Der Sklave meint nun, er würde Kamar ez-Zamân die
Wahrheit berichten, müsse aber erst seine zerrissenen Kleider ordnen. Direkten
Wegs läuft er zum König, der mit dem Wesir im Gespräch ist und berichtet ihm,
sein Sohn sei wahnsinnig geworden. König Schehrimân erzürnt und befiehlt seinem
Minister, die Sache aufzuklären. Der Wesir geht zu Kamar und dieser flippt
wieder aus.
186. Nacht
Für die Dämonin Maimûna scheint der Fall gelöst:
"Hast du gesehen, Verfluchter, wie stolz und zurückhaltend mein Geliebter gehandelt hat, und wie leidenschaftlich sich deine Geliebte an meinen Geliebten gedrängt hat? Kein Zweifel, mein Geliebter ist schöner als deine Geliebte, doch ich vergebe dir."
q.e.d.
Auf Befehl von Maimûna tragen Kaschkasch und Dahnasch die Prinzessin zurück.
Am nächsten Morgen verlangt Kamar ez-Zamân vom Eunuchen, ihm die Jungfrau zu bringen. Dieser weiß natürlich nicht, wovon die Rede ist. Kamar ergrimmt:
Du Verfluchter, mein Vater hat dich das Betrügen gelehrt, Komm her!" Nun trat der Eunuch an Kamar ez-Zamân heran; der packte ihn an seinem Kragen und warf ihn zu Boden, wobei dem Erschrockenen ein Wind entfuhr.
Kamar ez-Zamân fesselt ihn und lässt ihn in den Brunnen hinab, so dass er Ertrinkensängste erleidet.
Eine effektive Foltermethode auf die die US-Streitkräfte gut 1.000 Jahre später im Irak und auf Guantánamo zurückgreifen.
185. Nacht
Prinzessin Budûr verliebt sich erwartungsgemäß in Kamar ez-Zamân und begehrt ihn:
"Wach auf aus deinem Schlafe! Sieh die Narzisse und ihren zarten Flaum! Erfreue dich meines Leibes und seiner Geheimnisse!"
Narzisse?
Sie versucht ihn vergeblich zu wecken, entdeckt aber ihren Siegelring an seinem Finger und vermutet ebenfalls einen Trick ihres Vaters.
Und nun griff sie mit der Hand auf seine Brust, und da seine Haut so glatt war, glitt ihre Hand bis auf seinen Leib, bis auf seinen Nabel und fiel auf sein Glied; da erschauerte und bebte ihr Herz, und die Begierde ward heftig in ihr, denn das Verlangen der Frauen ist stärker als das der Männer.
Das sind ja mal Nachrichten.
Sie schmiegt sich an ihn und schläft ein.
184. Nacht
Kamar ez-Zamân will die fremde Prinzessin küssen, während die Dämonin vor Eifersucht und Scham vergeht, doch hält er inne, da er glaubt, der Vater wolle ihn nur auf die Probe stellen. Als Erkennungszeichen löst er einen Siegelring von ihrer Hand, steckt ihn sich selber an, dreht sich mit dem Rücken zu ihr und schläft wieder ein. Nun beißt Dämonin Maimûna als Floh die Prinzessin
vier Fingerbreit unterhalb ihres Nabels
Um sie durch Juckreiz aufzugeilen?
Diese entdeckt nun ihrerseits den Prinzen
seiner Lippen Tau war von süßem Geschmack und heilsamer als Theriak; es schien, als wäre sein Mund wie das Siegel des Salomonis rund, seine Lippen waren von der Korallen Art, und seine Wangen wie Anemonen zart.
Menschen als Vorlage
Man bemüht sich oft so sehr um die Erschaffung von Figuren aus Tieren, Objekten, Bewegungen usw. und vergisst darüber oft, wie einfach es doch ist, konkrete Personen nachzuahmen. Es geht ja bei uns nicht um gute Parodie, sondern um schnelle Erschaffung glaubwürdiger Charaktere. Das einfache Nachmachen ist uns angeboren. Kleinkinder lernen andauernd oder fast nur so. In der Schule äffen wir Lehrer und Mitschüler nach.
Wir können bei der Figurenfindung ruhig ein wenig trashen, Verfeinerung kommt wie immer später.
183. Nacht
Kamar ez-Zamân erwacht und entdeckt die Jungfrau neben sich:
strahlend wie ein kostbarer Edelstein oder wie eine hohe Kuppel im Sonnenschein, ihre Gestalt war wie eine Linie aufrecht und fein; ihr Wuchs war zierlich klein, ihr Busen schwellend und ihre Wange von rotem Schein…
Er sieht,
dass sie nur ein venetianisches Hemd trug ohne Hosen.
Venetianische Hemden in China?
Es regte sich in ihm die natürliche Begierde, und Allah erfüllte ihn mit dem Verlangen nach Umarmung.
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Aber sie erwacht nicht, da sie von der Dämonin im Schlaf gehalten wird, und so hält der Prinz das Ganze für einen Trick seines Vaters, um ihn zur Heirat zu zwingen.
182. Nacht
Und so muss nun auch Dämon Dahnasch ein Loblieb über Prinzessin Budûr rezitieren,
dann sang er dies Lied, obwohl die Dichtung ihn sonst mied: (…)
Noch immer können die beiden sich nicht einigen, also rufen sie einen unparteiischen Dämon herbei.
Der hatte ein blindes Auge, war bucklig und krätzig; seine Augen waren der Länge nach durch sein Gesicht geschlitzt, er hatte auf dem Kopfe sieben Hörner, und vier Haarsträhnen hingen ihm bis auf die Köchel; seine Hände waren Worfschaufeln, seine Beine wie Masten, er hatte Klauen wie die eines Löwen und Hufe wie die eines Wildesels.
Dieser lobt die Schönheit der beiden und entscheidet so:
Die beiden sind gleich an Schönheit und Lieblichkeit, an Anmut und Vollkommenheit, und es ist kein Unterschied zwischen beiden, nur dass sie verschiedenen Geschlechtes sind. Doch habe ich noch einen anderen Gedanken, und der ist, dass wir je einen von beiden aufwecken, ohne dass der andere es weiß; und wer dann von heißerer Liebe zu dem anderen entzündet wird, der soll ihm an Schönheit und Anmut unterlegen sein.
Das nennen einige Soziologen "Ökonomie der Liebe": Der Hässlichere, weniger Begabte usw. liebt stärker. Der Schönere ist in ständigem Stress, ob er sich vielleicht doch "unter Wert" verbunden habe. Ein seltsames Konzept von Liebe, das aber mehr noch in der modernen Gesellschaft anzufinden ist: Man ist ständig mit Lebensalternativen konfrontiert und vor allem mit der Möglichkeit, tatsächlich noch mal alles umzuwerfen und "von vorne" zu beginnen.
Dahnasch verwandelt sich in einen Floh, beißt Kamar ez-Zamân und weckt ihn.
181. Nacht
Man vergleicht die beiden Schlafenden:
Ich sah mit meinem Auge zwei Schlafende am Boden;
Auch wenn sie auf dem Auge mir lägen, liebte ich sie.
Dann singt Dämonin Maimûna ein Loblied über ihren "Geliebten".
180. Nacht
Dämon und Dämonin schließen eine Wette ab, wer den schöneren Geliebten habe.
Allerdings wetten sie um nichts. Das habe ich mich schon immer gefragt: Ob eine Wette ohne Einsatz überhaupt eine Wette ist.
Sie betrachten zunächst Kamar ez-Zamân, dann Budûr und können ihren Streit nicht schlichten. Also tragen sie Prinzessin Budûr schlafend neben den Prinzen, um im direkten Vergleich zu entscheiden.
179. Nacht
Der Vater dieser Schönen, so der Dämon weiter sei ein Tyrann, der seiner Tochter sieben Schlösser gebaut habe, und zwar aus:
-
Kristall
-
Marmor
-
chineischem Stahl
-
Edelsteinen und Juwelen
-
Mosaik aus buntem Ton und Achat
-
Silber
-
Gold
In diesen müsse sie abwechselnd wohnen. Der Name der Prinzessin sei Budûr und sie habe eine Abneigung gegen das Heiraten. Daraufhin habe ihr Vater sie eingesperrt und das Gerücht verbreiten lassen, sie sei geistig umnachtet.
Nachtigall, ick hör dir trapsen. Zwei schöne Heiratsunwillige. Es müsste doch mit dem Teufel zugehen…
Der Dämon schaut sie nun jeden Tag an und betrachtet sie gewissermaßen als seine Geliebte. Es kommt zum Streit zwischen Dämonin und Dämon, wer den schöneren Menschen habe.
178. Nacht
In der Gegend, von der der Dämon spricht, herrscht König el-Ghajûr,
der Herr der Inseln und der Meere und der sieben Schlösser.
Dessen Tochter sei unendlich schön, u.a.:
sie hat zwei Brüste wie Kästchen aus Elfenbein, von deren Glanze Sonne und Mond ihr Licht entleihn; und einen Leib mit Falten so zart wie koptisches Gewebe von ägyptischer Art.
Die Beschreibung ihrer Schönheit zieht sich über anderthalb Seiten hin, und dabei habe er seine
Beschreibung kurz gemacht, da ich fürchte, sie würde sonst zu lange dauern.
Bemerkenswert wieder das Lob schwerer Hüften:
Die Hüften hängen an ihrem zarten Rumpfe
Und diese Hüften handeln schlecht gegen sie und mich.
Sie halten stets mich fest, wenn ich nur an sie denke,
Und ziehen sie herab zum Boden, erhebt sie sich.
177. Nacht
Angesichts der Schönheit von Kamar ez-Zamân gelobt die Dämonin:
"Ich will ihn behüten vor allen Gefahren."
Sie steigt nun hinauf und begegnet einem weiteren Dämonen namens Dahnasch, der von ihr Gnade und einen Freibrief erbittet. Er käme
vom äußersten Ende Chinas
wo er etwas wunderbares gesehen habe.
176. Nacht
Kamar ez-Zamân fährt fort zu beten, und zwar folgende Suren:
die Kuh, das Haus Imrân, Jasîn, der Barmherzige, "Gepriesen sei der Herrscher", das reine Bekenntnis, und die beiden Talismansuren; dann schloss er mit der Anrufung176.
Wir erfahren von seinem Nachtlager:
-
Matratze bezogen mit Satin aus Ma’dan, gefüllt mit Seide aus Irak
-
Kissen aus Straußendaunen
-
Hemd aus Wachsleinwand
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Kopfbedeckung: blaues Kopftuch aus Merw
Im Saal befindet sich ein römischer Brunnen, in dem eine Dämonin namens Maimûna, der Tochter von ed-Dimirjât.
Unklar: Bezeichnet "römischer Brunnen" die Herkunft oder die Bauart?
176 M.a.W die Suren 2, 3, 36, 55, 67, 113, 114 und Nr. 1. Er wird ganz schön lang bebraucht haben.
175. Nacht
Sowohl Schehrimân als auch sein Sohn Kamar ez-Zamân hadern mit der Situation, rezitieren Trauergedichte und beten.
174. Nacht
Man sperrt Kamar ez-Zamân in einen Saal im Turm, wo er sein Schicksal verflucht. Unwirsch befragt nun der König seinen Wesir:
"Wisse, Wesir, du bist die Ursache von alledem, was zwischen mir und meinem Sohne vorgefallen ist, denn du hast mir damals den Rat gegeben. Was rätst du mir aber jetzt zu tun?"
Vierzehn Tage warten.
173. Nacht
Im kommenden Jahr befiehlt ihm nun König Schehrimân in Anwesenheit der Wesire, Emire und Krieger, zu heiraten, worauf er entgegnet:
"Niemals werde ich mich vermählen, auch wenn ich den Becher des Todes trinken müsste, du bist ein Mann von großem Alter, aber von keinem Verstand."
Das geht dem Herrn Erzeuger nun über die Hutschnur:
"Wehe dir, du Bastardblut, du schändliche Brut! Wie darfst du mir so antworten vor meinen Kriegern und meinem Heere? Freilich, bisher hat dich noch niemand gezüchtigt."
172. Nacht
Der Wesir rät König Schehrimân, seinen Sohn beim nächsten Mal in Anwesenheit der Emire, Wesire und Krieger zu bitten, so dass dieser sich schämen würde, eine Heirat abzulehnen. Kamar ez-Zamân wird nun zwanzig Jahre alt,
da war sein Blick ein größerer Zauberer als Harût, und das Spiel seiner Augen war verführerischer als et-Taghût. (…) Sein Leib war schmaler als ein Faden im Gewand, und seine Hüften waren schwerer als Hügel von Sand.
171. Nacht
In seiner Weisheit zürnt ihm der Vater nicht, sondern gewährt Kamar ez-Zamân ein weiteres Jahr des Reifens und Schönerwerdens. Doch auch im Folgejahr verweigert sich der Sohn:
Wen die dreisten Dirnen fingen,
Der sieht keine Rettung mehr,
Baut er sich auch tausend Burgen
Bleiumgossen ringsumher.
Ja, ihr Bau ist ganz vergeblich,
Unnütz stehn die Festen da;
Denn die Frauen überlisten
Jeden Mann ob fern und nah –
Sie, die ihre Finger färben
Die das Haar der Zöpfe drehn,
Sie, die ihre Wimpern schminken,
Die auf Gifttrank sich verstehn!
Das ist ja mal ein lustiges Gedicht – Schminken und Vergiften als Fähigkeiten derselben Kategorie!
Die Frauen sind, wenngleich man sie ob Keuschheit rühmt,
Nur Kehricht, bei dem die Geier schweben, um zu wühlen.
Zwar gestern galt noch dir allein ihr lispelnd Wort;
Doch morgen wird ihre Wade und Hand ein andrer fühlen –
Ein Gasthaus, in dem du wohnst, von dem du dich morgens trennst,
In dem nach dir ein andrer wohnt, den du nicht kennst.
Man möchte ihn glatt bemitleiden für seine Furcht vor Frauen.
170. Nacht
Die Geschichte von Kamar ez-Zamân
Wieder haben wir es mit einem König – namens Schehrimân – zu tun, der in hohem Alter noch keinen Sohn hat und ob dieses Problems seinen Minister befragt.
Jener Wesir antwortete ihm: "Vielleicht wird Gott doch etwas geschehen lassen. Drum vertraue auf Allah, o König, und bete zu ihm inständigst!"
Was sonst sollte der Wesir auch raten. Vielleicht ist das inständige Beten übrigens tatsächlich auf eine Art hilfreich. Immerwährendes Beten erschöpft, so wie das ständige Sprechen eines Wortes, es verliert den Wortsinn für den Sprecher. So kommt man in einen Zustand des inneren Loslassens. Vielleicht nicht unwichtig für einen alternden König mit Erektionsproblemen.
Er hält sich an des Wesirs Anweisung und tatsächlich empfängt die Gemahlin und gebiert ihm einen schönen Knaben, den sie wegen seiner Schönheit Kamar ez-Zamân nennen.
Ich vermute, die Geschichte spielt in Persien.
Als der Sohn alt genug ist, will der König ihn vermählen, doch dieser sträubt sich.
Wen ihr mich nach Frauen fragt, so wisset:
Ich kenn die Art der Frauen alleweil.
Ergraut des Mannes Haupt und schmilzt sein Geld,
Hat er an ihrer Liebe keinen Teil.
Es fragt sich, ob hier Misogynie, Homosexualität oder Angst vor dem Erwachsenwerden der Hauptgrund dieses immer wiederkehrenden Motivs ist.
169. Nacht
In Bagdad trifft unser Juwelier die Sklavin wieder, die ihm vom Ableben Schams en-Nahârs berichtet, die während eines Trink- und Gesangsgelages mit dem Kalifen, Musikern und Sängerinnen ihren Tod fand.
Und in heftigem Schmerz um ihr Hinscheiden befahl er [der Kalif], alle Geräte, alle Lauten und alle anderen Musikinstrumente, die in dem Saale waren, zu zerbrechen.
Erinnert mich an Hannes Hegens Digedags-Comics. Sobald Musikinstrumente auftauchten, konnte man sich sicher sein, dass sie früher oder später beschädigt wurden.
Die Sklavin aber wurde vom Kalifen freigelassen.
Wenn das mal nicht ein schönes Happy End ist. Figuren (wie Abu el-Hasan) werden großspurig eingeführt und spielen dann absolut keine Rolle mehr, ein ewiges Hin und Her im Austausch der immerselben Nachrichten, und am Ende sind alle tot.
Storytelling: 4 minus.
Pracht: 3 minus
Figuren: 4 minus
168. Nacht
Der Juwelier berichtet Ali ibn-Bakkâr die schlechten Nachrichten. Sie beladen jeder drei Kamele, nehmen ein paar vertrauenswürdige Sklaven mit und reiten aus Bagdad fort. Prompt werden sie von Räubern überfallen, die die Sklaven töten und ihnen die Besitztümer rauben. Zu Fuß ziehen sie weiter, gelangen in ein Dorf und gehen dort in eine Moschee, wo sie das Frühgebet absolvieren. Ein alter Mann kommt dazu und lädt die beiden in sein Haus, um sich auszuruhen, aber wieder bricht Ali ibn-Bakkâr zusammen und bittet den Juwelier, im Falle seines Ablebens seine Mutter zu verständigen.
Erinnert mich hier in seinem Selbstmitleid arg an Tom Sawyer.
Aus der Ferne hört er ein Mädchen ein Klagelied singen und verstirbt.
Ups, doch nicht Tom Sawyer.
Der Juwelier kehrt zurück und richtet der Mutter den Tod Ali ibn-Bakkârs aus:
"Beeile dich, sein Begräbnis auszurichten."
So kann man’s auch sagen.
Übung Storytelling
Kinotrailer spielen, inklusive der Einsprecher, Titelzeilen, schnelle Brüche usw. Man sei so spezifisch wie möglich und orientiere sich an modernen Trailern. Es schärft die Wahrnehmung für Kino-Genres: Wie sehen Action-Filme, Horror, Sci-Fi usw. wirklich aus, statt nur Klischees in unseren Köpfen abzurufen. Das Übel, dass die Trailer oft die Story in 40 Sekunden erzählen, gerät uns zum Vorteil: Schnelle Schnitte, Gegensätze, Brüche, statt abgespulte, voraussehbare Handlungen.
Prunk und Beschränkung
Fast zur Obsession ist es bei Max Goldt geworden, die scheinbare Selbstverständlichkeit, Kunst lebe durch Beschränkung, durch Weglassen, infragezustellen: Kunst lebe durch Prunk. Ein schöner Gedanke. Allerdings hat auch jeder Prunk seine Beschränkung. Auch Goldts Prunk, sei es in den Katz-Cartoons, sei es in seinen Aufsätzen. Schon der Erzählton ist Beschränkung. Sie sollte aber für den Künstler natürlich zum blinden Fleck werden, damit er umso freier den Prunk erstrahlen lassen kann.
Germans and rules
„So when you are working with games or heavily structured improvisation, the Europeans are really quick to pick up on that and to really be able to do it within the structure. When you get into sort of looser forms like the Harold or things. like that, at least unstructured Harold, it is a lot harder to get them to cut loose to sort of be free form. It is very difficult sometimes. But there is a desire on the Europeans‘ part, particularly the Germans, who tend to sort of be about rules, to really adopt that. I think that is one of the things that really appeals to them about improvisation and long program improvisation in particular the desire to be free, free of these rules and still be able to tell a story, whereas in America or in the United States in particular, it is the opposite.“
Randy Dixon
http://ir.lib.sfu.ca/retrieve/2104/etd1733.pdf
167. Nacht
Nach einem weiteren Tag berichtet die Sklavin Schams en-Nahârs, dass diese eine Sklavin schalt, die einem Türhüter das Vergehen Schams en-Nahârs petzte, der es wiederum dem Kalifen berichtete, und dieser sperrte Schams en-Nahâr, bewacht von 20 Eunuchen, ein.
166. Nacht
Die Sklavin berichtet weiter dem Juwelier und meint, die Schams en-Nahâr erkundige sich nach dem Befinden von Ali ibn-Bakkâr. Außerdem händigt die Sklavin dem Juwelier 5.000 Dinare von der Odaliske als Entschädigung für seine Verluste aus.
165. Nacht
Am nächsten Tag trifft der Juwelier die Sklavin wieder und man berichtet einander das Erlebte aus verschiedenen Perspektiven.
164. Nacht
Am nächsten Morgen kommt ein Mann zum Haus des Juweliers, der behauptet, seine Geschichte zu kennen und Abhilfe schaffen zu können, wenn er ihm nur folge. Dies tut er. Man geht zu einem Haus, dessen Tür verschlossen ist, dann weiter zu einem anderen Ort, bis man aufs offene Feld kommt und dann zu einem Fluss.
Im Improvisationstheater erleben wir immer wieder, dass geschlossene Türen, Tore und Fenster etabliert werden, wenn die Handlung aufgehalten wird, quasi eine Art Blockieren des Handlungsfortschritts. Ein Boot – es ist offenbar derselbe Fährmann wie zu Beginn – rudert die beiden zum anderen Ufer. Der Mann führt den Juwelier in eine Gasse, öffnet dort eine Tür und die beiden betreten eine Halle. Der Juwelier – inzwischen äußerst müde – muss erkennen, bei Räubern gelandet zu sein.
"Ja, wir sind es, die gestern nacht deine Habe geraubt und deinen Freund mit der, die bei ihm sang, entführt haben." Da rief ich: "Allah lasse seinen Schleier tief über euch herabfallen."
Jetzt wäre es gut zu wissen, was Allahs Schleier ist.
Der Juwelier enthüllt die Identität von Schams en-Nahâr und Ali ibn Bakkâr.
Sie gingen hin, und entschuldigten sich bei den beiden.
Nette Räuber. Könnten direkt einem bundesdeutschen Kinderbuch entsprungen sein.
Sie entlassen die Gefangenen und geben dem Juwelier sogar einen Teil des Geraubten zurück.
Da ward mein Herz beruhigt; doch sie spalteten sich in zwei Parteien, die einen waren für mich, die anderen wider mich.
Man kann jetzt schon sagen, dass das für den Verlauf der Geschichte keine Rolle mehr spielt.
Sie lassen sich vom Fährmann übersetzen, dort werden sie von Wachsoldaten festgenommen, und die Ausrede, sie seien Sänger, zieht nicht. Erst Schams en-Nahâr muss dem Hauptmann etwas ins Ohr flüstern. Man führt sie zum Kalifenpalast, der Juwelier und Ali ibn Bakkâr dürfen nach Hause.
163. Nacht
Die Sklavin kommt abermals zum Juwelier, diesmal um ihm mitzuteilen, dass der Kalif den Palast verlassen hat, und die beiden Liebenden zusammengeführt werden könnten. Der Juwelier bietet daraufhin seine Zweitwohnung an. Tatsächlich schafft er, alles dorthin,
was die Gelegenheit erforderte, prächtige Gefäße und Teppiche; ich ließ Geschirr aus Porzellan und Glas, aus Silber und Gold dorthin bringen und rüstete alles, was an Speise und Trank nötig war.
Wer würde das heute schon für zwei eher entfernt Bekannte tun? Warum hier wieder Ich-Form des Juweliers?
Es kommt nun endlich zum Treffen, und man müsste schon ein schlechter Leser sein, wenn man nicht erriete, dass die beiden bei ihrer Umarmung in Ohnmacht fallen.
Man singt zur Laute Lieder, bis eine Sklavin mit der Meldung eintritt, das Haus sei umstellt, man müsse fliehen. Dem Juwelier, der glaubt, die Wache des Kalifen sei ihnen auf die Schliche gekommen, gelingt die Flucht übers Dach zu seinem Nachbarn, der ihm am nächsten Morgen berichtet, Räuber hätten das Haus geplündert und die Gäste erschlagen.
Dieser Dreh kommt nun ein bisschen deus-ex-machina-mäßig daher, aber besser solche Action als gar keine.
162. Nacht
Schams en-Nahâr verschwindet, und der Juwelier macht sich auf zu Ali ibn-Bakkâr, um ihm von den neusten Ereignissen zu berichten und ihm für eine Vereinigung der beiden, seine Zweitwohnung anzubieten.
Wäre ich an König Schehrijârs Stelle, hätte Schehrezâd nun so langsam allen Grund, um ihr Leben zu bangen.
