sind oft schwer zu finden, wenn man nicht gerade in einer mittelgroßen Stadt das einzige Improtheater ist und der Intendant des Stadttheaters überlässt einem vor lauter Begeisterung den Samstagabend.Wieviel Zuschauer will man erreichen bzw. mit wieviel Zuschauern rechnet man? Danach richtet sich nicht allein die Größe des Raums, sondern auch die Größe der Bühne, ob man technische Verstärkung benötigt usw.Ist eine gute Kooperation mit den Betreibern des Theaters, Cafés usw. zu erwarten? Oft merkt man schon in den ersten Gesprächen, ob die Betreiber ein Interesse an einem haben oder nicht. Wenn man an regelmäßigen Terminen spielt, muss mit dem Betreiber geklärt sein, wie man damit umgeht, wenn er einmalig eine lukrativere Veranstaltung bekommt: Lässt er einen dann fallen wie eine heiße Kartoffel oder kann man mit Loyalität rechnen?Fokus: Oft wird gerade bei Bar-und Café-Improvisation das Thema Fokus unterschätzt. Stehen Säulen rum, die die Sicht nehmen? Muss man in der Ecke eines Cafés zwei Seiten bespielen? Gibt es Möglichkeiten, in einem großen Raum, diesen z.B. mit Stellwänden oder Vorhängen zu verkleinern? Gibt es Bar-Nebengeräusche und kann man diese vermindern? Liegt die Räumlichkeit an einem schwer zugänglichen oder etwas abgelegenen Ort? Spricht das Etablissement vor allem eine bestimmte enggefasste Zielgruppe an (Hausbesetzer, Rentner…)? Und wenn ja, lässt der Raum es zu, dass sich andere Gruppen nicht völlig abgeschreckt fühlen?Gibt es finanzielle Regelungen, mit denen beide Seiten gut leben können?Selten wird man einen Raum finden, in dem alle diese Punkte 100%ig gelöst sind. Man frage sich: Wo gehe ich wieviele Kompromisse ein?

Gute Räume für Impro-Shows sind oft schwer zu finden, wenn man nicht gerade in einer mittelgroßen Stadt das einzige Improtheater ist und der Intendant des Stadttheaters überlässt einem vor lauter Begeisterung den Samstagabend.

Wieviel Zuschauer will man erreichen bzw. mit wieviel Zuschauern rechnet man? Danach richtet sich nicht allein die Größe des Raums, sondern auch die Größe der Bühne, ob man technische Verstärkung benötigt usw.

Ist eine gute Kooperation mit den Betreibern des Theaters, Cafés usw. zu erwarten? Oft merkt man schon in den ersten Gesprächen, ob die Betreiber ein Interesse an einem haben oder nicht. Wenn man an regelmäßigen Terminen spielt, muss mit dem Betreiber geklärt sein, wie man damit umgeht, wenn er einmalig eine lukrativere Veranstaltung bekommt: Lässt er einen dann fallen wie eine heiße Kartoffel oder kann man mit Loyalität rechnen?

Fokus: Oft wird gerade bei Bar-und Café-Improvisation das Thema Fokus unterschätzt. Stehen Säulen rum, die die Sicht nehmen? Muss man in der Ecke eines Cafés zwei Seiten bespielen? Gibt es Möglichkeiten, in einem großen Raum, diesen zu

Macbeth

Aus Macbeth 1. Aufzug, 2. Szene
Krieger (verwundet, berichtet vom Kampf): (…)
Kaum zwang das Recht, mit Tapferkeit bewehrt,
Die hurt’gen Kerne, Fersengeld zu zahlen,
Als der Norweger Fürst, den Vorteil spähend,
Mit blanken Waffen, frisch geworbner Schar
Aufs neue Kampf begann
Duncan: Entmutigte
Das unsre Feldherrn nicht, Macbeth und Banquo?
Krieger: Jawohl! wie Spatzen Adler, Hasen Löwen.
Gradaus gesagt, muss ich von ihnen melden,
Sie waren wie Kanonen, überladen
Mit doppeltem Gekrach; so stürzten sie,
Die Doppelstreiche doppelnd, auf den Feind;
Ob sie im heißen Blute baden wollten,
Ob auferbaun ein zweites Golgatha,
Ich weiß es nicht –
Doch ich bin matt, die Wunden schrein nach Hilfe.
Duncan. Wie deine Worte zieren dich die Wunden;
Und Ehre strömt aus beiden. Schafft ihm Ärzte.

Man stelle sich diese Stelle aus Macbeth als Improszene vor. Bemerkenswert ist hier das radikale Akzeptieren und Vorantreiben. Die Frage, ob Macbeth und Banquo entmutigt waren, beantwortet der Krieger poetisch, mit einem Bild, das sich direkt aus der Frage ergibt. Man beachte das „Jawohl!“, ohne das das Bild nicht möglich wäre. Und hübsch lyrisch auch die doppelte Dopplung ausgerechnet des Wortes „doppeln“.

Workshopnotizen – Pünktlichkeit

Ich bitte darum, zehn Minuten vor Beginn da zu sein, denn für Schüler ist es schwer, untereinander Pünktlichkeit einzufordern. Pünktlichkeit ermöglicht ein gemeinsames Einstimmen, einen gemeinsamen Fokus. Dennoch halte ich diesen Punkt flexibel, wenn es z.B. um Jobs oder Kinder geht.
Nicht gelten lasse ich: „Ach, ich bin eben so ein typischer Zuspätkommer.“ Den „Ich kann“-Muskel trainieren wir dann eben schon jetzt. Sei derjenige, der permanent viel zu früh kommt. Ändere dein Selbstbild. Ändere es jetzt.

Impro-Tips für Frauen

  1. Bändigt eure Haare. Ihr geratet in einen automatisierten Tiefstatus, wenn ihr ständig damit beschäftigt seid, euch die Haare aus dem Gesicht zu schieben.
    Tragt keine Accesoires, die immer wieder gerichtet werden müssen.
  2. Tragt bequeme Schuhe und einen BH. Röcke schränken bekanntlich die Bewegungsfreiheit ein, Miniröcke noch mehr.
  3. Versucht nicht, niedlich zu sein.
  4. Seid ausreichend bekleidet. Arschgeweih und Bauchnabelpiercing sind für offstage OK.
  5. Fangt offstage keine Stutenbeißereien an. Eure Bühnenpartnerinnen müssen nicht eure „besten Freundinnen“ sein.
  6. Wenn du die Älteste im Team bist, wirst du wahrscheinlich öfters als „Mutter“ angespielt. Nimm’s nicht persönlich. Sei schneller und nenne deine Mitspielerin „Mutter“.
  7. Wenn du als „Prostituierte“ angespielt wirst, nimm die Rolle ernst. Wirst du vom selben Typen drei mal hintereinander als „Prostituierte“ angespielt, sprich mit ihm nach der Show darüber, dann lacht und trinkt ein Bier.
  8. Wenn ihr eine reine Frauentruppe seid, müsst ihr das nicht im Namen deutlich machen.
  9. Wenn ihr das Gefühl habt, die Typen geben euch nicht den Platz auf der Bühne, der euch zusteht, nehmt ihn euch.
  10. Seid nicht höflich auf der Bühne: Geht ins Gegenteil eures Partners (charakterlich und statusmäßig), Habt keine Angst, den anderen zu unterbrechen.
  11. Nicht jede Show muss eine Liebesszene enthalten.
  12. Wenigstens einmal ausprobieren, wie es ist, auf der Bühne aggressiv zu sein.