Gute Anmoderationen, die auch ein bisschen gute Laune versprühen sollen, sind effizient: Wenig Aufwand, hohe Wirkung.
Das Publikum hat ein natürliches Bedürfnis zu klatschen. Das muss man ihm nicht gewaltsam aufdrücken, darf es ihm aber auch nicht vorenthalten.
N. beispielsweise brüllte in einer Literaturveranstaltung immer mit hysterischer Stimme über den Applaus, als müsse er im Colosseum gegen die blutrünstige Masse anschreien.
G. hingegen ließ durch die Ambivalenz seines Sprechens und seiner Stimmführung das Publikum im Unklaren, wann es überhaupt klatschen durfte.
Klarheit. Knappheit.
Malcolm McLaren – Scheitern als Kunst
Aus einem Taz Interview 2008:
„Widersprüche machen uns auf wunderbare Weise unperfekt. Ich werde nie vergessen, wie einer meiner Professoren die Arbeiten des Spätimpressionisten Pierre Bonnard erklärte: „Es sind die Fehler, die Fehler sind es, die ihn von einem Amateur in einen großen Künstler verwandelt haben. Er zeigte seine Fehler!“ Das sind die Dinge, die mich geformt haben, das war Cash from Chaos: Es sind die Fehler in der Musik, die zählen! Zeigt, dass ihr nicht gut spielen könnt, das ist viel besser, als es so aufzunehmen, als ob ihr spielen könntet! Es ist groß, seine Fehler zu zeigen!
Natürlich hielten mich diese Kids für vollkommen verrückt. Kannst du uns nicht einen guten Produzenten besorgen, der kann das frisieren, fragten sie. Nein, nein, ihr müsst die Fehler zeigen! Ich predigte dieselben Worte, die mich gelehrt worden waren. Die Idee war seitdem immer, dass etwas Falsches richtig aussehen konnte.“
Den Gewinn einfahren
Verhandle nicht. Relativiere nicht. Fahr den Gewinn ein.
Klare Statements statt endloser Relativierungen, die nur langweilen.
Auch Verhandlungen machen die Szene zäh. Warum? Weil es letztlich meistens Verhandlungen zwischen den Spielern sind. Es wird ja nur scheinbar spannender.
Nirgends wird so viel gefeilscht wie auf Teppichbasaren und in Improszenen.
Shakespeare improvisieren
Das Shakespeare-Doppelpack am vergangenen Donnerstag auf dem Internationalen Improfestival war wieder sehr schön. Selbst die in der englischen Sprache nicht ganz sattelfesten Spieler sprangen mutig hinein. Und wir können uns den Großen Willy schon hübsch für die Impro zurechtstutzen. Hier ein paar Merkmale, die ich teilweise aus unserer Praxis bei Foxy Freestyle, teils aus den Workshop-Notizen von Ed Hauswirth zusammengestückelt habe:
– Das angestrebte Versmaß ist der fünfhebige Jambus („A horse, a horse, a kingdom for a horse“). Dafür müssen wir, wenn wir auf Deutsch spielen, oft apostrophisch sprechen:
„Komm du mir nah, als zott’ger russ’scher Bär,
geharnsch’t Rhinozeros, hyrkanscher Tiger!“
– Der Reim ist dem Ende der Szene vorbehalten.
– Handlungen, vor allem aber Gegenstände werden öfter benannt, als wir es in der gewöhnlichen Impro tun.
– Namen wiederholen.
– In Dialogen sich stets auf das vorher Gesagte beziehen. Oft werden einzelne Wörter wiederholt.
– naturnahe Metaphern
– Verstellungen, Masken, Unterrichten
– Tragödie: Das Verlangen führt zum bösen Ende.
– Komödie: Verwechslungen, Derbheiten. Das Verquere führt zum guten Ende.
Improvised Shakespeare Comedy: „Three things went wrong at night“ from Dan Richter on Vimeo.… Weiterlesen
Foxy Show vom 2. April 2010
Baummarkierer am Werk. Über Schmalzstullen. Heißluftballons, Radfahrerin, Kirche, Schachspieler, Häuschen kehren wir zurück in den Schaukelstuhlmann mit der Zipfelmütze.
Die Lebensmittelpolizei ist Schäubles CIA-Connection aus den 70ern längst auf die Schliche gekommen. Aber es wird ihm nicht gelingen, Berlin zur Schwabenhauptstadt zu machen.
*
Die pädagogische Bäckerin trifft auf einen Physiker und einen soziologisch bewanderten Kunsthistoriker.
*
Ob Ken auch liest?
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Raskill haben die Mörderbienen trotz Rauchkanne als ersten erwischt.
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Parallelspiegel sind sicher, solange man in sie nicht mit einem Fernglas schaut.
Zusammenfassung Charna Halpern: „Art by Committee. An Guide to Advanced Improvisation“
Charna Halpern: Art by Committee. "A Guide to Advanced Improvisation"
Charna Halpern, die Partnerin des legendären Impro-Guru Del Close und selber eine vielgerühmte Lehrerin des Improvisationstheaters verfasste bereits – gemeinsam mit Howard Johnson – "Truth in Comedy", die praktischen Grundlagen des Impro-Collage-Formats Harold.
Del Close auf dem Sterbebett zu seiner Frau: "… und sag ihnen, dass wir erreicht haben, woran anderen scheiterten. Wir haben ein "Theater des Herzens" geschaffen – ein Theater, wo die Menschen einander wertschätzen, um auf der Bühne erfolgreich zu sein. Sag es den Schülern: Theater des Herzens.
Einführung
Del Close verließ das traditionsreiche, berühmte Second City Theater, um Improvisationstheater zu einer neuen Stufe der Kunst zu führen.
Auf der Suche nach einer Form, in der eine größere Gruppe einerseits als Gruppe funktioniert, andererseits die individuellen Fähigkeiten nicht verlorengehen, wurde das freie Format Harold erschaffen. Umgekehrt gesprochen: Es lebt vom Einsatz des Einzelnen und dem Zusammenspiel der gesamten Gruppe.
Auf Schauspiel im Sinne von Figuren wird weniger wert gelegt als auf Authentizität.
Die Spieler lernen voneinander wie gute Musiker.
1. Der neue Harold
Dels Prinzipien Allgemeine Prinzipien des Harolds
1. Jeder Schauspieler unterstützt die anderen.
2. Nimm deine Impulse wahr.
3. Betritt nie eine Szene, wenn du nicht gebraucht wirst.
4. Rette deine Mitspieler, kümmere dich nicht ums Stück.
5. Deine oberste Verantwortlichkeit ist Unterstützung.
6. Nutze deinen Verstand. Immer.
7. Du sollst dein Publikum nie unterschätzen oder verachten.
8. Keine Witze.
9. Hab Vertrauen.
– Vertraue deinen Mitspielern, dass sie dich unterstützen.
– Vertraue dir selbst.
10. Bewerte nichts, außer, wann deine Unterstützung gebraucht wird (als Schauspieler oder als Cutter).
11. Hör zu!
3. Monologe
Wahre Monologe eröffnen uns ein großes Feld für wahrhaftige Szenen, wobei es natürlich nicht darum geht, den Monolog nachzuspielen, sondern die Bedeutungsebene zu nutzen und die Gedanken szenisch zu bestätigen, zu widerlegen oder zu transzendieren.
4. Was macht einen Improvisierer gut
Gute Improvisierer hören nie auf zu lernen. Jedes Wissen ist brauchbar, sei es Mathematik, Politik oder ein Kochrezept.
(Schön, diesen Gedanken aus berufenem Munde zu hören. Ich sagte es meinen Schülern immer wieder: Nutzt euer Wissen. Eine Spielerin war so von einem Komplex geprägt, ungebildet zu sein, dass sie übersah, dass sie selbst ein abgeschlossenes Universitäts-Studium hinter sich hatte, einen ungeheuren Lebenserfahrungsschatz, eine ausgebildete Handwerkerin war, und als Sportlerin nicht nur erfolgreich war, sondern auch Jugendliche trainierte. All das schien nicht zu zählen. Wenn sie mit dem Wissen anderer konfrontiert wurde, hielt sie sich wieder für dumm. Der Trick ist jedoch, Vertrauen in die eigene Lernfähigkeit zu behalten und sich letztlich für alles zu interessieren.
Sage auf der Bühne irgendetwas, das du weißt oder diese Woche gelernt hast. Das Publikum wird es schätzen. – DR)
Lies täglich die Zeitung. Bleib auf dem Laufenden. Lies Klassiker.
Wenn du nichts zu sagen hast, worüber kann man dann noch lustiges Theater machen?
Halpern lobt ausführlich auch die von mir geschätzten TJ & Dave: "In ihrer Show haben sie alles thematisiert, von Politik über Philosophie bis zu Geometrie. Sie bringen eine Intelligenz in die Show, die auf verschiedenen Ebenen funktioniert. Wir müssen auf der Bühne mehr zu sagen haben als ‚Du hast mir meine Freundin ausgespannt.‘ oder "Sie haben die letzte Miete nicht bezahlt.‘ Del lehrte uns, Gemeinplätze und Allerweltskommentare zu meiden und interessant zu werden.
Höre also nie auf zu lernen.
Sei in deiner Impro urteilslos. (Wisse aber über das Für und Wider von Themen bescheid. – DR)
Wenn du eine Fähigkeit an anderen bewunderst, kopiere sie, trainiere sie.
Gute Improvisierer geben sich nicht mit ihren Talenten und Fähigkeiten zufrieden. Sie lernen, was ihnen fehlt.
Stelle hohe Ziele an deine Arbeit.
5. Folge deiner Furcht
Improvisierer gehen Risiken ein. Darum geht’s in guter Impro. "Es ist gut, sich unbequem zu fühlen, sonst gibt es keine Gefahr, keine Aufregung, kein Wachstum."
Außerdem ist es unglaublich unterhaltsam anzusehen, wie ein Team kämpft, Hindernisse zu überwinden. (Darum sind engagierte Anfängergruppen oft unterhaltsamer als routinierte Profis.)
Charna Halpern berichtet von Kim Howard Johnson, der im Impro-Team "Baron’s Barracudas" für Unbequemlichkeit sorgte, in dem er seinen Mitspielern Hürden setzte, live Games erfand und ihnen die Arbeit erschwerte. Das Team war großartig und das Publikum liebte sie, aber es war ihnen zu anstrengend mit Johnson und sie warfen ihn raus. Sofort wurden die Shows langweilig, und die Spieler selbst strahlten nicht mehr die frühere Freude aus, was sich änderte, als sie sich bei Johnson entschuldigten und ihn wieder aufnahmen.
Die Frisbee-Sphäre: Del Close verglich gute Angebote mit dem Frisbee-Spiel. Es sei interessant, wenn die Scheibe ein wenig außerhalb der Reichweite des anderen Spielers geworfen würde, so dass sich dieser strecken müsse, um sie zu erreichen, aber es würde uninteressant, wenn sie einfach unerreichbar nach rechts statt geradeaus geworfen würde.
6. Küchenregeln
Sag ja.
Der erste Gedanke. Es gibt die bekannte Regel, nach der erste Gedanke einfach rausgeschleudert werden soll. Aber manchmal ist dieser Gedanke einfach nur eine reflexhafte Antwort. Von Zeit zu Zeit ist es gut, einen Moment zu warten und dem zweiten Gedanken eine Chance zu geben.
Unterstütze deinen Partner. Es ist gut, sich um sich selbst und die eigene Figur zu kümmern, aber wenn man in dieser Figur eingeschlossen ist, nimmt man nichts anderes mehr wahr und die Mitspieler müssen deine seltsame Suppe auslöffeln. (Offenbar gegen Mick Napiers Konzept gerichtet, wonach die beste Unterstützung darin besteht, sich um die eigene Figur zu kümmern und starke Angebote zu machen. – DR)
7. Frauen
Frauen sollten, so Charna Halpern, nicht in die Falle geraten, sich zum Opfer der Situation machen zu lassen. Nur "Ja Schatz" zu hauchen und dann den männlichen Kollegen vorwerfen, sie dominierten die Bühne. Trefft selbst klare Entscheidungen, spielt starke Charaktere. Spielt auch schwache, wenn es nötig ist. Spielt das, was die Szene braucht. Geht nicht mit einem Ich-bin-das-Opfer-Denken auf die Bühne.
Wenn ihr körperlich klein seid, nutzt das aus.
Kleidet euch bühnentauglich – Schuhe mit weichen Sohlen, keine zu engen Klamotten. Zeigt nicht zuviel Fleisch. Tragt Shirts, bei denen ihr euch nicht sorgen müsst, dass bei der nächsten Bewegung die Brüste rausploppen.
Ein weiterer Punkt zum Thema Integrität bewahren: Man kann politisch unkorrektes spielen, wenn es durch die Figur rolleninteger motiviert ist. Alles andere ist schal.
8. Figuren durch Raum und Bewegung
Peter Hulne berichtet davon, dass er vor einer Vorstellung genau die Bühne inspiziert – wo kann man springen, wo kann man die Bühne betreten, gibt es Türen, Vorhänge usw. – Was davon kann man wie nutzen.
Benenne den Ort, an dem du dich befindest, vor allem, wenn dieser vorher noch nicht etabliert wurde. Anders gesagt: "Wenn du nicht weißt, wo du bist, sag, wo du bist."
Nutze deine eigenen Erfahrungen mit bestimmten Orten – Flughäfen, Taxis, Büros usw.
(Es folgt ein großartiger Abschnitt, den ich hier nur kurz zusammenfassen kann/will.)
Susan Messing beschreibt, wie sie in ihrer Anfängerzeit einen Impro-Profi sah, der in seiner Garderobe eine Liste mit 15 Charakteren zu hängen hatte: "Sogar in meiner damaligen Anfänger-Hölle wusste ich, da stimmt etwas nicht. Wenn der Himmel die Grenze ist, warum sollte ich mich auf 15 Figuren beschränken? Die einzigen Grenzen, die es für mich gibt sind meine Phantasie und die Angst, blöd zu wirken."
Wenn du eine Szene beginnst, lass ein Körperteil dich dominieren. Deine Stimme wird schon folgen.
In Bezug auf deine Figur besteht das "Game" in ihren charakteristischen Eigenschaften.
Mein Partner kann mir einen Namen geben oder den Plot starten, aber niemand wird meine Wirbelsäule manipulieren können außer ich selbst.
Wenn ich bei einer Show nicht ganz da bin, versuche ich zu mir zu kommen, sonst werden die Figuren cartoonesk.
David Down lehrt Tier-Inspiration allein anhand ihrer Wirbelsäulen.
Wenn du zeigst, wie lustig irgendetwas ist, dann ist es nicht lustig! Nutze deinen Verstand! D.h. hier: Bewege dich so gut du kannst. Wenn du dann scheiterst und blöd wirkst, ist das immer noch gute Komödie. (Statt andersrum: Sich absichtlich doof anstellen und hoffen, dass das jemand lustig findet – DR).
Es gibt zwei Typen von Impro-Spielern –
1) die glauben ihre Energie verpuffen zu sehen: Entspannt euch und geht mit der Welle.
2) die ihre Energie aufraffen müssen: Nehmt euch zusammen und geht mit der Welle.
Bei La Ola ist immer derjenige der Arsch, der die Welle abbrechen lässt.
9. Charnas Lieblingsärgernisse
– Moderationsbohei. Moderiert mit Würde. Zuviel Applaus wird schon von vornherein eingefordert. Charna Halpern nennt als Gegenbeispiel die auch von mir so geschätzten TJ & Dave, die ihre Show mit dem einfachen Satz beginnen: "Vertraut uns, es ist alles improvisiert." (Man muss allerdings der Fairness halber hinzufügen, dass die beiden vor ausverkauftem Haus spielen und das Publikum zu jubeln beginnt, sobald die beiden die Bühne betreten. Ob sie nicht auch ein bisschen Bohei machen würden, wenn sie vor 20 Leuten spielten, die mit verschränkten Armen abwartend dasitzen? Auf jeden Fall stimme ich Charna zu, dass auf Improbühnen eher zu viel als zu wenig Stimmung gemacht wird. Wir sind nicht im Zirkus.
– Du machst ja immer dies! Du sagst ja immer das! Ein Angebot wird verwässert, wenn wir es nicht als die eine große Sache nehmen.
– Das ist mein erster Tag. Wenn ein Spieler sagt: "Das ist mein erster Tag hier im XY", ist ziemlich schnell klar, dass er Angst hat, Kompetenz zu zeigen. Er verringert die Hürden, und "mein erster Tag" gibt ihm die Rechtfertigung, doof zu spielen.
– Spiel kein Klischee. "Del Close hasste Fernseh- und Parodiesachen. Er bevorzugte frische Beobachtungen, die nicht kulturell vorgefiltert waren. Er war der Meinung, dass "im Allgemeinen" der Feind der Kunst ist. Und dass Gott im Detail steckt."
– Redet nicht, wenn ihr nicht auf der Bühne seid. Ihr könntet wichtige Informationen, die gerade geschehen, versäumen.
– Versaute Sprache. Werde nicht obszön, um des Lachers willen.
10. Vom Impro zum Schreiben
Schreiben ist Impro mit einer Schreibmaschine. Sag Ja zu deinen eigenen Ideen.
11. Rat an künftige Improspieler
– Haltet euch von Alk und Drogen fern. Charna nennt das typische Beispiel von Chrs Farley und Andy Dick: "Sie spielten großartige Shows und waren hinterher in einem natürlichen High. Später tranken sie vor der Show, um sich zu beruhigen und nach der Show, um zu feiern." Farley starb später an Drogenmissbrauch. Ebenso John Belushi. Und auch Del Close selber hätte es wahrscheinlich ohne Drogen etwas länger geschafft.
– Hört nicht auf, kreativ zu sein. Das Aufregende liegt in der Arbeit.
– Höre nicht auf die Neinsager. "Glück ist Vorbereitung, die auf Gelegenheit trifft."
12. Die Geschichte von Charna und Del
Charna betreibt das ImprovOlympic und ist gelangweilt von den immergleichen Impro-Spielchen. Del Close ist müde vom sketch- und gag-orientierten Second City. Die beiden finden zueinander. Del arbeitet seit den 60ern an einem "unlehrbaren und unaufführbaren" Format, dem Harold. Die beiden einigen sich auf ein Meta-Game, und erfanden so Lagform-Impro.(Letztlich muss man sagen, dass das jeder Langform zugrunde liegt oder: Das ist es, worum’s geht.)
13.-18. Anekdoten über Del Close
Unter den hier erzählten Geschichten gefällt mir die erste besonders: Charna Halpern überzeugte Del Close, sich ein Bankkonto zuzulegen. Und das trotz seiner Angst, er könne in einen See fallen und das Sparbuch würde nass werden, so dass er nie wieder an sein Geld käme. Diese Mischung der Ängste – Hypochondrie, Angst vor Scheinwelten und Verweigerung des Ökonomischen lässt Del Close wie eine Mischung aus Karl Valentin und Michael Stein erscheinen.
Interessant, wie Del Close unterrichtete. Er war äußerst streng und verschwendete keine Zeit mit Galanterien. Zu Beginn eines Workshops referierte er manchmal eine halbe Stunde über seine neuste Lektüre. Wenn er einen Schüler nicht mehr ertragen konnte, gab er ihm das Workshopgeld zurück und schickte ihn fort, manchmal sogar Schülern, die noch nicht bezahlt hatten. Der entsetzten Charna erklärte er: "Das war es wert, um ihn loszuwerden."
Chris Farley, ein Schüler von Close und Halpern wurde für Saturday Night Life gebucht. Als er in New York ankam, rief er Close an und berichtete unter Tränen, man wolle ihn ohne T-Shirt gegen Patrick Swayzee tanzen lassen: "Die machen sich lustig über den neuen Dicken." Del sagte ihm: "Tanz so gut du kannst. Sei leichter als Luft, lass es nicht zu, dass sie dich zum Klischee machen."
19. Das Leben ist ein langsamer Harold.
Show vom 19. März 2009
Zuschauer in der ersten Reihe
Ich glaube inzwischen, es hilft, Zuschauer in der ersten Reihe, wenn nicht zu ignorieren, so doch weitgehend auszublenden. Wenn sie gut drauf sind besteht die Gefahr, dass man den Fokus auf sie richtet. Sind sie schlecht drauf, versprühen sie ihre schlechte Laune.
Beim Kantinenlesen habe ich es am häufigsten erlebt: Ein eingefleischter Fan bringt einen Freund mit, der für den Rest des Abends uns stonefaced anstarrt und mit seinem ganzen Körper kommuniziert: „Was soll die Scheiße?“
Beim Improvisieren ignoriere ich glücklicherweise oft die erste Reihe mehr als alle anderen. Einmal sogar meine Schwester übersehen. Gestern eine beschwipste Vierergruppe. Darunter zwei Zuspätkommer, die sich dann auch noch ausführlich Küsschenlinksküsschenrechts verteilen mussten und in den ersten kürzeren Szenen ständig demonstrativ lachten, aber an Stellen und in einer Weise, dass man merkte: Die haben nichts verstanden. (Immer wieder gern genommen: Der Echo-Lacher, der das letzte Wort, das auf der Bühne fiel, wiederholt und dann angestrengt lacht.)
Den zweiten Teil – eine Collage. die beim Publikum insgesamt sehr gut ankam – haben sie enfach nicht begriffen. Vermutlich wären sie im politischen Kabarett besser aufgehoben gewesen, wo schon die Nennung des Namens „Westerwelle“ für Lacher sorgt.
Meine Kollegen waren irritiert, als der Herr immer nur missbilligend den Kopf schüttelte, ber da habe ich die Truppe glücklicherweise schon übersehen.
Nächtliche Improgedanken von Jill Bernard
3am Improv Thoughts from Jill Bernard from Jill Bernard on Vimeo.
1. Nimm die Haare aus dem Gesicht und zieh dich nett an, was immer „nett“ für dich bedeutet.
2. Mach’s dir nicht am Bühnenrand bequem. Höre auf deine Füße.
3. Spiele aus dem Bauch heraus.
4. Ja, ja, du bist lustig. Aber hör auf, zu versuchen, lustig zu sein. Das ist hässlich.
5. Du bist vage, weil du glaubst, das sei respektvoll gegenüber deiner Spielpartnerin. Aber sie hat keine Pläne. Also benenne die Dinge, damit es weitergeht.
6. Es gibt interessantere oder intimere Beziehungen als immer nur dein Mitbewohner.
7. Kein Sex mit Impro-Kollegen.
8. Nach zwei, drei Jahren erreichst du wahrscheinlich eine Phase, in der du der einzige auf der Welt bist, der weiß, wie Impro wirklich funktioniert.
9. Sei nett zu allen.
10. Du bist nie gut genug, um nicht noch Unterricht zu nehmen.
11. Das Publikum soll nahe bei der Bühne sitzen und nahe beieinander.
12. Spiel nicht „auf Kasse“, wenn du die Kasse nicht kontrollierst.
13. Geht mal ab und zu in die Knie. Ihr beide seht da oben wie eine 11 aus.
14. Wenn euer Trainer eine zu harte Sprache benutzt, ist er entweder ein Idiot oder ein Genie. Wahrscheinlich aber ersteres.
15. Kein Alk auf der Bühne.
16. Bedanke dich für Lob.
17. Wirf dich in die Impro und mach dir dabei die Hände schmutzig.… Weiterlesen
Hidden Game
Einige der letzten Shows waren für meine Begriffe etwas lahm gewesen – wir etablierten zwar die Räume, aber dann passierte da physisch auch nicht viel. Und die körperliche Langsamkeit wirkt ja auch immer zurück auf den Geist.
Ich beobachtete außerdem in derselben Zeit nicht nur bei uns, sondern auch bei anderen Gruppen, dass die Spieler, wenn sie in einer Szene einmal die Positionen auf der Bühne gefunden haben, ihr räumliches Verhältnis meist beibehalten. Oder mit anderen Worten: Die linke Figur bleibt links, die rechte bleibt recht.
Und so verabredete ich mit mir selbst ein kleines Game: In jeder Einzelszene mindestens einmal die relative Position zu meinem Mitspieler zu wechseln. Der Effekt war enorm.
Bühnengröße
Ich muss doch sagen, dass ich trotz allem die große Bühne des RAW-Ambulatorium beim Improvisieren manchmal vermisse. Ja, es war manchmal zu kalt und die Heizlüftung störte. Ja die Klos waren nicht vorzeigbar. Ja, die Betreiber haben sich nicht dafür interessiert, was wir da machen.
Aber alleine dadurch, dass man auf der Bühne rennen und springen konnte, dass die Akustik phantastisch war, nicht nur zwei Stühle, sondern auch ein Sofa und ein Riesentisch auf die Bühne passte, man auf die Rückseite der Bühne projizieren konnte und man sich völlig frei bewegen konnte, war die Phantasie so frei wie ich es selten anderswo erlebt habe.
Doch die unglaublich gute Kooperation mit der Alten Kantine und ihre Reputation macht viel aus. Und dass wir als Team besser geworden sind, natürlich auch.
Zu loben ist auch die Scheinbar. Selbst in unseren Anfangstagen ist es uns, denke ich, gelungen, viele magische Momente auf die Bühne zu zaubern, eben weil es die Scheinbar war.
Buchbesprechung Jimmy Carrane & Liz Allen: „Improvising Better“
Portsmouth, NH, 2006
Das Buch wendet sich insbesondere an fortgeschrittene Impro-Spieler, die digentlich die Grundlagen des Impro gut beherrschen und auch mit fortgeschrittenen Techniken vertraut sind, aber an bestimmten Punkten nicht weiterkommen. Die Autoren wurden in ihrer Coaching- und Workshop-Arbeit immer wieder mit Verhaltensmustern konfrontiert, die gute Spieler davon abhalten, brillant zu werden. Um diese geht es hier.
Ja-Sagen
Fortgeschrittene Spieler tendieren oft dazu, schlauer sein zu wollen, als das gute alte Ja. Aber der beste Improspieler ist immer noch ein guter Ja-Sager.
Übung für zwei Spieler: Überlappendes Ja sagen zu den Angeboten des Anderen.
Begeistert! Überlappend!
Übung für drei Spieler: Zwei sprechen, einer ist stumm. Alle unterstützen sich gegenseitig.
Der Stumme soll dabei nicht blöd aussehen.
Nettigkeit
Wenn Spieler allzu nett miteinander umgehen, werden die Szenen langweilig.
(Man muss wohl ergänzen: Dies betrifft nur eine bestimmte Sorte Spieler, die anderen werden grob.)
Übung: Verletzlichkeits-Kreis. Einer steht in der Mitte und gibt jedem der anderen etwas sehr Persönliches preis.
Ich bin mir nicht ganz sicher über diese Übung. Man befindet sich ja nicht in einer Therapie-Gruppe. Andererseits können wir hier trainieren, Verbindung zur Wahrhaftigkeit aufzunehmen.
Übung: Grobheits-Kreis. Dasselbe wie oben, nur diesmal sagen wir Grobheiten, durchaus auch szenisch.
Finde ich ebenfalls etwas fraglich. Oder es müsste jedenfalls sehr gut angeleitet werden. Jedenfalls sind beides keine Übungen, die, ähnlich wie Johnstone-Games mehr oder weniger unabhängig vom Lehrer funktionieren würden.
Wut ist OK.
Schließt im Grunde ans vorige Kapitel an. Ich würde allerdings weitergehen und sagen: Jede Art von Emotionalität ist gut. Halte dir eine große Bandbreite offen. Wut ist eine.
Übung: Es ist Dienstag. (s. Johnstone)
Anmerkung: Trotzdem Akzeptieren.
Die Angst, Personen, Orte und Ereignisse zu benennen
Szenen können technisch einigermaßen OK sein; aber sie sind öde, wenn sie nicht spezifisch sind.
„Improv is all about assumption, and people forget that.“
Übung: Drei-Satz-Szenen mit der Maßgabe, dass in diesen drei Sätzen die Personen, der Ort und das Ereignis definiert werden.
Diese Übung mag etwas mechanisch wirken. Man spiele sie schnell und möglichst viele davon.
Gemimte Objekte zu sehr im Vordergrund.
Über die gemimte Handlung geht manchmal die Beziehung zwischen den Charakteren verloren.
Übung: Zwei Figuren spielen eine Szene, ohne sich anzuschauen. Erst wenn sie ihre gemimte Aktivität hinreichend etabliert haben, dürfen sie miteinander Kontakt aufnehmen. Der Dialog beginnt, ohne dass die vielleicht absurd anmutende Parallelität der Handlungen thematisiert wird. Man vertraue darauf, eine Lösung zu finden.
(Diese Übung habe ich mehrfach ausprobiert und finde sie sehr hilfreich.)
Spiel eine Figur des anderen Geschlechts.
Die Angst, das zu tun, habe ich bei deutschen Gruppen eigentlich noch nicht erlebt. Eher läuft’s hier umgekehrt. Für einen schnellen Gag holt sich der männliche Spieler noch schnell die Perücke aus der Requisite. Man weiß, dass Travestie für den Lacher sorgt. Also spielt man Ha-ha.
Ich würde es umformulieren: Wenn nötig, spiel das andere Geschlecht, und zwar ohne viel Getue.
Männer fassen sich nicht ständig in den Schritt, und Frauen piepsen nicht die ganze Zeit.
Übung: Spiel eine Frau. Spiel einen Mann. Ohne Getue.
Die Angst, politisch Unkorrektes zu spielen.
Diese Angst taucht manchmal, aber sicherlich nicht bei allen Spielern auf. Entscheidend ist vielleicht, dass man sich über bestimmte Tabu-Themen eben selber schon mal Gedanken gemacht haben sollte. Aber wenn du keinen Mörder und keinen Nazi spielen kannst, was willst du dann auf der Bühne?
Übung: Jeder aus der Gruppe schreibt ein Tabuthema auf einen Zettel. Man zieht als Einzelspieler dann ein Thema aus dem Hut und hält in der Rolle des Tabubrechers (z.B. Pädophiler) einen Monolog dazu.
Es geht ums Schauspielen
Carrane und Allen beobachten, dass Spieler mehr und mehr dazu tendieren, zu reden statt eine Rolle zu spielen.
Ich glaube, in diese Falle tappt jeder mal. Die Übung, verschiedene Figuren in einer Burger King Schlange zu spielen, haut mich nicht vom Hocker, ist aber letztlich genauso gut wie jede andere Schauspielübung.
Es geht nicht um Worte, sondern um die Verbindung
Dies trifft sich wieder mit meiner Beobachtung, dass es eine seltsame Obsession für oder gegen das Storytelling gibt.
Übung: Vorgabe ist ein hochsensibles Szenario. Zwei Spieler. Gesprochen wird nur in Zahlen, z.B.
A: Eins, zwei.
B: Drei.
C: Vier, Fünf Sechs.
D: Sieben. (…)
(Langsam spielen)
Mangel an Vertrauen.
Vertrauen muss immer wieder trainiert werden.
Übung: Zwei Personen im Restaurant. Schweigend. Das Schweigen rührt daher, dass einer der beiden gerade eine wichtige Neuigkeit überbracht hat.
Um was es geht, müssen beide herausfinden. Zeile für Zeile.
Immer das Lustige wählen
„Improvisation ist ein Handwerk. Die Wahl ist einfach: Entweder man lernt das Handwerk, das einen letztlich dazu befähigt, lustiger zu sein. Oder man verlässt sich auf seinen Witz und geht den kurzen Weg.“
Übung (die ich in der Aufführung als nicht-offenes Game wählen würde): Bekomme als Gruppe keinen Lacher. Mindestens sechs Minuten lang.
„Was schließlich passiert, ist, dass dadurch, dass man zu Beginn nicht aufs Lustige setzt, legt man die Grundlage dafür, später größere und bessere Lacher zu bekommen.“
(Diese Übung gibt es im Grunde auch schon bei Johnstone. Allerdings wird sie verhunzt, wenn man es öffentlich macht oder im Theatersportkontext spielt, weil dann der Partner dem anderen den Gag zuschanzt, der das Lachen verbeiprovoziert.)
Ich halte diese Übung für eine der Wertvollsten des Buches, zumindest für Gruppen, in denen Gagging immer noch eine Krankheit ist.
Das Impro-Kommittee in deinem Kopf
Richtet sich an Spieler, die versuchen gut zu sein, weil XY im Publikum sitzt. Entweder beim Casting oder wenn der große Impro-Guru im Publikum sitzt und man Eindruck schinden will. Sicherlich in Chicago häufiger als in Berlin, obwohl ich den Stress, den solche Spieler dann vorm Auftritt machen, auch schon erlebt habe. Es gibt nur einen Guru, ein Impro-Kommittee, einen Urizen – und der ist in deinem Kopf.
Hör auf, zu wollen.
Das Ja beginnt Offstage
„Zustimmung ist eine Haltung, die sich nicht allein auf die Bühne beschränkt.“
„Die meisten Impro-Spieler wollen einfach nicht zuverlässig sein. Sie wollen sich nicht einlassen und versuchen immer die Ausnahme der Regel zu sein. Aber wenn du nicht nach den Regeln spielst, läufst du Gefahr, den Ruf eines schwierigen Spielers zu erlangen.“
„Impro kann therapeutische Wirkung haben, aber es ist keine Therapie. Such dir für deine persönlichen Probleme anderswo Unterstützung.“
Trockne nicht aus
„Improv needs to be fed by enriching experiences that are unrelated to performance.“ Das trifft natürlich auf jede Kunst zu. Oder, wie Julia Cameron sagt: Fülle den Brunnen.
Hab ein Leben außerhalb von Impro!
Der Hinweis richtet sich an Impro-Junkies, die fast täglich auftreten, proben und andere Shows sehen. Ich vermute, das ist eher ein Phänomen in Chicago, New York und Los Angeles.
In Berlin braucht man, um die Spieler, die das betrifft, abzuzählen, wahrscheinlich nicht mal eine Hand. Dennoch ist der Hinweis natürlich gerechtfertigt.
Impro ist größer als du denkst
Dieser Hinweis richtet sich an Spieler, die darauf warten, von Second City oder iOChicago gecastet zu werden und in Depression verfallen, wenn es misslingt. Gründe deine eigene Impro-Gruppe.
Liebe den Prozess
Love the good shows, because they don’t last forever.
Love the bad shows, because they don’t last forever.
Fazit: Ein nettes kleines Buch, das gute Tipps für die Bewältigung einiger (wenn auch nicht aller) Sackgassen gibt.
Western für Impro
1. Kleine Einführung
Westen heißt
• Zivilisation im Aufbau
• permanente Bedrohung durch Banditen und Indianer
• Verschiebung der Grenze von Ost nach West
1. Union-Pacific-Story – Bau der Postkutschen-, Telegrafen- oder Eisenbahnlinie (Spiel mir das Lied vom Tod)
2. Rancher-Story – Kämpfe um Weideplätze, Viehherden und Land
3. Empire-Story – Viehbarone und ihre Dynastien
4. Custers letzte Schlacht – Auseinandersetzungen zwischen Indianern und Kavallerie
5. Rache-Story – einem Menschen oder einer Gruppe ist einst Unrecht geschehen, das gerächt werden muss (Spiel mir das Lied vom Tod, Die Söhne der Katie Elder)
6. Outlaw-Story – wie kam er dazu, Outlaw zu werden, was tut er (Jesse James, die glorreichen Sieben)
7. Marshal-Story – Kampf für Recht und Ordnung (12 Uhr Mittags, Rio Bravo)
• Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss.
• In den alten Zeiten, war alles noch in Ordnung. (= männliche Werte, Freiheit)
• Ein Cowboy ist aufrichtig, hilfsbereit, ritterlich und ehrlich. Er ist ein Patriot.
Wertobjekte des Cowboys: Pferd, Knarre, Frau, und zwar in dieser Reihenfolge.
Grundstimmung des klassischen Westerns ist die Isolation:
von Zivilisation, Recht und Ordnung und von Sicherheit
Dies manifestiert sich in Orten wie
– dem von Indianern belagerten Fort
– der Bahn oder der Postkutsche, die den Überfällen von Indianern und Banditen ausgesetzt ist.
– der einsamen Ranch
– der kleinen Stadt
– die Prärie
Handlungsorte:
• Saloon
• Postkutsche, Kutsche der Reisenden oder Siedlertreck
• Prärie zu Pferd
• am Fluss
• Fort
• Bank
• Büro des Marshals mit Gefängniszelle
• Pferdestall
• Ranch
• auf der Straße in der kleinen Stadt (immer ein Ort der Gefahr!)
• als Nebenschauplätze: Drugstore, Hufschmied, Pferdehändler, Kirche usw.
Typische Figuren:
• Cowboy
• Lone Rider (der Rache nehmen muss)
• Marshal
• Bandit
• alter Revolverheld
• Colonel der Kavallerie (niedrigere Ränge meist nur Nebenrollen)
• Scout
• Landvermesser
• Spieler
• Barmann (selten Hauptrolle)
• Zug- und Postpersonal
• Halbblut (vermittelnd in Konflikten mit Indianern)
• Mexikaner als Typen sind unberechenbar, hinterhältig, brutal (Ausnahmen bestätigen die Regel und sind deshalb bemerkenswert)
Frauen
• spielen meist nur Nebenrollen
• sind im alten Western Objekt ritterlichen Schutzes vor den verschiedentlich drohenden Gefahren, in neueren Opfer oder nehmen die Sache selbst in die Hand
• sind Sexobjekt, was aber natürlich im klassischen Western nur sehr dezent angedeutet wird
daraus resultierende Rollen der Frau:
• die (allein) Reisende, die in den Westen kommt
• Barfrau (= tendenziell Hure). Als Kundin hat die Frau im Saloon ebenso wenig etwas zu suchen wie Schwarze oder Indianer, jedenfalls führt das zu Konflikten
• klassische Ehefrau des Mannes in etablierter Situation (d.h. des Arztes, des Marshals, des Richters, aber nie des Cowboys), als Siedlerin auch Mutterheldin
• Gibt es mehr als zwei Frauen, resultiert daraus automatisch ein Konflikt zwischen den beiden (Wertekonflikt oder Rivalität).
typische Action
• der Ritt (meist als Verfolgung oder Flucht)
• Schießerei – als latente Option immer anwesend. Immer und überall möglich. Als Duell oder Überfall.
• Showdown: zwischen dem/den Helden und Antipoden. Immer am Schluss. Immer Katharsis – Stadt befreit, Frieden mit Indianern, Rettung der Frau usw.
• Kartenspiel, Trinken
Selten gezeigt aber thematisiert
• Lynchjustiz (Aufhängen, meist am Baum, aber auch in geschlossenen Räumen). Eine Option die fast immer im letzten Moment verhindert wird oder die in der Vergangenheit stattgefunden hat
• Massaker – an Siedlern durch Indianer oder Banditen, an Indianer durch eine Kavallerietruppe oder durch Banditen.
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Szenen-Musik vs. Song-Musik
Der Impro-Musiker unterstützt die Spieler in den Szenen am besten durch akzentuierte bzw. emotional gehaltvolle Musik. Song-Strukturen bieten sich eher in Musicals o.ä. an. In einer einfachen Szene erschwert Song-Musik dem Schauspieler oft, klare Akzente zu setzen. Und auch für den Zuschauer ist dahinperlende Musik gar nicht so wichtig. Wir brauchen Unterstützung bzw. Kontraste.
Liebe, Kunst und Eitelkeit
N. achtete immer sehr genau auf den Applaus jedes Spielers. Dass G. manchmal mehr Applaus bekam, wurmte ihn so sehr, dass er jedes Mal einen Tag brauchte, um sich aus seiner Depression hochzuarbeiten. Er machte ein halbes Jahr Pause und erkundigte sich immer wieder, ob das Publikum ihn vermisse. Tatsächlich fragten ab und zu Zuschauer nach G., aber „ab und zu“ war ihm zu wenig.
Und irgendwann hatten sie ihn vergessen. Schließlich kamen sie ja auch in erster Linie wegen der Gruppe.
G. verlor die Lust an der Kunst. „Wenn mich die Leute nicht lieben, dann brauchen sie meine Kunst ja nicht.“
„And, in the end, the love you take is equal to the love you make.“
Eitelkeit verdirbt die Kunst. Immer wieder. Sie mag als Kickstarter ab und zu funktionieren. Auf Dauer ist sie wie ein Geschwür, die das Spielerische der Kunst zerstört.
Du kannst Liebe nicht erwarten. Du kannst Liebe nur geben. Wenn sie zurückkommt, ist’s ein Geschenk.
Film: Der Ghost Writer
Thriller. Bis auf den Anfang ausschließlich aus der Ich-Perspektive.
Dadurch wird die Spannung erzeugt. Würden wir hinter die Kulissen schauen, ginge das verloren.
Auch eine Grenze, die man bewusst ziehen muss.
Komödie meistern
Dialog, der nie stattgefunden hat:
„Wir wollen auch mal was Ernstes spielen. Nicht immer nur lustige Szenen.“
„Ich hab aber noch nie was Lustiges von euch auf der Bühne gesehen.“
Probleme schaffen gute Impro
„Wenn alles schiefläuft, vergisst man, was man tut, und das ist eines der Geheminisse der Improvisation.“ (Keith Jarrett)
Na, ob er da immer recht hat?
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Dumm & Schlau
Schlau zu sein macht aus dir noch keinen guten Improvisierer. Manchmal stellt sich das Hirn dem Herz in den Weg. Denk dran, Spock, du bist zur Hälfte ein Mensch.
„Sei langweilig!“
Die seltsame Aufforderung Johnstones „Sei langweilig!“ steht ja im enormen Widerspruch zur allgemeinen Bühnenregel: Man darf auf der Bühne alles außer langweilig sein.
Aber genaugenommen fordert uns Johnstone hier auf, die Ruhe zu bewahren, konsistent zu bleiben, d.h. das Naheliegende zu tun oder zu sagen. Denn Johnstone weiß genau, dass man dem Publikum eigentlich eine Menge zumuten kann, ohne dass es sich langweilt, vor allem, wenn es darum geht, erst mal eine Plattform für die Szene zu schaffen. Wenn wir etablieren, wer wir sind, wo wir uns befinden und was wir hier tun, sind Handlungsbrüche, emotionale Ausbrüche, verrückte Wendungen usw. eher hinderlich. Als Zuschauer will man erst mal an die Hand genommen werden.
Für uns Schauspieler heißt das, Liebe zum Detail zu finden. Je größere Sicherheit wir im Improvisieren erlangen, umso eher wird es uns auch gelingen, das allzunaheliegende Klischee zu vermeiden, und stattdessen das naheligende Konkrete zu etablieren.
Oder wie Gunter Lösel es mal so schön beschrieb: Als Werkzeug nicht den Hammer wählen, der wäre zu klischiert. Aber auch nicht die Bockwurst, die wäre zu „originell“. Nimm den Schwingschleifer, der ist spezifisch.
Timing
Unterrichte Workshop u.a. zum Thema Timing.
Und überziehe prompt 1/2 Stunde.
Ironie
Nimm das Spiel nicht ironisch. Ironie ist nur eine Form, sich über das Spiel zu erheben. Distanzierst du dich vom Spiel, bist du auch nicht dabei.
(Was nicht heißt, man dürfe keine ironischen Figuren spielen oder ironisch mit bestimmten Themen umgehen.)
Gewalt
Manchmal vergesse ich, in Workshops Dinge zu unterrichten, die für mich selbstverständlich waren, z.B. Einsatzfreude, Ausprobieren. Aber auch sensibler Umgang mit Mitspielern. Tatsächlich spielen sich manche Anfänger in einen regelrechten Wahn und leben die schauspielerische Gewalt regelrecht aus. Der Kampf der Figuren wird zum Kampf der Spieler. In eine ähnliche Richtung geht natürlich auch der intime Übergriff – extreme körperliche Nähe zu Leuten, die man kaum kennt. Highlights:
– Beim Workshop in einem Konservatorium kämpfen zwei Spieler mit aller Kraft um die Herrschaft auf der Bühne, zerren an ihren Klamotten. Am Ende zerdreschen sie den Notenständer.
– Beim Casting-Impro für eine Improgruppe verpasst ein Bewerber in einer Szene einem Mitglied der Gruppe eine Maulschelle. (Ob er genommen wurde, ist mir nicht bekannt.)
– Bei einer Anfängershow wird eine Armrede gespielt. Herr X die Arme, Frau Y hält die Rede. Vom Publikum wird ein etwas anzügliches Thema vorgegeben. Herr X begrabbelt nun die Spielerin Y. Zunächst an den Hüften, dann ein kurzer Griff an die Brüste – es verschlägt ihr den Atem, aber the show must go on. Dem kurzen Griff folgt ein längerer, und dann als Höhepunkt tatsächlich ein Griff in den Schritt. Niemand schreitet ein, und das Publikum windet sich vor Fremdscham.
Zuhör-Übung
„2 people sit back to back and do a dinner-type scene. Even though in reality they are back to back, in the scene they are facing each other.“
Geklaut von Tabs (Chicago Impro Forum)
Hilfe! Blogger stellt FTP-Service ein. Was nun?
Glücklicherweise hatte ich die Mail von Blogger.com noch aus meinem Spamfilter gefischt. Die Nachricht: Der FTP-Service von Blogger (Betreiber ist Google) wird zum Mai eingestellt. http://blogger-ftp.blogspot.com/
Dieser Impro-Blog hier hat auch von dem Service profitiert. Angeblich ist es für Google zu aufwendig, das weiterzubetreiben. Und so macht man es einfach platt. Die umständliche „Hilfe“ ist bisher zumindest nur auf Englisch formuliert. Für mich ist noch unklar, ob ich den Blog hier so weiterbetreiben kann.
Ich frage mich schon seit einer Weile, ob man sich nicht zu sehr auf Web-Dienstleister stützt, die von heute auf morgen Schluss machen können. Bei Google ist es nicht das erste Mal. Vor gut einem Jahr hat Google z.B. seinen Video-Upload-Service eingestellt. Und zwar nur wenige Wochen, nachdem sie Youtube geschluckt hatten. Google-Video hatte ja der Konkurrenz von Youtube etwas entgegenzusetzen müssen: Längere Videos etwa. Vorbei.
Ein anderes Beispiel aus der Impro-Community: Bis vor anderthalb Jahren gab es ein unschätzbar wertvolles Impro-Forum namens Yesand.com. Hier diskutierten Profis und Neulinge Ideen und Konzepte über alles, was mit Improtheater zusammenhängt. Für mich war es die wichtigste Erfahrungsquelle zum Thema im Internet. Außerdem stritt man über Politik. Es gab ein intelligentes Fun-Forum, Auftritte wurden angekündigt usw. usf. Eines Tages fand der Administrator, dass ein paar Seiten zu langsam abrufbar sind und die Seite zu schwer administrierbar sei. Alle zwei Tage oder so verirrten sich nämlich auch Forumspammer auf die Seite. Also wurde das ganze Forum auf einen neuen Server gelegt, der layoutmäßig eine Katastrophe war, das Spammen nur scheinbar erschwerte, und nur mit Nerd-Kenntnissen von Skripts zu bedienen. Vielleicht funktioniert solch ein Forum für Mathematiker, nicht aber für Impro-Schauspieler. Jetzt ist das Forum wieder umgezogen. Nach außen hat sich nichts verändert. Aber es macht einfach keiner mehr mit, einfach weil es keinen Spaß mehr macht. Ein User schrieb auf Facebook: „Ich schaue ab und zu noch mal vorbei und lese die vereinzelten Beiträge, die dort traurig alleine stehen, wie Plakate an einem geschlossenen Club, an dessen Außenseite der Sticker Keine-Plakate-ankleben hängt.“ Das Schlimmste aber: Der gesamte Wissensschatz ist verloren, die alten Beiträge fort. Als wäre eine Bbliothek abgebrannt. In einer Art Vorahnung habe ich kurz bevor das geschah, die 30 wichtigsten Threads runtergeladen.
Wenn Google seinen Suchmaschinen-Service aufgäbe, wäre das kein allzugroßes Problem. Man würde auf eine andere Suchmaschine umsteigen. Aber bei Youtube oder Facebook wäre das schon was anderes – überall dort, wo Arbeit drinsteckt, wo Netzwerke entstehen….
Hab ich mich jetzt vergaloppiert?
Wir werden sehen.
Auf jeden Fall werde ich in der nächsten Zeit weiterbloggen.
Unwichtigkeit von Plots
Ricky Gervais erklärt, dass sie schon auf eigene Faust eine 20-Minuten-Folge von „The Office“ vorproduizert hatten: „Wenn wir ihnen das Skript gegeben hätten, läge das jetzt in einer Schublade. Und zwar verständlicherweise; denn es gab keine Witze. Ich denke, es 20 % gingen nur um Schweigen. Es gab keine berühmten Leute, keine Plots. Aber als sie [die Leute von der BBC] es sahen, wussten sie, was wir meinten.“
Verknüpfungen und Wiedereinführen
Das Maß der Verknüpfung der bereits eingeführten Elemente ist sowohl bei narrativen als auch nicht-narrativen Formen eine entscheidende Geschmacksfrage.
Anfänger tendieren in der Regel, zu viel zu verknüpfen. Vor allem freie Formate wie Harold, Collagen usw. verleiten dazu. Am Ende legt man zuviel fest, nichts bleibt mehr offen, und die Schönheit des angedeuteten Gleichklangs verschwindet zugunsten eines festgeknüpften Knotens.
Das Format Quintett (auch bekannt als 5-4-3-2-1) startet mit fünf verschiedenen Szenen, von denen eine abgewählt wird, vier werden weitergespielt usw., bis eine übrigbleibt. Es gibt Gruppen, die es darauf anlegen, die Szenen immer mehr miteinander verschmelzen zu lassen. Ich glaube, dass den Szenen dadurch die Schönheit genommen wird. Jede Story entfaltet ihr eigenes Narrativ. Warum zusammenmantschen, was nicht zusammengehört?
Umgekehrt – aber das ist ja Storytelling-ABC – wissen wir, dass erst durch Verknüpfung Storys entstehen.
PS: Hab ich das hier schon mal geschrieben?
Magic Moments: Er ist ein Maulwurf
Einer jener seltenen magischen Momente entstand bei der zweiten Show von Foxy Freestyle in der Alten Kantine. Die Schluss-Szene einer zwar witzigen, aber doch recht verwickelten Geschichte mündet in ein Abschluss-Lied zwischen Matze Fluhrer und mir.
Die letzte Zeile singen wir gemeinsam, ohne uns anzuschauen: Gleicher Text, gleiche Melodie. Das Video ist wie immer lediglich ein müder Abklatsch, aber die Zuschauer sind von diesem besonderen Moment auch begeistert.
Ich denke, die Chance, solche Momente zu erleben, erhöht sich, wenn wir nicht nur aufmerksam sind, sondern vor allem auch mutige Entscheidungen treffen.
Der Song startet ca. bei Minute 3:30… Weiterlesen
Authentizität – Straßen-Weisheit
„Del Didn’t like TV or parody type things. He preferred fresher oberrvations that weren’t filtered through the culture. He felt that „in general“ was the enemy of art and that God was in the details.“ (Mike Myers in Charna Halpern: „Art by Committee“)




