Ein Vortrag von Evelyn Glennie, der „gehörlosen“ Perkussionistin, über die Fähigkeit des Hörens in der Kunst.
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Der Beat
Wann editiert (vulgo: abklatscht) man den Mitspieler? Auf den nächsten Beat. Wann ist der nächste Beat? An der nächsten unpassenden Stelle. Nach der Frage, aber vor der Antwort. Nachdem der Mörder das Messer erhoben hat, aber bevor er zusticht. Nachdem der Ehemann seine Frau inflagrant ertappt, aber bevor sie mit ihren Ausflüchten herausrückt.
In jedem Fall: Früher als der Zuschauer es erwartet.
fehlender Spieltrieb
Wie ich bereits mehrmals schrieb, fiel es mir (und offenbar auch anderen Lehrern) immer leicht, Elemente des Improtheaters zu lehren, die ich mir selber bewusst aneignen musste: Schauspieltechniken, Erzähltechniken, radikales Akzeptieren usw.
Schwieriger zu vermitteln hingegen erschienen mir Dinge, die für mich nie ein Thema waren, hier vor allem der Spieltrieb.
Anfängerkurse beginnen in der Regel mit einer Botschaft der Hemmungslosigkeit: Alles ist OK, spiel einfach, au ja! Fast jeder springt darauf recht schnell an, und doch gibt es Schüler, denen das Spielerische so abgeht, dass sie stets den Sinn einer Übung oder eines Spiels hinterfragen, sich in „Kann-ich-nicht“ oder „Will-ich-nicht“ zurückziehen.
Oft ließ mich das sprachlos zurück. Ich fühlte mich an die alte Sanostol-Fernseh-Werbung erinnert, in der eine Gruppe Kinder fröhlich schreiend durch nasses Herbstlaub um die Ecke rennt. Hinterher trottet das eine lustlose sanostolbedürftige Kind.
Die Spielfreude immer wieder zurückzuerobern – darum geht’s. Und dafür brauchen wir immer wieder neue Übungen.
Shakespeare auf die Schnelle
Ich weiß ja, Improspieler wollen immer schnelle Listen, die ihnen die Arbeit erleichtern. Bitte sehr. Shakespeare für Eilige:
1. Reime: Es wird gereimt a) in Prologen und Epilogen, b) von Narren und in Liedern, c) die letzten 2 Zeilen einer Szene. Ansonsten ist alles ungereimt.
2. Ungebundene Sprache: Einfache gesprochene Sprache wird von einfachen Menschen – Bauern, Handwerkern usw. gesprochen.
3. Fünffüßige Jamben: Von allen anderen, insbesondere Adel und höheren Dienern. Ich denke, man muss sich nicht immer sklavisch dran halten, obwohl es so schwer auch nicht ist: Einfach einen normalen Vierer-Vers sprechen und noch ein betontes Element ranhängen, z.B. „Im FRÜHling SCHEINT die SONne OFT“ (und wir hängen ran: „am MORgen“). Wichtiger aber ist, und das kriegt man mit ein bisschen Übung recht schnell hin, ist die „Sprache mit Haltung“.
4. Im Dialog sich stets auf das beziehen, was der andere eben gesagt hat, ruhig auch Wörter oder Satzelemente zitieren.
5. Tragödie läuft idealtypisch so ab: Der Held versucht, das Gute zu tun, reitet aber gerade dadurch alle ins Unglück. Es stirbt fast immer einer mehr als erwartet. Oder es endet im gar greulichen Gemetzel.
6. Komödie: Beruht meistens auf Missverständnissen und Verwechslungen. Meines Erachtens schwerer zu spielen, da wir uns im Missverstehen verstehen müssen. Typisches Ende: Hochzeit.
7. Typische Themen: Umstrittene Thronfolgen, umstrittene Hochzeiten oder Liebschaften.
8. Typische Orte: Britannien, Italien, antikes Rom oder Griechenland. (Dänemark ist die eine bemerkenswerte Ausnahme.)
9. Typische Elemente: Belauschen, Verstecken, Maskieren, Schauspiel im Schauspiel.
10. Fast immer gibt es eine Art „Moral“ am Schluss, die entweder im Epilog oder von einer der Figuren explzit benannt wird. Auch hier macht sich ein Endreim gut, da er
sozusagen mit einem Tadaa das Ende markiert.
Gestern gespielte Figuren
1. musikalische Szene: Vater der Heldin / wahnsinnige Tante
2. Shakespeare-Drama: Narr / „Der schwarze Müller“
3. Passenger-Rolle im Game: Kellner
4. Chef im Finanzamt / Banker in Luxemburg
5. Oper: Raumschiffkapitän
Darunter keine Protagonistenrolle. Vermeidet man die manchmal? Unwohl fühlte ich mich als „wahnsinnige Tante“, da dadurch der eher dramatischen Szene ihre Wucht genommen wurde. Gut war der Shakespearesche Narr, da mir die Mischung aus Dreistheit, wortspielerischer Gewandtheit und Gefährlicheit ganz gut gelungen ist.
Man müsste sich mal Gedanken machen über Raumschiffszenen. Habe noch keine einzige spannende gesehen oder gespielt, von ein paar gelungenen Features mal abgesehen. Aber es muss möglich sein.
Foxy Freestyle im April 2009
Obszoenitaeten
In New York heute die fuenfte Impro-Show in Folge gesehen, die mit ekelhaften Obszoenitaeten begann. Man fragt sich: Warum? Wir spielen ja manchmal auch mit Zweideutigkeiten oder ueberschreiten mal gezielt eine Grenze, aber hier scheint es, gerade fuer Anfaengergruppen, typisch zu sein, ueber das Fallenlassen von Obszoenitaeten, Lacher zu erzielen. Masturbieren, Vagina, Analsex, Vergewaltigung, Unterleibskrebs, usw. usf. Natuerlich kann jedes dieser Themen Inhalt einer guten Improszene sein, aber hier hat man jedes mal das Gefuehl, einer besoffenen College-WG zuzuschauen.
Strukturell ist es ja nichts anderes als das Name-Dropping im politischen Kabarett. Schon das Wort „Merkel“ garantiert Lacher. Interessant ist aber, dass dieses Phaenomen des Obszoenitaetendropping in Deutschland so gut wie gar nicht auftaucht.
Psychologisch koennte man es vielleicht so deuten wie Keith Johnstone es angedeutet hat: Die Anfaenger-Spieler versuchen, ihre Grenzen zu ueberschreiten. Sie beginnen mit Stammelei, dann kommen die Obszoenitaeten, dann die depressive Phase. Und erst wenn all das durchschritten ist, lernen die Spieler zu „tanzen“.
Authentizität und „Authentizität“
Es ist sinnlos, beim Schauspiel von „authentischen“ Emotionen zu reden, wenn man Emotionen nur statisch auffasst. Das Geschick des Schauspielers liegt nämlich gerade in der Fähigkeit, einen flexiblen, dynamischen Umgang mit Emotionen zu finden, mit der eigenen Innenwelt zu spielen. Würden wir uns als Schauspieler von den eigenen Gefühlen, wie z.B. Trauer, Gier, Wut, Verliebtheit usw. forttragen lassen, wäre auch authentisches Spiel nicht mehr möglich. Die Zuschauer sähen dann nur noch einen sich peinlich gehen lassenden Spieler.
Tagtraum
Eine der wichtigsten Inspirationsquellen im Improvisationstheater ist das Tagtraeumen, etwa beim Schwimmen oder beim Wegdoesen in den Mittagsschlaf. Ich fantasiere improvisierte Szenen, Szenenanfange, moegliche Figuren, die ich noch nicht gespielt habe, dramatische Wendungen usw. Auch wenn ich spaeter nur wenig davon auf der Buehne umsetze, erweitert dieses Traeumen doch meinen Handlungsrahmen. So wird also nicht nur die Alltagsbeobachtung zur Inspirationsquelle, sondern auch das Driften.
Lebensvermeidung
Obama ueber den Zwang, bei politischen Wahlen nicht nur gewinnen zu muessen, sondern auch nicht verlieren zu duerfen:
„No matter how convincingly you attribute your loss to bad timing or bad luck or lack of money – it’s impossible not to feel at some level (…) that you don’t quite have what it takes, and that everywhere you go the word „loser“ is flashing through peoples‘ minds. They’re the sort of feelings that most people haven’t experienced since high school (…), the kind of feelings that most adults wisely organize their lives to avoid.“
Nicht nur als Politiker, sondern auch als Kuenstler sind wir einem Bewertungsdruck ausgesetzt. Ca. die Haelfte aller Impro-Anfaenger muessen eine gewisse Scheu des Sich-Blamierens ablegen. Aber es trifft eben nicht nur die Improspieler, sondern auch Kuenstler aus anderen Bereichen. Brando galt Anfang der 70er als Kassengift. Man kann das Publikum nicht ignorieren, denn diese sind ja die Rezipienten der Kunst, vor allem aber muss die Kunst einen Wert fuer den Kuenstler selber haben. Ich brauche als Kuenstler Ellenbogenfreiheit, um mich kuenstlerisch bewegen zu koennen. Natuerlich gibt es den Leser, den Zuschauer, das Publikum, das meine Kunst geniesst oder ablehnt, aber ich kann nicht jede meiner Bewegungen von den Amplituden der Konsumenten oder Kritiker abhaengig machen.
Witz im Improtheater
„Die besten Improszenen haben grossartige Dialoge, die aus gut gezeichneten Figuren entstehen die eine faszinierende, gedankenprovozierende Situation durchspielen.“ Andy Goldberg in „Improv Comedy“
Foxy Simpson
Inseln des Könnens
Wie gehen wir mit Szenen, Spielen, Fähigkeiten um, die uns nicht liegen, die wir scheinbar nicht beherrschen? Man suche sich Inseln des Könnens. Angenommen ich glaube, nicht singen zu können, so kann ich wenigstens den Takt klatschen. Angenommen, ich kann kein sinnvolles Gedicht improvisieren, so kann ich wenigstens lautmalerisch Reimen. Das Spiel mit Form ist uns gegeben. Wir können uns von diesen kleinen Inseln des Könnens aus bewegen, Brücken bauen in andere Gebiete der Kreativität. Es kommt darauf an, mit der improvisierend-spielerischen Haltung ans Werk zu gehen, mit dem zu spielen, was uns gefällt, was uns seltsam erscheint, und sogar mit dem, was wir völlig bekloppt finden. Indem wir es nämlich in die Hand nehmen und es formen, wird es zu unserem Werk.
Angst, nicht ernstgenommen zu werden
Aus der immerwiederkehrenden Betonung des Professionalismus bei Schauspielern scheint die Angst zu sprechen, nicht ernstgenommen zu werden. Vielleicht erwarten sie instinktiv doch noch, dass jemand faules Obst werfen oder den Dilettanten hinter der Maske erkennen könnte. Dazu Jaecki Schwarz in der taz:
Frage: Anna Maria Mühe, die Tochter Ihrer damaligen Filmpartnerin Jenny Gröllmann, sagt, dass sie sich selbst noch nicht als Schauspielerin bezeichnen würde, weil sie noch am Beginn dieses Berufs stehe …
Antwort: Ich finde diese Einstellung bewundernswert, weil sie so selten ist. Wenn man die Schauspielschule verlässt, ist man noch kein Schauspieler, und deshalb sind Laien, die in Serien und Soaps auftreten, für mich auch keine Schauspieler. Der Beruf ist nicht geschützt – jeder, der einmal vor drei Menschen auf einem Nudelbrett gestanden oder in einem Film eine Wurze gespielt hat, kann sich Schauspieler nennen. Ich bin der festen Überzeugung, dass man in diesem Beruf nie ganz fertig ist, man lernt ein Leben lang. Und gerade das finde ich schön, weil es kein fest vorgegebenes Ende gibt.
Wiederentdeckte Spiele – Werbe-Agentur
Ein Spiel zum Training des Au-Ja-Muskels und fürs hemmungslose Hinzufügen.
Ca. 4 Spieler. Vorschlag vom Publikum ein Produkt.
Jeder Werbe-Fritze macht nun einen Vorschlag zum Werbe-Clip:
– Wo soll der gedreht werden.
– Wer soll darin spielen.
– Was soll geschehen.
Alles wird begeistert aufgenommen. Jeder neue Vorschlag bezieht sich direkt auf den alten.
Anschließend wird der Clip gespielt.
Hinzufügen
Aus „Unsolicited Advice About Auditions“ aus dem Improtagebuch von Ben Whitehouse. Zum Thema Hinzufügen:
One of my favorite teachers Christina Gausas always says „An improviser shows their personal style by ‚anding‘.“ This is extremely true for auditions situations. remember how you „and“ is your signature. Only you „and“ the way you do, because let’s face it „Yessing“ is just agreeing with your partner’s „and.“ Be sure to give really jusicy „ands.“
Genau. Das Hinzufügen wird ja oft unterschätzt. Dabei geht es genau darum.
2. Show in der Kulturbrauerei
(4)
Storytelling und Regie
Übung für Strukturen und Langformen.
Zwei Schauspieler spielen eine Szene ohne zeitliche oder örtliche Veränderung.
Ein dritter Spieler führt von außen die Regie/das Buch/die Dramaturgie. Sämtliche Änderungen wie Orts und Zeitwechsel, Einführung neuer Figuren werden von ihm entschieden, und zwar konkret. Ebenso das Ende des Stücks.
Piep, Piep!
Wieder ausgegrabenes Spiel bei Johnstone, das ich völlig vergessen hatte und das gut geeignet ist, um Sprechern ein Gefühl für Publikumskontakt zu geben: Die Zuschauer haben den rechten Arm erhoben und senken ihn langsam. Der Sprecher hat die Aufgabe, während eines Monologs mit den Zuschauern immer wieder Augenkontakt herzustellen. Gibt es Augenkontakt hebt der betreffende Zuschauer wieder den Arm. Sinkt die Hand auf Kniehöhe macht dieser „piep-piep-piep“.
Johnstone macht in diesem Kapitel auch darauf aufmerksam, wie feindselig der „gleitende Blick“ wirkt. „Große Entertainer lösen das Problem, indem sie praktisch ununterbrochen Erkennungssignale aussenden – auch wenn die Lampen sie blenden – und überzeugen uns damit, dass sie uns gesehen haben.“
Become quieter – Zuschauerkontakt durch Stille
„The most reliable gauge of an audience’s interest is the extent to which they cough. A cough is a clear sign that a person has detached a little from the show and getting fidgety. I have heard that putting on a show is ‚the art of stopping people coughing.‘ (…) The lesson I quickly learned, which goes against every natural instinct when you are on stage showing off to people, is that they are losing interest and starting to cough, you must become quieter.“
Derren Brown: „Tricks of the mind“
Gegenstände spielen
Ein hübsches Feature, das bei Anfängergruppen oft noch in der Ausspinn-Phase zu finden ist, geht bei Profis leider irgendwann verloren: Gegenstände zu spielen.
Ich vermute, dass das damit zu tun hat, dass die Szenen sich auf Dauer ähneln. Oft handeln die Geschichten davon, dass sich die Gegenstände befreien, was vielleicht auf der Hand liegt, da wir sie sozusagen als unbeweglich im Kopf verankert haben.
Wichtig wäre also, der eigenen Logik der Objekte zu folgen und sie vor allem mit komplexen Emotionen auszustatten.
Premieren-Fotos
Schwierigkeiten, das Einfache zu lehren
Lässt sich wirklich das am besten lehren, was man selbst bewusst erlernt hat. Jahrelang glaubte ich, die wichtigste, wenn nicht gar die einzige Regel des Improtheater sei Akzeptieren. Das stimmt sicherlich für viele. Aber es gibt einige Anfänger, die sowieso alles akzeptieren, denen aber der Wille fehlt, die Bühne zu betreten, oder solche, denen der Sinn fürs Spiel abgeht. Beides hat mir nie auch nur annähernd gefehlt.
Tatsächlich funktionieren ja gerade deshalb viele Impro-Übungen: Weil sie als Spiel angelegt sind. Was aber, wenn jemand, genau diesen kindlichen Sinn, sich überhaupt auf ein Spiel einzulassen, verlernt hat? Man schreitet voran und der Schüler „erledigt“ brav und aufmerksam seine Aufgaben, aber er kommt nie ins Spiel. Die Spiel- und Übungsphantasie des Lehrers wird immer wieder herausgefordert. Kein Schüler ist wie der andere. Oder wie Luhmann sagen würde: Schüler sind keine Trivialmaschinen, die man mit etwas füttert, woraufhin das gewünschte Ergebnis herauskommt.
Premiere in der Alten Kantine
Unglaublich. 130 Zuschauer beim ersten Mal. Wir bemühen uns um eine Art Potpourri längerer und kürzerer Formate. Unsere Fähigkeiten zu zeigen, unsere Freude zu teilen, schnell zu improvisieren.
Bis auf ein paar Stolpersteine, die vielleicht einer nervösen Premieren-Hektik geschuldet sind, ein freudiger Abend. Auf dass es so schön weitergehe.
Wahrheit und Schmerz
„Komik = Wahrheit + Schmerz“, meint John Vorhaus und belegt das recht überzeugend mit einigen Beispielen.
Auf der anderen Seite braucht man sich nur einmal eine echte Tragödie anzuschauen und man wird feststellen, dass die ohne die Elemente Wahrheit und Schmerz ebensowenig funktioniert.
Wahrheit und Schmerz sind also eher Erzähl-Elemente.
Die Komponente Schmerz bewirkt, dass uns das Thema wirklich erreicht und berührt.
Die Komponente Wahrheit sorgt dafür, dass die Story nicht abgeschmackt, billig, lächerlich, oder an den Haaren herbeigezogen wirkt.
Der Unterschied zwischen der Komödie und der Tragödie liegt dann eher darin, wie die Helden mit der Situation umgehen. Vielleicht eine Frage des Timing – in der Komödie leidet der Held in der Regel sofort und immer wieder. In der Tragödie steuert er blind und oft heiter in sein Schicksal.
Andererseits kennen wir das Slowburn aus den Laurel-und-Hardy-Filmen: Wenn die beiden auf ein Dach klettern, wissen wir schon ab der ersten Sekunde, dass Ollie irgendwann an der Regenrinne hängt.
Oder sollte der Unterschied eher in der Doofheit der Charaktere liegen?
Und was ist mit den Todd-Solondz-Filmen? Hier weiß man gar nicht mehr, ob man lachen oder schluchzen soll.
Alberne Impro
Mal schön veralbert. Aber mit den Besten kann man’s ja machen
Hauptsache absahnen
Helge Schneider im Interview mit der Berliner Zeitung:
Helge: „Und dann musste es irgendwann so einen Scheiß geben wie Paris Hilton, die plötzlich auch noch singt. Im Grunde genommen ist es heute so: Mit wenig Material viel Geld zu verdienen. Also mit wenig Tun. Und diese Frau – Beispiel Paris Hilton – ist Repräsentantin dieser Politik und damit auch der Finanzkrise, die dadurch entstanden ist. Damit ist es mal ganz deutlich beim Namen genannt.“
Berliner: „Nichts tun, nichts können, nur absahnen: Paris Hilton als personifizierte Finanzkrise?“
Helge: „Richtig. Faulheit siegt!“
Demut
Nicolaus Harnoncourt: „Ich kann mir keinen wirklich bedeutenden Künstler denken, der tatsächlich glaubt, dass er seine überragenden Fähigkeiten sich selbst zu verdanken hat.“
(Spiegel-Interview, Februar 2009)
Wullewupp Kartoffelsupp
Bei Helge Schneider im Admiralspalast.
Helge sicherlich nicht in Höchstform, ein wenig müde, aber selbst in diesen vergleichbar schwachen Momenten noch inspirierend.
Der Admiralspalast ein wenig ungeeignet. In der 14. Reihe fällt es schon schwer, optisch und akustisch zu folgen. Ob das an den Haustechnikern oder an der Crew von Helge liegt, ist schwer zu sagen.
Sehr schön die mexikanischen Trompeten. Gleitmanns Gymnastik. Die Statusspielchen mit dem Butler. Aber irgendwann würde man auch gern mal jemanden vom Ensemble was sagen hören. Trauen sie sich nicht? Oder sollen sie nicht, weil es Helge vielleicht doch schwerfallen würde, darauf zu reagieren?
Wunderbar: „Der Meisenmann“. Der Liedtext schön weiterentwickelt zu einer absurden Odyssee des Meisenmannes. Und selbst „Katzeklo“ klingt schön entspannt und wie ein gut abgehangener alter Jazz-Standard für Vibraphon.
Ehrenhaft, dass die ganze Band die Bühne räumt, damit Pete Yorke ein 5minütiges (Steffi meint, es seien mindestens 10 Minuten gewesen) Schlagzeugsolo hinlegt. Er bekommt auch seinen wohlverdienten Applaus, aber im Zusammenhang des Gesamtabends wirkt die Leistung Yorkes wie eine Arbeitsverweigerung von Helge.
Für die Zugabe holt er die Panflöte heraus, beginnt einen kleinen Monolog und verabschiedet sich. Als habe er aufs Flötespielen dann doch keine Lust mehr gehabt.
Dabei fraß ihm das Publikum wie gewöhnlich aus der Hand. Gelächter nach praktisch jedem Satz. Teilweise schon hysterisch. Seine Fernsehkritik und -parodien zu Casting- und Gerichts-Shows eher einfallslos, beinahe ranschmeißerisch. Prompter Gesinnungsapplaus.
Die musikalischen Beiträge insgesamt stärker. Sehr uneitel holt er diverse Instrumente heraus und spielt sie, ohne eine Sansation draus zu machen, als sei es eine Selbstverständlichkeit: Trompete, Akkordeon, Gitarre, Saxophon, Mundharmonika, Vibraphon. Und das einzige Instrument, das er im klassischen Sinne „gelernt“ hat, – das Klavier – lässt er an diesem Abend von einem anderen Musiker spielen.
Minas Anmut
Anmut und Haltung mit nur 20 Jahren. Wann erlebt man so etwas schon? Zum Glück hatte jemand eine Kamera zur Hand.
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