Effizienz des Storytelling

Lektion aus Seattle
Zwei Personen können lang eine Szene tragen. (In Seattle spielten Randy Dixon und Tony Beeman ein ganzes Stück über eine Stunde zu zweit.) Aber wie macht man das? Das Wichtigste: Das Dritte wird nicht gezeigt, es bleibt Symbol zwischen den beiden. Ein Gespräch zwischen zwei Eheleuten über den Lehrer ihres Kindes wird also im Grunde ein Gespräch über die eigene Beziehung, den Lehrer brauchen wir nicht mal zu zeigen. Mit anderen Worten: Wir erzählen gut, indem wir bestimmte Dinge nicht erzählen. Dem Zuschauer bleibt Platz für Interpretation. Wir müssen ihm nicht alles auf die Nase binden, schon gar nicht unsere Deutung.
Das ist allerdings auch eine Herausforderung für Mitspieler: Betritt nicht die Szene, sondern schaffe Raum. Erstens im wörtlichen Sinne für deine Mitspieler. Zweitens Interpretaionsräume in den Köpfen der Zuschauer.

Briefwechsel mit Jens Abel über die Frage der Einfühlung des Spielers

Hallo Herr Richter,
ich bin über das Forum der Webseite www.impro-theater.de auf Ihre Person hingewiesen worden. Dort wurden Sie als guter Improvisationstheoretiker genannt, der mir bei meiner Fragestellung vielleicht weiterhelfen könnte.
Aktuell schreibe ich an meiner Magister-Abschlussarbeit im Fach Kommunikationswissenschaft zum Thema „Spielen bis die Tränen kommen? Zur Rekonstruktion von emotionalem Erleben in virtuellen Spielen.“. In diesem Zusammenhang versuche ich herauszuarbeiten, wieso Videospiele nicht (besonders gut) in der Lage sind, mitfühlende Emotionen, wie z. B. Mitleid beim Spieler zu wecken. Das dies empirisch der Fall ist, lässt sich anhand von Statistiken belegen.
Vom strukturellen Aufbau sind Videospiele meiner Meinung nach in gewissem Rahmen mit Improvisationstheater bzw. explizit deren Darstellern(!) zu vergleichen. Beide pendeln zwischen einem Darstellen für Andere (und sich selbst) und einem Rezipieren der Anderen (eventuell auch sich selbst?) hin und her. Beide agieren in einem gewissen vorgegebenen Rahmen (physikalische Grenzen des Aufführungsraums, Ziel der Aufführung), gemessen an ihren eigenen Fähigkeiten mit großer Freiheit. Beide wissen zu Beginn der Aufführung bzw. des Spiels nicht „wohin die Reise geht“. Was die Bühne für den Schauspieler, ist die virtuelle Welt für den Videospieler. Dieser Analogieschluss ließe sich noch weiter aufblähen.
Hier ergibt sich der Kern meiner Frage, den ich am besten in Form eines Beispiels skizzieren kann. Vorgabe ist notwendigerweise, dass es sich um eine traurige, tragische „Aufführung“ handelt, deren Publikum entsprechend mitarbeitet – als reines Gedankenexperiment.
Angenommen, Sie spielen eine beliebige Nebenfigur, an Ihrer Seite eine Schauspielkollegin, in der Rolle einer jungen Mutter, durch Publikumseinwürfe kommt es zur Tragödie: Verkehrsunfall, der den Tod ihres Kindes zur Folge hat – und wieder durch Publikumseinwürfe nun in tiefer Trauer am Grab des jüngst verstorbenen Kindes zu stehen hat.
Was würden Sie sagen, fühlt Herr Richter in diesem Moment? Fühlt er keine sonderliche Veränderung seiner eigenen Gefühlslage als private Person? Lässt ihn die momentane, gespielte Situation seiner Schauspielkollegin „kalt“? Oder berührt ihn das gespielte Leid der Mutter auch als private Person über die Grenzen seiner Rolle hinaus? Nehmen wir an, seine Rolle würde nun vorsehen, Mitleid für die trauernde Mutter zu empfinden, schauspielert Herr Richter innerhalb seiner Rolle nun die Symptomatik des Mitleids (Gestik, Mimik, etc.) – mit dem Ziel eines klassischen Schauspielers, dem Zuschauer diese Emotion zu zeigen? Hat dabei aber stets im Hinterkopf, dass es sich um eine schauspielerische Situation handelt?
Die klassische Theaterlehre hat die Frage natürlich bereits zu genüge diskutiert, in wie fern ein Schauspieler sich die Gefühlslage seiner Rolle zu eigen macht oder nicht. Konsens scheint zu sein, dass er dies eben nicht tut. Vor dem Hintergrund Gemütslage A im Sekundenbruchteil gegen Gemütslage B zu tauschen. Besonders gut sichtbar bei monologisch-schizophrenen Charakteren, gespielt von einem geistig gesunden Schauspieler. Oder eben der Prämisse, dass ein Schauspieler einen Mörder glaubhaft verkörpern kann ohne selbst Mörder oder die Erfahrung des Mordens gemacht haben zu müssen.
Aber gerade im Improvisationstheater werden klassische Barriere durchbrochen. Der Improschauspieler arbeitet ohne Drehbuch, weiß also nichts von eventuellen, vom ihm geforderten Gemütslagen. Er steht im sprichwörtlichen Sinne nackt auf der Bühne, ohne einstudierte Handlungsvorgaben oder Ablaufpläne, ohne vorgegebenen und einstudierten Text. Er wird von den Veränderungen, Verbindungen und Emotionen die ihm selbst und seine Mitstreiter vom Publikum auferlegt werden, „kalt erwischt“. Es gibt ein überraschendes Moment, wie sonst nur in alltäglicher Kommunikation der Fall.
Genau genommen müsste man die Frage nach der Gefühlslage des Improvisationsschauspielers erweitern, denn was fühlt die Schauspielerin, die im obrigen Beispiel die junge Mutter spielt? Die zunächst auf positive und durch und durch erfreuliche, Glück-versprühende Weise die werdende und dann seiende Mutter spielt – die also als schauspielernde Person selbst rezipiert, wie sich ihre eigenen Rolle entwickelt. Das die plötzliche Katastrophe von ihrer Rolle tiefe Trauer als Reaktion verlangt (unterstelle ich hier, für den Erhalt des Beispiels) ist nachvollziehbar. Aber was fühlt die Schauspielerin? Konnte sie sich als junge Frau mit der von ihr verkörperten Rolle und dem sich im Spiel ergebenen Glück identifizieren? Ist sie also – zumindest für einen Bruchteil eines Moments – ebenso von der Katastrophe geschockt und empfindet Mitleid mit ihrer eigenen Rolle?!
Dies wäre im Grunde die Kernfrage: Kann ein Improvisationsschauspieler mit der eigenen Rolle Mitleid empfinden?

(Meine Antwort)
Hallo Jens Abel, vielen Dank für die Mail und die Überlegungen. In der Tat wurde diese Frage fürs Schauspiel schon oft besprochen. Sehr scharf und deutlich, wie ich finde, in der Abgrenzung von Brecht gegenüber Stanislawski. Ich sehe es so: Als Schauspieler brauchen wir eine Distanzierung, um überhaupt ins Spiel zu kommen, und zwar in dem Sinne, als dass wir ein spielerisches Verhältnis entwickeln können, was uns erlaubt, innerlich und äußerlich flexibel zu bleiben. Auf der anderen Seite müssen wir bereit sein, unser emotionales Gedächtnis zu aktivieren. Um das Mörder-Beispiel zu nehmen: Ich muss zwar noch keinen Menschen umgebracht haben. Aber es hilft der Rolle, wenn ich die Gefühlslage nachempfinden kann – Hass, Gier, Genuss oder was auch immer die Gefühlslage des Mörders ist. Das heißt aber auch, dass ich mit dieser Gefühlslage spielen kann, denn ich bin mir ja bewusst, dass ich auf der Bühne stehe. Und ich denke, dass wissen wir schon als Kinder, wenn wir Cowboy und Indianer spielen, dass wir unsere Mitspieler nicht wirklich erwürgen. Im Improtheater bezeichnen einige diese Distanzierung auch als „Drittes Auge“. Und hier brauchen wir die Distanzierung auch, da wir nicht nur improvisierende Schauspieler, sondern in der Regel auch gleichzeitig improvisierende Autoren des Stücks und improvisierende Regisseure sind (und noch auf einigen anderen Ebenen improvisieren). Die Schwierigkeit der meisten Improschauspieler besteht aber nicht in der Distanzierung, sondern in der Tiefe der charakterlichen Darstellung der Figur und diese auch durchzuhalten. Das durchzuhalten kann durchaus schwierig sein, da man, wie gesagt, ja auch noch mit ein paar anderen Impro-Bällen gleichzeitig jongliert oder aber, und jetzt kommen wir zu deiner Frage, weil man vom Angebot des Mitspielers stark überrascht wird. Das Aus-der-Rolle-Fallen äußert sich dann allerdings meistens als Lachen. Übrigens auch im Konventionellen Theater, wenn etwas außergewöhnliches passiert. Dass jemand auf der Bühne in Tränen ausbricht, weil er vom Drama überwältigt wird, habe ich so noch nicht erlebt, wenn wir erzwungene oder zugelassene Tränen, die „in der Rolle“ sind, nicht mitrechnen. Wenn das geschähe, würde ich sagen, der Spieler hat sich zu sehr in die passive Zuschauerhaltung fallenlassen statt die Mitspielerin zu unterstützen, was im Improtheater hieße, das Unglück der Mutter zu verschärfen. Im Übrigen ist meine Erfahrung, dass solch seltene dramatische Momente im Improtheater eher entstehen, wenn die Spieler Zeit und Raum haben, selbst ihr Materal zu entwickeln, statt durch andauernde Publikumsvorschläge wieder rausgeholt zu werden. Dann ist nämlich die Entwicklung oft gar nicht mehr so spannend, überraschend und dramatisch. Ich habe, vor einiger Zeit über das Thema schon mal in meinem Blog was geschrieben: Ich denke, dass diese Prozesse noch nicht wirklich psychologisch erforscht sind. Wie weit fühlen wir Trauer, wenn wir sie spielen. Läuft die Distanzierung im Nachhinein ab oder nicht doch eher parallel? Insgesamt vermute ich, dass Improspieler, und vielleicht Schauspieler überhaupt, ein spielerischeres Verhältnis zu ihren Emotionen aufbauen – so wie etwa Zen-Buddhisten. Eine Emotion ist dann nicht mehr etwas statisches, unwillkürliches, was einen überfällt, sondern man kann sich ihr nähern, sie betrachten, sie stärker zulassen, abwandeln usw. Ob ein Spieler von virtuellen Spielen eine solche Distanzierung systematisch aufzubauen vermag, möchte ich allerdings bezweifeln. Eher vermute ich hier für die meisten Spiele den gegenteiligen Effekt: Eine Wirtschaftssimulation lässt einen eben zum ehrgeizigen Händler werden, ein Mafiaspiel zum selbstgerechten Killer, um es mal plakativ zu formulieren. So weit zumindest meine Erfahrungen mit Computerspielen. Obwohl ich die strukturellen Parallelen auch sehe, behaupte ich, dass das Mindset beim Improspielen ein anderes ist als bei Computerspielen, da man zwar auch konstruiert und reagiert, aber vor allem das Schauspiel-Element als auch das Auf-den-anderen-eingehen beim Computerspiel weitgehend fehlt.
Dan Richter

Anmerkung: Dieser Briefwechsel wurde natürlich mit Jens Abels Einverständnis veröffentlicht.

Komische Stimme – platte Figur?

Mike Short im Forum YesAnd:
„Eine Stimme ist nur ein Teil der Figur. Sie eignet sich gut, um loszulegen, aber man muss geschwind die Wahrheit dahinter finden. Eine Figur, die lediglich in ihrer comichaften Stimme verharrt, bleibt eine platte Figur. Also mach nicht nur die komische Stimme. Nutze die komische Stimme als Startrampe.“

(„A voice is only one part of a character. It is a fine place to start, but you must quickly find the truth behind it. A character that remains only a cartoonish voice remains a flat character. (…) don’t just make a silly voice. Use that silly voice as a place to start.“)

Was sagen wir hier eigentlich

Keith Johnstone ermutigt die Impro-Anfänger, das Neheliegende zu wählen, auch wenn es Obszönitäten sind oder völliger Quatsch entsteht.
Aber von Zeit zu Zeit sollten wir doch auch ein Auge auf den Inhalt werfen, den wir da produzieren. Wozu sonst stehen wir auf der Bühne.
Randy Dixon gibt folgenden Vergleich: Wir produzieren eine Schale. Und im Improtheater schauen wir in der Regel auf die Schale (d.h. das Format oder Game) und wie gut wir diese Schale hinbekommen haben. Meistens diskutieren wir jedoch über den Prozess des Erschaffens der Schale. So gut wie nie jedoch über den Inhalt, den diese Schale hält (oder auch nicht). So wacklig diese Metapher auch sein mag, so wichtig ist es jedoch auch, dass wir von Zeit zu Zeit auch mal die Konvention brechen, und mal nicht nur über das Wie, sondern auch über das Was zu reden.
Habe ich überhaupt etwas zu sagen? Will ich etwas sagen? Wem will ich etwas sagen? Usw.
Es ist eine Diskussion, die man wahrscheinlich am ehesten mit sich selbst allein führen muss. Oder?

Verstehen und Nachdenken

Nicht nur war Masako Kimura Impro-Anfängerin. Sie sprach auf einem Workshop in Seattle so gut wie kein Englisch. Ihre einzige Chance war, sich körperlich zu öffnen und entsprechend auf die Angebote der Mitspieler einzugehen. Sie beschreibt dieses Gefühl als „völlig im Moment“.
Randy Dixon zu ihr nach dem Workshop: „Richtig schwierig wird es für dich erst jetzt, wenn du nach Japan zurückkehrst. Dann wirst du deine Mitspieler verstehen, und dann geht das Nachdenken los. Dann wirst du dir „

Spaß als einziges Kriterium?

Grundregel: Es muss Spaß machen.
1. Dir.
2. Dem Publikum.
3. Deinen Mitspielern.

Es ist kein großes Problem, wenn es mal dir, deinen Mitspielern, oder auch dem Publikum nicht gefällt. Wenn das aber zu einem Dauerzustand wird, muss man vielleicht ein paar Schrauben nachstellen.

1. Das Improvisieren soll dir Spaß machen. Wozu sonst solltest du es tun? In den allermeisten Fällen, ist die Frage „Hat es mir Spaß gemacht?“ ein guter Kompass dafür, ob die Szene gut war.
Aber tatsächlich gibt es Tage, an denen das Publikum vor Vergnügen brüllt, die Mitspieler sich backstage freudig auf die Schulter klopfen, und man selbst wird das Gefühl nicht los, dass es heut nicht gut war. Man nehme es nicht so schwer. Man nimmt Szenen und Shows von Zeit zu Zeit unterschiedlich wahr, und der Grund dafür kann manchmal einfach das falsche Bein sein, mit dem man aufgestanden ist, PMS oder das schlechte Wetter. Wenn das Gefühl sich jedoch auf Dauer einstellt, sollte man sich fragen, was man hier tut. Gib die Schuld nicht allzu schnell an deine Mitspieler, die Zuschauer oder an dich selbst. Frag dich zunächst: „Was kann ich selber tun, damit die Show mir wieder Spaß macht?“ Ein guter Weg dahin ist Überakzeptieren. Sich wieder auf die Grundlagen besinnen. Nicht zu schnell bewerten. Den Quatsch der Mitspieler akzeptieren und damit spielen. Vielleicht hast du auch nur eine Schlechte-Laune-Phase, die man aussitzen muss. Aber wenn das alles nicht hilft, wenn Publikum und Mitspieler andauernd wie von einem anderen Stern wirken, solltest du dir vielleicht eine andere Gruppe suchen. Das ist aber wirklich der allerletzte Schritt. Denn vielleicht warten ja deine Mitspieler auch auf neue Vorschläge von dir.
2. Wenn deine Mitspieler keine Freude mehr haben, und nicht mit dir spielen wollen, während du dich prächtig amüsierst, könntest du dich fragen, ob du gerade dazu tendierst, sie zu überfahren, ihre Angebote nicht wahrzunehmen, auf ihre Kosten zu spielen. Wenn du in einer größeren Gruppe derjenige bist, mit dem alle vermeiden zu spielen, kannst du das Problem auch mal ansprechen. Bist du vielleicht der passive Spieler am Rande, der belustigt zuschaut, während die Kollegen die Show reißen müssen? Solltest du an bestimmten Techniken – Stimme, Schauspiel, Präsenz – feilen?
3. Wenn ihr völlig im Spiel aufgeht, ihr das Publikum aber nicht begeistern könnt, muss das erst mal noch kein großes Problem sein. Ein paar Meckerer gibt es immer. („Zu viele Noten, Herr Mozart, zu viele Noten.“) Manche Zuschauer kommen in die Show, weil sie etwas ganz bestimmtes erwarten und dann enttäuscht sind, z.B. Theatersport und dann kommt auf einmal Langform-Impro. Diese Meckerer kommen und gehen. Man kann es nicht jedem recht machen. Vor allem solltet ihr nicht etwas spielen, worauf ihr keine Lust habt, nur um dem Publikum gefallen zu wollen. Wenn ihr aber dauerhaft negatives Feedback bekommt, wenn ihr kein Stammpublikum aufbaut, wenn die Stimmung im Publikum eisig bleibt, dann habt ihr ein Problem. Man kann sich künstlerarrogant herausreden: „Die sind zu doof für uns.“
Aber oft sind es nur kleine Dinge, die ausschlaggebend sind, z.B. die Atmosphäre im Raum. Ein kleines Publikum muss man stauchen, damit eine gelöste Spannung entsteht und sich alle wohlfühlen; man setze sich ruhig mal testhalber ins Publikum.
Und vielleicht ist eure Show wirklich langweilig, albern oder uninspiriert. Geilt ihr euch vielleicht einfach daran auf, dass ihr auf der Bühne steht? Bühnenadrenalin kann viel verklären. Setzt einen von euch ins Publikum, der euch hinterher Feedback gibt.

Interview with Steve Sim

Auszüge aus einem Interview mit Steve Sim von den Crumbs

(Über die Philosophie in den Anfangstagen) "If it’s short, it ends. If it’s long, keep going. There’s no rules. Games – those are for the class room. (…) Sink or swim, do or die.)"

"There was fear before, because I didn’t know what the hell I was doing. Now I know that I’m having fun and how to make it fun for me."

"Once you’re in a different city and you have to do it, and it’s not your friends and family showing up, you’ve got to raise the bar you’ve got to I’m-really-working-now."

"I didn’t call [the rules] ‚rules‘. (…) What I understand most is that it’s a common vocabulary of the impro scene, whereas we didn’t have necessarily words for it, like "Yes And‘, ‚Agreement‘, ‚Forwarding‘."

"When anyone asked if they could learn improv, I’d say, you can’t learn it in a class, you have to do it. And then after being at these festivals and meeting these people and working with these people – cause all of these are great improvisors as well – I realized, maybe there is a way to teach this."

"I can teach people to trust, I can teach people to follow their impulse. I can teach people to relax. Rather than This-is-how-you-do-it,it’s How do you do it."

"I would do a scene with somebody who’s never been on stage before. And I was still young in improv as well, and it still made me afraid. But here I was on stage about to do an improv scene with somebody who was more afraid than me. So, I had to be relaxed. I had to make them feel safe. I had to make them the star.

"The improv games (with Keith Johnstone) were fun on the surface. It was much deeper and more meaningful and more fun for us to create these open scenes."

"We started getting invited to festivals to play and we started getting invited to teach. And I think that part of that is due to the fact that we weren’t in the Johnstone school or in the Second City school, the Improv Olympic school. We learned those things later."

"I think that I’m a more physical player than Lee. And Lee, I think, is a better actor than me. He’s got more emotional range, perhaps. And I think I’m good at seeing the bigger picture. I think, Lee can do better monologues than me. And I think I can do better abstracts work."

"There’s not much difference from country to country doing the shows. There’s more difference in the same city than city to city."

(Die Fragen stellte Stephan Holzapfel für www.impro-news.de)

Waaas? Du kennst das Witschiwatschi-Spiel nicht?

Lass dich nicht einschüchtern, wenn du in eine Impro-Gruppe einsteigst oder gecastet wirst und du ein bestimmtes Spiel oder eine Technik nicht kennst. Oft werden nur verschiedene Namen für dieselbe Sache verwendet. Und zweitens sagt es noch gar nichts über deine Fähigkeit als Improspieler.
Lass dich nicht einschüchtern. Auch nicht von den arroganten Blicken einzelner Mitglieder.

293. Nacht

Nachbarschaftshilfe

Ich habe ein ungebrochenes Selbstbild als Nachbar meiner Nachbarn. Ich bin freundlich und grüße selbst die Unfreundlichen, halte Müttern und Alten die Tür auf, musiziere nur in Zimmerlautstärke und nur zu den angemessen Zeiten. Und es gab sogar eine Zeit, in der ich für meine Nachbarn gern Päckchen annahm, wenn diese gerade nicht zuhause waren. Doch irgendwann nahm es überhand – Päckchen, Pakete, sperrige Gegenstände und Frachtgut, für dessen Transport man auch einen Container zumindest in Erwägung hätte ziehen können, stapelten sich in meinem Korridor. Wenn man eine Wohnung bezieht und die Einrichtung plant, ist es von alters her Sitte, Schnipsel der Möbel auf Millimeterpapier hin und herzurücken, um effizienter Raumaufteilung, frischer Atmosphäre und gutem Geschmack zu huldigen. Aber nie bedenkt man bei so etwas, dass Nachbarschaftspakete dieses sensible Arrangement zerstören könnten. Ich nehme an, es lag an der Urlaubssaison. Die Nachbarn waren zu fein, ihr Frachtgut abzuholen. Ich klingelte tags und nachts. Stapeln genügte nicht mehr, ich musste Kartons ins Schlafzimmer verfrachten. Nach zwei Wochen begann es zu stinken. Aber welche Kiste mochte es sein? Da ich mich auf dem Boden des Grundgesetzes bewege, welche das Postgeheimnis heiligt, so wie die Christen den Namen ihres Vaters, der da ist im Himmel, durfte ich nicht prüfen. Nachdem schließlich alle Nachbarn aus dem Urlaub zurückgekehrt waren und ihr Ladungen in Empfang genommen hatten, und ich festgestellt hatte, dass der Geruch von einer toten Maus rührte, die wir mit einem der schwereren Pakete unabsichtlich erschlagen hatten, beschloss ich, dass ab sofort jemand anders als Paketannahmestelle unseres Hauses fungieren sollte. Ich würde einfach nicht mehr die Tür öffnen, wenn es zwischen 10 und 12 klingelte.
Ab sofort musste ich meine Körperreflexe neu justieren. Nicht mehr aufspringen, sobald es klingelt, sondern einfach entspannen und das das Klingeln yogimäßig wegatmen. Doch auch diese Methode hatte ihre Nachteile, schließlich erreichten mich nicht nur die Nachbarpakete nicht mehr, sondern auch die eigenen. "Wir haben Sie am Freitag um 12 Uhr nicht angetroffen. Holen Sie sich Ihre Sendung ab morgen in der Filiale ab." 5 Minuten zur Filiale latschen, 10 Minuten warten und 10 Minuten die unhandliche Lieferung von 500 Postern zurückschleppen. In der Postschlange traf ich drei Nachbarn, die mich böse anstarrten – es schien sich herumgesprochen zu haben, dass ich den Job als Subfilialleiter der Treptower Post hingeworfen hatte. Und ich verstand – ich hatte die Pakete für die Nachbarn angenommen, obwohl sie zuhause waren. Niemand wollte den Annahme-Deppen spielen. Andererseits war das Anstehen bei der Post noch belastender. Dann lieber einen Tag lang Pakete bei sich herumstehen haben, aber nur wenn es sich nicht vermeiden ließe.
10.50 Uhr. Es klingelt an der Tür. Der Postbote. Aber ist er es auch wirklich. Um die Haustür zu sehen, muss ich auf den Balkon. Auf dem Nachbarbalkon steht mein Nachbar und beobachtet die Haustür. Unter mir beobachtet ein Pärchen die Haustür. Ich wage es nicht, nach oben zu schauen, aber ich weiß, dass alle die Haustür beobachten. Und ja – es ist der Postbote. Und ja, er hat einen Haufen Pakete dabei. Wer wird als Erster schwach?
Der alte Herr Fleischhauer aus dem Parterre erbarmt sich und öffnet. 10 Minuten später trifft sich die Mietergemeinschaft zur Paketabholung an seiner Tür. Es geht uns gut.

*

Die Sklavinnen können die Herrin Dunja davon überzeugen, dass Auspeitschen eine dem Vergehen des Unerlaubtwegbleibens angemessenere Strafe ist als Köpfen.
Mohammed lässt sich anschließend von einem Wundarzt behandeln, geht ins Bad und verkauft seinen Besitz, für den er vierhundert Mamluken erwirbt, sich ein Boot bauen lässt und den Kalifen spielt.

"So habe ich nun schon ein ganzes Jahr getan, aber von ihr habe ich noch nie wieder eine Kunde vernommen, noch bin ich ihr auf die Spur gekommen."

Das wirkt nun, mit Verlaub, ein wenig abstrus. Mohammed weiß doch, wo seine Gattin wohnt. Er könnte sie leicht mit einen vierhundert Mamluken aufsuchen und zur Rede stellen. Und welchen Sinn hat das Verkleiden als Kalif?

Harûn er-Raschîd aber ist von der Story gerührt:

"Preis sei Allah, der für jedes Ding eine Ursache geschaffen hat."

Deutet eine solche Aussage auf die Angst, für irgendetwas keine Ursache zu kennen? Erfüllen die deistischen Religionen auch dieses Bedürfnis: Ursachen benennen zu können, für das, was sonst nicht deutbar bleibt? Liegen dann nicht der Astrologie und ähnlichem Aberglaube ähnliche Motive zugrunde, wie Islam und Christentum? Haben sie die gleiche (Knick-knack) "Ursache"?

Harûn und seine beiden Begleiter Dscha’far und Masrûr, immer noch in Kaufmannsverkleidung, bitten um Erlaubnis, gehen zu dürfen. Wieder im Palast, kleiden sie sich um, und der Kalif befiehlt dem Wesir:

"Lass den jungen Mann zu mir kommen."

Status gegenüber Räumen und Gegenständen

(Ich weiß nicht, ob ich das hier schon mal erwähnt habe und bin auch unsicher, ob ich diese Beobachtungen woanders schon mal gelesen habe.)
Ich denke, Status hat man erst dann verinnerlicht, wenn man ihn auch gegenüber Räumen und Gegenständen spielen kann. Respekt oder Selbstverständlichkeit des Umgangs drückt sich nämlich nicht nur gegenüber Personen, sondern auch gegenüber Räumen und Objekten aus.
Johnstone erwähnt das Beispiel von König Lear, der mit großer Gelassenheit den Palast betritt und sich am Feuer wärmt. Der Hochstatus, den wir in dieser Szene sehen, bezieht sich ja nicht allein auf die außerdem anwesenden Personen, sondern auch auf den Raum. Man stelle sich vor, der Gärtner des Königs würde in den Krönungssaal geschickt werden, und er betritt ihn nun zum ersten Mal: Jeder Schritt unsicher, Angst, etwas kaputtzumachen, und über allem das Gefühl: „Das ist nicht mein Raum, ich gehöre eigentlich nicht hierher.“
Hochstatus gegenüber Gegenständen: Ich benutze sie mit großer Selbstverständlichkeit und Gelassenheit.
Tiefstatus gegenüber Gegenständen: Es steht mir eigentlich nicht zu, sie zu berühren.
Die typischen physischen Features finden sich auch hier. Der Hochstatus vergrößert den eigenen Radius. Der Tiefstatus verkleinert ihn.
Dies ist meines Erachtens der Kern von Status, und Johnstones Leistung ist es, dies so ausführlich beschrieben zu haben. Worin ich mit hm nicht übereinstimme: Hochstatus heißt nicht Kommandieren.

Schöne Show

Wie im letzten Posting erwähnt, fand ich die gestrige Show ziemlich gelungen.
Unsere Wiki-Langform im 2. Teil:

1.

Colt Defense
Der einsame Rächer Merge Black sucht seinen Sohn Joe, der vom Comanchen-Häuptling „Schwarze Narbe“ entführt wurde. In seinem Colt Defense Gewehr sind Kerben für jeden getöteten Indianer. In einem Saloon in Nebraska gibt ihm ein kleiner Junge den entscheidenden Tip, aber als Vater und Sohn sich treffen, erkennt Merge Black, dass Joe inzwischen zu einem Comanchen geworden ist. Entscheidender Satz: „Ein Vater erkennt seinen Sohn am Geruch.“

2. Das junge Paar – Oliver und Simone – hat ein Rendezvous auf dem Seeparkturm, aber ihr Vater, Herr Keinzle, mit seinem Schmetterlingsfimmel legt ihnen Steine in den Weg. Ende gut, alles gut, wenn die beiden nicht die Fackeln am Turm stehengelassen hätten.

„Den Korallenfalter hast du im Seepark gefunden?“
„Nein, bei Ihnen im Elektrozaun.“

3. Wir schreiben das Jahr 1935. Billy aus Detroit lebt in den Elendsvierteln der Stadt und kann mit seinem Job auf dem Bau kaum seine Frau und sein Kind ernähren. Da kommt ihm ein Job als Spitzel des Chefs ganz recht: Er soll alle verpfeifen, die eine Gewerkschaft gründen. Ein Brechtsches Musical, das den sozialen Zusammenhalt in den Slums beleuchtet, in der soziologischen Tradition von Herbert J. Gans .

„Du hast McEnroe und Turnstyle auf dem Gewissen, die auf dem Grunde des Eriesees liegen. Und jetzt auch Jack.“
„Der Pegel des Eriesees ist schon gestiegen.“

Urteil und Kritik #2

Schönes Nachspiel zum gestrigen Eintrag. Eine der gelungsten Shows dieses Jahres, und im Gästebuch von Foxy Freestyle wird genörgelt, wir würden das Publikum nicht genügend einbeziehen, was wiederum als Beleg genommen wird, dass wir „nicht richtig“ improvisieren.
Interessanterweise kommt diese Kritik natürlich nicht vom Stammpublikum, dessen Kritik wir durchaus auch mal ernstnehmen, sondern von Zuschauern aus Göttingen, die eben eine spezifische Form des Improtheaters kennen.
Was soll man da sagen? Pech gehabt. Ich akzeptiere Detailkritik, was schauspielerische oder improvisatorische Leistung betrifft, aber wenn ich z.B. Lust habe, zum Beispiel eine Langform ohne Publikumsbeteiligung zu improvisieren, dann erwarte ich auch Offenheit vom Publikum.
Und hier ist auch die Improszene gefragt: Nicht das Publikum mit den immergleichen Formaten und Games abfüttern und die Zuschauer auf diese Weise konditionieren, sondern auch mal über den eigenen Schatten springen.

Urteil und Kritik

Fast jeder Impro-Anfänger muss sich freimachen von der Angst, beurteilt zu werden. Wir empfinden das Urteil an unserem Werk als Urteil über unsere Person. Und das macht vorsichtig. Das geht im Grunde jedem Künstler so, mehr aber noch in der Improvisation, wo es kein Zurück gibt, kein Korrigieren. Von 100 Impro-Anfängern unterliegen 90 dieser Angst, die es erst einmal zu lockern gilt.
Aber auch später taucht diese Furcht immer wieder auf. Und dan spielen wir auf Sicherheit, wenn man von „Spiel“ in solchen Situationen überhaupt noch sprechen kann.
Heißt das aber, wir sollen Urteil und Kritik völlig ausblenden? Wie wollen wir uns denn weiterentwickeln ohne Kritik? Wie wollen wir ohne Urteil urteilen?
Es hilft nichts – wir müssen uns öffnen. Aber in einer Weise, die uns nicht lähmt.
1. Kritik und Urteil dürfen nicht unmittelbar in unser Spiel einfließen, sonst drohen sie uns zu lähmen. Wir müssen sie positiv kanalisieren, zum Beispiel indem wir uns ein kleines Privat-Game daraus bauen. Also angenommen, ich höre als fiese, unkonstruktive Kritik: „Du bist andauernd so negativ auf der Bühne!“ („Häbäbäbä!“), dann kann ich für mich bei der nächsten Show ein Spiel daraus machen, das da heißt, ich versuche, stets positiver als mein Mitspieler zu erscheinen.
2. Ich muss lernen, Kritik einzuordnen. Ich darf mich nicht persönlich angegriffen fühlen, egal wer die Kritik äußert. Ich muss mich fragen, wie ernst nehme ich die Kritik. Ein laienhafter Zuschauer weiß vielleicht nur, dass ihm eine Szene nicht gefallen hat, kann aber nicht genau formulieren warum (Meist heißt es dann „Die Geschichte war langweilig“). Mach dich nicht abhängig von Lob und Kritik des Publikums – man wird davon nur größenwahnsinnig oder bekommt Minderwertigkeitskomplexe. Aber höre genau zu, was deine Mitspieler dir zu sagen haben. Und was sagt dein Mentor? Was sagen Improkollegen im Publikum?
Und das alles gilt natürlich auch für die nicht-improvisierten Künste. Lies Rezensionen nur, wenn du weißt, dass du auch mit Verrissen gut leben kannst.

292. Nacht

Peinliche Bundespräsidentschaftskandidaten

1954: Karl Dönitz
1964: Heinrich Lübke
1979: Karl Carstens
1994: Johannes Rau (heult nach der verlorenen Wahl)

 

Und noch während er sie entjungfert, improvisiert Mohammed ibn Alî die Verse:

Mein Arm umschloss ihren Hals wie der Ring die Ringeltaube;
Und meine Hand erhob den Schleier vor ihrem Gesicht.
Dies war das höchste Glück; und wir umarmten einander
Ohn Unterlass und sehnten uns nach dem Ende nicht.

Ist das etwas, das man mal ausprobieren sollte – Beim Sex Gedichte erfinden?

Dann blieb ich einen ganzen Monat bei ihr, während dessen ich Laden und Sippe und Heim ganz im Stiche ließ.

Eines Tages zieht sich Dunja ins Badehaus zurück und befiehlt ihrem neuen Gatten, auf sie zu warten. Doch kaum ist sie auf der Straße, da kommt eine Alte herein:

"Mein Herr Mohammed, die Herrin Zubaida lässt dich rufen; denn sie hat von deiner Bildung, deinem feinen Wesen und deiner Sangeskunst gehört."

Zur Erinnerung: Zubaida ist die Erstfrau des Kalifen Harûn er-Raschîd, den diese Wendung – er hört sich ja diese Geschichte gerade an – zumindest erstaunen dürfte. Woher, so fragen wir uns allerdings, hat Zubaida von Alî ibn Mohammed erfahren? Etwa über Teilnehmerinnen am Hochzeitsgelage?

Mohammed eilt nun zu Zubaida, um ihr vorzusingen. Und anschließend hurtig zurück zu seiner Gattin Dunja. Leider ist sie schon zurückgekommen und schläft auf ihrem Lager. Er weckt sie mittels Fußreflexzonenmassage. Sie aber versetzt ihm im Aufwachen einen Tritt:

"Du hast dein Versprechen nicht gehalten und bist zu der Herrin Zubaida gegangen. Bei Allah, fürchtete ich nicht das Gerede, so risse ich ihr Schloss über ihrem Haupte nieder! (…) Sawâb, auf, schlag diesem treulosen Verräter den Kopf ab."

Sollen wir diese Reaktion auf unverschuldete Unpünktlichkeit als überzogen werten?

291. Nacht

Auch Alî ist der körperlichen Liebe nicht abgeneigt.

Doch sie sprach zu mir: "Mein Gebieter, willst du mir in unerlaubter Weise nahen? Bei Allah, der soll nicht leben, der eine solche Sünde begeht!"

Aber ihn an die Brust ziehen ist erlaubt?

Doch sie hat noch eine Überraschung parat:

"Ich bin die Herrin Dunja, die Tochter des Barmekiden Dscha’far, der Wesir des Kalifen."

Ob Dscha’far auf diese Nachricht gefasst reagiert, erfahren wir leider nicht. Doch wir können davon ausgehen, dass das Zusammenleben mit einem impulsiven Kalifen wie Harûn er-Raschîd ihn doch trainiert hat, die Gefühle zu kontrollieren.

Ruckzuck werden Kadi und Zeugen gerufen. Und der Ehevertrag ist geschlossen.

Es folgt das bekannte Ritual: Wein, Weib, Gesang.

Stellvertretend das Lied der Sklavin, das mir doch recht originell und gelungen erscheint.

Es kam: ein Reh, ein Zweig, der Mond erschien dem Auge.
Verwünscht, ein Herz, das nicht bei Nacht an ihn nur denkt,
Den Schönen! Durch sein Antlitz wollt‘ Gott die Qualen heilen;
Da ward das arme Herz von neuer Qual getränkt.
Ich täusche meine Tadler, wenn sie von ihm erzählen.
Ich stelle mich, als ob ich von ihm nicht hören will.
Ich lausche auf, wenn sie von einem andren sprechen;
Und dennoch – ich vergehe, gedenk ich seiner still!
Er ist ein Prophet der Anmut; an ihm ist alles Wunder
Der Schönheit; doch das größte Kleinod ist sein Gesicht.
Das Mal auf seiner Wange ruft wie Bilâl zum Beten;
Vom Glanze seiner Stirn schaut es das Frührotlicht.
Die Tadler wollen töricht, dass ich vergessen soll.
Ich will kein Ketzer werden, seit ich des Glaubens voll.

Es folgen ein Lied der Dunja und eines von Alî. Schließlich werden die Sklavinnen entlassen und man bettet sich zur Ruhe.

"Sie begann, ihre Gewänder abzulegen, und ich durfte mit ihr der Heimlichkeit der Liebenden pflegen. Da fand ich die Maid an Ehren reich, einer undurchbohrten Perle und einem ungebrochenen Füllen gleich. Und ich hatte meine Freude an ihr, ja, nie in meinem Leben habe ich eine schönere Nacht verbracht."

Entscheidung des Helden

Dem inneren Konflikt des Helden folgt eine Entscheidung.
Diese Entscheidung des Helden muss ihn etwas kosten. Das könnte klassischerweise die kindliche Unschuld sein. Oder auch eine Freundschaft, der beurfliche Erfolg usw. Denn eine Entscheidung ist letztlich auch immer eine Entscheidung gegen etwas.

290. Nacht

Zur Abwechslung mal ein bisschen Kabarett:

Top Ten der Betätigungsfelder für Roland Koch nach seinem Abtritt als Ministerpräsident von Hessen und Vizevorsitzender der CDU
10. Vize-Zensor des Zweiten Chinesischen Fernsehens
9. Beauftragter für brutalstmögliche Aufklärung im Team von Lance Armstrong
8. Vize-Chef der Antikorruptionsbehörde in Turkmenistan
7. Mediator zwischen Hells’ Angels und Bandidos
6. Beim Oderhochwasser werden gerade Bulldozer benötigt
5. Vize-Trainer der Klitschkobrüder, um ihnen zu brutalstmöglicher Schlagkraft zu verhelfen
4. Vize-Chef der Einwanderungsbehörde von Birma
3. Vize-Chef von Google Street View
2. Datenschutzbeauftragter bei Facebook
1. Schleimabsonderer für BP (Oder war das Schlamm, was die brauchten?)

*

Als sich beim vierten Kleiderzerreißen des falschen Kalifen der Vorhang wieder über ihn senken soll, um das intime Umkleiden zu verbergen, versagen die Schnüre

und da Harûn er-Raschîd gerade einen Blick dorthin warf, sah er auf dem Leibe des jungen Mannes Spuren von Geißelhieben.

Er wendet sich an Dscha’far und meint:

"Bei Allah, er ist ein Jüngling schön und zart, aber doch ein Räuber von gemeiner Art."

Wieder bemerkt der falsche Kalif das Tuscheln der beiden und hakt nach, und Dscha’far gelingt es, die Kurve zu kriegen, indem er meint, man bewundere ihn, da er in solchem Überfluss Gewänder zerreiße. Der falsche Kalif entgegnet, die kaputten Gewänder schenke er seinen Tischgenossen, und sie seien immer noch fünfhundert Dinare wert.
Harûn er-Raschîd drängt aber Dscha’far, sich nach den Narben zu erkundigen. Dieser meint, man solle einen geeigneten Zeitpunkt abwarten. Harûn darauf:

"Fragst du ihn nicht, so lösche ich dein Lebenslicht."

Der falsche Kalif seufzt und beginnt, ein Gedicht zu improvisieren, in dem es unter anderem heißt:

Doch mir sagt des Herzens Stimme, unter euch ist der Imâm,
Der Kalif, den wir verehren, der aus edlem Hause kam.
Und der zweite unter euch dort, Dscha’far ist der Man genannt;
Er ist sein Wesir und ist als Herr und Herrensohn bekannt.
Ein dritter ist Masrûr, er, der das Schwert der Rache führt, (…)

Als sie solche Worte aus seinem Mund hörten, schwor Dscha’far einen zweideutigen Eid, dass sie nicht die genannten seien.

Und nun beginnt der junge Mann seine Geschichte.

"Ich heiße Alî, der Sohn des Goldschmieds Âlî."

Sein Vater hinterließ ihm ein großes Vermögen. Und als er eines Tages vor seinem Laden sitzt, kommt, wir ahnen es bereits,

eine junge Dame auf einer Mauleselin dahergeritten, begleitet von drei mondengleichen Mädchen.

Dies ist nun eigentlich schon als eigenes Motiv der 1001 Erzählungen zu erkennen. Aber wie sollen wir es deuten? Als eine männliche Sehnsucht, sozusagen "unschuldig" in eine wilde Romanze zu stolpern. Die Konventionen des Frauen-Kennenlernens sind strikt. Als Alternative bleiben sonst die Prostituierten. Mit diesem Motiv kommt der Mann als der Verführte aus der Geschichte.
– Händler wartet vor dem Basar.
– Dame erscheint und kauft für viel Geld ein.
– Sie bittet ihn, ihr die Ware nach Hause zu tragen, ein Zuhause, das sich in der Regel als enormer Palast entpuppt.
– Dort wird gegessen, Wein getrunken, gesungen, sich umarmt.
– Es folgen entweder Turbulenzen, Prüfungen oder (selten) ein Happy End.

Diese Dame nun wünscht ein teures Halsband zum Preis von hunderttausend Dinaren:

"Lieber Herr, begleite mich, damit du den preis in Empfang nehmen kannst! Denn dieser Tag mit dir ist für uns weiß wie Milch."

Von der Vorhalle lädt sie ihn in den Saal, wo sie auf einem Thorn sitzt, das Geschmeide bereits angelegt:

"Oh Juwelier, wisse, ich liebe dich, und ich kann es noch gar nicht fassen, dass ich dich wirklich zu mir gebracht habe!" Darauf neigte sie sich zu mir und ich küsste sie; und sie küsste mich und zog mich an sich und riss mich an ihre Brust."

Übertrainiert

Die Gruppe X wurde innerhalb weniger Monate aus dem Boden gestampft, gecastet und trainiert. Ein Show-Format wurde ihr von den Regisseuren geliefert. Und selbst bei den Shows waren immer ein, zwei Regisseure anwesend.
Der Eindruck, den diese Gruppe auf der Bühne machte, war anders als der anderer Impro-Novizen. Sie wirkten irgendwie übertrainiert. Vorsichtig, als müssten sie an tausend Dinge gleichzeitig denken, die man ihnen eingebleut hatte, statt frei zu spielen.
Die uninteressanten Storys, das teilweise Blockieren, Streiten usw. hätte man gern verziehen, wenn die Gruppe wenigstens etwas Wildheit und Spiellaune versprüht hätte.

289. Nacht

Über eine Woche krank. Eine gute Gelegenheit, einen neuen Hausarzt auszutesten. Die beiden anderen, die sich gleich nebenan eine Praxis teilten, wirkten mir etwas inkompetent, und das Wartezimmer roch nach DDR und Angina.
Beim Neuen ist das Wartezimmer leer. Nach 30 Sekunden werde ich hineingebeten. Noch bevor ich sagen kann, was ich auf dem Herzen habe, ja, noch bevor ich überhaupt sitze, fragt er mich, ob ich überhaupt gegen Tetanus geimpft bin, holt aus zu einem Vortrag und starrt dabei fast durchweg auf seinen Computer. Kur abhören, krankschreiben, nach Hause schicken.
Und ich begehre auf. Das erste Mal beim Arzt. Warum wollen die nicht kommunizieren? Ist es ihnen egal, dass sie den Eindruck vermitteln, es ginge ihnen gar nicht um den Patienten. Ich werde meine Hausarztsuche auf Kreuzberg erweitern.

*

Harûn er-Raschîd antwortet dem falschen Kalifen, er habe geflüstert, weil er die Musik zum Wein vermisse. Man lässt eine Sklavin und eine indische Laute holen. 24 Weisen stimmt die Musikerin an und singt dann, bei der Wiederholung der ersten Melodie:

Der Liebe Zunge spricht zu meinem Innern;
Sie bringt von mir die Kunde, dass ich dich so lieb hab.
Mein Zeuge ist die Glut in dem gequälten Herzen,
Mein wundes Aug, das mir der Strom der Tränen gab.
Ich wusste nichts von Liebe, eh ich dich lieb gewann;
Doch Gottes Ratschluss tritt an alle Welt heran.

Als der falsche Kalif dies Lied aus dem Munde der Sängerin vernahm, schrie er laut auf und zerriss das Gewand, das er trug bis zum Saume hinab; da wurde der Vorhang über ihn herabgelassen, und man brachte ihm ein neues Kleid.

Hatten die ständig einen Vorhang dabei, weil der Chef sich andauernd die Klamotten zerstört? Oder war diente der Vorhang auch für die Chef-Abschirmung zu anderen Angelegenheiten, die eher im Verborgenen stattfinden?

Eine zweite Musikerin singt ein Lied, und das Schauspiel wiederholt sich.
Und noch mal.
Und noch mal.

 

288. Nacht

Ich hatte immer den Eindruck, dass sich Luhmann, sobald er auf das Wirtschaftssystem zu sprechen kam, doch zu sehr von seinen persönlichen politischen Präferenzen leiten ließ: Mit der Diagnose, die Politik könne das Wirtschaftssystem nicht steuern, schüttete er das Kind mit dem Bade aus. Die Politik hat letztlich, so Luhmann, so gut wie gar keinen Einfluss auf das Wirtschaftssystem. Der Kern dieser soziologischen Beobachtung: Das politische System kann die Wirtschaft nicht anweisen, besser zu wirtschaften. Die überbordende Bürokratisierung und Verplanung der Wirtschaft im real existierenden Sozialismus ist ein schönes Beispiel dafür, wie die Allesplanung die Wirtschaft letztlich lähmte.
Und doch werden im politischen System verbindliche Entscheidungen getroffen, wie gewirtschaftet wird. Das beginnt natürlich mit der Vertragsfreiheit und deren Kehrseite – der Haftung. Das Wirtschaftssystem ist außerdem nicht in der Lage, sein eigenes Kommunikationsmedium – nämlich das Geld – bereitzustellen. Das muss die Politik tun, und zwar mit gehörigem Augenmaß, sprich genauer Beobachtung der wirtschaftlichen Kommunikation, also der Zahlungen in Industrie, Geldmärkten, Arbeitsmarkt usw.
Aber kann das Funktionssystem Wirtschaft derzeit überhaupt angemessen seine Funktion erfüllen? Und kann es das in Zukunft? Wirtschaften beginnt, wenn der Weizen nicht heute aufgefressen wird, sondern man anfängt zu kalkulieren: Der Weizen wird heute schon an den verkauft, der ihn nächstes Jahr braucht. Die Funktion des Systems besteht darin, trotz allgegenwärtiger Knappheit Versorgung sicherzustellen. Dafür eignet sich Geld, wie wir es heute kennen, eigentlich ziemlich gut, denn es hat seinen Eigenwert verloren, d.h. es nutzt nichts, es zu horten, wie man es mit den Golddukaten noch tat. Nicht Haben/Nichthaben ist die Leitcodierung, sondern Zahlen/Nichtzahlen.
Und was die kurz- und mittelfristige Versorgung betrifft, macht der Kapitalismus seine Sache zumindest dort einigermaßen gut, wo auch die politischen und rechtlichen Systeme einigermaßen stabil sind. Was aber die langfristigen Knappheiten betrifft, so muss man sagen, erscheinen sie schlicht nicht auf den Monitoren des Wirtschaftssystems oder nur undeutlich als Rauschen. Die Zukunft ist insgesamt zu unsicher, als dass sich lohnen würde, über Investitionen zu spekulieren, die sich vielleicht in fünfzig Jahren auszahlen. Oder anders gesagt: Warum sollte ich nicht in ein Kohlekraftwerk investieren, wenn es in den kommenden Jahren Rendite abwirft? Warum sollte ich in energiesparende Autos investieren, wenn das a) die Konkurrenten nicht tun und b) sich Dreckschleudern schneller verkaufen lassen?
Es gilt als umstritten, wie lange die Erdölvorräte noch reichen – 30, 50 oder 150 Jahre. Aber es ist klar, dass sie in einem absehbaren Zeitraum äußerst knapp werden. Das spiegelt sich aber ebensowenig in den heutigen Preisen wieder wie die Begrenztheit berechenbaren Klimas. Für diese Art von Knappheiten ist das Wirtschaftssystem nicht ausgerüstet. Und hier stimme ich wieder mit Luhmann überein: Da nützen auch keine wohlmeinenden Appelle. In 100 Jahren etwas zu verdienen, lohnt sich einfach nicht. Die Aufgabe der Politik bestünde nun darin, die Sensoren für diese Knappheiten neu zu justieren. Oder anders gesprochen: Die Systeme Wissenschaft, Politik, Recht und Wirtschaft brauchen neue Kopplungen. Das politische System muss die wissenschaftliche Erkenntnis, dass wir einigen enormen globalen Gefährdungen gegenüberstehen, für die Wirtschaft übersetzen. Harte Steuerpolitik, wo dem Ökologischen System die Puste ausgeht. Wirtschaftliche Anreize, wo es sich bisher noch nicht lohnt (denn die Pioniere scheitern fast immer).

*

Tatsächlich rudert das Boot mit Harûn er-Raschîd, Dscha’far und el-Masrûr an der Seite des Boots mit dem falschen Kalifen. Man geht auf der anderen Seite des Ufers an Land und die drei versuchen, sich unter den Mamluken hindurchzuschmuggeln, werden aber von den Leuchtenträgern gefasst und vor den falschen Kalifen geführt, vor dem sie sich damit rechtfertigen, sie seien Fremde.

"Euch soll kein Leid widerfahren, da ihr fremdes Volk seid. Wäret ihr von Bagdad, so würde ich euch die Köpfe abschlagen lassen!" Dann wandte er sich an seinen Wesir mit den Worten: "Nimm sie da mit dir; sie sind heute nacht unsere Gäste!"

Seltsam, dass er die drei nicht erkennt, hat er sich doch seinen falschen Wesir und seinen falschen Schwertträger nach den Äußerlichkeiten der Originale ausgesucht.

Man kommt an ein Schloss,

einem Bau auf festem Fundament, wie ihn kein Sultan sein eigen nennt.

Nicht einmal der Kalif?

Die drei werden zum Gelage eingeladen.

Nachdem die Schüsseln abgetragen und die Hände gewaschen waren, wurde das Weingerät gebracht.

Weinkaraffen oder -kannen?

Aber Harûn er-Raschîd weigert sich zu trinken, mit der Begründung, lange nicht getrunken zu haben. Man bietet ihm stattdessen Apfelwein an.

So blieben sie beieinander in Fröhlichkeit und widmeten sich den Bechern der Seligkeit, bis der Wein ihnen zu Kopfe stieg und ihrer Sinne Herr ward.

 

287. Nacht

Zumindest kann man dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten nicht vorwerfen, er sei so eitel, sich in den für ambitionierte Politiker doch so wichtigen Geschichtsbüchern einen Namen machen zu wollen. Röttgens Erwägungen – ob aus wahltaktischen Motiven oder aus ethischen Überlegungen heraus -, für eine deutliche Laufzeitverlängerung der AKW den Bundesrat einzubeziehen, hält Mappus für Eskapaden.

*

Deutsche Großstädte, in denen ich noch nicht war (nach Größe geordnet): Deutsche Großstädte, in denen ich schon war (nach Größe geordnet):

Düsseldorf
Essen
Bremen
Duisburg
Bochum
Wuppertal
Bielefeld (?)
Augsburg
Gelsenkirchen
Mönchengladbach
Braunschweig
Kiel
Krefeld
Oberhausen
Lübeck
Kassel
Hagen
Hamm
Saarbrücken
Mülheim
Ludwigshafen
Herne
Solingen
Leverkusen
Oldenburg
Neuss
Paderborn
Ingolstadt
Recklinghausen (??)
Pforzheim
Offenbach
Bottrop
Bremerhaven
Fürth
Remscheid
Reutlingen
Moers
Koblenz
Bergisch Gladbach
Trier
Salzgitter
Hildesheim (??)

Berlin
Hamburg
München
Köln
Frankfurt am Main
Stuttgart
Dortmund
Hannover
Leipzig
Dresden
Nürnberg
Bonn
Mannheim
Karlsruhe
Wiesbaden
Münster
Aachen
Chemnitz
Halle an der Saale
Magdeburg
Erfurt
Rostock
Mainz
Osnabrück
Potsdam
Heidelberg
Darmstadt
Regensburg
Würzburg
Heilbronn
Ulm
Göttingen
Wolfsburg
Erlangen
Siegen
Jena
Cottbus
Gera

"Was?? Du warst noch nicht in Lübeck?"

Ich klicke mich durch Wikipedia, das unter den Großstädten auch die ehemaligen auflistet, so auch Prag, dass nach der Okkupation de facto zum Deutschen Reich gehörte.
Die Reihenfolge der Annexionen – Sudetenland und dann Böhmen/Mähren – war mir immer unklar geblieben. Auch heute noch ist mir nicht ganz klar, warum diese bewaffnete Annexion noch nicht zum Zweiten Weltkrieg gerechnet wird. Werde hier nicht schlau.
-> Münchner Abkommen
-> Hitlers Diktate an Martin Bormann: Bormann hatte als Heß‘ Nachfolger in der Funktion des Sekretärs durch seine Nähe zu Hitler teilweise größeren Einfluss und größere Macht als Himmler und Göring. Er versuchte, aus Berlin zu fliehen und nahm sich, einer Zeugenaussage des Reichsjugendführers Axmann zufolge, am 2. Mai das Leben.
-> Blutorden Orden für die Teilnahme am Münchner Hitlerputsch 1923.

*

Der Kalif bittet den alten Fährmann, auch in der folgenden Nacht bereitzustehen.

"Unsere Wohnung ist im Quartier el-Chandak."

Unklar, wo das sein soll.

Der Kalif begibt sich mit seinen beiden Begleitern zurück zum Schloss, man kleidet sich um,

und ein jeder setzte sich auf seinen Platz. Dann traten die Emire und Wesire, die Kammerherren und die Statthalter ein, und die Regierungshalle füllte sich mit Volk.

Am Abend aber gehen sie wieder an den Tigris, um den falschen Kalifen zu beobachten.

Anscheinend ohne zwischendurch zu schlafen? Manche Herrscher wollen ja offenbar dieses Bild verbreiten: Dass sie niemals schlafen. So ja auch Stalin, der wohl tatsächlich nachts arbeitete. Als Image wirkt ein solches Bild tief: Wir sind die Kinder, die vom wachenden Vater beschirmt werden. Diesem Impuls spürte der Kommunismus-Kitsch-Dichter Erich Weinert in seinem Gedicht nach:

Im Kreml ist noch Licht

Wenn du die Augen schließt, und jedes Glied
und jede Faser deines Leibes ruht –
dein Herz bleibt wach; dein Herz wird niemals müd;
und auch im tiefsten Schlafe rauscht dein Blut.

Ich schau’ aus meinem Fenster in der Nacht;
zum nahen Kreml wend ich mein Gesicht.
Die Stadt hat alle Augen zugemacht.
Und nur im Kreml drüben ist noch Licht.

Und wieder schau’ ich weit nach Mitternacht
zum Kreml hin. Es schläft die ganze Welt.
Und Licht um Licht wird drüben ausgemacht.
Ein einz’ges Fenster nur ist noch erhellt.

Spät leg’ ich meine Feder aus der Hand,
als schon die Dämmrung aus den Wolken bricht.
Ich schau’ zum Kreml. Ruhig schläft das Land.
Sein Herz blieb wach. Im Kreml ist noch Licht.

Und natürlich ähnelt das Bild auch dem des Allwissenden Gottes und erzeugt ein Gefühl von Paranoia, das sich schließlich auch erfüllte: Der NKWD hämmerte um drei Uhr nachts an die Tür.

Aber selbst im letzten US-Präsidentschafts-Wahlkampf spielte Schlaflosigkeit eine Rolle: Eines von Obamas Lieblingsworten war "tireless" – unermüdlich. Er forderte seine Unterstützer auf, weniger zu schlafen. Und schließlich versuchte Hillary Clinton, ihn als Penner darzustellen, während sie um drei Uhr nachts, wenn das Telefon klingelt, die Dinge im Griff hat.

 

Allerdings stehen die Dinge um Harûn er-Raschîd ein wenig anders. Schließlich werden seine nächtlichen Eskapaden explizit durch Schlaflosigkeit initiiert.

Wieder in Begleitung von zweihundert Mamluken schwebt der falsche Kalif im Boot vorbei. Und er-Raschîd bietet dem Bootsführer 10 Dinare, wenn dieser im Schatten mitfährt.… Weiterlesen

Ernst und Spiel

Tim Brown unterscheidet zwischen
a) dem spielerischen Erkunden, dessen Ziel schiere Quantität ist und das nach Divergenz strebt (in unserem Vokabular wäre dies die freie Assoziation) und
b) dem Zusammenbringen (Wiedereinführen, Incorporation).
Er meint, das Erkunden sei eher spielerisch, das Zusammenführen ernst.
Ich denke aber, dass wir auch beim Wiedereinführen das Spielerische nicht verlieren dürfen. Auch der Sinn fürs Formale (und dabei geht es ja beim Zusammenführen) darf nicht steif sein, zumindest nicht in der Kunst.

286. Nacht

Der Bootsmann warnt den verkleideten Kalifen und seine Begleiter:

"Wer kann denn noch eine Lustfahrt machen, wo der Kalif Harûn er-Raschîd jede Nacht in einer kleinen Schaluppe den Tigris hinunterfährt und ein Ausrufer bei ihm ist, der verkündet: "(…) Einem jeden, der jetzt ein Schiff besteigt und auf dem Tigris fährt, dem schlage ich den Kopf ab, oder ich hänge ihn am Maste seines Fahrzeugs auf!"

Sie legen dem Alten einen Dinar drauf, um unter einem Tuch versteckt, das Boot des falschen Kalifen zu beobachten, welches auch gleich vorbeikommt.
Zweihundert Mamluken bewachen das Boot, das Feuer wird von sumatranischer Aloe gefüttert, der Jüngling auf dem Thron ist

schön wie der Mond (…), gekleidet in ein schwarzes Gewand, das mit gelbem Golde bestickt war. Vor ihm stand ein Mann, der sah aus, als ob er der Wesir Dscha’far wäre und hinter ihm ein Eunuch, der sah aus, als ob er Masrûr wäre.

Auch die Zechgenossen des Jünglings wirken wie Ebenbilder. Der Kalif vermutet hinter diesem Schauspiel zunächst einen seiner Söhne. el-Mamûn oder el-Amîn, verwirft jedoch ob der Ähnlichkeit der Zechngenossen und der Begleiter diesen Gedanken. Der Kalif dazu:

"Über das alles bin ich ganz verwirrt."

Impro und Verhaltenstherapie

Ich vermute, dass es eine Verwandschaft gibt zwischen der Praxis der Improtheater-Workshops und der Verhaltenstherapie: Als Teilnehmer eines Anfänger-Workshops fängt man sehr niedrigschwellig mit einfachen kinderspielartigen Übungen an und verliert so die Hemmungen sowie die Angst vor dem Unbekannten, die Angst vor dem Beurteilt-Werden. Wir fragen als Lehrer erst gar nicht, wo diese Angst herkommen mag, wie es vielleicht die Tiefenpsychologe tun würde, sondern wir tun so, als hättest du diese Angst nicht, und vertrauen darauf, dass du sie daraufhin verlierst.
Fake it til you make it.
Sicherlich hat jeder andere Formen von Hemmnissen zu überwinden, aber ich habe bisher noch niemanden erlebt, bei dem diese Methode noch nicht funktioniert hat.

285. Nacht

Von seiner Kammer aus beobachtet der Abortreiniger, dass sich der Gatte der jungen Herrin mit dieser versöhnt und so

ruhte er die Nacht bei ihr über.

Es ist, wie zu erwarten war, der Gatte, der am nächsten Tag verschwindet. Die Schöne gesteht dem Abortreiniger, dass sie sich mit ihrem Mann gestritten hatte: Die beiden saßen im Garten, der Gatte steht auf, um sich kurz zu entfernen, bleibt aber verschwunden.

"Schließlich wurde ich es müde, auf ihn zu warten, und da ich mir sagte, dass er wohl im Aborte sei, so begab ich mich zu dem stillen Örtchen, fand ihn aber nicht dort. Darauf ging ich in die Küche, und als ich dort eine Sklavin sah, fragte ich sie nach ihm. Die zeigte ihn mir, wie er bei den Küchenmägden lag. Nun schwor ich einen feierlichen Eid, ich wolle mit dem schmutzigsten, ekelhaftesten Manne Ehebruch treiben. Und an dem Tage, an dem der Eunuch dich festnahm, war ich schon vier Tage lang in der Stadt umhergezogen auf der Suche nach einem solchen Kerl; doch ich fand niemanden, der schmutziger und ekelhafter gewesen wäre als du. (…) Wenn mein Gatte sich noch einmal der Magd naht und bei ihr liegt, so will ich dir wiederum gewähren, was du bei mir genossen hast."

Diese Spannung zwischen höchstem Genuss und Aufstieg einerseits und extremster Demütigung andererseits haben wir wohl so bisher in diesen Erzählungen noch nicht gefunden.

Dem Abortreiniger fließen die Tränen, und anzüglich antwortet er in Versen:

Gewähre mir zehn Küsse auf deine Linke Hand,
Der noch mehr Ehre als der rechten Hand gebührt!
Denn deine Linke hat ja noch vor kurzer Zeit,
Als du dich säubertest, an dein Gesäß gerührt.

Einen spontan dichtenden Klomann würde ich auch gern mal erleben.

Als der Emir des Pilgerzuges die Geschichte jenes Mannes vernommen hatte, ließ er ihn frei und sprach zu den Umherstehenden: "Um Allahs willen, betet für ihn; denn er ist entschuldbar!"

Ferner wird erzählt

*

Die Geschichte von Harûn er-Raschîd und dem falschen Kalifen

Wieder einmal geht der Kalif Harûn er-Raschîd des Nachts in Begleitung seines Wesirs Dscha’far und seines Schwertträgers Masrûr – alle drei verkleidet als Kaufleute – durch die Stadt Bagdad.
Als sie an das Ufer des Tigris kommen, bieten sie einem Alten einen Dinar für eine Lustfahrt.

Das Anti-Impro-Glossar

  • Akzeptieren – Option, wenn dein Mitspieler dir endlich ein vernünftiges Angebot gibt.
  • Angebote – Deine schlauen Vorschläge, die deine Mitspieler verdammt noch mal annehmen müssen.*
  • Beat – Der Moment, in dem du das Gefühl hat, das dich jemand abklatschen müsste, es aber niemand tut und du jetzt blöd auf der Bühne stehst.
  • Character – eine bestimmte Art zu humpeln in Kombination mit einem schlecht imitierten Akzent, der in unregelmäßigen Abständen auftaucht und wieder verschwindet.*
  • Emotionen – Ein Spieler verzieht das Gesicht. Der andere muss antworten: „Warum guckst du mich denn so an?“
  • Ernsthaftigkeit – Neues Ziel für eine Improgruppe, wenn man keine guten komische Szenen hinbekommt.
  • Genre Horror – Ein Haufen grimassierender, röchelnder Monster bringt sich gegenseitig um.
  • Genre Science Fiction – Spielt grundsätzlich in einem Raumschiff, dessen Türen sich phantastischerweise automatisch öffnen. (Also so wie heutzutage in öffentlichen Gebäuden.)
  • Genre Western – Spielt grundsätzlich in einem Saloon voller Leute, die rumlaufen, als trügen sie Melonen unter den Achseln und hätten sich eingemacht und die davon reden, dass Johnny wieder in der Stadt ist.
  • Games – Regelset, das uns erlaubt, tiefschürfende Storys zu erfinden, berührende Charaktere zu erschaffen und dem Publikum ein kathartisches Erlebnis zu bereiten, z.B. Armrede, Marionetten und Genre-Replay.*
  • Gesang – Muss absichtlich schräg sein, damit das Publikum was zu lachen hat.
  • Handlung – Das, was der erste Spieler auf der Bühne etabliert, um dann vom zweiten belehrt zu werden: „Das ist hier verboten.“ oder: „Das müssen Sie anders machen.“ Zur Not auch: „Was machen Sie denn da?“
  • Heldenreise – Helden sind auf der Suche nach dem Elixier. Sie haben einen Begleiter, einen Mentor, dann gibt es noch den Antihelden, den Schatten und ca. 20 weitere Archetypen, ohne die du eine gute Geschichte nicht erzählen kannst. Sehr wichtig vor allem in der Dreiersynchro und der ABC-Szene.
  • Impro-Auto – Plötzlich auftauchendes Gefährt mit Zwei-Meter-Türen. Anschnallen ist überflüssig.
  • Impro-Tür – Befindet sich links oder rechts am Bühnenrand und hat, im Gegensatz zu richtigen Türen eine einzige magische höhenvariable Klinke, die sich gleichzeitig außen als auch innen befindet.
  • Improtheater – Also, es entsteht alles spontan. Es ist total lustig. Komm einfach mal vorbei, wir spielen diese Woche im… Ach, oh, das tut mir leid, und gute Besserung für deine Tante.
  • Keith Johnstone – Impro-Guru, von dem man als Anfänger behaupten muss, ihn gelesen zu haben („Kies Dschonsn??“). Als Fortgeschrittener gilt, wer zu Johnstone-Exegese nicht nur in der Lage ist, sondern sie jedem ungefragt aufdrängelt. Als Profi spreche man herablassend von „Keith“ wie von einem schrullig gewordenen Grundschullehrer, den man ab und zu trifft, wenn man sich gerade in Calgary aufhält.
  • Langform – Eine komplizierte Struktur, um den kleinen dürftigen Szenen Halt zu geben. Kann man aber heute nicht spielen, weil zu wenig/zu viele/ zu dumme Zuschauer da sind.
  • Moderation – Das Publikum anbrüllen, sich über einzelne Zuschauer lustig machen, „5-4-3-2-1-los!“ rufen.
  • Musik – Das, was der Typ am Klavier vor sich hin klimpert und überhaupt nichts mit der Szene zu tun hat.
  • Nein – Ein „Nein“ deiner Mitspieler ist ein Block. Dein „Nein“ ist in Wirklichkeit ein subtiles Akzeptieren, da es in der Logik deiner Figur liegt.
  • Ort – Paris, Buxtehude oder Castrop-Rauxel
  • Pantomime – Die Kunst, auf magische Art Gegenstände erscheinen und wieder verschwinden zu lassen.
  • Probe – Findet „zur Zeit“ selten statt.
  • Professionalität – Situationen, in denen Lachen verboten ist.
  • Publikum – Freunde und Verwandte und ein Haufen ignoranter Idioten, die man mit blöden Sprüchen aufwärmen muss, weil sie sonst nichts kapieren.
  • Raum – Schwimmbad, Sauna oder Bahnhofstoilette
  • Schöne Bilder – Die Story war schlecht.
  • Showformat – Ein kompliziertes System aus verschiedenen Regeln, die dem Publikum in den ersten 15 Minuten der Show verklickert werden müssen. Meist spielen Applausstufen, bunte Zettel und Karten und ein komplizierter Wettbewerb, den keine Sau versteht, eine Rolle.
  • Status – Jemanden schlechtgelaunt rumkommandieren oder sich rumkommandieren lassen und dabei nörgeln.
  • Story vorantreiben, Situation verschärfen, Wiedereinführen usw. – Techniken, um die du dir keine Gedanken machen musst, solange du nicht selber Impro unterrichtest.*
  • Storytelling – Eine echt komplizierte Sache, die du erst verstehen wirst, wenn du die griechischen Tragödien gelesen und sämtliche Hollywoodklassiker gesehen hast.
  • Szenenbeginn – Das, was nach „5-4-3-2-1-los!“ kommt, so wie im richtigen Theater auch, (oder wie machen die es dort?). Dann geht es los mit „Hallo!“ – „Hallo!“ oder auch „Kennen wir uns nicht?“
  • Szenen-Ende – Muss mit Armschranke dem Techniker bzw. dem Publikum angezeigt werden.
  • Tisch – Das, wo man andauernd durchläuft.
  • Vertrauen – Was dir deine Mitspieler nicht geben, dir aber verdammt noch mal zusteht.
  • Warm Up – Zwei Stunden intensives körperliches, geistiges, stimmliches und improvisatorisches Auspowern, ohne das selbst ein 10minütiger Auftritt garantiert daneben gehen wird.
  • Zug um Zug – klassische Impro-Regel, die zwei Improspielern das Recht gibt, einander andauernd zu unterbrechen.
  • Zugabe – 15minütige Trash-Szene, die gespielt werden muss, wenn der Applaus länger als fünf Sekunden andauert.
  • Zuhören – Das worüber der Improlehrer spricht, während du gerade dabei bist, dir einen schlauen Satz für die nächste Szene zu überlegen.
  • Zuschauerkritik – Steht den Zuschauern nicht zu, denn sie waren heute von vornherein schlecht drauf.
  • Zuschauerlob – Muss abgewehrt werden mit dem Satz: „Sonst sind wir besser.“

*Inspiriert von Jerry Schaefers „Devil’s Dictionary of Terminology for the Improvisational Theatre

Regeln

Manchmal sind Schüler irritiert von gewissen Regeln, wie „Sag ja!“ oder „Starte positiv!“
Tim Brown dazu: „Wir brauchen neue Regeln, um die alten Regeln zu brechen, die wir (unbewusst) mitbringen.“

284. Nacht

Sonnenschein. Ich sitze im Park mit meinem Laptop und designe unsere Workshopflyer. Neben mich setzt sich eine alte Frau, die einen Rollstuhl mit ihrem Mann schiebt. Ich habe ihn immer für einen Türken gehalten, aber sie spricht ihn auf Russisch an. Ich frage sie, ob sie aus Russland seien. Nein, aus Tadschikistan, lautet die Antwort auf Deutsch. Ich werde hellhörig. Ihr Akzent ist nicht typisch für Russen. Vielleicht deutschsprachige Minderheit, vielleicht sogar jiddischer Einschlag? Frage, wie sie denn nach Tadschikistan gekommen sei. Sie deutet auf ihren Mann, der habe im Afghanistankrieg gekämpft. Er stammelt auf Russisch, wie von einem Schlaganfall gelähmt. Berichtet von grauenhaften Kämpfen, seine emotionale Mimik wirkt wie ein Zitat einer fernen Erinnerung an ein Gefühl. Wie bei jemandem, der eine Geschichte immer und immer wieder auf dieselbe Art erzählt hat. Oder liegt es an der Lähmung, die ihn beschränkt. Seine Frau dolmetscht simultan. Ihre Aussprache wird durch das kaputte Gebiss verstümmelt, aber ihr Timing ist so perfekt, als habe sie das früher professionell gemacht. Wo sie denn herkomme, frage ich. Ukraine. Und, hake ich noch mal nach, warum Tadschikistan? Sie berichtet, dass sie in der Nähe von Dnepopetrowsk geboren sei, dann als kleines Mädchen im Krieg nach Polen geschickt, dann wieder von den Deutschen in die Ukraine, dann nach Deutschland…
"Und gutt. Bekamen wir zu essen. Wurden wir gefittert. Dann auf einmal nach Hause. Mutter gesagt: Ich kann nikt merr. Gutt. Alle zurick in Ukraine Kriwoi Rog. Dann auf einmal die Deutschen saggen: Alle nach Deitschland. Und ikh warr nur kleine Mädchen. Barfuß. Berlin. In Krieg. Bekamen wir zu essen. Wurden wir gefittert. Dann auf einmal nach Hause. Mutter gesagt: Ich kann nikt merr. Gutt. Alle zurick in Ukraine."
Nach drei Mal hin und her Ukraine/Deutschland, scheint klar zu sein: Sie hat sich in ihrer Geschichte verlaufen. Ich versuche zu helfen, ohne die Story anzuzweifeln: "Da ging es wohl viel hin und her, oder?"
"Ja, viel hin und her. Und dann sagen die Deitschen. Zurick Ukraine. Gutt. Wir in Garten gesessen. Mutter hat geweint. Dann nach Deitschland."
Sie kommt aus der Schleife nicht heraus. Ich versuche noch einmal: "Und dann mussten Sie nach Tadschikistan?" Aber sie bleibt in ihrem Ukraine/Deutschland-Pendel gefangen.

***

Nicht nur wäscht und füttert man den armen Abortreiniger, er darf sich neben die Schönheit setzen und mir ihr Wein trinken und mit ihr im Bett ruhen.

Dort legte sie sich nieder, und ich ruhte bei ihr bis zum Morgen; und so oft ich sie an meine Brust drückte, sog ich den Duft des Moschus und der anderen Wohlgerüche ein, und ich glaubte nicht anders, als dass ich im Paradiese wäre, oder dass ich schliefe und träumte.

Sie entlässt ihn am nächsten Morgen mit 50 Goldstücken. Für zwei Heller kauft er sich Brot und Zukost.

Die Übersetzung "Heller" scheint mir ziemlich ungeschickt. Denn der Heller – abgeleitet von Hall (dem heutigen Schwäbisch Hall) – war als Münze nur im süddeutschen Raum verbreitet: Deutschland, Österreich, Tschechoslowakei, Ungarn (Filler).

Den Rest vergräbt er. Eine Sklavin holt ihn am Abend, und das Spiel wiederholt sich nun acht Tage lang, bis ihr Gatte nach Hause kommt, und der Abortreiniger sich versteckt.

Ich erblickte einen jungen Man zu Ross, gleich dem Monde, der in der Nacht seiner Fülle aufgeht; eine Schar von Mamluken und Kriegern zu Fuß begleitete ihn.

Der junge Herr tritt auf die Dame zu, küsst den Boden vor ihr und ihre Hände, entschuldigt sich bei ihr, doch sie würdigt ihn keines Blickes.