Miles Davis – die filmische Biografie

„Man braucht Musiker um sich, die denken. Keine, die bequem sind. Ich kann keine bequemen Leute um mich haben. Nichts kommt von denen zurück, man kriegt gar nichts.“ – Miles Davis Miles sagte: „Keith, weißt du, warum ich keine Balladen mehr spiele?“ Ich sagte „Nein.“ Er sagte: „Weil ich so gern Balladen spiele.“ Daran erkennt man den Künstler. Er muss erkennen können, dass auch das, was er liebt, Neuem weichen muss. Miles hätte lieber eine schlechte Band gehabt, die furchtbare Musik spielt, als eine Band, die das spielt, was er zuvor gespielt hat. Und das geht sogar gegen seinen eigenen natürlichen Instinkt. Und das macht seine Musik zu einem Schöpfungsakt. – Keith Jarrett

„Spiel einfach Fis-G-Fis-G!“ „Das ist alles?“ „Ja.“ Wir spielten, dann hielt Miles die Band an und fragte: „Was machst du denn da? Willst du immer nur Fis und G spielen?“ Und ich sagte: „Sorry, aber ich spiele nur, was du gesagt hast. Ich kann auch gern mehr spielen.“ Wir fangen noch mal an, und diesmal spiele ich alles; Fis, G, As, A bis Z, jeden Ton auf meinem Bass.“ Miles unterbricht wieder und fragt: „Mann, was machst du denn da? Spiel einfach Fis und G und halt die Klappe.“ Und da merkte ich, dass er mich nur verscheißert. Er ist einfach cool. Am besten, ich ignoriere ihn und spiele, wie ich es für richtig halte. Ich spielte und diesmal zogen wir die Aufnahme voll durch. – Marcus Miller

Patricia Ryan Madson: Improv Wisdom – Impro-Weisheit

Ein schönes, leichtes, bescheidenes und dennoch umwerfendes Buch. Madson gelingt es, die Weisheiten, die wir so deutlich beim Improtheater erlernen und erfahren, ins alltägliche Leben zu übertragen. Die Kapitel:

  • Sag ja.
  • Bereite dich nicht vor.
  • Geh einfach hin.
  • Fang irgendwo an
  • Sei durchschnittlich
  • Sei aufmerksam
  • Halte dich an die Tatsachen
  • Halte den Kurs
  • Sieh die Geschenke
  • Mach bitte Fehler
  • Handle jetzt
  • Seid füreinander da
  • Genieße die Fahrt

Patricia Ryan Madson: Improv Wisdom – Impro-Weisheit

Negative Bestätigung

Viele gute Lehrer tun es entweder instinktiv oder bewusst: negative Haltungen zunächst bestätigen. Johnstone machte z.B. Spiele daraus: „Nur blockieren“, „Nur Fragen stellen“. Man könnte das ganze auch noch radikalisieren. Nina Wehnert berichtet gar von einem Contact-Impro-Lehrer, der zunächst den Widerstand und die Müdigkeit der Schüler bedient. Psychologischer Hintergrund: Ins Extrem getrieben werden alle Dinge öde, sogar das Müdesein. Hier liegt vielleicht ein guter Schlüssel für die Arbeit mit Einzelspielern, z.B. mit körperlichen und sprachlichen Gewohnheiten.

Selbstfesselung durch Rollen

Die Spielerin Y. tendierte dazu, geh- und sehbehinderte Omas zu spielen. Auch eine Form der Selbstfesselung. Der Blick- und Bewegungsradius wird eingeschränkt. Offenbar versucht unsere Körper-Seele-Apparat auf diese Weise Sicherheit zu erlangen. Für die Impro nicht gerade förderlich, werden doch auf diese Weise die Möglichkeiten beachtlich reduziert. (Die Ironie der Geschichte: Y. warf ihren Mitspielern vor, diese würden sie ständig als Oma etablieren.)

Schulenpopulen

Manchmal wird so getan, als sei eine Impro-Schule eine zwingende Notwendigkeit, um gut improvisieren oder Improtheater spielen zu können. Großartige Improvisierer wie Helge Schneider oder das Pärchen Dean Martin/Jerry Lewis beweisen das Gegenteil. Dasselbe gilt für Schauspiel. Schauspielschulen werden manchmal auf seltsame Weise fetischisiert. Natürlich haben sie ihren Wert. Talente aber lernen überall. Gute Schulen sind vielleicht ein effizienter Weg des Lernens. Sie sind aber keinesfalls, wie manchmal getan wird, eine Garantie für gute Leistung. Ein Schüler von XY zu sein, sagt überhaupt nichts. Selbst eine renommierte Schauspielschule abgeschlossen zu haben, beweist ja nur, dass man ein paar Prüfungen bestanden hat. Tatsächlich kann man sogar in manchen Impro-Biografien lesen, wie es jemand für qualitätsrelevant zu halten scheint, einen Kurs bei Keith Johnstone abgeschlossen zu haben. Arme Künstlerseele.

Vor der Show

Es gibt kein Patentrezept für die Zeit vor der Show. Je nach Gruppe und Auftritt wieder muss man sich fragen: Was brauche ich, was brauchen die anderen, was brauchen wir gemeinsam, um eine gute Show zu spielen?

Es scheinen sich allerdings ein paar wieder auftretende Muster deutlich zu werden:

  • Spielern, die über ein hohes spielerisches, stimmliches, improvisatorisches und körperliches Potential verfügen und außerdem gut miteinander vertraut sind, dürfte ein gemeinsamer Kaffee vor der Show genügen.
  • Gibt es ein paar Überaufgeregte in der Gruppe, sollte dieser überschüssigen Energie ein fokussiertes Ventil gegeben werden: konzentrierte und gleichzeitig energetische Warm Up Spiele.
  • Ist die Energie eher unterspannt, sollte man auch diesem Impuls zunächst ein paar Momenten nachgeben, um sich dann im klassischen Sinne aufzuwärmen.

Fokus sollte in jedem Fall auf der Show liegen, zu viel Smalltalk vermeiden. Energien bündeln statt verschießen.

102. Nacht

Dhât ed-Dawâhi hatte, so erfahren wir, dem König Afridûn über ihre Listen benachrichtigt, so dass das christliche Heer die verbliebenen Moslems herfiel.

Und die Dreigötterverehrer schauten gierig auf das Volk des Glaubens drein.

Vater, Sohn und Heiliger Geist. Die Dreifaltigkeitslehre wird durchaus auch nicht von allen Christen anerkannt.

Nach der Schlacht beschließen die Christen, den Moslems ein Angebot zu machen, die Sache im Zweikampf zu entscheiden.

Dies kennen wir schon aus der 90. Nacht.

Die Christen sind sich ihrer Sache sicher und saufen die ganze Nach hindurch.
Afridûn selbst tritt zum Kampf gegen Scharkân auf.

Unklare Waffe: Speer aus Chalandsch 102

Scharkân saß auf einem edlen braunen Pferd, das war tausend Goldstücke wert.

Erinnert an den Gag von Helge Schneider über das wertvolle Klavier, das "über tausend Mark" gekostet habe.

…und so kämpften sie unverwandt, bald angreifend, bald zurückgewandt, spielend und in ernstem Ringen.

Das Wort Spielen mag in diesem Zusammenhang auffallen. Aber wer einen spielerischen Geist sein eigen nennt, wird auch angesichts des Todes spielen. (Stephen Nachmanovitch)

Afridûn bemerkt, dass Scharkân doch nicht so leicht zu besiegen ist, wie er dachte und packt ihn bei der Ehre:

"Ich sehe, dein Tun ist nicht preisenswert, dein Kampf ist nicht wie der eines Fürsten bewährt, sieh, wie dein Volk dich gleich einem Sklaven ehrt."

Der billigste Kindertrick, auf den aber ein so kindischer Brüllaffe wie Scharkân natürlich hereinfällt.

Tatsächlich dreht sich Scharkân zornig nach seinem Volk um und Afridûn nutzt den Moment, um seinen Wurfspieß zu schleudern. Im letzten Moment weicht Scharkân aus, aber an der Haut geritzt sinkt er zu Boden in Ohnmacht. Afridûn glaubt, der Sieger zu sein. Doch Dau el-Makân schickt Reiter zu Hilfe.

Klarer Bruch der getroffenen Vereinbarung. Aber Verträge mit Christen gelten hier wohl nichts.

Das scharfe jemenische Schwert tat gute Arbeit.

Schwerter aus dem Jemen?

 

 

102 Möglicherweise ist damit Khalanj (Birkenholz) gemeint.

Erfreuliche Improvisation

Ich glaube, ein großer Teil der Freude, die wir aus Improvisation und besonders aus improvisiertem Theater ziehen, liegt in der Bewunderung für mutige Entscheidungen, die einen in unerwartete und ungewöhnliche Situationen bringen.
Deshalb ist es auch oft schöner, einer unbefangenen Anfängertruppe zuzuschauen als einem fortgeschrittenen Ensemble, das nur dabei ist, alles „richtig“ machen zu wollen.
Das ist natürlich kein Plädoyer gegen das Lernen, sondern dafür, das Lernen und die weitere künstlerische und improvisatorische Entwicklung spielerisch zu gestalten.

Fahr zur Hölle / Drop dead Keith

In „Theaterspiele“ („Impro for Storytellers“) beschreibt Keith Johnstone die seltsame Angewohnheit einiger Spieler, sich durch Blickkontakt zum Lehrer immer wieder abzusichern. Er empfiehlt dafür, den Schüler „Drop dead, Keith!“ sagen zu lassen. Ich hab es ein paar Mal versucht. Ohne Erfolg. Vielleicht sollte ich länger auf diesem Trick bestehen, andererseits funktioniert er möglicherweise auch nur für Johnstone.
Eine Schülerin suchte permanent Augenkontakt – nicht nur zu mir, dem Workshopleiter, sondern auch ständig zu den Mitspielern auf der Bühne und zu Zuschauern im Publikum. Wenn man sie bat, über die Zuschauer hinwegzusehen und diese gleichermaßen mit einzubeziehen, ging ihr Blick wie nach innen. Die vorübergehende Lösung: emotionale Beschäftigung der Spielerin.

Von Comics Komik lernen

(c) TOM hat im Laufe der letzten Jahre seinen Stil immer mehr verfeinert (wenn man mal von der ewig unkomischen Postoma absieht).Die Pointe liegt meist in dem, was man nicht sieht. Die Impro-Spieler könnten sich mal davon eine Scheibe abschneiden.


(Abbildung nur zu Studienzwecken. Alle Rechte beim Zeichner (c) Tom. Bild wird auf Verlangen unverzüglich gelöscht.)

101. Nacht

Von blutigen Tyrannen und Despoten ist hier ständig die Rede. Ein Blick aufs heute zeigt, wie sich die Zeiten geändert haben. Der Vollblutdemokrat Putin erobert in den Gebieten, die am meisten unter seiner Knute zu leiden haben, die meisten Stimmen. 99% in Tschetschenien.

***

Dhât ed-Dawâhi reitet nun zu den verbleibenden Truppen, und schickt diese in den Kampf gegen die Christen, zur Unterstützung von Dau el-Makân, Scharkân und Rustâm. Der oberbefehlende Kammerherr schickt einen Recken namens Tarkâsch zusammen mit zehntausend weiterer Recken.

Sie weiß ja schon, dass der Kampf für die Christen dort verloren ist, also geht es ihr nur um eine Reduktion der Truppenstärke vor Konstantinopel.

Die Truppen unter Dau el-Makân und Scharkân glauben bei der Staubwolke zunächst an einen weiteren Angriff christlicher Heere, umarmen aber einander, als sie das Banner der Moslems mit der Aufschrift "Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist der Gesandte Allahs" sehen.
Scharkân hat immer noch nicht das Vertrauen in den "Heiligen" verloren, denn als sie nach einem Eilmarsch eine weitere schwarze Wolke sehen und diese sich als der Reit-Staub der Dhât ed-Dawâhi herausstellt, küsst er hier Hände und Füße.
Sie bittet das Heer, den Muslimen im Kampf vor Konstantinopel beizustehen, denn

die Heiden legten den Muslimen eine Falle.

Abermals ist der Kampf ja schon im Gange und die Moslems würden ihre Truppen ohnehin unterstützen. Es geht ihr also nur darum, das Vertrauen zu ihr ("dem Heiligen") zu erhärten.

Einzig Dandân bleibt skeptisch:

"Bei Allah, mein Herz schreckt zurück vor diesem Asketen; denn immer nur sehe ich Unheil entstehen von solchen, die übermäßig beten." (…) Dann ließ Scharkân dem Asketen eine nubische Mauleselin bringen. (…) Doch jener weigerte sich zu reiten und spielte den Entsagungsreichen.

Sie kommen zum Schlachtfeld, und die Moslems unter dem Kommando des Kammerherrn sind im Rückzug begriffen.

100. Nacht

Wie soll man Klavier üben? Das Wichtigste zu Beginn ist die richtige Haltung.

Ich hab’s immer noch nicht ganz raus.

***

Zunächst scheint Scharkâns Plan aufzugehen. Auf den Ruf "Allâhu Akbar!" springen die Christen auf und erschlagen sich vor lauter Panik gegenseitig, doch dann tritt ein, was Dau el-Makân befürchtet: Sie entdecken die Moslems, und es kommt zur Schlacht.

Scharkân aber schwieg.

Eine Tugend immerhin: Zu schweigen, statt sich in einem fort zu rechtfertigen.

Doch in diesem Moment kommt die vierte Kavallerie der Trupp von Rustam herbei und verhilft ihnen zum Sieg. Auf die Frage, wie es dazu gekommen sei, wird weitschweifig erklärt, dass die Generäle Verdacht witterten, als sie die Mauern Konstantinopels scharf bewacht sahen, die Stadt schien gewarnt. Und als dann die Könige nicht eintrafen, machte man sich auf den Weg, um ihnen in etwaiger Not beizustehen, während ein Teil des Heeres vor Konstantinopel wartet.

99. Nacht

Bei meiner Zahnärztin werden extra zum Weihnachtsfest Gutscheine angeboten: Zahnbleichung, Zahnprophylaxe und Zahnkosmetik. Aber wer will so etwas zu Weihnachten bekommen? "Oh danke, Schatz! Jetzt weiß ich, dass du meine Mundhöhle für unzumutbar hältst und warum du es seit Jahren ablehnst, mich auf den Mund zu küssen."

***

Nur noch fünfundzwanzig Mann sind Scharkân geblieben, und die "Ungläubigen" wollen nun kurzen Prozess machen:

"Wenn wir sie nicht im Kampfe bezwingen, so wollen wir sie durch ein Feuer ausräuchern."

Tatsächlich ergeben sie sich und geraten so in gemeinsame Gefangenschaft mit Dau el-Makân und Dandân. Man will sie töten, aber der Befehlshaber rät ab:

"Ihr Tod steht nun in der Hand des Königs Afridûn, damit er seinen Rachedurst lösche."

Wäre auch ein wenig seltsam, wenn nun alle stürben. Wessen Geschichte sollte man dann weitererzählen? Bei einem Schreibspiel, das ich vor einem Jahr für Kinder anleitete, sollte jedes Kind immer einen Satz hinzufügen. Einem Achtjährigen machte es besonderes Vergnügen, egal wo die Geschichte gerade war, zu schreiben: "Und da waren alle tot."
Anders als meine Kollegen, die eine psychische Störung vermuteten, glaube ich dass er lediglich, den Tod als effektives narratives Werkzeug für sich entdeckt hatte.

Als die Nacht anbricht, beginnen, die Christen zu saufen,

bis sie alle auf dem Rücken lagen.

Über seine Gefangennahme

ergrimmte Scharkân, und er seufzte im Übermaß seines Zornes und reckte sich, bis seine Fesseln sprangen; und als er frei war von seinen Banden, trat er zu dem Hauptmann der Wache, zog ihm den Schlüssel zu den Fesseln aus der Tasche und befreite Dau el-Makân und den Wesir Dandân und die übrigen Gefangenen.

Anscheinend haben wir die Welt der Ilias-Motive verlassen und sind nun bei Karl May angelangt, leider ohne Anschleichszenen und Überrumpelungslisten. Die Christen sind hier schlicht zu doof und zu besoffen.

Man erbeutet Pferde, und Scharkân gelingt es, einen Haufen Waffen mitzuschleppen. Sein Vorschlag, die Wachen umzubringen, wird aber von Dau el-Makân abgelehnt. Ebenso der wahnwitzige Rat, sich auf die Bergspitzen zu stellen mit dem Schlachtruf "Allâhu Akbar!" Masse zu suggerieren und so das christliche Heer zu verschrecken und in die Flucht zu schlagen.
Auf diesem zweiten Vorschlag beharrt Scharkân allerdings und untermauert ihn mit dem seltsamen Argument:

"Es kann nur Gutes daraus entstehen."

Was für den Fortlauf der Geschichte sicherlich stimmen mag, für das Verhältnis der Brüder sicherlich nicht.

98. Nacht

Seit fast achtzehn Jahren lese ich die zitty. 1990 im März habe ich das erste Heft für damals 9 Ostmark gekauft und habe in den ersten Jahren jedes Heft von vorn bis hinten studiert. Man kann sagen, dass mir zitty geholfen hat, im Westen anzukommen. Die besten Comics von Woessner und Fickelscherer schnitt ich aus. Mit Didi und Stulle von Fil tue ich das heute noch. Ich habe alle Aufs und Abs der Zeitschrift erlebt, bis hin zu den schrecklichen Layout-Tragödien, die nun Mitte dieses Jahr ein Ende hatten. Ein tolles Heft.
Und nun ist es vorbei. Ich werde mein Abo kündigen. Warum? Ganz einfach. Der Abdruck des Programmteils (also des Teils, weshalb man sich überhaupt eine Programmzeitschrift kauft), wird kostenpflichtig. Die Preise sind zugegebenermaßen nicht allzu hoch. Aber doch so, dass es sich manche Kleinveranstalter überlegen werden, ob sie diese Art von Hinweis überhaupt benötigen werden. zitty und tip auf dem schlechten Wege. Jetzt könnte man sagen, dann kauf dir doch den Tip. Aber Tip und zitty stecken inzwischen unter einer Verlags- und Management-Decke. Was soll mir aber eine Programmzeitschrift, die nicht mehr über das Programm anständig Auskunft gibt? Nur um Didi und Stulle tut es mir leid, aber dann werde ich eben die Alben kaufen. Das tut dann dem Portemonnaie von Philipp Tägert auch gut.

***

Dau el-Makân und Dandân betrachten ihre Lage und checken es immer noch nicht:

"Fürwahr: Ungehorsam gegen diese Heiligen bringt noch schlimmeres Unheil als dies; die Not, in der wir uns befinden, ist die gerechte Strafe."

Stellt der Autor die beiden absichtlich so dumm dar? Oder ist es ein Spiel zwischen den Werten Frömmigkeit und Klugheit, die, wie wir ein paar Kapitel früher erfahren haben, als hohe Werte unter muslimischen Königen gelten?

Mit harter verbaler Knute geht der antireligiöse Pat Condell gegen Religionen vor. Sehr hart und wahrscheinlich für die meisten ganz und gar nicht lustig. Mich etwa nervt sein latenter Nationalismus, das "Wir vs. Sie"-Gerede. Dennoch beachtlich: Jegliche Religion ist für ihn dummer Aberglaube.

 

Die Christen setzen den in der Höhle verbliebenen Moslems ein Ultimatum, und fordern sie auf, das Land friedlich zu verlassen.
Für Scharkân steht das völlig außer Frage.

Der Unwille zu Friedlichkeit bleibt hier bemerkenswert positiv besetzt.

Es kommt wieder zur Schlacht.

An jenem Tag schied sich der Feige vom Mutigen;
rot leuchteten Schwert und Lanze, die blutigen.

Obwohl sie wissen, dass sie eigentlich keine Chance haben, verharren sie noch eine Nacht in der Höhle, um darauf zu warten, dass der Heilige Hilfe holt.… Weiterlesen

Gags und Brechungen

Crossover-Impro mit Jochen Schmidt als Autor von der Chaussee der Enthusiasten. Erstaunliches szenisches Engagement. Gutes Gespür fürs Aufeinandereingehen.
Hinterher die Diskussion, wie man mit dem Impuls des Brechens und der Pointe umgeht. Vermutlich eröffnet sich hier noch ein sehr weites Feld, das mit dem Johnstoneschen Verbot des Gagging nicht abgehakt ist. Gags (bzw. Pointen), die das Gesehene auf den Kopf stellen, setzen im Prinzip einen Schluss, es geht nicht mehr weiter oder man muss von vorn anfangen.
Andererseits kann das gegenseitige Brechen der Perspektiven auch im angenehmen Flow geschehen, wie wir es bei den Chaussee-Dialogen erfahren. Es ist auch immer eine Frage des Spannungsbogens. Ein kurzer Sketch kann gut mit einem Gag beendet werden. Derselbe Gag kann tödlich sein, wenn wir uns in einem langen Narrativ befinden oder überhaupt eine Plattform bauen.
Jochen meint, die Frage liege darin, was man überhaupt will: Storys erzählen oder Sachverhalte beleuchten. In jedem Fall ist, so denke ich, der schnelle Gag der billigste. Die Freude an der langen fließenden Improvisation oder Komposition ist anhaltender. Aber dafür braucht sowohl das Publikum als auch das Ensemble Kraft.
Um etwas brechen zu können, muss ich auch erst mal die Kraft haben, etwas aufzubauen.

Das alles sind nur kurze Gedanken. Man müsste es noch genauer analysieren.

97. Nacht

Es hilft ja nichts. Nach mehrmaligem Innehalten, muss ich doch hier mal wieder das Tempo des Lektüre-Blogs anziehen. Inzwischen haben sich Bücher auf meinem Tisch angesammelt, die ich, ich wage es mir kaum einzugestehen, viel lieber bloggen würde: Luhmanns "Die Gesellschaft der Gesellschaft" und "Die Politik der Gesellschaft", Rimbauds gesammelte Gedichte, Shakespeares Historien. Wenn ich im jetzigen Tempo mit den 1001 Nächten weitermache, bin ich beim Ende 48 Jahre alt und reichlich märchenmüde. Nun also mehrere Nächte pro Tag, mt dem Ziel, das Ganze am 31.12.2008 abzuschließen.

***

Dhât ed-Dawâhi in Verkleidung des Heiligen schlägt Scharkân und Dau el-Makân vor, dass sie sich unsichtbar macht und

in Allah entschwunden sein wird,

so dass sie sich zu den Truppen vor Konstantinopel aufmachen kann, um mit zwanzigtausend Reitern zurückzukehren. Sie könne sogar zwei von ihnen mitnehmen,

denn der Schatten eines Heiligen kann nur zwei Menschen bedecken.

So willigt Dau el-Makân ein, ihr gemeinsam mit Dandân zu folgen, während Scharkân bei den Soldaten bleiben soll. Tatsächlich spazieren sie unbehelligt durch das Lager der (von der alten Dhât ed-Dawâhi instruierten) Soldaten und kommen am Engpass vorbei:

"Bei Allah, dies ist ein Wunder des Heiligen; kein Zweifel, er gehört zu den besonderen Freunden Gottes."

Dau el-Makân scheint so deppert wie sein Vater, der ebenfalls von der Alten ins Unglück gestürzt wurde.
Oder macht sich der Autor gar über den Heiligenglauben der Moslems lustig?

Und schon ergreifen die Soldaten die beiden.

Der Wesir Dandân rief: "Seht ihr nicht jenen dritten Mann vor uns?" Doch die Heiden erwiderten: "Beim Messias und bei den Eremiten, beim Primas und beim Metropoliten: wir sehen niemanden als euch."

Regeln und Freiheit

Etwas Grundsätzliches zum Lernen und Unterrichten. Impro-Unterricht sollte immer davon geprägt sein, Freiheiten zu eröffnen, statt zu verschließen. Um dies zu erreichen, kann es durchaus mal notwendig sein, bestimmte Dinge zu „verbieten“, wie z.B. in den gewöhnlichen Impro-Games eine bestimmte Regel aufgestellt wird, die bestimmte Züge gebietet und andere „verbietet“.
Manche Schüler denken, man wolle sie einengen. Z.B. wenn ich sie dazu auffordere, sich nicht körperlich selbst zu fesseln, sondern locker da zu stehen. Oder wenn man Schüler auffordert, auf den Mitspieler zu hören, anstatt einfach drauflos zu quatschen. Der springende Punkt ist in diesem Beispiel, dass die Information, die ich vom anderen bekomme, mich mehr bereichert und überrascht, als es mein eigenes Gerede tun könnte.
Aber auch Lehrer sind nicht frei von diesem Regelfetischismus, wenn sie z.B. glauben, eine Story könne nur auf eine bestimmte Art und Weise erzählt werden, ein Musical müsse auf eine bestimmte Art erzählt werden oder Schauspiel müsse auf eine bestimmte Art geschehen.
Sowohl Lehrer als auch Schüler sollten sich immer wieder neu befreien.

96. Nacht

Endlich Arbeit und Einkommen zu entkoppeln, würde wohl eine Menge Druck aus dem alltäglichen Miteinander nehmen. Zurzeit sieht’s doch so aus: Alle wollen einen Job, aber kaum einer will arbeiten, weil die Jobs so schrecklich sind. Es wird ein gigantisches Heer von Beamten damit beschäftigt, Menschen in irgendwelche „Maßnahmen“ oder Jobs zu zwingen, in denen sie unglücklich werden. Und das bei Androhung des Entzugs vom grundlegenden Einkommen. Sich nicht in Lohnarbeit zu begeben, sondern selbst zu bestimmen, was man tut, wird als irgendwie unanständig angesehen. Ehrenamt schön und gut, aber bitte nur die Zahnarztgattin.
Der Gedanke eines bedingungslosen Grundeinkommens, ist inzwischen bei allen großen Parteien angekommen. Vor allem die SPD hadert noch sehr damit, ist doch gerade bei denen der Gedanke, dass Arbeit und Einkommen zusammengehören, fest verwurzelt. Schlimm auch, dass sich die Verfechter der Idee eher gegenseitig beharken, statt miteinander zu kämpfen. Man mosert über die Begrifflichkeit: Bürgergeld oder Grundeinkommen. Über die Höhe: 400, 800 oder 1.600,- Euro. Vor allem aber unterstellt man dem politischen Gegner bösen Willen. Aus dem Kampf um die Sache wird eine Ideologieschlacht. Eine kleine Liste von Gruppen, Personen und Parteien, die für ein bedingungsloses Grundeinkommen kämpfen oder gekämpft haben:

***

Das Heer bricht nun nach Konstantinopel auf, während Dau el-Makân, Scharkân, Dandân und Dhât ed-Dawâhi sich heimlich auf den Weg ins Kloster machen und dabei ein paar bewaffnete Reiter aber auch Maultiere und Kisten für die erwarteten Schätze mitnehmen.

Nun hatte die Hexe dem König von Konstantinopel auf den Schwingen eines Vogels eine Botschaft zugesandt, darin machte sie ihn bekannt mit allem, was geschehen war.

Dies dürfte eine Brieftaube gewesen sein, was aber zu der Zeit bei den Arabern bekannt war. So hielt sich der syrische König im 12. Jahrhundert bereits Brieftauben. Zu den europäischen Christen kam dieses Kommunikationsmittel anscheinend erst durch die zurückkehrenden Kreuzfahrer.

In dem Brief bittet sie den König, den Berg des Klosters heimlich zu umzingeln und weiht ihn ein in ihren Plan, der allerdings auch beinhaltet, den im Kloster lebenden Mönch Matruhina zu töten.
Tatsächlich finden sie den großen Schatz, töten den Mönch und warten drei Tage auf die von Dhât ed-Dawâhi versprochene Jungfrau, die aber, da sie die Anwesenheit der Muslime wittert, fernbleibt. Man beginnt den Abstieg vom Berg. und prompt fallen die christlichen Heere über sie an einem Engpass her.
Dandân rät, in einer Höhle Zuflucht zu suchen, doch Dhât ed-Dawâhi spornt sie zum Kampf an.

Wohl in der Annahme, dass diese Kampfeshelden an diesem Ort keine Chance haben.

Doch sie halten sich bis zum Einbruch der Nacht und verkriechen sich erst dann in die Höhle. Man vermisst den „Heiligen“ (Dhât ed-Dawâhi). Und kurz darauf kommt sie mit dem abgeschlagenen Kopf eines der christlichen Feldherren an.

Dieser war freilich schon vorher tot. Aber sie kann nun behaupten, ihn mutig im Kampf getötet zu haben und etwaige Zweifel an ihrer Story zerstreuen.

Schlimmes Publikum

Mehrfach habe ich hier hingewiesen darauf, dass man sich nicht zu leicht von einer Handvoll zu nerviger Zuschauer ins Bockshorn jagen lassen muss. Mit einer Art Bühnen-Aikido lässt sich so etwas gut habndhaben, wenn man das trainiert hat: Schlechte Energie in positive verwandeln.
Aber es gibt Grenzen: Zu Gast bei einer Mix-Show, die an schlechter PR litt. Im Publikum drei zufällig hereingestolperte Gäste und 6 betrunkene Punks der übelsten Sorte, die wegen eines Liedermachers gekommen waren, der in diesen Kreisen einen gewissen Ruf hatte.
Natürlich kann man auch in solch einer Situation versuchen, das ganze als eine Art öffentliches Training aufzufassen oder sich auf eine Art Kräftemessen einlassen. Andererseits fordern solch extreme Situationen auch den eigenen Charakter sehr heraus. Wenn es dann der Veranstalter nicht schafft, die Pöbler zu entfernen, muss man sich nicht schämen, den Auftritt abzublasen.
Mit Foxy Freestyle bemühten wir uns immerhin, den drei anständigen Gästen einen Happen zum Ankosten zu geben und trösteten sie hinterher mit einer Freikarte. Aber das Improvisieren wird ja auch nicht gerade leichter, wenn man 50% der Aufmerksamkeit den störenden Idioten widmen muss.
Für immer im Gedächtnis wird mir da ein gemeinsamer Auftritt mit Tube bleiben. Wir mussten als Vorprogramm einer Punkband lesen. Die Punks grölten. Ich versuchte, die Störungen irgendwie zu integrieren. Tube hingegen las eisern seinen Text vor, wie er es immer tut, und zog dadurch zumindest einige der Zuhörer auf seine Seite.

Der Pate

„In all of my films I try to have a couple of weeks to have the all the cast together and very often if the first time the actors work together they do so in improvisation especially sensual improvisation: eating together or preparing food together. Or doing some activity that you touch and making something together. And for the Godfather what I did in Patty’s restaurant uptown: they had a backroom. And before the cast really knew each other, I arranged to have a family style table put in that backroom. And I had all this Italian food. (…) And I just told them to have an improvisation as a familiy, you know, talk while eating (…). And I very much believe that it was in that first improvisation that they established what it was like for them to be a family. And I always have felt that that improv and other things we did afterwards really gave them something fundamental that helped them throughout every scene that was to come and made it believable that they were brothers or father and son. (…)“
(Coppolla on Godfather)

Verknüpfungen

Wann soll verknüpft werden. Manche Spieler sind geradezu blind für in der Luft liegende Verknüpfungen, die sozusagen die Szene „rund“ machen, andere sind übereifrig im Verknüpfen. Im Grunde sind zu flinkeVerknüpfungen auch eine Form des Gagging. Das superschnelle Benennen macht ist eine Form des „Comic Relief“, die den für lange Szenen oder Stücke notwendigen Spanungsbogen zu schnell aufhebt.
Wie man damit umgeht? Keine Ahnung. Zuschauen, ausprobieren, Sensibilität entwickeln.

95. Nacht

Gestern festgestellt, dass das Geschirr-Spülmittel, ein knappes Jahr lang gehalten hat. Es war ein Notkauf bei der Ausbeuter-Drogerie Schlecker, alle anderen Läden in der Umgebung hatten schon geschlossen, nur in dieser Sklaven-Hölle mussten die Ausgestoßenen noch schuften. 79 Cent hat es dort gekostet. Nun frage ich mich, wieviele Geschirrspülmittel ich noch in meinem Leben kaufen werde. Da ich mir mein Geschirr mit der Liebsten teile, kann man ausrechnen, dass eine Flasche wohl zwei Jahre hält. Wenn ich nicht auf Geschirrspüler umsteigen sollte, dann sind das, eine großzügige Lebenserwartung von noch 40 Jahren angesetzt, 20 Flaschen zu 79 Cent. Das heißt, ich werde in meinem Leben noch 15,80 Euro für Geschirrspülmittel ausgeben. Ich finde den Gedanken beunruhigend, aber warum? Weil er mich auf meine Endlichkeit hinweist oder darauf, dass Geschirrspülmittel-Hersteller eigentlich keine Rücksicht auf den Preis zu nehmen bräuchten. Aber tatsächlich gibt es Leute, die einen großen Aufwand beim Preisvergleich von Geschirrspülmitteln betreiben.

***

Die angeblichen syrischen Kaufleute berichten Scharkân und Dau el-Makân die Story vom einsiedelnden Mönch sowie von den noch auf dem Berg zu findenden Schätzen. Dhât ed-Dawâhi wird mit leuchtender Salbe auf der Stirn als der Einsiedler präsentiert.

Und Scharkân erhob sich vor ihr und küsste ihr die Hand.

Dabei wurde in der letzten Nacht noch ausführlich von ihrem üblen Geruch erzählt.

Genau wie den Vater Scharkâns und Dau el-Makâns macht sie nun auch diese beiden durch ausgiebiges Fasten glauben, es mit einem sehr frommen Menschen zu tun zu haben.
Sie erzählt den beiden nun eine umständliche Geschichte, wie sie (=der fromme Einsiedler) von christlichen Rittern über Jahrzehnte auf einer Burg gefangen gehalten wurde, wo auch eine schöne Jungfrau lebte, die nur in Verkleidung als Ritter fliehen konnte.

Auch in dieser Geschichte-in-der-Geschichte werden Motive aus der Rahmenhandlung aufgenommen, hier die Verkleidung einer Frau als Mann. Dhât ed-Dawâhi tut das immerhin unter der Gefahr, selbst entdeckt zu werden.

Sie bietet den beiden an, sie zu der Burg zu führen, damit der Schatz gehoben werden und das Mädchen gefangen genommen werden könne. Einzig der Wesir Dandân zweifelt an dem Bericht der Alten.

Ihre Worte wollten ihm nicht in den Sinn; dennoch fürchtete er sich, mit ihr zu reden, aus Scheu vor dem Könige.

Dau el-Makân steht nun vor dem Problem, dass er gerade einen Feldzug auf Konstantinopel führt, ihm aber Schätze und ein Girl locken. So schickt er den Heerführer Rustem voraus. Mit Scharkan, Dandân und hundert Rittern begibt er sich jedoch zu der Burg, begleitet von Dhât ed-Dawâhi.

Kraft der Fehler – Coppolla/Montana

Lenny Montana – ein Wrestler, spielt in „Der Pate“ den Killer Luca Brasi. Ungewohnt einen Text zu sprechen, friert er förmlich ein, als er vor Marlon Brando steht. Coppolla nahm dieses Missgeschick zum Anlass für die hübsche Idee, Luca Brasi seinen Text vorher „üben“ zu lassen, wodurch die Missgeschick-Stelle ihren Sinn bekommt.
The Power of Mistakes.

Freiheit

Es gibt ein paar wenige Menschen, die mir das seltene Gefühl überbordender endloser Freiheit vermittelt haben:

  • Ralf Petry
  • Aljoscha, Flake, Paul von Feeling B.
  • Erich Siebenschuh
  • Ahne
  • Leon Düvel
  • Michael Stein
  • Stephen Nachmanovitch

Menschen, die in einer Weise offen waren (oder zumindest diese Offenheit ausstrahlten), dass ich versuchte, soviel davon zu trinken wie möglich.

94. Nacht

Viel mehr als die Lektüre von Tausendundeine Nacht hat mich in den letzten dreieinhalb Jahren "Die Gesellschaft der Gesellschaft" von Niklas Luhmann beschäftigt. Pro Tag ungefähr eine Seite. Lektüre-Ort war derselbe Lokus wie jener, auf dem ich von 2000 bis 2003 die Bibel gelesen habe. Zwischendurch immer wieder. Man kann gewiss behaupten, ein Lektüre-Blog von "Die Gesellschaft der Gesellschaft" wäre allemal wichtiger für die Welt als die mit banalem Schnickschnack versehenen Geschichten aus Tausendundein Nächten. Nur habe ich schon mit der Darstellung und Kontinuität der 1001 Nächte meine liebe Müh. Wieviel mehr wäre das bei einer derartig komplexen Materie?

Outing: Mein Außen-WC in der Libauer Str. 9. Die Jahre 1991-2006.

Niklas Luhmann: "Die Gesellschaft der Gesellschaft", Hochzeitsfoto Hille Linders/Wilfred Takken, Zeitungsfoto Mike Tyson, Faschingsfoto meiner Schwester ca. 1976, Ausriss aus Feministenkalender 1995 von Eva Hernández, Cartoon von ©TOM, Foto-Cartoon mit Walter Ulbricht und Paul Robeson von Freimut Wössner, Hundekackverbotsschild (Zeitungsausriss), Schlüsselbund, Klopapierrolle leer, Klopapierrolle angefangen, Gassi-Tüten-Verpackung zweisprachig italienisch/deutsch von meinen Nachbarn Sandra Brust und Markus Groß aus Österreich (??) mitgebracht

Foto von Annie Lennox, Cartoon von Kriki

Bild einer Plastik "Kackender Hund" Ausriss aus taz 1990. Von wem die Plastik ist, weiß ich nicht, der Text darunter war ein Pamphlet von Freya Klier.

Foto Hundekack-Verbotsschild in Antwerpen, ca. 1993, König Baudouin I., Foto amerikanische Austauschstudenten 1953 an der FU Berlin, Foto Kinder in New York 30er, Foto Jugendliche in New York 80er, Straßen-Basketball – Angreiferin und Verteidiger (Ort unbekannt)  Ausriss aus taz, Mode-Trash-Queen, Eichhörnchen und Marder – antapezierte Bilder meiner Vorgänger.

Zeitungsausriss taz: Tanzende in Marokko, Zeitungsfoto verlierender Boris Becker, Zeitungsfoto verlierende Steffi Graf, Arbeitsschuhe – Bild aus "ZEIT-Journal" ausgesucht von Eva Hernández, Foto-Triptychon Viktor Timschin, aufgenommen von Stefan Müller, "Say no to Sex" Agitationsbildchen aus ghanaischem Aufklärungsheft, Cartoon von ©TOM, Foto von mir in Amsterdam vor Hundekackverbots-Schild, "Frauen bitte hinsetzen" – Bitte an Stehpinklerinnen, Brief meiner Nachbarn Sandra Brust und Markus Groß, in dem sie sich dafür entschuldigen, nicht mit mir essen zu gehen und stattdessen zur Fete de la Musique gehen, notiert auf einem Rechnungszettel einer portugiesischen Bibliothek

Foto von Karl Valentin, Foto von Spermien, die um eine Eizelle schwimmen, Doppelcartoon von ©TOM und OL

 

Foto von Jochen Schmidt/Dan Richter/Ralf Petry 1990 im Probenraum Kastanienallee 87, Ausriss aus "Morning Star" von 1989 (Gedächtniszitat): "Actress Una Stubbs and friend visited London’s Hyde Park yesterday to help launch SCOOP, the first national campaign against dog excrements that foul the public streets and places. The campaign is pointing out that up to 100 children go blind each year. Bild von Egon Schiele aus "Das Magazin", Bild von Hanns Eisler, Bild und Zitat von W.C.Fields: "I don’t drink water because fishes fuck in it.", Sonnenuntergang Heidelberg (ausgewählt von Eva Hernández), Bild "The Rolling Stones", Spaßpostkarte ausgewählt von Steffi Winny, Foto Prince aus Kumasi, Postkarte König Baudouin I. mit Fabiola von mir an Jutta Borostowski, Foto Christine Mohnhaupt und Anke Jahn 1987, Postkarte Charles und Diana von Jutta Borostowski an mich, Postkarte Königin Elisabeth II. von Jutta Borostowski an mich, Postkarte Papst Johannes Paul II. von Jutta Borostowski an mich

 

Schloss und Riegel.

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Die Christen willigen in den Plan von Dhât ed-Dawâhi ein. Unterdessen erbittet sich Dau el-Makân von seinem Bruder Scharkân bedingungslose Treue bei seinem Rachefeldzug:

"Ich will will fünfzigtausend Griechen hinrichten und dann einziehen in Konstantinopel."

Scharkân gibt zu bedenken, dass Frau und Kind auf ihn warten. Darauf Dau el Makân:

Versprich mir, Bruder, dass du mir, wen Gott mir einen Sohn schenkt, deine Tochter für ihn zur Frau gibst." "Herzlich gern", erwiderte Scharkân.

Das Cousinenehe-Motiv, ist uns hier schon früher begegnet.

Man rückt im Eilmarsch auf Konstantinopel vor und macht Rast auf einer großen Ebene.

Blick auf die lachende Wiese; ist es nicht,
Als sei ein grüner Mantel auf sie gebreitet?
Siehst du mit dem leiblichen Auge, dann schaust du nur
Einen See, in dem das Wasser sich wiegend gleitet.
Siehst du mit deiner Seele in seine Baumkronen hinein,
So schwebt über deinem Haupte ein Glorienschein.

Auf dieser Wiese nun begegnen sie den Syrern – den angeblichen Kaufleuten.

93. Nacht

Seit nunmehr zehn Monaten lerne ich Klavier. Jeden Tag übe ich zehn Minuten, Immer wieder dasselbe Stück. Damit hätte man mich früher in den Wahnsinn treiben können. Heute ist es die schönste Meditationsübung für ich. Ehrgeizlos erarbeite ich mir linke und rechte Hand eines der schönsten Klavierwerke Mozarts – der C-Dur Sonate KV 545 (Sonata facile), der langsame Satz. Wenn man bedenkt, dass ich vorher gerade mal wusste, wo die Tasten liegen, finde ich das einigermaßen ordentlich. Hier meine Fortschritte vom 24. Oktober 2007.

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Gute Boxer loben ihren Gegner, nachdem sie gewonnen haben, um ihr eigenes Ansehen zu erhöhen. In Trivialliteratur wie dieser wird darauf keine Rücksicht genommen. In „Schneewittchen“ ist die böse Stiefmutter immerhin auch schön. In „Frau Holle“ ist die böse, faule Stiefschwester auch hässlich. Wir bekommen eine kleine Beschreibung von Dhât ed-Dawâhi serviert:

Nun war aber jene Verfluchte eine schlimme Zauberin, im Hexen und Täuschen eine Meisterin, sie war eine liederliche Lügnerin, eine ausschweifende Betrügerin; sie roch aus dem Munde wie Kot; ihre Augenlider waren rot; ihre Wange bleich wie der Tod; ihres Gesichtes Farbe war dumpf; ihr Blick war trübe und stumpf; ihr Leib war räudig, ihr Haar war gräulich, ihr Rücken buckelig; welk sah ihre Haut sich an, und ihr Nasenschleim rann. (…) Bei ihrem Sohn aber, dem König Hardûb von Kleinasien, blieb sie hauptsächlich um der jungfräulichen Sklavinnen willen, denn sie war der sapphischen Liebe 93 ergeben. (…) Die Prinzessin Abrîza mochte nicht mit ihr schlafen, weil ihre Armhöhlen abscheulich rochen und weil ihre Winde noch ärger stanken als Leichengeruch, und obendrein war ihre Haut rauher als Palmenfaser.

Man beachte das „weil“ des letzten Satzes. Das heißt ja wohl, wenn die Alte nicht so abstoßend gewesen wäre, hätte Abrîza mit dem Beischlaf der Alten kein Problem gehabt.

König Afridûn gibt den „syrischen Kaufleuten“ einen Schutzbrief mit. Dhat ed-Dawâhi weiht die Kaufleute in ihren Plan ein. Sie selbst verkleidet sich als muslimischer Mönch und legt sich in eine Kiste. Die Syrer sollen behaupten, diesen aus der Hand der Christen befreit zu haben.

93 Sapphische Liebe = lesbische Liebe. Benannt nach Sapphos, einer der großen griechischen Lyrikerinnen, die auf Lesbos(!) lebte.

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